Sonnabend, 20.02.2021

Die taz hat eine umfangreiche Recherche zu einem Waffenhandelsring veröffentlicht. Der Hauptbeschuldigte Alexander Reichl, der in Bayern, der Schweiz und Kroatien lebte, sitzt seit vergangenem Sommer in Untersuchungshaft. Zuvor war er in vielen recht unterschiedlichen rechtsradikalen Kreisen unterwegs, von NPD und AfD über die „Identitäre Bewegung“ bis hin zur „Europäischen Aktion“ und dem Holocaustleugner-Verein „Gedächtnisstätte Guthmannshausen“. Er soll in Kroatien Waffen für die AfD, „Reichsbürger“ und andere deutsche Rechtsradikale beschafft haben. Die taz-Recherche legt nahe, dass mit den Waffendeals Geld für die AfD-Unterstützungsorganisation „Patriotische Alternative“ beschafft werden sollte, die Reichl gemeinsam mit dem Ex-AfD-Nazi Hans Weber aufbaute.
Bei Dagmar Stanglmaier, AfD-Mitglied und Mitarbeiterin des AfD-Bundestagsabgeordneten Petr Bystron, wurde bereits im Sommer 2017 eine illegale Pistole gefunden und Reichl lagerte bei ihr mindestens eine weitere Waffe. Zu den an Reichls Waffen Interessierten gehörte auch das damalige bayerische AfD-Mitglied Werner Kraus. Eine dubiose Rolle als möglicher Geldgeber spielt der AfD-Bundestagsabgeordnete Hansjörg Müller, der mit Reichl und dem Naziburschen Ignacio Benítez von der „Burschenschaft Normannia Heidelberg“ Rohstoffdeals in Chile plante, Vernetzung für „Fluchtburgen in Ungarn“ betrieb und Reichl über den AfD-Mittelsmann Thomas Matzke 800 Euro zukommen ließ – etwa der Preis für eine der Pistolen. Reichl wollte mit einer Tarnorganisation eine „gemeinschaftliche Aktions-Plattform“ schaffen, um „zielorientiert und effizient Kräfte zu Bündeln und Parallelstrukturen zu schaffen für nationale volksbewusste Deutsche und Europäer“.
Der ehemalige Zollbeamte und Geschäftsmann Reichl baute „verblüffend systematisch“ Kontakte zu Nazis und Nazigruppen auf und war entsprechend gut vernetzt, schmiedete große Pläne und war enorm unzuverlässig, war ständig pleite und gab trotzdem erstaunlich viel Geld aus. Die AfD hat ihm die Mitgliedschaft inzwischen wegen nicht bezahlter Mitgliedsbeiträge gekündigt.