Der Wind weht von Walhalla

Von Nicola Pantera

Die „Partei National Orientierter Schweizer“ (PNOS) ist die wichtigste Nazipartei in der Deutschschweiz. Sie bestand im August 2007 nach Analyse der durch Antifas gehackten PNOS-Mails lediglich aus einem Dutzend aktiver Personen, die Mitgliederzahl betrug etwa 250 Personen. Im Kampf um die Parlamente ist die PNOS relativ erfolglos – anders als bei ihrem Bemühen subkulturelle Nazis zu organisieren.

Eidgenössischer Nationalsozialismus

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Michael-Vonäsch, PNOS-Kader und Nazischläger

Nach außen gibt sich die am 10. September 2000 gegründete und hauptsächlich im ländlichen Raum aktive PNOS bieder und seriös, doch der Schein trügt. Das Vorstrafenregister der PNOS-Kader spricht eine deutliche Sprache. Der Chef der Willisauer Sektion, Michael Vonäsch, wurde 2006 vom Amtsstatthalteramt Willisau zu sechs Wochen Gefängnis auf Bewährung verurteilt, da er als Teil einer faschistischen Schlägertruppe im Mai 2004 mit Krawallen eine Demonstration gegen Rassismus verhindert hatte.

Auch die wenigen kommunalen Abgeordneten der PNOS sind einschlägig vorbestraft. In Langenthal BE wurde am 24.10.2004 der wegen Landfriedensbruch verurteilte Tobias Hirschi für die PNOS in den Stadtrat gewählt. Sein Nachfolger, Timotheus Winzenried, konnte den Sitz bei der Kommunalwahl am 26.10.2008 verteidigen. Dominic Bannholzer wurde am 24.04.2005 in den Gemeinderat von Günsberg SO gewählt. Bannholzer wurde wie praktisch die gesamte PNOS-Führungsriege wegen des an das 25-Punkte-Programm der NSDAP angelehnte 20-Punkte-Programm der PNOS vom Bezirksamt Aarau 2007 wie bereits 2005 wegen Rassendiskriminierung verurteilt.

Der Kampf um die Straße

Die PNOS war an den wichtigsten Naziaufmärschen in der Deutschschweiz der letzten Zeit beteiligt. Am 13. Oktober 2007 kamen 100 Nazis zu dem von der PNOS und „Blood & Honour“ organisierten Naziaufmarsch in Appenzell AI. Am 1. Mai 2008 marschierten dann bereits 150 Nazis unter den Fahnen der PNOS durch die Straßen von Fribourg FR. An dem von der PNOS organisierten Naziblock bei der Schlachtenfeier von Sempach LU am 28. Juni beteiligten sich 241 Nazis. Ihre Portraitfotos wurden anschließend auf Indymedia veröffentlicht und erzeugten ein großes Medienecho. Am 3. August versammelten sich anlässlich des schweizer Nationalfeiertags auf dem Rütli UR über 300 Nazis unter der Regie der PNOS.

Der lange Marsch nach Rechts

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Mario Friso, PNOS-Kader und „Autonomer Nationalist“

Ein Jahr nachdem der kürzlich geschasste Ex-SVP-Bundesrat Samuel Schmid bei der Rütli-Feier von der PNOS öffentlichkeitswirksam ausgepfiffen wurde, gab die Nazipartei am 1. August 2006 die Gründung einer Sektion Berner Oberland bekannt. Ihr erster Vorsitzender wurde Mario Friso aus Spiez, der auch unter dem kollektiven Pseudonym „Renato Bachmann“ als Pressesprecher der Nazipartei auftritt.

Mario Friso kann bei der Organisation von Demonstration auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken. Im Jahr 2000 war er an der Organisation einer antifaschistischen Demonstration in Bern beteiligt. Kurz darauf hinterließ er „Der Wind weht von Walhalla“ an der Wand des Autonomen Jugendzentrums „Subito“ in Bern. Im April 2001 verübten Nazis einen Brandanschlag auf das AJZ, was die Stadt als Vorwand zur Schließung des „Subito“ nutzte.

Kontakte nach Deutschland

Im September 2006 veröffentlichen Antifas die privaten Mails von Mario Friso und von der mittlerweile abgeschalteten Naziseite „bundoberland.info“, für die Friso verantwortlich war. Der „Bund Oberland“ trat neben der Internetpräsenz mit Versandhandel auch durch faschistische Flugblätter und einer schweizer Variante der „Schulhof-CD“ in die Öffentlichkeit. Durch den Hack wurden Frisos Kontakte zur Nazirockszene, insbesondere zu den „Hammerskins“ und „Blood and Honour“, aber auch zu deutschen Kameradschaftsaktivisten wie dem Thüringer Thomas Gerlach öffentlich.

Auch zu den in der NPD organisierten „Autonomen Nationalisten“ am Bodensee hat der um Querfrontpolitik bemühte Friso enge Kontakte: Im Impressum der Naziseite „Freier Beobachter Bodensee“ war Mario Friso als ViSdP aufgeführt. Mittlerweile betreibt Friso unter dem Namen „Nationaler Beobachter Berner Oberland“ eine Webseite, die jedoch weniger als Vernetzungsforum denn als Propagandaplattform dient. Mit rassistischen Texten zur Miss Schweiz-Wahl und zum SP-Nationalrat Ricardo Lumengo erreichte Friso 2008 eine schweizweite Öffentlichkeit.

Helvetischer Rechtsrock

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Marc Weiersmüller, Bassist der Naziband „Amok“

Seit 2008 ist Mario Friso an einer Livebesetzung der 1989 in Schleswig Holstein gegründeten Naziband „Kraftschlag“ beteiligt, zu der auch die Gebrüder Rohrbach der schweizer Naziband „Indiziert“ aus Burgdorf BE gehören. „Indiziert“ trat am 2. August zusammen mit der Naziband „Amok“ des 21jährigen Sängers Kevin Gutmann aus Hombrechtikon ZH, des 27jährigen Bassisten Marc Weiersmüller aus Zetzwil AG, des 25jährigen Schlagzeugers Nathanael Fischer aus Wolfhausen ZH und des 23jährigen Gitarristen Thomas Mächler aus Siebnen SZ auf einem Konzert in Bern-Bümpliz auf — zeitgleich zum Antifa Festival in der „Reitschule“, Berns Autonomen Zentrum. Ein Jahr zuvor verübten Nazis einen Brandbombenanschlag auf das Antifa Festival bei dem es nur durch Glück keine Toten gab. Die PNOS schrieb anschließend, dass die „Antifa mit dem Prinzip ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘ Bekanntschaft“ gemacht habe.

Sein Geld verdient Mario Friso als Koch im Berner Ryfflihof der zweitgrößten schweizer Einzelhandelskette COOP. Und als Luftwaffenoffizier in der Luftwaffenübermittlungseinheit „LW UEM KP 55“. Sowohl die schweizer Armee als auch COOP ignorierten Frisos Naziaktivitäten: „Solange politische Aktivitäten eines Mitarbeiters das Arbeitsverhältnis mit COOP nicht tangieren und negativ beeinträchtigen, sind diese seine Privatsache und gehen uns nichts an“.


Der Artikel erschien in Der Rechte Rand, Nummer 116, Januar/Februar 2009. Weitere Artikel desselben Autors erschienen unter dem Titel „Deutsch-französische Kameradschaft“ in Der Rechte Rand, Nummer 109, November/Dezember 2007 und am 30.03.2005 unter dem Titel „Breites Bündnis gegen Neonazizentrum“ in der Tageszeitung junge Welt.