NPD mit neuem Vorsitzenden im Breisgau

Communiqué vom 15.09.2014

Fünf Jahre nach der Auflösung des NPD-Kreisverbands Freiburg-Südlicher Oberrhein im Juli 2009 tritt die Breisgauer NPD wieder öffentlich in Erscheinung. Der neue Vorstand des NPD-Kreisverbands Breisgau besteht aus John Bürgel aus Freiburg, Thomas Reymann aus Lahr, den Brüdern Daniel und Stefan Adler aus Bahlingen und dem neuen Vorsitzenden: Jan Zimmermann aus Eichstetten.

Jan Zimmermann ist seit Jahren als NPD-Kader bekannt. Schon 2004 kandidierte er ziemlich erfolglos für die Hamburgische Bürgerschaft und 2005 auch für den Bundestag im Wahlkreis Hamburg-Nord, damals noch als Student. Im Ordnerdienst, als Kreisvorsitzender, im Landesvorstand, als stellvertretender Landesorganisationsleiter – Zimmermann machte unter Jürgen Rieger Karriere in der Hamburger NPD. Kurz vor Riegers Tod im Herbst 2009 trat Zimmermann erneut als NPD-Bundestagskandidat an. Im selben Jahr wurde Zimmermann Vorsitzender der NPD-Tarnliste «Pro Hamburg», um die NPD vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen. Zimmermann macht zudem gemeinsame Sache mit Thomas Wulff und war beispielsweise 2011 an einem Angriff auf einen couragierten Ladenbesitzer beteiligt, bei dem Wulff eine Axt benutzte. Im Impressum der NPD-Zeitung «Klartext Hamburg» war Zimmermann 2013 als Verantwortlicher aufgeführt und bis heute betreibt er die Facebook-Seiten «NPD Hamburg» und «NPD Harburg».

Ende August schaffte die NPD mitten im thüringischen Wahlkampf Fakten: mit dem Kauf des Hauses in der Katharinenstraße 147 in Eisenach hat die NPD Thüringen unter Patrick Wieschke eine neue Landeszentrale. „Über einen Strohmann“, so berichtet die «Thüringische Allgemeine», habe die NPD eine ehemalige Pizzeria gekauft und „zur offiziellen Geschäftsstelle“ gemacht. Verkauft wurde das Haus von Alfredo Palermo, einem CDU-Gemeinderat aus Ettlingen, an „ein unschuldiges Lämmchen“: Jan Zimmermann aus Eichstetten am Kaiserstuhl.

Seit April 2014 ist der am 27.09.1977 in Gießen geborene Zimmermann der neue Vorsitzende des Breisgauer NPD-Kreisverbands. Zimmermann hat eine Wohnung in der Geitzbachstraße 25 in 79356 Eichstetten gemietet, nachdem er zuvor kurzzeitig in Waldkirch wohnte. Er fährt einen silbernen Opel Corsa D mit dem Kennzeichen FR-G 1232. Zimmermann betreut das Postfach 12 der NPD in 79354 Eichstetten, er verwaltet die Mailadressen der örtlichen NPD und betreibt die Facebook-Seiten «NPD Kreisverband Ortenau-Emmendingen» und «NPD Breisgau-Hochschwarzwald». Immer wieder geht Zimmermann mit einzelnen NPDlern im Kaiserstuhl und der Ortenau Flyer verteilen und plakatieren.

Über das neue Flüchtlingswohnheim in Teningen-Köndringen schrieb Zimmermann am 01.07.2014 auf der Facebook-Seite «NPD Kreisverband Ortenau-Emmendingen»: „Aktivisten des Kreisverbandes Ortenau-Emmendingen werden in diesem Sommer den Protest gegen die Asylflut vor Ort artikulieren. Das geplante Asylbewerberheim im Teninger Ortsteil Köndringen ist nicht nur uns Nationaldemokraten ein Dorn im Auge. Grün-Rot hat im Ländle den Bogen überspannt. Das Boot ist schon lange voll.“ Den rassistischen Sprüchen auf Facebook folgten jedoch in diesem Fall keine Taten.

Am 08.09.2014 rief Zimmermann auf der Facebook-Seite «NPD Breisgau-Hochschwarzwald» zur Störung einer Infoveranstaltung über ein geplantes Flüchtlingswohnheim in Müllheim auf: „Im Ländle gibt es schon mehr als genug Asylantenheime und Asylschnorrer. Dies werden wir auch den Politikern vor Ort klar machen. Diese planen eine Infoveranstaltung, zu der alle Bürger eingeladen sind. Auch wir werden von dieser Einladung Gebrauch machen und am 16.September um 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Müllheimer Rathauses den Protest gegen die Überfremdung deutlich aussprechen.“

John Bürgel, der langjährige Vorsitzende des NPD-Kreisverbands Freiburg-Südlicher Oberrhein, ist ebenfalls im Vorstand des neuen Kreisverbands. John Bürgel wohnt mit seiner Frau Bettina Bürgel weiterhin in der Sandstraße 6 in 79104 Freiburg-Herdern. Bettina Bürgel ist ebenfalls in der NPD und Mitglied des «Ring Nationaler Frauen» (RNF). Die Bürgels sind mit der langjährigen Vorsitzenden des RNF, Edda Schmidt, befreundet.

John Bürgel pflegt auch Kontakt zu den wenigen anderen Freiburger Nazis, darunter zu Bernhard Pauli. Seit Jahrzehnten lebt Pauli in der Emmendinger Straße 24 in Freiburg. Ab 1964 war er als Bernd Pauli an der Freiburger Universität eingeschrieben und studierte dort Jura. Gemeinsam mit anderen Nazis unterwanderte Pauli 1966 erfolgreich die AStA-Zeitung. Als deren Chefredakteur gab er die Ausgabe Nr. 4/1966 der «Freiburger Studentenzeitung» heraus, die sich inhaltlich vor allem mit den „deutschen Ostgebieten“ beschäftigte und überregional für Aufsehen sorgte: „Oder-Neiße niemals Grenze! Niemals Anerkennung der bolschewistischen Gewalt! Schlesien bleibt deutsch, Pommern bleibt deutsch, und Ostpreußen bleibt deutsch!“ Als in der Druckerei das geschichtsrevisionistische Machwerk auffiel, wurde die Ausgabe eingestampft und Pauli als Chefredakteur entlassen.

1967 gründete Bernhard Pauli den Freiburger Ableger des «Nationaldemokratischen Hochschulbunds» der NPD und trat auch der Mutterpartei bei, die ihm jedoch bald als nicht militant genug erschien. In den folgenden Jahren trat er als Mitglied des Exekutivrats der „nationalrevolutionären“ «Solidaristischen Offensive», als Gründungsmitglied und Vorsitzender der «Nationalistischen Front» bis zum Bruch mit dem späteren Vorsitzenden Meinolf Schönborn und als Mitglied der «Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit» (VSBD/PdA) um den späteren FAP-Bundesvorsitzenden Friedhelm Busse in Erscheinung. Zudem war er Mitherausgeber der Broschüre „Theorie des Widerstandes. Der notwendige Widerstand heißt Angriff“. Während Pauli bei der Erstauflage 1971 noch das Pseudonym „Einhard Möller“ nutzte, wurde bei der 2004 in Lars Käpplers «Hohenberg-Verlag» erschienenen erweiterten Neuauflage mit dem Titel „Strategie & Taktik: Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff“ auch sein Klarname angegeben.

Während sowohl Pauli als Bürgel ein Faible für nationalsozialistische Literatur haben, kommt das Kreisvorstandsmitglied Thomas Reymann gänzlich unbelesen daher. Der gelernte Maler Reymann wurde am 28.05.1982 im thüringischen Altenburg geboren und wohnt seit Jahren in der Bismarckstraße 72 in 77933 Lahr. Subtilität ist Reymann fremd, wovon nicht zuletzt seine Tattoos zeugen. Auf der linken Brust prangen vor einer schwarzen Sonne ein SS-Totenkopf und zwei gekreuzte Stabhandgranaten, das Wappen der SS-Division «Dirlewanger». Auf dem linken Oberarm präsentiert Reymann einen SS-Totenkopf und ein «Blood & Honour»-Tattoo: „Terrormachine Combat 18“. Und auf der Wade trägt er ein weiteres Wappen: „Stosstrupp Baden“ mit Maschinenpistole. Reymann trat 2001 der NPD bei und verließ die Nazipartei, als ihm 2007 der Prozess gemacht wurde. Reymann hatte am 26.11.2006 mit einem Dutzend deutscher und französischer Nazis in Lahr einen tunesischstämmigen Deutschen überfallen und schwer verletzt.

Vier Jahre später organisierte Reymann am 23.10.2010 mit Florian Stech eine Nazikundgebung in Offenburg. Stech kandidierte bei der baden-württembergischen Landtagswahl 2011 für den Wahlkreis Freiburg II und beging am 01.10.2011 einen Mordversuch an einem Antifaschisten. Thomas Reymann trat 2011 erneut in die NPD ein und sitzt nun sogar im Vorstand des NPD-Kreisverbands Breisgau.

Die Verstimmungen zwischen NPD-Landespartei und den Kaiserstühler Dorfnazis wegen des befürchteten Reputationsverlusts durch Stechs Mordversuch und den gescheiterten Aufmarsch 2011 hielten nicht lange an. Inzwischen sind auch die beiden Brüder Daniel und Stefan Adler Vorstandsmitglieder des örtlichen Kreisverbands. Daniel Adler, geboren am 09.06.1987, und Stefan Adler, geboren am 21.03.1990, wohnen in der Hauptstraße 12 in Bahlingen am Kaiserstuhl. Am Ortsrand von Bahlingen befindet sich ein Rebgrundstück der Familie Adler, das von den beiden Nazibrüdern regelmäßig als Veranstaltungsort für Nazifeiern und -treffen genutzt wurde.

Stefan Adler versuchte sich über die Jahre mehrfach als Layouter von Naziflyern und -Videos, als Organisator von Naziaufmärschen und als Redner, etwa bei einem Zeltlager ihrer «Kameradschaft Südsturm Baden» um Alexander Franke im Sommer 2011. Der Maler Daniel Adler musste im Stech-Prozess auch in der Revisionsverhandlung als Zeuge aussagen. Dabei verriet er nicht nur seine Nazikameraden, sondern gab wie bei Nazis üblich auch an, sich mittlerweile aus der Naziszene zurückgezogen zu haben: „Ich habe schwer zurückgeschraubt.“ Inzwischen ist Daniel Adler Schatzmeister des Kreisverbands.

Die NPDler aus Freiburg und Umgebung sind seit dem Amtsantritt Zimmermanns verstärkt auf der Straße unterwegs. Insbesondere zu Wahlkampfzeiten werden NPD-Plakate aufgehängt, regelmäßig organisiert Zimmermann auch Flugblattverteilungen. Unter den Beteiligten dieser Propaganda-Aktionen befindet sich immer wieder auch Sascha Hiller aus dem Haierweg 20f in Freiburg, einem der Angeklagten im demnächst am Freiburger Landgericht beginnenden Rohrbomben-Prozess. Auch der Ex-Stadtkurier-Redakteur Andreas Strittmatter pflegt weiterhin Kontakt zu den südbadischen NPDlern. Einen weiteren Schwerpunkt legt Jan Zimmermanns auf die Verbreitung rassistischer und antisemitischer Propaganda auf den von ihm betreuten NPD-Facebook-Accounts. Hier hetzt er getreu der Parteilinie der NPD insbesondere gegen Flüchtlinge und versucht, an bestehende rassistische Ressentiments anzuknüpfen und diese in offene Hetze gegen Flüchtlinge zu kanalisieren.

Unsere Recherchen zur NPD in Südbaden zeigen, dass die Parteistruktur an nur wenigen Nazis hängt. Bei Repression oder öffentlichem Druck beteuerten diese Nazis in der Vergangenheit immer wieder ihren Rückzug aus der Naziszene, doch die meisten sind auch lange danach noch oder wieder aktiv. Nun hat ein ideologisch gefestigter Nazikader aus Norddeutschland die Führung übernommen, der auf der Straße und im Internet versucht, den jahrelang inaktiven Kreisverband zu reorganisieren. Das wird ihm nicht gelingen.

On ne se laissera pas faire !

Autonome Antifa Freiburg & [a²] Hamburg


Communiqué mit Fotos auf Indymedia linksunten