• Dienstag, 24.04.2007

    Nicht nur in Freiburg gibt es rassistische Polizeiübergriffe. In Dessau läuft zur Zeit der Prozess gegen zwei Bullen wegen des Todes von Oury Jalloh, der lebendig in seiner Zelle verbrannte. Alle Indizien sprechen für Mord, doch die Bullen werden wegen vergleichsweise harmloser Straftaten angeklagt. Am 5. Prozesstag war ein Beobachter der NPD im Gerichtssaal, der aber nach Protesten gehen musste.
    Berichte: 1 2

  • Dienstag, 24.04.2007

    In Münster wurden die besetzten Häuser 57 und 59 in der Grevener Straße am 24. April geräumt und abgerissen. Wir senden solidarische Grüße an die GenossInnen. Lasst euch nicht unterkriegen, uns gehört die Zukunft!
    Indy berichtete: 1 2
    Bisher: 1 2 3 4

  • Montag, 23.04.2007

    Wie TV Südbaden und Der Sonntag berichten, haben rassistische Bullen am 7. April einen Schwarzen an der Ecke Eschholzstraße/ Ferdinand- Weiß-Straße überwältigt und zu dritt am Boden fixiert. Dann haben sie einen Polizeihund geholt und ihn mit den Worten „Friss den Neger!“ auf ihr Opfer gehetzt, welches zwölfmal von dem Hund gebissen wurde. Die Brutalität der Übergriffs erinnert frappierend an die fünf Bullen, die einen Linken am 15. Januar in einem besetzten Haus in der Türkheimer Straße am Boden fixierten, während ein sechster dreimal mit Wucht auf den Kopf seines Opfers trat. Weder zu diesem Vorfall, noch zu den Rippenbrüchen am 14. Januar, den Prügelattacken am 16. Dezember und der ganzen Gewalt auf dem DIY-Festival im Juli 2006 haben sich die Bullen geäußert, geschweige denn wurde Anklage erhoben. Stattdessen wurden die Opfer von der Polizei angezeigt.

  • Sonntag, 22.04.2007

    Am 22. April hielt die NPD Baden-Württemberg im oberschwäbischen Ehingen/Donau bei Ulm ihren Landesparteitag ab. Es trafen sich etwa 50 FaschistInnen, unter ihnen auch der JN-Vorsitzende in Baden Württemberg, Alexander Neidlein, in der „Lindenhalle“, um über den künftigen Kurs der Partei abzustimmen. Wie auch am 19. November in Villingen- Schwenningen konnten sie hier von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt agieren. Obwohl die örtlichen Bullen von der Veranstaltung wussten, informierten sie weder Lokalzeitungen noch die Öffentlichkeit. Ob wohl die Stadtangestellten, die die Lindenhalle verwalten, von dem rechts-konservativen Milieu profitieren?

  • Sonntag, 22.04.2007

    Am 19. April kam es vor dem Amtsgericht Göttingen zur Hauptverhandlung gegen einen Antifaschisten, dem vorgeworfen wurde im Rahmen der Proteste gegen die Nazikundgebung vom 28.10.2006 mehrfach Widerstand gegen PolizeibeamtInnen geleistet zu haben, als diese versuchten, den Göttinger Bahnhof von NazigegnerInnen zu räumen. Die vier ZeugInnen, die als PolizeibeamtInnen am Einsatz im Bahnhof beteiligt waren, verstrickten sich in ihren Aussagen immer wieder in Widersprüche. Die Verhandlung wurde unterbrochen und wird am 9. Mai fortgesetzt.

  • Sonntag, 22.04.2007

    Die NexT-Steffi aus Karlsruhe beteiligt sich an der Love or Hate-Parade am 1. Mai mit einem DJ-Wagen.

  • Sonntag, 22.04.2007

    In der Nacht auf den 21. April verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf ein bewohntes Haus auf dem besetzten Teil des mittlerweile verkauften ehemaligen Topf & Söhne Geländes in Erfurt.

  • Sonntag, 22.04.2007

    Im nordrhein- westfälischen Düren haben am 20. April fünf bis sechs Nazis unweit der einschlägig bekannten Nazikneipe „Gütershop“ auf der Arnoldsweilerstraße zwei Antifas in ihrem Auto angegriffen. Nur weil die Antifas in einem PKW saßen blieben sie unverletzt. Unter den Angreifern befand sich auch der stellvertretende Kreisvorsitzende der NPD Düren und Anführer der „Kameradschaft Aachener-Land“, Rene Laube. In der Kneipe fand eine Veranstaltung der Dürener NPD statt. Hinsichtlich des Datums brauchen wir nicht viel Phantasie, um zu erraten, was dort wohl gefeiert wurde.
    Zu Düren: 1 2 3

  • Sonntag, 22.04.2007

    Die Bullen reagieren mit gezielten schikanösen Straßenkontrollen von Linken auf die Mobilisierung zur Love or Hate-Parade am 1. Mai. Außerdem haben linke Projekte Einschüchterungsanrufe erhalten und es wurde mit Ermittlungsverfahren gedroht. Mit bürokratischen Verordnungen versuchen die Behörden seit längerem linke Infrastruktur in Freiburg zu schwächen. Besonders betroffen sind davon linksalternative Initiativen im Grün. Am 1. Mai findet hier das traditionelle Straßenfest statt, von welchem die Parade um 19 Uhr startet. Die AnwohnerInnen im Grün wurden mit einem Flugblatt (PDF) zur Love or Hate-Parade eingeladen.

  • Sonnabend, 21.04.2007

    Am 21. April starteten regionale Antifagruppen erfolgfreich ihre Infotour „Kein ruhiges Hinterland“ im Karlsruher und Rastatter Umland. Ziel der Kampagne ist das Totschweigen der zunehmenden Naziaktivität zu beenden und gemeinsam mit Menschen vor Ort antifaschistische Strukturen zu stärken bzw. aufzubauen. Bereits im Vorfeld wurde in den Kleinstädten Langensteinbach und Ettlingen durch umfangreiche Plakatierung und Verteilen mehrerer Tausend Flugblätter in örtlichen Briefkästen für Aufmerksamkeit und mediales Echo gesorgt.

  • Sonnabend, 21.04.2007

    Im etwa 15 km östlich von Hamburg gelegenen Glinde wurde in der Nacht auf den 21. April ein Haus vom ‚Bund libertärer Individuen zur Schaffung von selbstverwalteten und unkommerziellen Freiräumen‘ besetzt. Die BesetzerInnen verließen jedoch das Haus, nachdem die Bullen gedroht hatten, das Haus mit einem Sonderkommando zu räumen.

  • Sonnabend, 21.04.2007

    Zum 1. Mai hat die Redaktion des Sisyphos eine Broschüre (PDF) veröffentlicht. Enthalten sind Artikel zu den Themen „Die Haymarket Affäre“ und „Das Mayday Konzept“, sowie ein Gastbeitrag der Antifaschistischen Aktion zu „Die Nazis und der 1. Mai“.
    Zu Sisyphos: 1 2 3 4

  • Freitag, 20.04.2007

    In Görlitz, Berlin (1 2 3), Bautzen, Bielefeld und Köln gab es Proteste gegen Rekrutierungsversuche der Bundeswehr in Arbeitsämtern. In Weimar wurde in der Nacht auf den 18. April ein Info-Truck der Bundeswehr auf dem Schulhof des Goethe- Gymnasiums in Weimar massiv mit antimilitaristischen Parolen besprayt. In Minden und Dortmund wurden Kriegerdenkmäler besprayt. In Freiburg will die Bundeswehr auf der Baden-Messe vom 8. bis 16. September mit einem Info-Truck rekrutieren. Die Linkspartei hat die Infos zu geplanten Werbeeinsätzen und Zapfenstreichen der Bundeswehr in Deutschland veröffentlicht. Weg mit Militär und Korpsgeist!

  • Donnerstag, 19.04.2007

    Im pfälzischen Landau bei Karlsruhe veranstaltete am 13. April der NPD-Kreisverband Deutsche Weinstraße anlässlich eines „Bundesweiten Aktionstag gegen den G8-Gipfel“ einen Infostand in der Landauer Fußgängerzone. Am 16. April gab es am Hauptbahnhof Landau einen Angriff von zehn Nazis auf drei alternative Jugendliche, die leicht verletzt wurden.

  • Donnerstag, 19.04.2007

    In letzter Zeit haben verschiedene Leute Anrufe von Personen erhalten, die sich als Ermittlungsausschuss bzw. Rote Hilfe ausgegeben haben. In diesen Telefonaten wurden die betreffenden Personen gefragt, ob sie Mitglieder der Roten Hilfe seien, oder sie wurden aufgefordert Angaben zu persönlichen Daten zu machen. Weder die Rote Hilfe, noch der EA, rufen zum Zweck der Mitgliederwerbung oder zum Datenabgleich Leute an. Gebt am Telefon keine persönliche Daten weiter noch macht irgendwelche Aussagen zu Mitgliedschaften. Schafft rote Hilfe!

  • Donnerstag, 19.04.2007

    Eine der positiven Seiten von Oettingers unsäglicher Grabrede für Filbinger ist die neuerliche Kritik am „Studienzentrum Weikersheim“, die öffentlich vom Zentralrat der Juden, der SPD und der FDP geäußert wird. Das am nord-östlichen Rand von Baden- Württemberg gelegene Tagungshaus wurde als Scharnier zwischen Konservatismus und Rechtsradikalismus gegründet und dient der braunen Melange von Nazis, Burschen und sonstigen Rechtsaußen in den Unionsparteien als Vernetzungsplattform.
    Zu Weikersheim: 1 2 3 4 5
    Zu Filbinger: 1 2 3

  • Donnerstag, 19.04.2007

    Am 18. April wurden elf bekannte Schlägernazis aus der Premnitzer Kameradschaftsszene im Westhavelland vom Landgericht Potsdam zu milden Bewährungstrafen verurteilt, da die süßen Schnuckerchen ja noch so jung waren. Nur ein Angeklagter bekam unter Einbeziehung anderer Haftstrafen zweieinhalb Jahren Knast ohne Bewährung. Am 04.06.2005 wollten die mit Baseballschlägern bewaffneten Nazis den Jugendclub „PreJu“ in Premnitz mit Molotov- Cocktails und Benzinkanistern niederbrennen. Einer der Angeklagten wurde erst Ende März 2007 vom Jugendschöffengericht Rathenow wegen eines Überfalls auf Linke zu eineinhalb Jahren ohne Bewährung verurteilt. Andere Angeklagte gehörten, wenige Monate nach dem geplanten Brandanschlag, zu den Gründungsmitgliedern der “Anti Antifa Rathenow” und der Gruppe “Nationale Sozialisten Premnitz”. Verhandelt wurde nur wegen „Verabredung zu einem Verbrechen“ und nicht etwa wegen versuchter Brandstiftung, da die Nazis ja schließlich wegen der Bullen nicht konnten, wie sie wollten.
    Quellen: 1 2 3

  • Mittwoch, 18.04.2007

    In Hamburg zerstörten am 14. April bis zu 30 Personen im Vorfeld des G8 zahlreiche Fensterscheiben des „Hanse-Gates“, einem Bürogebäude an der Hamburger Elbe, und warfen Farbe auf das Gebäude. Zeitgleich wurden an Straßen zum Elbstrand Autoreifen angezündet und Krähenfüße ausgelegt. Ein Schaden von mehreren 10.000 Euro soll entstanden sein. Die anschließende Fahndung der Polizei durch 40 Beamte und 20 Peterwagen erzielte offenbar keine Erfolge. Hintergrund sind die kritikwürdigen Arbeitsbedingungen bei einer in dem Bürohaus ansässigen Reederei. Wir harren der Dinge, die da kommen...

  • Mittwoch, 18.04.2007

    Das Soziale Zentrum Göttingen wurde aufgelöst und die Beratungsarbeit eingestellt. Die Aktiven haben das Projekt nach zweieinhalb Jahren beendet, da sie immer mehr Zeit in die Geldbeschaffung stecken mussten und sie die Praxis des Projekts nicht mehr länger vertreten konnten. Danke für eure Arbeit und viel Glück in der Zukunft!

  • Mittwoch, 18.04.2007

    Die Love or Hate-Parade wird in Freiburg zunehmend wahrgenommen. Auf RDL liefen bereits mehrere Beiträge, auf fudder.de gibt es mal wieder einen Flame-War und die ganze Stadt ist mit Plakaten und Flyern übersät. Bullen und StadträtInnen sind bereits in heller Aufregung, deshalb hier ein paar Worte der Beruhigung: Falls es keine Angriffe auf die Parade gibt, wird auch keine Gewalt von ihr ausgehen. Für den Fall jedoch, dass die Bullen die Parade verhindern oder angreifen, kursieren bereits Aufrufe zu einem erlebnisorientierten Innenstadtbummel und kreativer Politik der ersten Person.

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    Update: Aufgrund der Veröffentlichung dieses Communiqués wurden der „Deutschen Burschenschaft“ die Räume gekündigt und die „Verbandstagung“ musste kurzfristig verlegt werden.

    Am 8. und 9. November will der rechtsradikale Dachverband deutscher und österreichischer Burschenschaften, die Deutsche Burschenschaft, in Frankreich in der Nähe des elsässischen Colmar eine „Verbandstagung“ abhalten. Am 81. Jahrestag der antisemitischen Pogrome vom 9. November 1938 treffen sich die von einem „Großdeutschland“ träumenden, völkischen Burschenschafter ausgerechnet im Elsass. Die Tagung mit dem Titel „Fortbestand des Deutschen Volkes in einer multikulturellen Mehrheitsgesellschaft“ soll großteils in Husseren-les-Châteaux stattfinden. Auf dem Programm stehen neben Vorträgen und einer Podiumsdiskussion auch eine Stadtführung in Colmar, ein Besäufnis auf der Hohlandsbourg und eine interne Sitzung des „Verbandsrats“ auf einem Winzerhof. Aber warum findet die Veranstaltung in Frankreich statt? Hier dürften neben der Erwartung, dass die Deutsche Burschenschaft in Frankreich weniger bekannt ist als in Deutschland und folglich mit weniger Widerstand zu rechnen ist, auch ideologische Überlegungen eine Rolle spielen: Das Treffen ist eine deutschnationale Machtdemonstration in Frankreich.

    Was planen die Burschen?

    Vor dem Beginn der Tagung, zu der alle Mitgliedsbünde der Deutschen Burschenschaft eingeladen sind, findet am 8. November um 18:30 Uhr eine interne Sitzung des Exekutivgremiums des Dachverbands statt, genannt „Verbandsrat“. Die Verbandstagung beginnt am 8. November um 19 Uhr mit einem Begrüßungsabend auf dem Winzerhof Schueller in der Route du Vin in Husseren-les-Châteaux nahe Colmar – von den Burschenschaftern wird das Örtchen konsequent „Häusern“ genannt. Am 9. November beginnt um 8:30 Uhr die Tagung in der Mehrzweckhalle in Husseren-les-Châteaux. Anschließend soll ab 14 Uhr eine Stadtführung durch Colmar angeboten werden. Für den Abend planen die Burschenschafter eine Besichtigung der nahegelegene Hohlandsbourg, wo sie ab 19 Uhr auch zu Abend essen und ab 20:15 Uhr ihren „Festkommers“ veranstalten. Dafür wurde die Brasserie der Hohlandsbourg angemietet.

    Wer sind die Referenten?

    Als Referenten der „Verbandstagung“ sollen drei Mitglieder der rechtsradikalen Partei Alternative für Deutschland auftreten: Dimitrios Kisoudis, Dubravko Mandic und Jens Lange.

    Dimitrios Kisoudis

    Dimitrios Kisoudis, geboren am 21.04.1981, studierte in Freiburg, lebt in Öhringen und trat im Jahr 2015 in die AfD ein. Er publiziert in diversen rechten Verlagen und Zeitschriften, war zunächst Referent des AfDlers Marcus Pretzell im Europäischen Parlament und arbeitet seit 2017 als Referent für den AfD-Abgeordneten Martin Hess im Deutschen Bundestag. Kisoudis soll auf der „Verbandstagung“ zum Thema „Staat und Volk im Lauf der Zeit“ referieren. Im Ankündigungstext seines Vortags beklagt er den Verlust der „Nation“ durch Migration:

    „Die Nation ist das politisch formierte Volk, in ihr kommen Volk und Staat zur Deckung. Doch die Migration stellt die Nation in Frage. Die Homogenität des Staatsvolks geht verloren, der Tribalismus kehrt zurück, der Staat entfremdet sich den Bürgern. Wie kann das Volk auf diese Wende zwischen zwei Epochen reagieren, wie ein Staat noch funktionieren?“

    Kisoudis strebt einen klerikalen Obrigkeitsstaat an, den er „Ordnungsstaat“ nennt.

    Dubravko Mandic

    Dubravko Mandic ist ein rechtsradikaler Burschenschafter, der nach internen Machtkämpfen von seiner Burschenschaft Saxo-Silesia Freiburg ausgeschlossen wurde, sich jedoch kürzlich erfolgreich wieder einklagte. Unter seiner Regie wurde die Junge Alternative gegründet und die Gründungsfeier fand auf dem Haus der Saxo-Silesia auf dem Freiburger Lorettoberg statt. Mandic ist deutschlandweit nicht nur wegen seiner rechtsradikaler Hetze, sondern auch wegen seiner Straftaten gegen politische GegnerInnen und JournalistInnen bekannt und wurde im Mai 2019 für die AfD in den Freiburger Gemeinderat gewählt. Zuvor war er Vorsitzender des Bundesschiedsgerichts der JA, Mitglied des Landesschiedsgericht der AfD Baden-Württemberg und erfolgloser Bundestagskandidat der AfD für den Wahlkreis Tübingen. Seine „Bundesbrüder“ aus der Aktivitas der Saxo-Silesia verschaffen ihm als Redner auf der „Verbandstagung“ ein Podium zur Verbreitung seiner völkischen Weltanschauung. Mandic soll über die „Ethnogenese der Serben, Kroaten und Bosnier unter der Einwirkung der türkischen Herrschaft“ referieren und Angst vor einer „Islamisierung“ schüren:

    „Michel Houellebecq entwarf in dem Bestseller ‚Unterwerfung‘ ein realistisches Szenario einer möglichen islamischen Machtübernahme in Frankreich. Jean Raspail erzählte in seinem Buch ‚Das Heerlager der Heiligen‘ bereits 1973 wie sich eine westlich-liberale Gesellschaft mit all ihren relevanten Protagonisten im Angesicht einer millionenfachen plötzlichen Einwanderung aus der Dritten Welt verhalten würde und legte damit eine Blaupause für die Grenzöffnung vom September 2015 vor. Sieferle behandelte in seinen posthum erschienen Werken die mögliche Transformation westlicher Gesellschaften hin zu einer Retribalisierung. Angesichts der vielfältig möglichen Szenarien, die alle die Annahme einer Islamisierung beinhalten, lohnt ein Blick auf die islamische Landnahme auf dem Balkan im 14. Jh. und die darauf folgenden Jahrhunderten osmanischer Herrschaft.“

    Jens Lange

    Den dritten Vortrag soll Jens Lange alias „Johann Felix Baldig“ halten: „Das Reservat als konstitutioneller Verfallsgrad – Zur Zukunft Deutscher Verfasstheit“. Hier können sich die Burschen auf einen wirr-schwurbeligen und vor Pathos triefenden Vortrag gefasst machen:

    „Segregation, Tribalisierung, Zonierung mit der Maßgabe des Besser-Nicht-Betreten-Sollens, Raumbeobachtung, Raumneuordnung, Raumneuausverhandlung, endlich Wolfserwartung, ob in der Menschenbiosphäre, ob in der reinen, totalen Biosphäre der maximalen Verwilderung und Austreibung von Technik und Aufklärung – das Reservat wird zum Schrittmacher konstitutionellen Verfalls und zugleich zum Maß einer fortschreitenden Derogation des Grundgesetzes. ‚Wie wollen wir künftig leben?‘ fragen die diversen staatlichen Kommissionen unter der drohlichen Überschrift ‚gleichwertige Lebensverhältnisse‘. Aus verfassungstheoretischer Sicht stellt sich dagegen die neue Frage: Wird das Prinzip praktischer Konkordanz von einer befrieden sollenden Aushandelungsinstanz ersetzt, die immer öfter Freiheits- und Deutschengrundrechte allein im Reservat, im eng abgezirkelten Gefilde zuzulassen die Kraft findet?”

    Jens Lange kommt aus Questenberg im Südharz, wurde am 30.12.1974 geboren und trat im Jahr 2016 in die AfD ein. Lange publiziert unter seinem Pseudonym in rechtsradikalen Zeitschriften wie „Compact“ und „Tumult“. Er arbeitet seit 2017 für die AfD-Bundestagsfraktion und für den AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Pasemann. Lange kandidierte im November 2016 als Beisitzer für den „Flügel“ und im Mai 2019 für den Kreistag von Mansfeld-Südharz, den Gemeinderat Südharz und Ortschaftsrat Questenberg und bewegt sich im „Umfeld der neonazistisch beeinflussten neuheidnischen Künstlergruppierung Orphischer Kreis“.

    Was ist die Deutsche Burschenschaft?

    Die Deutsche Burschenschaft ist ein Dachverband völkischer deutscher und österreichischer Burschenschaften. Während die Deutsche Burschenschaft in Österreich seit Jahrzehnten de facto das Funktionärs-Reservoir der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) darstellt, hat sie in Deutschland erst seit 2015 in der radikalisierten Alternative für Deutschland (AfD) eine politische Heimat gefunden. Zwischen 2011 und 2015 spaltete sich der Großteil der weniger offen faschistisch auftretenden Bünde von der Deutsche Burschenschaft ab. Übrig blieben nach dem Richtungsstreit etwa die Hälfte der Bünde, ein harter Kern von 67 stramm rechtsradikalen Burschenschaften mit insgesamt mehreren tausend Mitgliedern.

    Das oberste Organ der Deutschen Burschenschaft ist der jährlich nach Pfingsten in Eisenach stattfindende „Burschentag“. Hier wird jedes Jahr eine der Mitgliedsburschenschaften zur „Vorsitzenden Burschenschaft“ gewählt, die dann im kommenden „Geschäftsjahr“ (Kalenderjahr) den Vorsitz innehat. Seit Anfang 2019 ist die Freiburger Burschenschaft Saxo-Silesia Vorsitzende der Deutschen Burschenschaft. Im Januar 2020 wird sie von der im Mai 2019 gewählten Burschenschaft Tuiskonia Karlsruhe abgelöst werden. Für die Organisation der Veranstaltung im Elsass ist also die Freiburger Saxo-Silesia verantwortlich. Wie innerhalb der einzelnen Bünde werden auch auf Ebene der Vorsitzenden „Sprecher“ und „Stellvertreter“ bestimmt. Die „Vorsitzmannschaft“ der Saxo-Silesia besteht aus dem Sprecher Falk van der Helm (DBx), dem ersten stellvertretenden Sprecher Marco Erat (DBxx) und dem zweiten stellvertretenden Sprecher Rudolf Gut (DBxxx).

    Was ist der Verbandsrat?

    Während eines laufenden Geschäftsjahrs werden die Geschäfte der Deutschen Burschenschaft durch die „Vorsitzende Burschenschaft“ und den sogenannten „Verbandsrat“ geführt. Dem Verbandsrat gehören als stimmberechtigte Mitglieder neben dem Sprecher der „Vorsitzenden Burschenschaft“ und einem Vertreter der „gewesenen Vorsitzenden Burschenschaft“ (der Vorsitzenden des Vorjahres) zwei auf dem Burschentag gewählte „Verbandsobmänner“ und zwei „Beisitzer“ an. An den Sitzungen können noch einige weitere Mitglieder mit eingeschränkten Stimm-, Rede- und Antragsrechten teilnehmen, insgesamt sind meist etwa ein Dutzend Burschenschafter anwesend. Es finden meist drei Verbandsratssitzungen pro Jahr statt und eine der Sitzungen wird aus logistischen Gründen an die jährlich stattfindende Verbandstagung gekoppelt. Sie beginnt üblicherweiset vr dem allgemeinen Begrüßungsabend der Verbandstagung, soll also auf dem Öko-Winzerhof Schueller in Husseren-les-Châteaux stattfinden.

    Die Mitglieder des Verbandsrats 2019

    Neben Falk van der Helm, Marco Erat und Rudolf Gut von der Vorsitzenden Burschenschaft Saxo-Silesia gehört Jakob Scheffel als Vertreter der Gewesenen Vorsitzenden Münchner Burschenschaft Alemannia dem Verbandsrat im Geschäftsjahr 2019 an. Der aktuelle „Verbandsobmann für Hochschul- und allgemeine Politik“ ist Christopher von Mengersen von der Wiener Burschenschaft Teutonia und der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn. „Verbandsobmann für burschenschaftliches Fechten, Nachwuchswerbung und Sport“ ist Mattis Mayer von der Burschenschaft Germania Halle zu Mainz. Beisitzer im Verbandsrat sind Wilhelm Haase von der Burschenschaft Saxo-Silesia Freiburg und John Fritz Hoewer von der Kölner Burschenschaft Germania und der Burschenschaft Germania Magdeburg. „Ersatzobmann“ ist Daniel Malsam von der Braunschweiger Burschenschaft Thuringia.

    Was ist die Verbandstagung?

    Üblicherweise einmal im Jahr veranstaltet die Deutsche Burschenschaft als identitätsstiftendes Event eine sogenannte „Verbandstagung“, bei der sich die Mitgliedsbünde für Vorträge, ein Rahmenprogramm und ein gemeinsames Besäufnis treffen. Bei der Verbandstagung handelt es sich um einen Pflichttermin für alle Bünde: Nichterscheinen kostet Geld. Ausgerichtet wird die Tagung von der jeweiligen „Vorsitzenden“ und oft findet sie auch in dem Ort statt, an dem diese ansässig ist. Im Jahr 2018 allerdings wurde Prag als Ort gewählt – wie das Elsass 2019 ein bewusstes politisches Statement. Im Jahr 2017 wurde das Wartburgfest in Eisenach zur „Verbandstagung“ erklärt und 2016 wurde im österreichischen Schärding getagt. Die Tagungen in Jena 2015 und Dresden 2014 verliefen weniger spektakulär als jene in Innsbruck 2013. In Innsbruck sah sich die Deutsche Burschenschaft mit Widerstand, Gegenprotesten und Kündigungen der von ihr angemieteten Messehalle konfrontiert.

    Elsass: „Das ganze Deutschland soll es sein“

    Die Deutsche Burschenschaft gibt sich stets traditionsbewusst und schreibt die Geschichte der Burschenschaften als eine kontinuierliche Geschichte. Elsass-Lothringen spielt in dieser Geschichtsschreibung eine wichtige Rolle. Ausgeblendet werden allerdings die Verbrechen während der deutschen Besatzung des Elsass nach dem 15. Juni 1940 oder gar die Beteiligung von Burschenschaftern am Nationalsozialismus.

    Auf der Website der Deutschen Burschenschaft wird stattdessen ausführlich Johann Georg August Wirth gefeiert. Aus Sicht der Burschen war er beim Wartburgfest 1832 „der einzige Redner, der konkrete Vorschläge unterbreitet“ hat: „Zugleich warnte er vor der ‚Mithilfe Frankreichs‘, das doch nur die Rheingrenze als Preis dieser Hilfe im Kopf habe, was die anwesenden Franzosen ebenso wie die Rückforderung Elsaß-Lothringens nicht wenig verletzte.”

    Im Jahr 2017 feierte sich die Deutsche Burschenschaft in Eisenach mit ihrer „200-Jahr-Feier“ des Wartburgfests. Im von den Burschen herausgegebenen Programmheft sind auch die Liedtexte der Lieder abgedruckt, die im Rahmen dieser Veranstaltung gesungen werden sollten. Im Imagefilm der „Deutschen Burschenschaft“ zu „200 Jahre Wartburgfest“ kommt ein „Alter Herr“ zu Wort: „Das gemeinsame Singen, das gemeinsame Zusammensein, das gemeinsame Erleben, dassman dann auch weitergeben kann, ist einfach etwas Erhebendes.“ Eines der Lieder ist „Was ist des Deutschen Vaterland“) von Ernst Moritz Arndt aus dem Jahr 1813:

    Was ist des Deutschen Vaterland? Ist’s Preußenland, ist’s Schwabenland? Ist’s, wo am Rhein die Rebe blüht? Ist’s, wo am Belt die Möwe zieht? O nein! nein! Nein! |:Sein Vaterland muß größer sein!:|

    (...)

    Was ist des Deutschen Vaterland? So nenne endlich mir das Land! So weit die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt: Das soll es sein! Das soll es sein! |:Das, wackrer Deutscher, nenne dein!:|

    (...)

    Was ist des Deutschen Vaterland, wo Zorn vertilgt den welschen Tand, wo jeder Franzmann heißet Feind, wo jeder Edle heißet Freund. Das soll es sein! Das soll es sein! |:Das ganze Deutschland soll es sein!:|

    (...)

    Das völkische Selbstverständnis, die großdeutschen Bestrebungen und das antifranzösischen Ressentiment dieses Texts, auf den sich nicht nur die historische, sondern auch die heutige Deutsche Burschenschaft bezieht, findet sich auch im „Strategieprogramm“ der Deutschen Burschenschaft. In einem Entwurf dieses zwischen 2010 und 2013 diskutierten Grundsatzprogramms finden sich unter der Überschrift „Was ist des Deutschen Vaterland“ einige Überlegungen des „Volkstumsbeauftragten“ der „Deutschen Burschenschaft“. Dieser stellt darin fest: „Die berühmte Frage des Liedes von Ernst Moritz Arndt vor knapp 200 Jahren ist heute genauso aktuell wie seinerzeit.“ Er geißelt „Frankreich mit seinem etatistischen, d.h. staatsbezogenen Nationsbegriff, wobei alle Staatsbürger ‚Franzosen‘ sind ohne Berücksichtigung von z.B. Normannen, Deutschen, Bretonen, usw., die auch keinen Volksgruppen-Minderheiten-Schutz genießen“ und stellt für „das deutsche Volk“ das Gegenteil fest: „Zusammenfassend läßt sich also sagen, daß sich, zumindest was das deutsche Volk betrifft, sicher kein etatistischer, rein staatsbezogener Nationsbegriff anwenden läßt. Denn wer würde wohl behaupten, daß ein Sudetendeutscher kein Deutscher ist, obwohl er vielleicht heute im Staat Tschechien lebt. Oder war bis 1989 ein Deutscher nur, wer in der Westzonen-BRD lebte?“ Der Burschenschafter führt weiter aus: „Für einen Binnendeutschen im zentraleuropäischen Raum mit deutscher Muttersprache ist es nur ‚natürlich‘, daß er ein Deutscher ist“ und schlussfolgert:

    „Die Belgien-Deutschen in Eupen-Malmedy, die Elsässer, die Deutschen Südtirols und vom Kanaltal, die Gottscheer und Untersteirer Deutschen in Slowenien, die deutschen Donauschwaben in Kroatien, Serbien und Ungarn, in Rumänien die Banater Schwaben, Berglanddeutschen, Siebenbürger, usw., die Karpatendeutschen in der Slowakei, die Sudetendeutschen in Tschechien, die Deutschen in Schlesien, Posen, West- und Ostpreußen, die Balten-Deutschen und die Deutschen im dänischen Nord-Schleswig sind ein bedeutender Teil des gesamten deutschen Volkskörpers.“

    „Deutschland“ wird also als Siedlungsraum aller „Deutschen“ im völkischen Sinne begriffen und das Elsass wird als Teil Großdeutschlands verstanden. Dass die Deutsche Burschenschaft im Jahr 2019 ihre „Verbandstagung“ im Elsass durchführen will, ist der physische Ausdruck dieser revisionistischen Bestrebungen.

    Kein „Großdeutschland“ für Naziburschen!

    Autonome Antifa Freiburg

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    25 Jahre KTS Freiburg

    Communiqué der KTS vom 28.10.2019

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    Der Kampf für das Autonome Zentrum KTS begann 1994 und so hatte die KTS Freiburg vom 16. bis 26. Oktober 2019 zu in einer Jubiläumswoche und am 25. Oktober zu einer Nachttanzdemo nach Freiburg eingeladen. Während der zeitgleich zum Jubiläum stattfindenden Squatting Days vom 18. bis 29. Oktober wurde die Eigentumsfrage mehrfach ganz praktisch gestellt. Trotz Räumungen und Repression war es eine wunderschöne Woche und nicht Wenige sind in diesen Tagen mit einem Lächeln eingeschlafen.

    Während der Jubiläumswoche vom 16. bis 26. Oktober kamen weit über 1.000 Gäste, die zum Teil eine weite Anreise hatten. In den zehn Tagen wurde in der KTS ein vielfältiges und buntes Programm geboten. Es gab Vorträge, Diskussionen und Workshops zu vielen Themen der radikalen Linken, dazu jeden Tag leckeres Essen. Kulturell reichte das Angebot von Improtheater über Filmvorführungen bis zu Konzerten, die gelegentlich zu Partys wurden. Die Badische Zeitung war beeindruckt von den ganzen jungen Leuten und beschrieb die KTS zum 25. Jubiläum als immaterielles Lokalerbe – umstritten, aber akzeptiert.

    Höhepunkt der Woche war die wie immer unangemeldete Nachttanzdemo am 25. Oktober, an der wiederum rund 1.300 Menschen teilnahmen. Bei der Auftaktkundgebung wurde über aktuelle Kämpfe in Rojava und Chile informiert, die Situation Geflüchteter und das neue Polizeigesetz thematisiert und zu mehr und konsequenterem Feminismus und Antifaschismus aufgerufen. Mit zwei Soundwägen zog die Demo durch die Innenstadt bis zum Platz der Alten Synagoge. Auf dem Weg zurück zur KTS kam die Demonstration an einem leerstehenden und geraden besetzten Haus vorbei. Also fand die Abschlusskundgebung vor der besetzten Villa in der Kronenstraße 21 statt.

    Die Hausbesetzung in der Kronenstraße war auch der Höhepunkt der Squatting Days vom 18. bis 29. Oktober. Es gab drei Hausbesetzungen in einer Woche, beim zweiten Mal mit Konzert, beim dritten Mal mit 800 Leuten vorm Haus – wir leben in bewegten Zeiten. Aber drei Hausbesetzungen bedeuten leider immer noch drei Räumungen, davon zwei durch Sondereinheiten. Wir sind wütend über die Polizeigewalt auf der Straße und die teilweise erniedrigende Behandlung der Gefangenen. Zwar führt Repression zu Wut, aber eben auch zu Solidarität. Und die war in den letzten Tagen in der KTS zu spüren. Wir sagen danke für die schönen Tage und die dunklen Nächte.

    Auf die nächsten 25 Jahre!

    Autonomes Zentrum
    KTS Freiburg


    Antifaschistischer Redebeitrag bei der Auftaktkundgebung der Nachttanzdemo