In Freiburg existieren eine Reihe alternativer, nichtkommerzieller Medien mit regionaler Berichterstattung. Sie sind aufgrund unregelmäßigen Erscheinens und Mini-Auflagen jedoch nicht immer leicht zu finden, oftmals vergriffen und erreichen deshalb oft nur wenige hundert Menschen. Oftmals sind sie auch nicht mehr als ein Veranstaltungskalender mit Diskussionsanhang, wie etwa der „Koraktor“, der monatlich von einer Gruppe aus der KTS herausgebracht wird, oder das Programmheft von Radio Dreyeckland. Fündig wird man in der Regel im Jos-Fritz-Buchladen, Wilhelmstraße 15, im „Strandcafé“, Adlerstr.12 (Grethergelände), oder im „Infoladen“ in der KTS, Basler Str. 103, (jeweils donnerstags zwischen 17 und 20 Uhr geöffnet). Hier gibt es auch überregionale linke Medien zu lesen und zu kaufen.

Basisdemokratisch organisierte, sozialkritisch oder explizit links/linksradikal/antikapitalistisch orientierte Medien sind Alternativen zur bürgerlichen Öffentlichkeit und bilden einen Gegenpol zur massenmedialen Konsensfabrik. Sie sind ökonomisch und politisch unabhängig und zeigen gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse als veränderbar. Ursachen, Hintergründe, Strukturen und Auswirkungen, etwa von Rassismus, Faschismus, Militarismus, Sexismus, Kapitalismus, Klerikalismus, Neoliberalismus und Imperialismus werden beleuchtet, Handlungsansätze aufgezeigt.

Diskussionen und Aktivitäten von sozialen Bewegungen, linken Parteien, Initiativen, Gewerkschaftslinken, autonomen Gruppen, MigrantInnen, Flüchtlingen, Demos, Proteste, Widerstand, von den bürgerlichen Medien vernachlässigt oder nur am Rande erwähnt, wird breiter Raum eingeräumt. Alternative Medien wollen das klassische „Sender-Empfänger-Modell“ zwischen RedakteurInnen und KonsumentInnen durchbrechen und zu politischem Handeln motivieren; MacherInnen und LeserInnen sind oft selbst politisch aktiv. „Gegenöffentlichkeit“ herstellen ist das Ziel.

Was „Gegenöffentlichkeit“ ist, wird etwa bei Radio Dreyeckland so definiert: Sie „orientiert sich an den Interessen von unten. Sie soll die Hintergründe von Ereignissen und Entwicklungen benennen und dabei vorrangig die von ihnen betroffenen Menschen zu Wort kommen lassen. Entgegen den Interessen der Herrschenden befördert Gegenöffentlichkeit die Verbreitung der Themen und gesellschaftlichen Fragen, die unterdrückt werden sollen“ (zitiert nach RDL-Hompepage).

So berichtet die „Antifaschistische Zeitung für Emmendingen, Freiburg, Waldkirch“, kurz „anaz“, herausgegeben vom GNN-Verlag, monatlich aus Betrieben und Gewerkschaften, über Demonstrationen und Protestaktionen, über Flucht und Migration mit regionalem Bezug. Das acht Seiten-Blättchen kostet 0,80 Euro und ist per Abo erhältlich über anaz, c/o GNN, Wilhelmstr 15, 79098 Freiburg. Wie zu hören ist, ist das Erscheinen der „anaz“ über das Jahr 2005 jedoch in Frage gestellt, da rund 150 KäuferInnen offenbar zu wenig sind, das Blatt auf Dauer am Leben zu erhalten. Finanzielle Probleme, von denen im Grunde alle ehrenamtlich gemachten, nichtkommerziellen Alternativmedien ein Lied singen können. Positiv aus dem Meer der überflüssigen Lifestyle, Kultur- und Veranstaltungs-Hochglanzmagazine, die wöchentlich und monatlich Freiburg überschwemmen und die Altpapiertonnen füllen, hebt sich die Straßenzeitung „Der Frei(e) Bürger“ ab, die seit nun mehr sieben Jahren kontinuierlich über die Auswirkungen von neoliberaler Politik und Sozialabbau auf die Menschen vor Ort berichtet.

Schneller als Printmedien informieren freilich alternative Internetportale über regionale Ereignisse und veröffentlichten von den bürgerlichen Medien oft ignorierte Pressemitteilungen, wie etwa das linke Netzwerk „germany.indymedia.org“, die Antifa Freiburg (antifa-freiburg.de) und Antifa Offenburg (antifa.alarm-ev.de) und natürlich die STATTZEITUNG auf ihrer Hompepage www.stattweb.de. Ob nun als Printausgabe, elektronisch im Äther oder als Homepage im Internet — nur einige hundert oder gar tausend Menschen machen von alternativen Medien Gebrauch. Sie stellen jedoch — trotz ihrer Nischenöffentlichkeit — Kommunikation auf Dauer her, präsentieren andere Sichtweisen und politische Alternativen und entziehen sich damit der Definitionsmacht der etablierten Presse, der Verleger- und Chefredaktionsmacht und dem Kommerz. Ganz nach dem Motto: „Eine andere Welt ist möglich“. Wer alternative Medien sucht, wird fündig werden. Und Möglichkeiten der Mitarbeit und Unterstützung finden sich immer.


Dieser Artikel erschien in der Stattzeitung für Südbaden Ausgabe 63, 2005-11. Unser Genosse Martin Höxtermann starb am 12. Mai 2006. Ihm zu Ehren zitieren wir Erich Mühsam:

Ehrung der Toten

Wem die Sonne nicht mehr scheint,
kann die Liebe missen.
Wie viel Trauer um ihn weint,
braucht er nicht zu wissen.
 
Menschen, laßt die Toten ruhn,
euer ist das Leben.
Jeder hat genug zu tun,
Arm und Blick zu heben.
 
Laßt die Toten! Sie sind frei
im durchnäßten Sande.
Euch entringt der Sklaverei!
Euch der Not und Schande!
 
War ein Kampf des Lorbeers wert,
spart dem Tod die Spende, —
aber nehmt des Toten Schwert!
Führt den Kampf zu Ende!
 
Wollt ihr denen Gutes tun,
die der Tod getroffen,
Menschen, laßt die Toten ruhn
und erfüllt ihr Hoffen!