Andreas Strittmatter bedankte sich 2007 beim schweizer Naziversand „blutschutz.ch“ für den erfolgreichen Versand des Pullovers „Motiv-Nr. NS006, Reichsadler mit Hakenkreuz“ zum Preis von 33 SFr mit einem selbstgedrehten Videoclip (MPG, 1.6 MB). In dem Video trägt er seinen neu erworbenen Hakenkreuzpullover und spielt auf einer Orgel das Weihnachtslied „Es ist für uns eine Zeit angekommen“. Strittmatter ist einer von vier festangestellten Redakteuren beim „Freiburger Stadtkurier“ und schrieb bereits für das „Offenburger Tageblatt“, die „Mittelbadische Presse“, den „Schwarzwälder Boten“ und die „Junge Freiheit“. Der „Stadtkurier“ ist Freiburgs rechte Umsonstzeitung mit Sitz in der Bismarckallee 8, direkt gegenüber des Freiburger Hauptbahnhofs. Neben dem „Freiburger Stadtkurier“ mit einer Auflage von wöchentlich 115.000 Exemplaren erscheint im gleichnamigen Verlag auch das „Amtsblatt“, die offizielle Zeitung der Stadt Freiburg.

Spätestens seit Mitte 2005 schreibt Andreas Strittmatter regelmäßig unter seinem Namen für die „Junge Freiheit“. Die Zeitung für den anspruchsvollen Faschisten wurde 1986 in Freiburg von Dieter Stein gegründet, der während seines Studiums Mitglied der in der „Deutschen Gildenschaft“ organisierten „Hochschulgilde Balmung zu Freiburg“ wurde. Steins Mitgliedschaft sowohl bei der „Jungen Union“ als auch bei den „Republikanern“ steht exemplarisch für die Scharnierfunktion der „Jungen Freiheit“ zwischen Konservatismus und Faschismus. Strittmatter schreibt überwiegend für das Feuilleton der Nazizeitung. Er rezensiert klassische Musik, Opern, Kunstausstellungen und Theaterstücke und versucht kulturelle mit politischen Themen zu verknüpfen. Sein regionaler Schwerpunkt liegt im Dreieckland Südbaden, Basel und Elsaß.

In einem Artikel über Waffenmagazine und die „weltstärksten Revolver“ outete sich Strittmatter als Waffenfetischist: „Natürlich kein ballistisches Leichtgewicht, schließlich handelt es sich bei der Poly 1550 um eine Kurzwaffe im saftigen Großkaliber .44 Magnum. Wem der Rückstoß beim Abfeuern einer solchen Waffe immer noch zu popelig ist, der kann sich auch an sogenannten ‚Freedom Arms‘-Revolvern probieren.“ Strittmatters Rezension des Waffenmagazins „caliber“ in der „Jungen Freiheit“ ist widerlich sexistisch: „Für alle, die Waffen nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit, sondern auch als Gegenstände technischer Ästhetik sehen, wartet die Zeitschrift (wie der Playboy, aber auch andere Waffenmagazine) mit einem Kleinposter zum Ausklammern auf — im Februar eine Remington-Büchse in Tarnfarben.“

Zu Strittmatters Themen in der „Jungen Freiheit“ gehört auch lokale und regionale Politik. Er hat die Grünen wegen des versuchten Verkaufs der Freiburger Stadtbau angegriffen und machte sich über die SPD und ihr schlechtes Abschneiden bei der baden-württembergischen Landtagswahl lustig. Auch polemisierte Strittmatter gegen nicht linientreue Kräfte in der Südwest-CDU wie den ehemaligen Sozialminister Andreas Renner. Als der „vormalige Oberbürgermeister der Bodenseestadt Singen die Schirmherrschaft für den Christopher Street Day (CSD) in der Landeshauptstadt“ übernahm, wiederholte Strittmatter genüsslich die Forderung rechter CDU-Kreise: „Der g’hört abg’schosse“. Renner hatte „bei einem Gespräch in der Fraktion dem anwesenden Rottenburger Bischof Gebhard Fürst“ nach dessen Kritik an der Übernahme der Schirmherrschaft geantwortet: „Halten Sie sich da raus und fangen Sie erst einmal selbst damit an, Kinder zu zeugen.“ Strittmatters Kommentar zum „homosexuellen Umzug“: Dort werde mit „viel nacktem Fleisch eine ‚gesellschaftspolitische Neuorientierung‘ zu anderen Ufern“ eingefordert.

Besondere Sympathie zeigt Strittmatter gegenüber Korporationen. Die „Badische Zeitung“ berichtete am 18. Mai 2005, dass „am 5. und 6. Mai farbentragende Corps-Studenten im besetzten Rektorat Nachwuchs rekrutieren wollten“ und „zweimal je sechs bis acht Korporierte im Plenum mit Bier und günstigem Wohnraum für ihre Burschenschaft geworben“ hätten. „Drei Mitglieder der KDStV Hohenstaufen“ hätten dann „in vollem Wichs Besetzer vor dem Gebäude mit Bierkrügen beworfen. Einer habe vergeblich versucht, seinen im ‚Duell‘ gebräuchlichen Säbel zu zücken. Besetzer hätten daraufhin die Burschen in die Flucht geschlagen“. Andreas Strittmatter hetzte einen Tag später im „Freiburger Stadtkurier“ gegen die Antifa Freiburg: „Vor allem extrem linken Geistern sind die Verbindungen, Burschenschaften und Corps ein Dorn im Auge. So werden diese seitens der radikalen Freiburger ‚Antifa‘ gerne in die Nähe (neo-)nationalsozialistischen Gedankenguts gerückt und als ‚rechts‘ bezeichnet.“

Mit der Bestellung des Hakenkreuzpullovers bei „blutschutz.ch“ wird Strittmatters (neo-)nationalsozialistisches Gedankengut offensichtlich. Der Naziversand warb mit dem Slogan „Blutschutz ...für eine reine Zukunft“. Er wurde von Patrick Fricker, Robert Walser und Flavia Plozza betrieben, bis er im April 2008 von Autonomen Antifas gehackt wurde: „Da nach diesem Vorfall das Vertrauen unserer Kundschaft stark verletzt wurde, werden wir in nächster Zeit unseren Weltnetzladen nicht wieder aufschalten.“ Zuvor hatte „blutschutz.ch“ zu einem Naziaufmarsch am 6. April 2008 in Näfels im schweizer Kanton Glarus aufgerufen. Insgesamt bestellten etwa 120 Personen auf „blutschutz.ch“, die vollständige Adressliste wurde nach dem Hack veröffentlicht. Strittmatters Mailadresse pronatione@aol.com findet sich nicht auf der Liste. In seiner Dankesmail schrieb er: „Ach ja, bitte nicht gerade dauerhaft speichern ... Danke!“

Autonome Antifa Freiburg


Der „Freiburger Stadtkurier“ hat Andreas Strittmatter am 12.12.2008 fristlos entlassen. Strittmatter hat die Echtheit des Videos bestätigt. Die Presse hat unser Communiqué aufgegriffen. Bleibt die Frage: Was wusste der „Stadtkurier“?