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Südbadische Nazis planten Bombenanschlag

Communiqué vom 27.08.2009

Der Lörracher Stützpunktleiter der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN), Thomas Baumann, hat alle für den Bau mehrerer hochgefährlicher Bomben notwendigen Chemikalien beschafft und ist zudem mit Messern und scharfen Schusswaffen bewaffnet. Baumann hat bereits das Autonome Zentrum KTS Freiburg als mögliches Anschlagsziel ausgekundschaftet. Am 26.08.2009 durchsuchte die Polizei die Wohnung des Nazis, beschlagnahmte Beweismittel und nahm Baumann fest.

Thomas Baumann erhielt tatkräftige Unterstützung vom Lörracher NPD-Chef Christoph Bauer aus Grenzach-Wyhlen und dem selbsternannten Kameradschaftsführer Thorsten Ziethen aus Bad Krozingen. Er pflegt unter anderem Kontakte zum JN-Landesvorstand um Lars Gold und Alexander Neidlein, dem NPD-Ideologen Jürgen Schwab aus Bayern, dem Nazi-Propagandisten Wolfgang Grunwald aus Ballrechten-Dottingen und dem ehemaligen NPD-Kreisvorsitzenden John Bürgel aus Freiburg, sowie zu Michael Haldimann aus Burgdorf von der „Partei National Orientierter Schweizer“. Baumann ist eine Schlüsselfigur in der Südbadener Naziszene um Markus Walter aus Weil am Rhein, Dorian Schubert aus Grenzach-Wyhlen, Max Höckendorff aus Laufenburg, Kevin Hornig aus Rheinfelden, Tobias Klormann aus Grenzach-Wyhlen und Julien Lagarde aus Lörrach, der zur Zeit als Marinesoldat in Eckernförde stationiert ist.

Der 22-jährige Thomas Horst Baumann wohnt bei seinen Eltern in der Wollbacher Straße 14 in Weil am Rhein und macht zur Zeit eine Ausbildung als Altenpfleger im St. Fridolin Pflegeheim in Lörrach-Stetten, „wo Pflege mit Herz und Kompetenz zu Hause ist“. Auf Naziaufmärschen tritt er als Mitglied des „Nationalen Sanitätsdienstes“ auf, dem „Braunen Kreuz“ der NPD. Baumann war Zeitsoldat bei den Krisenreaktionskräften der Bundeswehr, macht Kampfsport und bereitet sich mit Survivalprodukten auf Guerillakampf und Weltuntergang vor. Er ist polizeilich mehrmals einschlägig aufgefallen, auch wenn das Gerichtsverfahren, das stattfand nachdem er „nem Polacken weh getan hat“, gegen „ne zahlung von ca 200 Teuro“ eingestellt wurde.

Thomas Baumann war Mitglied im „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ und ist Gruppenführer der Kameradschaft „Freie Kräfte Lörrach“. Er arbeitet politisch mit Markus Walter und Dorian Schubert vom „Aktionsbündnis Südbaden“ zusammen, dessen Website vom „Netzradio Germania“-Betreiber Stefan Schreiber aus Donaueschingen gehostet wird. Die illegalen Inhalte der Südbadener Nazis provozierten am 16.07.2009 eine Razzia beim Naziradio und beim Mailprovider GMX.

Anschließend wurde das „Aktionsbündnis Südbaden“ in „Aktionsbüro Dreiländereck“ umbenannt und nach Antifaaktivitäten am 24.08.2009 für aufgelöst erklärt. Beim „Netzradio Germania“ sind auch Thorsten Ziethen alias „Bruno Kotschefski“ und seine Freundin Marina Strauss alias „Marina Kotschefski“ aktiv, die zusammen in der Belchenstrasse 38 in Bad Krozingen wohnen. Thorsten Ziethen und Thomas Baumann wiederum verbindet mehr als ihre faschistische Ideologie: Beide haben einen Hang zum Narzissmus, beide leiden unter Selbstüberschätzung und beide versuchen dilettantisch linke Infrastruktur auszuspionieren.

Allgemein hat Anti-Antifa-Arbeit bei den Nazis in Südbaden einen hohen Stellenwert. So prahlt etwa Max Höckendorff als „ANhochrhein“ im Forum des „Freien Beobachter Bodensee“ nach Ziethens Outing mit seinen Recherchen: „wenn jemand noch mehr infos will oder antifa adressen weil er grad seine wut raus lassen will dann per PN melden ;-)“. Seine Kameraden warnt Baumann vor der Antifa, „den die Zecken pennen nicht (siehe John Bürgel aus Freiburg) der wurde übelst heftig geoutet und das meiner Meinung nach zum größten teil aus Unvorsichtigkeit.“

Baumann liefert geflissentlich Protokolle über die bescheidenen Aktivitäten aller vier Mitglieder seines am 13.06.2009 gegründeten JN-Stützpunktes mit einem Kassenstand von 43,20 Euro bei seinem Chef und terroristischen Vorbild Alexander Neidlein ab. Allerdings sind beide nicht gerade mit IT-Kenntnissen gesegnet. Resigniert schreibt Baumann an Neidlein, der Baumanns Protokolle im OpenOffice-Format zuvor nicht öffnen konnte: „Ich versuche jetzt schon seid 2 Stunden dieses Juden-Office runterzuladen aber ohne Erfolg. Ich drucke den Bericht aus und bringe ihn mit bzw. auch noch Elektronisch gespeichert auf Datenzäpfchen.“

Vor seiner Parteikarriere in der JN war Baumann Skinhead und lernte auf einem NPD-Grillfest in Lörrach Wolfgang Grunwald kennen. Baumann schrieb im Juni 2009 im Naziforum thiazi.net als „Julius Evola“ eine RSA-verschlüsselte persönliche Nachricht an „Wolfgang Reinhard“ Grunwald: „Ich war der (damals noch) Skinhead der aufs Auge bekommen hat. Naja. Ich habe mich Charakterlich und politisch-weltanschaulich weiterentwickelt. Die Assozialen nicht. Mittlerweile bin ich Mitglied der JN und ab nächste Woche als Stützpunktleiter auch Mitglied des hiesigen Landesvorstandes.“

Das thiazi.net nutzt er auch zu Recherchen über „Völkische Frisuren“, die er sich folgendermaßen vorstellt: „Nacken rassiert, Ohren rassiert, in der Mitte Haare damit ich sie zum Scheitel kämmen kann“, zur Suche nach Büchern wie „Der Internationale Jude“ und „Mosaistisch Jüdischer Imperialismus (3000 Jahre hebräischer Schleichwege zur Weltherrschaft)“, sowie zu Fachsimpeleien über Schusswaffen – insbesondere über seine am 28.02.2009 bei Atlatus in Lörrach gekaufte 15-schüssige 9mm Parabellum Pistole CZ-75 Kadet.

Unklar bleibt Baumanns Bestellung eines „Phantom Totalbody M“ für 89,95 Euro bei adultshop.de. Beworben als „Geile Zweithaut von Kopf bis Fuß! Für SIE und IHN: Schwarzer Ganzkörperanzug mit Kopfmaske, Händen und Füßen. Keine Öffnungen, nur Reißverschluss hinten!“ könnte das delikate Kleidungsstück neben seiner offensichtliche Verwendung als Sexspielzeug auch für einen Bombenanschlag verwendet werden, bei dem der Täter keine DNA-Spuren hinterlassen will.

Könnten Baumanns Buchkäufe „Schwarzpulver für Survival“, „Schwarzpulver und Sprengsalpeter“, „Chemische Kampfstoffe – Giftgase“, sowie „Nitroglyzerin und Dynamit“ noch als typischer Waffenfetischismus eines Provinznazis abgetan werden, deuten die bestellten Anzündlitzen, der elektrische Anzünder, die ferngesteuerte Zündanlage, die digitale Waage und die Chemiehandschuhe auf mehr als theoretisches Interesse hin. Der Beweis dafür, dass Baumann tatsächlich beabsichtigt Bomben zu bauen, ist die Liste der von ihm übers Internet in großen Mengen gekauften Chemikalien.

Hilfe bei der Beschaffung weiterer Explosivstoffe bekam der JN-Chef Baumann über einen Zeitraum von anderthalb Jahren vom Lörracher NPD-Chef Bauer. Bereits zu Beginn von Baumanns Experimenten wurde durch unser Communiqué vom 18.03.2008 eine Bestellung mehrerer Kilogramm Kaliumnitrat durch den Chemikersohn Bauer bekannt. Dieser gab Baumann nicht nur Einkaufsratschläge, sondern besorgte ihm auch selbst einen Teil der Chemikalien, wie durch eine Mail an Baumann vom 21.06.2009 klar wird: „Du hast noch Chemikalien im Wert von ca. 76.- Eur. bei mir, die du über mich bestellt hast.“

Baumanns mehr als drei Kilogramm Calciumkarbid können schon mit ein wenig Wasser zur Explosion gebracht werden. Aus den von Baumann bestellten zwei Kilogramm Salpetersäure und den zwei Kilogramm hochkonzentrierter Schwefelsäure kann er Nitriersäure herstellen, die er beispielsweise mit Watte zu Cellulosenitrat (Schießbaumwolle), mit problemlos erhältlichem Glycerin zu Nitroglycerin und mit Toluol zu Trinitrotoluol (TNT) verarbeiten kann.

Weiter hat sich Baumann drei Kilogramm hochkonzentrierte Wasserstoffperoxidlösung gekauft. Mit der Schwefelsäure und Aceton, das es in jedem Baumarkt zu kaufen gibt, lässt sich daraus Acetonperoxid herstellen. Diesen als Triacetat-Triperoxid (TATP) bekannten Stoff wollte bereits der „Schuhbomber“ Richard Colvin Reid 2001 für ein Attentat auf einen Flug von Paris nach Miami verwenden. 2006 sollte der hochexplosive Flüssigsprengstoff für Anschläge auf zehn Flüge von London in die USA genutzt werden. Die „Sauerlandgruppe“ wollte die gleiche 35%ige Wasserstoffperoxid-Lösung für ihre Anschläge verwenden.

Aus Baumanns zehn Kilogramm Kalkammonsalpeter lässt sich sehr leicht Ammoniumnitrat gewinnen, woraus mit der Schwefelsäure wiederum Nitriersäure hergestellt werden kann. Baumann kann das Ammoniumnitrat in Kombination mit seinen zwei Litern hochkonzentrierten Nitromethan auch zur Herstellung jenes hochexplosiven Stoffes ANNM verwenden, den der US-amerikanische Rassist Timothy McVeigh am 19.04.1995 bei seinem Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City verwendete, bei dem 168 Menschen starben.

Timothy McVeigh wird ähnlich wie Rudolf Heß von deutschen Nazis verehrt. Erst am 17.08.2009 feierten die Nazis um Thomas Baumann in Lörrach den Stellvertreter Hitlers an seinem Todestag. Heß wie McVeigh zeigten beide nach der Verkündung ihrer Urteile kein Mitleid mit ihren Opfern und beide stilisierten sich zu unbeugsamen Märtyrern: McVeigh zitierte im „Final Statement“ vor seiner Hinrichtung Henleys Gedicht „Invictus“ („Unbesiegt“), Heß verkündete vor dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg: „Ich bereue nichts!“

Momentan versuchen die Nazis in Südbaden sich in der bisher nicht als Nazihochburg bekannten Region zu etablieren. Die meist männlichen, jungen Nazis organisieren sich vor Ort in faschistischen Gruppen und der NPD, sind im Internet aktiv, besuchen Nazikonzerte, fahren weite Strecken zu Aufmärschen, führen ideologische Schulungen durch und vernetzen sich regional, überregional und international. Dass sie auch Bomben bauen ist keineswegs überraschend, denn das Ziel der Nazis ist die Vernichtung ihrer politischen und ideologischen Feinde.

Nazis ain’t got no humanity. They need to be destroyed.

Autonome Antifa Freiburg


Communiqué und Fotos auf Indymedia linksunten


Dossier zur organisierten Naziszene in Lörrach: Blog | Indy

27.08.2009 - Druckversion dieses Artikels Druckversion