Die Welt hat am 25. Januar ein Interview mit Matthias Stickler veröffentlicht. Stickler ist Leiter des „Würzburger Instituts für Hochschulkunde“ (IfH) und „Alter Herr“ der „KDStV Gothia-Würzburg“ sowie der „KAV Capitolina-Rom“ im „Cartellverband“. Außerdem ist Matthias Stickler außerplanmäßiger Professor am Lehrstuhl für Neueste Geschichte der Uni Würzburg. Lehrstuhlinhaber: Peter Hoeres.
Stickler beschreibt das IfH als „einzigartig“:
„Es besitzt vermutlich den größten Bestand an studenten- und universitätsgeschichtlichen Zeitschriften in Deutschland. Daneben haben wir eine Bibliothek mit 42.000 Bänden und diverse Archiv- und Sammlungsbestände: Gläser, Krüge, Porzellane, Pfeifenköpfe, akademische Waffen, Fahnen, Textilien, Grafiken, ungebundene Druckwerke, Fotografien, Couleurkarten (spezielle Postkarten von Verbindungen, Anm. d. Red.). Vieles davon sind Leihgaben, etwa von Kösener und Weinheimer Corps oder vom Coburger Convent der Landsmannschaften und Turnerschaften.“
Das Institut ist zum Teil steuerfinanziert, was Stickler kleinredet:
„Die Vorgeschichte des Instituts reicht bis in Zwischenkriegszeit zurück, in seiner gegenwärtigen Form besteht es an der Universität Würzburg seit 1954, um die vorhandenen Bestände für die Forschung nutzbar zu machen und in einem gewissen Umfang auch selbst Forschung zu betreiben. Das IfH ist seit 2006 ein sogenanntes An-Institut, es ist damit zwar Teil der Universität, wird aber überwiegend nicht durch universitäre Mittel finanziert. Getragen wird es durch den Trägerverein ,Deutsche Gesellschaft für Hochschulkunde‘ (DGfH), der Spenden und Mitgliedsbeiträge generiert, und durch die Einwerbung von Drittmitteln. Die Geschichte des IfH und seiner Vorläufer wurde im Rahmen einer 2023 erschienenen Dissertation erforscht, die über unsere Homepage zugänglich ist.“
Und was steht in der Dissertation über die NS-Zeit des Vereinigung? Was haben die Herren „Studentenhistoriker“ 1933 so gemacht?
„Ostern 1933 fand in Würzburg der zehnte deutsche Studentenhistorikertag statt. Wie schon in den Vorjahren wurde der Veranstaltung auch seitens der städtischen Führungsschichten größeres Interesse entgegengebracht. Die Studentenhistoriker, bereichert durch das örtliche Publikum, tagten auf den Häusern verschiedener Würzburger Verbindungen, der Eröffnung der Veranstaltung ging ein Empfang im Rathaus und die Begrüßung durch den neuen nationalsozialistischen Oberbürgermeister Theo Memmel voraus.“
In dem Springer-Artikel nennt Stickler einen Grund der Straffreiheit der „Bestimmungsmensur“: Da es keine Duelle mehr gegeben habe, sei sie nicht mehr als Vorbereitungshandlung auf solche gewertet worden. Nur werden in Deutschland und Österreich auch heute noch andauernd Duelle gefochten, auch wenn sie „Persönliche Contrahagen“, „Pro Patria-Suiten“ oder „freundliche Fechtfolgen“ genannt werden:
„Generell beginnt im 19. Jahrhundert eine Domestizierung des Schlagens, indem die Bestimmungsmensur eingeführt wird. Jetzt geht es um verabredete Zweikämpfe, ums Kräftemessen. Duelle gibt es noch bis in die 1930er-Jahre, doch die Bestimmungsmensur wird immer wichtiger. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die wieder entstandenen schlagenden Verbände endgültig vom Duell verabschiedet. Das hat dann auch dazu geführt, dass die Bestimmungsmensur vom Bundesgerichtshof für straffrei erklärt wurde. Denn zuvor galt die Rechtsprechung des Reichsgerichts in Leipzig, wonach die Bestimmungsmensur strafbar ist, weil sie zur Vorbereitung eines Duells dient. In dem Moment, wo es kein Duell mehr gab, fiel diese Begründung weg. Und deswegen ist die Mensur seit dem BGH-Spruch von 1953 straffrei.“