Die Nazikameradschaft „Stallhaus Germania“ alias „Furor Teutonicus“ plant anlässlich ihres 10-jährigen Bestehens am 22.05.2010 ein Open Air-Konzert mit mehreren Nazibands auf einem Grundstück bei Mühlacker, 30 Kilometer westlich von Stuttgart. Thorsten Glass von „Stallhaus Germania“ erhielt bisher Zusagen der „Blood&Honour“-Band „Faustrecht“, der Naziskinband „Angry Boot Boys“ und der lokalen Naziband „Devil’s Project“.

Thorsten88 und der blonde Engel

Das geplante Pfingstkonzert wird organisiert von Thorsten Glass, Einsteinstraße 23, 74372 Sersheim, Landkreis Ludwigsburg, Telefon: 07042/376749, Handy: 0160/95190193. Glass wurde am 23.01.1979 in Bayern geboren und besuchte von 1989 bis 1995 die Mörike-Realschule in Mühlacker. Seine beiden Kinder im Grundschulalter aus einer früheren Beziehung sieht er jedes zweite Wochenende. Er lebt im Moment zusammen mit seiner Freundin Manuela Weik, ihrem gemeinsamen Kleinkind und Katze Nemo. Familie Glass fährt einen Renault Megane Scenic, Baujahr 1999.

Manuela Weik, ehemals Ahndorf, hat am 13.06. Geburtstag und nutzt die Mailadressen boeserengel@gmx.net, heissesteufelchen@vorsicht-scharf.de sowie bis Anfang 2009 ahndorf.m@diakonie-wuerttemberg.de. Thorsten Glass heißt bei eBay „schwaben1488“, bei YouTube „14thorsten79“ und seine Accounts bei Amazon und Paypal laufen über die Mailadresse thorstenglass@yahoo.de.

Seine yahoo-Mailadresse nutzt Glass für Verabredungen mit seinen Eltern, zum Tauschen von Pornobildern und für Beziehungsstreit mit „Manu“: „Mir kommt es vor, dass Du Dein Ziel erreicht hast und schwanger bist und wenn ich nicht das mach wie Du es willst, kann ich bleiben wo der Pfeffer wächst. Und vertrauen tust mir ja sowieso schon lange nicht mehr.“ Auch aus Weiks Sicht „klappt mit Famileie nicht so wie wir uns das denken“, denn sie findet es „net grad toll wenn Du nach wirklich schlanken Frauen guckst und dann steh ich neben Dir. Vor allem sind es eben wirklich nur schlanke junge Frauen. hab das jetzt ne ganze Weile beobachtet. deshalb will ich untet anderem auch nciht mehr schwimmen.“

Faschistische Freizeitgestaltung

Weiks Pseudonym im Naziforum thiazi.net ist „BlonderEngel“, Glass nennt sich dort „OdinWotanundThor“ und ruft zu Gewalt gegen Linke auf: „Als die Antifanten gg das KC Konzert demonstrieren wollten, bekamen sie ne schöne Abreibung, he he. Wir müssen uns auf denen Ihren Demos genauso benehmen wie sie bei uns nur noch viel härter!!!! Als erstes müssen wir uns von diesem Gesindel befreien, mit Mitteln aller Art....“

Thorsten Glass reist zu bundesweiten Nazi-Events wie dem NPD-Festival „Rock für Deutschland“ in Gera 2009 oder dem gescheiterten Naziaufmarsch in Dresden 2010. Zwar ist er ein gealterter Naziskinhead, „aber Flugblätter usw hab ich für die NPD verteilt und sie natürlich auch gewählt.“ Thorsten Glass ist Fan des VfB Stuttgart und schrieb im Nazimusik-Tauschforum vae-victis.org als Moderator „Thorsten88“: „Bei uns gibt es leider jetzt auch viele zu viele Linke, fast die ganze Ultraszene. Haben auch Neger und sonstiges Gesocks dabei. Auch sind wir, neben Berlin, der einzigste Verein mit nem Schwulenfanclub. Na ja aber bald wird aufgeräumt.“

Vom Stallhaus zur Krone

Über das RSA-verschlüsselte PN-System von thiazi.net hat Glass Kontakt zu Rainer Schulz, Hauptstraße 40, 74391 Erligheim, Landkreis Ludwigsburg, Telefon: 07143/964889, Fax: 07143/272338, Handy: 0171/7803925, ICQ: 10908445, eBay: rainer-0815, Kwick: rainer-0815, Konto 102870295, BLZ 60090800, Sparda-Bank Stuttgart, Geburtstag: 09.05.1973. Schulz ist begeisterter Motorradfahrer einer Suzuki GSXR1300, Baujahr 1999, und nennt sich im Forum streetfighters-sued.de „SVburner“.

Rainer Schulz ist Mitglied der Ludwigsburger „Crew 38“ und nennt sich in thiazi.net „Division_KRONE“. Die „38“ steht für den 3. und 8. Buchstaben des Alphabets und ist ein Code für „Crossed Hammers“, dem Symbol der „Hammerskin Nation“. „Crew 38“ bezeichnet das internationale Gefangenenhilfe-Netzwerk der „Hammerskins“. Der Name „Division_KRONE“ wurde von Schulz in Anlehnung an die Gaststätte „Zur Krone“ gewählt, dem Treffpunkt der Ludwigsburger „Hammerskins“. In der von Jochen Thrams betriebenen Gaststätte in der Steinheimer Straße 1, 71642 Ludwigsburg-Poppenweiler traf sich Thorsten Glass am 05.01.2010 mit „den Jungs mit dem Hammer“.

Ein Hammerskin im Regierungspräsidium

Rainer Schulz lud Thorsten Glass zu einem Nazikonzert am 21.11.2009 in Villingen ein, bei welchem auch die für das Pfingstkonzert vorgesehene schwäbische Naziband „Devil’s Project“ spielte. Das Konzert fand im „Gasthof zur Bertholdshöhe“, Wieselsbergstraße 19, 78048 Villingen-Schwenningen, im braunen Schwarzwald-Baar-Kreis statt. In der gleichen Gaststätte organisierte der NPD-Landesvorsitzende Jürgen Schützinger am 19.11.2006 den Landesparteitag der NPD.

Glass fuhr zwar nicht mit zu dem Konzert in Villingen, fragte aber Schulz im Gegenzug: „Wie siehts bei Euch mit Demos aus? Geht Ihr als auf sowas?“ Doch der KFZ-Mechaniker Rainer Schulz hat Angst um seine Arbeitsstelle als technischer Angestellter beim Regierungspräsidium Stuttgart: „Auf Demos kann ich nicht gehen... ich arbeite beim Staat, die anderen gehen öfters.“ Sein Wunsch nach Anonymität ist auch der Grund für seine Beschwerde auf thiazi.net, dass beim „Hammerfest“ am 20.06.2009 im lothringischen Meurthe-et-Moselle fotografiert wurde, als er neben der Bühne stand.

Das Stallhaus des Fliesenlegers

Das Vereinsheim der im März 2000 gegründeten Nazikameradschaft „Stallhaus Germania“ befindet sich auf dem Gelände des Fliesenlegerbetriebs von Markus Ramthun in der Mühlackerstrasse 77, 75417 Mühlacker-Lomersheim. Ramthun‎ ist aktives Mitglied von „Stallhaus Germania“, wohnt im Burgweg 13, 75417 Mühlacker‎-Lomersheim und beschäftigt weitere Mitglieder der Nazikameradschaft in seinem Betrieb. Aufträge erhält das Naziunternehmen nach eigenen Angaben unter anderem von der Grund Wohnbau GmbH, Max-Eyth-Straße 2, 75443 Ötisheim.

Aus der Antwort des baden-württembergischen Innenministeriums auf die kleine Anfrage 14/4181 vom 12.03.2009 geht hervor, dass „Stallhaus Germania“ damals „rund 20 Mitglieder“ hatte. Zwar beteiligen sich Mitglieder von „Stallhaus Germania“ immer wieder an regionalen und überregionalen Naziaufmärschen und an Dorfaktivitäten, der Schwerpunkt der Kameradschaft liegt jedoch in der Organisation von Saufgelagen und Naziskin-Konzerten.

Nazikonzert auf der grünen Wiese

Zur Organisation der Nazikonzerte nutzt Glass die Mailadresse thor88sten@gmx.de und seinen MySpace-Account „Thorsten Schwabe“. Über das von ihm am 10.10.2009 organisierte „Stallhaus Germania“-Konzert schrieb er rückblickend: „Schlechtestes Konzert 2009: unser eigenes... Leider nur eine Band und irgend ein Arsch hat mein Auto demoliert.“ Die Anlage für das Konzert hat Glass für 268 Euro bei Soundland Veranstaltungstechnik, Schorndorfer Strasse 19, 70736 Fellbach, Mietangebot Nr. 4870, ausgeliehen. Im Vorfeld dieses Konzerts schrieb Glass an Kai Kungl aus Pforzheim, Gründer, Sänger und Gitarrist der Wiener NSBM-Band „Donner des Nordens“, der ihm bei der Organisation der Konzerte hilft: „Ich hab keine Lust das Anfang nächster Woche schon die Bullen bei uns stehen wenn bald das halbe Internet weiß wer was wann wo macht.“

Bereits für das Konzert am 10.10.2009 versuchte Glass „Devil’s Project“ zu gewinnen, doch die Naziband sagte ab, „da unser basser schiten arbeitet und er samstag auch ran muss aber ich denk das wir uns blicken lassen. sorry bei nächsten mal klapps. schick mir mal ne weg beschreibung“. Glass antwortete: „Denk mal Du kommst ja über Wiernsheim, dann musst nach Lomersheim. Von da aus Richtung Mühlhausen. Aus Lomersheim raus weiter nach Mühlahausen. (Kreisverkehr2.te Ausfahrt) Immer den Berg hoch...ca 100m bevor ne Kreuzung kommt geht es rechts nen Feldweg rein. Dem mußt dann noch paar Meter folgen. Wirst aber von der Strasse aus sehen.“

Freunde und Helfer schützen Blut und Ehre

Schlussendlich spielte am 10.10.2009 nur „Störmanöver“, obwohl Glass noch bis zum Tag vor dem Konzert verzweifelt versuchte, mehrere Bands mit einer Lüge zum Auftritt zu bewegen: „Leider sagte uns eine Band kurzfristig ab, sodaß wir jetzt noch eine Band auf die schnelle suchen.“ Auch benutzte er in seinen Einladungen die gute Kooperation mit der Polizei bei vergangenen Konzerten als Argument für einen zu erwartenden reibungslosen Ablauf: „Am Feldweg wird eine Polizeikontrolle sein. Lt Polizei wollen sie nur Kontrolle machen...war die letzten Male auch.“

Das Jubiläumskonzert von „Stallhaus Germania“ am 22.05.2010 soll auf demselben privaten Grundstück zwischen Lomersheim und Mühlhausen stattfinden wie das Konzert am 10.10.2009. Auch die Anlage, Bühne und Technik will Glass wieder bei Soundland Veranstaltungstechnik ausleihen. Diesmal jedoch soll Glass laut Mietangebot Nr. 5669 einen Betrag von 1.292,40 Euro zahlen. Glass schreibt an Devil’s Project: „Hoffentlich lassen es auch unsere Freunde in Grün durchgehen...“ Die Naziband „Words of Anger“ aus Schleswig-Holstein wird trotz vorheriger Zusage nicht auf dem Pfingstenkonzert spielen: „muss dir leider absagen für mai...wir haben auf grund von antifa druck unseren proberaum verloren. jetzt sind wir auf der suche nach was neuem....wenn sich da was ergibt werde ich mich melden, ist mir echt unangenehm zuzusagen und dann absagen zu müssen. aber geht nicht anderst....“

Wenn Faustrecht spielt, kommen die Nazis

Allerdings konnte Glass für das Pfingstkonzert die international bekannte Naziband „Faustrecht“ des im September 2000 in Deutschland verbotenen aber weiterhin aktiven Nazimusiknetzwerks „Blood&Honour“ gewinnen. „Faustrecht“ wurde 1994 im Allgäu gegründet und ist eine von „Skrewdriver“ inspirierte Skinhead-Band. Bisher veröffentlichte die Band sieben Alben und ist auf diversen Samplern vertreten, darunter auch auf mehreren NPD-Schulhof-CDs. Die Texte sind mehrsprachig, ihr Logo ist das Zahnrad der „Deutschen Arbeitsfront“ aus der Zeit des Nationalsozialismus. Aufgrund des Bekanntheitsgrades von „Faustrecht“ in der Naziszene muss mit der Anreise mehrerer hundert Nazis zu dem Konzert von „Stallhaus Germania“ gerechnet werden.

Am 02.02.2010 schrieb der Sänger von „Faustrecht“, Norbert Lecheler alias „Nogge“, Westernacher Straße 37, 87719 Mindelheim, Telefon: 08261/21964, Handy: 0171/7868635, noggex@t-online.de, nogge@faustrecht.de, über MySpace an Glass: „Wir ’üben’ gerade für die neue CD und wie lange dieser ’kreative Prozess’ noch andauert kann ich schlecht einschätzen! Ich sage dir jetztz mal für den 22.5.10 zu. Aber falls uns ein Studio Termin oder etwas in dieser Richtung dazwischen kommt, muss ich dir wieder absagen. Aber natürlich versuche ich den Termin freizuhalten.“ Die Bedingungen für einen Auftritt fasste Lecheler am 15.02.2010 in einer Mail an Glass zusammen: „Hy Thorsten, was wir auf jeden Fall wollen ist Spritgeld, Übernachtung in einer Pension (nicht privat) und freie Getränke! Gruß Nogge“.

In einem Interview mit dem Webzine „Revolt NS“ im Oktober 2009 machen die Bandmitglieder von „Faustrecht“ keinen Hehl aus ihrer Gesinnung: „We are convinced in the political ideas of Gregor Strasser, which is the true NS to us. The main enemy of us all is so called Globalism, which is lead by Zionists Capitalism.“ Auf ihrem Album „Ein Blick zurück im Zorn“ heißt es im Song „Damals wie heute“ in Anlehnung an den Wahlspruch der SS: „Treue und Ehre haben wir uns geschworen, die Flamme des Hasses ist in uns geboren. Für Nationalismus, für den Sozialismus der Tat, führen wir den Kampf gegen diesen Staat.“

Geschäfte mit dem Skinheadkult

Das Verhältnis zwischen dem Sänger und Gitarristen der nordrhein-westfälischen Skinhead-Band „Angry Boot Boys“ und „Combat 18“, dem militanten Arm von „Blood&Honour“, ist angespannt. Daniel Michael Brosch alias „Broschi“, Mittelstraße 1f, 45768 Marl, Geburtstag 19.10.1986, Konto 658885300, BLZ: 42661008, Volksbank Marl-Recklinghausen, Abschluss an der Willy-Brandt-Gesamtschule Marl 2004, Facebook und MeinVZ über carpediemmarl@yahoo.de, angrybootboi@yahoo.de, schreibt an Thorsten Glass: „wir fragen vorher nach da wir keine Lust auf C18 Krakenbands haben“. Dazu passt, dass die Band sich auf ihrer neuen CD „gegen Terrorismus aussprechen“ und dafür ein Lied „gegen Combat 18“ einspielen will. Aber Glass kann Brosch beruhigen: „Keine Sorge, wir haben nicht vor Bands die C18 nahestehen einzuladen. Soll ein geiles Fest ohne Ärger werden und da sind die Bands als nicht so geeignet dafür und wir haben mit Ihnen auch nichts zu tun.“

Die „Angry Boot Boys“ vertreiben ihre erste CD über „PC Records“ aus Chemnitz, doch Brosch ist alles andere als loyal gegenüber seinem Vertriebspartner. An Malte Redeker von der „Gjallarhorn Klangschmiede“, Seydlitzstraße 26, 67061 Ludwigshafen, gjallarhornks@web.de, gjallarhornks@yahoo.com, verkaufte Brosch mehrere der CDs zu einem „Freundschaftspreis“. Brosch bittet Redeker: „aber nicht weitersagen. ich musste yves (pc records) versprechen, die scheibe nicht für 10 euro zu verkaufen.“ Dafür baute Redeker Kontakt zum Nazianwalt und Gründer der Naziband „Noie Werte“ Steffen Hammer aus Reutlingen und zur Hamburger Nazianwältin Gisa Pahl vom „Deutschen Rechtsbüro“ zur Prüfung der Texte auf strafrechtliche Relevanz auf: „So ein Gutachten kostet 150 Euro.“ Die Steuergesetze nehmen die „Angry Boot Boys“ ziemlich locker. So schreibt Brosch an Bertino Adler alias „Tino“, Bahnberg 3, 31199 Diekholzen vom Adler Versand, auf dessen Label die Band ihre nächste CD veröffentlichen will: „Eurern Teil der Studiokosten müssen wir unter der Hand machen, da wir das Steuerfrei managen ist das für beide Seiten dann um einiges günstiger.“

Klandestin war gestern – Nazikonzert verhindern!

Bezüglich des geplanten Pfingskonzertes in Mühlacker schreibt Thorsten Glass am 4. März an Michael Brosch: „Wir werden auch keine Werbung mit Flyern in Foren wie Thiazi usw machen, da wir lieber in etwas kleinerem Kreis feiern aber es dafür (hoffentlich) auch stattfindet. Werden ca 3 Wochen davor persönliche Einladungen verschicken und mehr nicht.“ Brosch ist begeistert: „Das ihr keine Werbung macht freud uns natürlich, da wir gerne im kleinen Kreise spielen, anstatt auf einer größeren Veranstaltung die durch Grün/Weißen Terror platt gemacht wird. Ihr legt ein sehr professionelles Neveau an dne Tag, da könnten sich manche Konzertveranstalter ne Scheibe von abschneiden.“

Autonome Antifa Freiburg


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