Nach einer zweijährige antifaschistischen Kampagne hat sich der NPD-Kreisvorstand Freiburg-Südlicher Oberrhein am 09.07.2009 aufgelöst. Erkenntnisse über die Nazis wurden mittels klassischer Recherchearbeit, Social Engineering-Angriffen und einer produktiven Kooperation mit der Datenantifa gesammelt. Anschließend folgten Outings durch Communiqués, Flugblätter, Plakate und Graffitis an Wohnorten und Arbeitsstellen der Nazis, sowie gezielte Pressearbeit. Die Kampagne gipfelte am 25.06.2009 im Outing des NPD-Kreisvorsitzenden John Bürgel.

Der NPD-Kreisvorsitzende sah sich vor die Wahl gestellt „den aufgezwungenen schmutzigen Kampf anzunehmen“ und „Anti-Antifastrategien“ anzuwenden oder „seine Tätigkeit einzustellen“. Der nach eigenen Angaben seit über 20 Jahren als „Parteisoldat der NPD“ tätige Bürgel entschied sich „aus der regionalen politischen Szene“ abzutreten und veröffentlichte eine politische Kapitulationserklärung auf suedlicher-oberrhein.npd.de. Diese Erklärung wurde am 12.07.2009 samt Outing auf der Naziplattform altermedia.info gespiegelt und von vielen Nazis vernichtend kommentiert.

Das sich in einem „desolaten Zustand“ befindliche „Weichei“, der „Jammerlappen“, „Defätist“ und „feige Schlappschwanz“ habe auf eine „weinerliche Weise, die selbst die an Peinlichkeiten gewiß nicht arme Geschichte der NPD in jeder Hinsicht“ übertreffe im „linksschwulen, hedonistischen Spießerkaff“ Freiburg „öffentlich die weiße Fahne“ gehisst. „Früher, in den bessseren Zeiten“ habe man so etwas „Feigheit vor dem Feind“ genannt und „im Krieg würde das ‚Kopf ab‘ bedeuten…“ wurde Bürgel unverhohlen von seinen Kameraden bedroht. Andere Nazis forderten als Reaktion auf Bürgels Outing Terror gegen „exponierte Linke oder ‚Holocaustüberlebende‘ die man sich als Reaktion auf Antifa-Übergriffe mal dezent zur Brust nehmen“ solle.

„Die Zerstörung der offenen Freiburger Strukuren“ sei Bürgels „Verdienst“ und werde „als ‚geschichtliches‘ Element für den Freiburger Raum immer wieder bestehen bleiben, ebenso wie sein Name“. Dem baden-württembergischen Landesverband und insbesondere dem „gescheiterten Posträuber“ und „inhaltlich Verantwortlichen“ Alexander Neidlein sowie dem NPD-Landesvorsitzenden Jürgen Schützinger wurde eine Mitschuld an Bürgels „Dokument seltendämlicher Selbstdemontage“ gegeben und ihnen wurde, sollten sie „einmal nüchtern sein“, empfohlen, „eine physische Auseinandersetzung im Nest des ‚Königs‘ zu suchen“.

Als Reaktion schaltete der NPD-Landesverband am 13.07.2009 die Domain des Freiburger Kreisverbandes offline und veröffentlichte seinerseits eine Erklärung. Bürgel habe sich „aus rein familiären Gründen aus dem Kampf um ein besseres Deutschland zurückgezogen“, lediglich die „Form der ‚Erklärung‘ wird als unverhältnismäßig gerügt, weil der antideutsche Feind von Seiten der NPD keine besondere Aufmerksamkeit bekommen sollte“. Es seien sowieso „bereits mehrere Umstrukturierungen im Kreisverband“ geplant gewesen, um bei der Landtagswahl 2011 „im gesamten ‚Ländle‘ auf dem Stimmzettel“ zu stehen. Weiter werden alle „volkstreuen Deutschen“ aufgefordert „sich der gemeinsamen ‚Sache‘ unter der Fahne der NPD anzuschließen“.

Zwar hat John Marlon Bürgel seine Parteiämter aufgegeben, er plant jedoch mitnichten einen Rückzug ins bürgerliche Herdermer Alltagsleben mit Sparbuch, Versicherungen, Aktienbeständen und einem kürzlich fällig gewordenen Bausparvertrag über 20.451 Euro bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Er ist weiterhin aktiv in der vermeintlich anonymen Öffentlichkeit der „germanischen Weltnetzgemeinschaft“ thiazi.net — dem größten deutschsprachigen Naziforum. Dort schreibt Bürgel seit dem 21.10.2007 unter dem Pseudonym „Battleaxe“ durchschnittlich 2,04 Beiträge pro Tag, die alle mit der Signatur „BRD-System abschalten“ und „Ich kann das Wort ‚Holocaust‘ nicht mehr hören!“ enden. Bislang hat er insgesamt 1290 nationalsozialistische Kommentare verfasst, wofür dem regelmäßig zahlenden „fördernden Thiazi-Mitglied“ und „Freund der Germanen” der „Orden für ‚langen Atem‘ und Durchhaltevermögen“ verliehen wurde.

Bürgel lässt sich in dem Naziforum nicht nur über den „üppigen Busen“ seiner Frau Bettina aus, zu dem er ein „extrem intensives Verhältnis“ habe, veröffentlicht Fotos seiner kleinen Tochter „beim Gedicht aufsagen an Weihnachten“, bekommt emotionale Unterstützung, Anerkennung und pflegt ein soziales Netzwerk, sondern verbreitet aktiv sein nationalsozialistisches Gedankengut. Bürgel nutzt Alltagssituationen wie die Begegnung mit einer „Frau mit ihrem behinderten, mongoloiden Sohn“ während eines Restaurantbesuchs mit seiner Familie, um gegen das „schon rein äußerlich sehr unappettlich“ aussehende Kind zu hetzen, das „starken Brechreiz“ bei ihm auslöse.

Während Bürgel in der Kriegsführung gegenüber „verwandten indogermanischen Völkern“ noch „(wenn möglich) gewisse völkerrechtliche und moralische Normen“ befürwortet, habe er „gegenüber allen farbigen Völkern, egal ob ost- oder vorderasiatischer, schwarzer oder indianischer Herkunft“, die er „am liebsten unter europäischer Kolonialherrschaft“ sähe, „keinerlei moralische Bedenken, daß evtl. ein totaler, in jeder Hinsicht rücksichtsloser Krieg geführt“ werde. Zur Frage der „Grenzen der Rassenschande“ kennt Bürgel kein Erbarmen für „deutsche, oder weiße Frauen allgemein“, die „sich mit Fremdrassigen einlassen“: „Die sollen (heilsame) Prügel von ihrem Neger oder sonstwas beziehen, bis sie nach Gott schreien. Das sehe ich nur mit unverhohlener Schadenfreude zu! In diesem Falle finde ich es in der Tat bedauerlich, daß auch solche Rasseverräterinnen unter dem Schutz des Gesetzes stehn.“

Bürgels Rassismus ist nur schwer zu ertragen, wenn er beispielsweise über seine Arbeit in einem Betrieb schreibt, „in dem viele Neger als Reinigungskräfte angestellt“ seien. Der „Geruch der Schwarzen“ sei „manchesmal so unerträglich“, daß es ihm „übel“ werde. Für ihn sei das der „typische Geruch der Rasse“: „Der Geruch, nein ich muß von Gestank sprechen, ist schwer zu beschreiben, er hat etwas beißendes, auch leicht süßliches.“ Zynisch beschreibt „Battleaxe“ seine Vernichtungsphantasien: „Da ich kürzlich einen Film über die Todesstrafe sah und dabei dieses Thema angedeutet wurde, frage ich mich, ob der verschmorte Brandgeruch bei der Hinrichtung eines Negers auf dem elektrischen Stuhl penetranter ist als bei einem Weißen, und ob es in der Zeit der Rassentrennung für Schwarze einen separaten elektrischen Struhl gegeben hat?“

Wenig verwunderlich stimmt John Bürgel in der Umfrage „Wer sind Eure Lieblings-Obernazis (nach Hitler)?“ im Naziforum „nachdrücklich für Dr. Robert Ley“, einen der 24 im Nürnberger Prozess als Hauptkriegsverbrecher angeklagten Nationalsozialisten. Und „Wer ist der Hauptfeind?“ beantwortet Bürgel als stereotyper Antisemit mit: „Das liberalistisch-kapitalistische Zentrum an der Ostküste der USA.“ Einer unter dem Pseudonym „Amazone“ schreibenden Faschistin, die ebenfalls geoutet wurde und sich nun bedroht fühlt, gibt Bürgel noch am 11.07.2009 den Ratschlag: „Verhalte dich vorsichtig, aber ganz ruhig und ohne hektische Reaktionen. In den meisten Fällen beruhigt sich eine solche Situation wieder innerhalb einiger Wochen. Das Gedächtnis der Leute um solche ‚Skandale‘ läßt allgemein schnell nach. Je nach örtlicher Polizei, kann man durchaus auch auf deren Hilfe zählen, gegebenenfalls Anzeige erstatten und bei akuten Bedrohungssituationen dort Hilfe holen. Viel Glück!“

Die NPD kündigte bereits auf ihrem Landesparteitag 2006 die Umstrukturierungen zur Landtagswahl 2011 an. Die Kommunalwahl 2009 sollte als „Sprungbrett für die Landtagswahl“ genutzt werden, was zumindest in Freiburg kläglich scheiterte. Wir werden wie den letzten auch den kommenden Landtagswahlkampf der NPD und alle Wiederaufbauversuche von NPD-Strukturen in Freiburg und Umgebung aktiv sabotieren.

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