Categories

    Das Autonome Zentrum KTS Freiburg in der Baslerstraße 103 wurde am letzten Januar-Wochenende von der Polizei mit einer Videokamera überwacht. Die Kamera war im 12. Stock des Hochhauses Schönbergstraße 1 versteckt, das etwa 260 Meter von der KTS entfernt ist. Während sich bis zum 11. Stockwerk Privatwohnungen befinden, besteht der 12. Stock aus Funktionsräumen. Neben der gemeinschaftlich genutzten Waschküche befinden sich dort mehrere kleine Technikräume, die für die BewohnerInnen nicht zugänglich sind. In einem dieser abgeschlossenen Räume stand die Kamera an einem Richtung KTS zeigenden Fenster. Ein Stromkabel war vom danebenliegenden Fenster außen übers Dach zu einem weiteren verschlossenen Raum verlegt und führte dort in eine Steckdose. Die Kamera befand sich auf einem Stativ und war so aufgestellt, dass sie über das gekippte Fenster direkt auf die Nordwestseite der KTS sehen konnte. Insbesondere konnte sie alle Personen filmen, die die KTS über den Haupteingang betreten oder verlassen haben.

    Am Samstag, den 25. Januar, fand in der KTS eine Infoveranstaltung zu „Rechtspopulismus in Deutschland und Europa“ statt. Anschließend gab es eine Solidaritäts-Party mit Konzerten, um Geld für Anwalts- und Gerichtskosten zu sammeln. Außerdem hatte Indymedia linksunten ursprünglich für dieses Wochenende zum 13. linksunten-Treffen anlässlich des fünfjährigen Bestehens der unabhängigen Nachrichtenseite in die KTS eingeladen, dieses Treffen war jedoch kurzfristig verlegt worden. Daneben gab es noch regelmäßige Aktivitäten wie die Nutzung der Siebdruckwerkstatt oder Besuche des Info- und Umsonstladens. Insgesamt dürften weit über hundert Personen von den Überwachungsmaßnahmen betroffen gewesen sein.

    Das Filmen der Eingangstür eines Autonomen Zentrums kann in unseren Augen nur der allgemeinen Ausforschung der linken Szene dienen. Die Polizei hat hier geheimdienstliche Methoden zum Erreichen geheimdienstlicher Ziele angewandt. Das exzessive Filmen eines politischen Kulturzentrums aus einem Wohnhochhaus wirft einige Fragen auf: Hat die Sprenker Köllmann Immobilien GmbH als Hausverwaltung der Polizei Zugang zu den Räumlichkeiten gewährt? Auf welcher Rechtsgrundlage wurde die Überwachungsmaßnahme von wem angefordert, durch wen wurde sie genehmigt, wer wusste davon und welche Behörde hat sie ausgeführt? Was ist der Grund und welche Personen waren Ziel der Überwachung? Wurde die KTS Freiburg auch schon in der Vergangenheit gefilmt?

    Im März 2009 forderten Stadträtinnen und Stadträte der Grünen Gemeinderatsfraktion in Freiburg den damaligen Leitenden Polizeidirektor und CDU-Mitglied Heiner Amann in einem offenen Brief auf, die Kriminalisierung der KTS zu beenden und zur „traditionell liberalen Freiburger Linie“ zurückzukehren. Mittlerweile ist die CDU in Baden-Württemberg abgewählt und Amann wurde von Grünen und SPD in den Ruhestand versetzt, doch die Kriminalisierung der KTS geht auch unter der grün-roten Landesregierung weiter. Wer ist politisch verantwortlich für diesen Ausspäh- und Einschüchterungsversuch? Wir fordern Aufklärung, Transparenz und die Löschung des gesamten Bildmaterials!

    Keine Kriminalisierung autonomer Politik und Kultur!

    Autonomes Zentrum KTS Freiburg
    Autonome Antifa Freiburg
    Kampagne Plätze.Häuser.Alles.
    Gartenstraße 19
    Ermittlungsausschuss Freiburg


    Fotos und Ergänzungen auf Indymedia linksunten
    Meldungen mit Updates

    27.01.2014 - Druckversion dieses Artikels Druckversion

    Im September 2013 wurde bei Nazis in der Region um Freiburg eine Rohrbombe gefunden, die nach Presseinformationen gegen AntifaschistInnen in Freiburg eingesetzt werden sollte. Wir nehmen den vereitelten Bombenanschlag zum Anlass, um einen Überblick über Nazis in Freiburg und dem Freiburger Umland zu geben. Die NPD hat in Freiburg keine organisatorischen Strukturen mehr. Zwar gibt es wie in den meisten Wahlkreisen in Baden-Württemberg auch hier einen NPD-Bundestagskandidaten, aber der Freiburger wohnt auf der anderen Seite des Schwarzwalds in Schwenningen. Alle Versuche, eine „Freie Kameradschaft“ aufzubauen, sind bisher gescheitert und der einzige „Hammerskin“ aus dem Freiburger Umland ist weggezogen.

    Aber trotz des niedrigen Organisationsgrads bleiben die Nazis lebensgefährlich. Der aktuelle Bombenfund erinnert frappierend an die Ereignisse im August 2009. Beim damaligen JN-Vorsitzenden von Lörrach wurde ebenfalls eine Rohrbombe gefunden, mit der antifaschistische Ziele in Freiburg angegriffen werden sollten. Zudem gab es Anschläge auf das Autonome Zentrum KTS und auf den besetzten Infoladen in der Gartenstraße 19. Im Oktober 2011 überfuhr ein Nazi in Riegel nördlich von Freiburg einen Antifaschisten und verletzte ihn schwer. Nach der Aufhebung des Freispruchs des Freiburger Landgerichts durch den Bundesgerichtshof, wird der Prozess im November 2013 vor dem Freiburger Landgericht neu aufgerollt.

    Razzia bei Bombennazis

    Am 4. und 5. September 2013 wurden die Wohnungen der Nazis Sascha Hiller in Freiburg, Robert Englisch in Malterdingen bei Emmendingen und Karl Wurster in Baiersbronn bei Freudenstadt von der Polizei durchsucht. Der zur Zeit ohne festen Wohnsitz gemeldete Oliver Rösch wurde in Untersuchungshaft genommen, da er außerdem am 31.08.2013 bei einem Naziaufmarsch in Dortmund einen von Englisch gebauten Sprengsatz in die Reihen der GegendemonstrantInnen warf und fünf Menschen verletzte. Die Polizei ließ Rösch in Dortmund laufen, weil sie seine Falschangaben zu seinem Wohnsitz nicht überprüfte. Robert Englisch musste nur eine Nacht auf der Wache verbringen, obwohl die Behörden in seiner Wohnung eine funktionsfähige mit Schwarzpulver und kleinen Metallkugeln gefüllte Rohrbombe fanden. Laut Badischer Zeitung hatten die Nazis geplant, „während einer Kundgebung von Antifaschisten das ferngesteuerte Modellflugzeug über die Menschen fliegen zu lassen und den Sprengsatz abzuwerfen“. Der versuchte Mordanschlag auf AntifaschistInnen mit „flying bombs“ machte weltweit Schlagzeilen.

    Sascha Hiller wohnt seit Januar 2013 neben seiner Mutter im Haierweg 20f in 79114 Freiburg-Haid. Geboren wurde Sascha Hiller am 16.07.1989 in Weimar. Vor seinem Umzug nach Freiburg wohnte Hiller in Offenburg-Elgersweier, wo er nicht nur als Drogenkonsument, sondern auch als Dealer von Ecstasy und Kokain auffiel. Am 02.06.2013 zündete der volltrunkene Hiller bei einer Naziparty in Freudenstadt statt des Feuers sich selbst an. Es folgte ein mehrwöchiger stationärer Aufenthalt in einer Stuttgarter Transplantationsklinik. Aber auch privatinsolvente, arbeitslose und besoffene Nazis mit „Physik: ungenügend“ im Hauptschul-Abschlusszeugnis können mit Bomben töten.

    Funktionierendes Nazi-Netzwerk

    Nach seiner Verhaftung kontaktierte Hiller diverse Nazikader, darunter den NPD-Landesvorsitzenden Alexander Neidlein. Als Rechtsanwalt wurde Hiller die Kanzlei von Steffen Hammer empfohlen. Hammer war der Bandleader der NSU-Soundtrack-Band „Noie Werte“ und betreibt mittlerweile neben seiner Kanzlei in Reutlingen und der gemeinsamen Kanzlei mit Alexander Heinig in Stuttgart auch eine Zweigstelle gemeinsam mit Andreas Wölfel in Tröstau bei Wunsiedel. Wölfel ist nicht nur „Alter Herr“ der Burschenschaft „Thessalia Prag zu Bayreuth“ in der „Deutschen Burschenschaft“, sondern war auch der Organisator des NPD-Aufmarschs am 1. Mai 2011 in Heilbronn. Zu Hillers Nazifreunden gehören auch der Freiburger Türsteher Niki Wolters, die überzeugte Nationalsozialistin Laura Rupp, der Kameradschaftsführer Pablo Allgeier sowie die NPDler Nicolai Hessmann und Thomas Stöckle. Stöckle wiederum ist eng befreundet mit Robert Englisch.

    Besuch und Unterstützung erhielt Hiller nach der Razzia auch von Tino Heidmann, ein Rassist und Antisemit aus Ichenheim. Zu Heidmanns aus Nazis bestehenden Freundeskreis gehört auch Florian Stech, obwohl Stech vor Gericht behauptete, aus der Naziszene ausgestiegen zu sein. Stech hatte am 01.10.2011 in Riegel einen Antifaschisten überfahren und schwer verletzt. Während des Prozesses vor dem Freiburger Landgericht im Sommer 2012 sagten eine Reihe von ZeugInnen zu den Ereignissen rund um die Naziparty auf dem Bahlinger Rebengrundstück der Adler-Brüder aus. Einer der Nazizeugen war Pascal Dronek aus Ötisheim bei Pforzheim — nicht zu verwechseln mit dem Kameradschaftsmitglied Pascal Setterich. Stech wurde in erster Instanz vom Freiburger Landgericht freigesprochen. Richterin Eva Kleine-Cosack hatte trotz eindeutiger Beweise Stechs Mordabsichten ignoriert. Die Revision vor dem Bundesgerichtshof war erfolgreich, der Freispruch wurde aufgehoben und der Prozess wird voraussichtlich ab dem 18.11.2013 vor einer anderen Kammer des Freiburger Landgerichts neu verhandelt.

    Kaiserstühler Spätgermanen

    Hiller pflegt rege Kontakte zu anderen Nazis im Freiburger Umland. Nach der Auflösung der „Kameradschaft Südsturm Baden“ versuchte Hiller gemeinsam mit Pascal und Jacqueline Setterich, Julian genannt „Eule“ und den NPDlern Alexander Franke, den Brüdern Daniel und Stefan Adler Anfang 2013 die Kameradschaft „Nationaler Widerstand Emmendingen“ aufzubauen. Die Website kam über ein „Hello world!“ nie hinaus. Bei zahlreichen Sauffesten schmiedeten die Kaiserstuhl-Nazis gemeinsam mit Hiller, Englisch, Rösch und Wurster große Pläne vom eigenen Nazizentrum, die sie jedoch bisher nicht umsetzen konnten.

    Weiterhin ist Sascha Hiller mit einigen der Nazis befreundet, die mit dem Bombenbauer Thomas Baumann organisiert waren, darunter Maikel Schmähling, Ramon Mallens und Kim Formella. Ein weiteres Bindeglied zwischen den Nazis vom Oberrhein und den Kaiserstühler Nazis stellt der im Stil der „Autonomen Nationalisten“ auftretende Sebastian Kornmeier dar. Kornmeier, der regelmäßig Boxen trainiert und ein gewalttätiges Image pflegt, lebt bei seinen Eltern Im Höfle 23 in 79108 Gundelfingen und fuhr erst kürzlich in die Niederlande in den Urlaub. Generell sind die südbadischen Nazis gut vernetzt, Philipp Mang aus der Geyer-Zu-Lauf-Straße 40 in 79312 Emmendingen etwa ist neben häufigen Besuchen von Nazikonzerten auch regelmäßig bei der „Hausgemeinschaft Jonastal“ im thüringischen Crawinkel zu Gast, die kürzlich wegen terroristischer Umtriebe der österreichischen Nazigruppe „Objekt 21“ in die Öffentlichkeit geriet.

    Kontakte nach Bayern und Thüringen

    In engem Kontakt mit Philipp Mang steht Jonathan Stumpf, geboren am 13.08.1988 in Richmond, Virginia. Stumpf verfasst regelmäßig unter dem Pseudonym „Johannes Scharf“ Pamphlete zur „Rassenfrage“ und publiziert neben Naziverlagen wie dem „Forsite-Verlag“ auch im Nazimagazin „Hier und Jetzt“ des NPDlers und „Deutschen Burschenschaftlers“ Arne Schimmer. Jonathan Stumpf vom „Heidnischen Sturm Pforzheim“ fuhr nach seiner Zeit in Freiburg für mehrere Monate zur See und verpflichtete sich im Sommer 2012 für acht Jahre als Soldat der US-Army in der „D Company Task Force 1 50th Infantry“. Nach seiner Grundausbildung in Columbus, Georgia ist er mittlerweile im bayerischen Grafenwöhr stationiert. Dort pflegt er weiterhin Nazikontakte und feierte etwa Ende 2012 mit den Nazis vom „Freien Netz Süd“ in deren Immobilie in Oberprex. Stumpf besucht immer noch regelmäßig Nazikonzerte, gerne gemeinsam mit Philipp Mang aus Emmendingen und Georgi Georgiev, der als Koch im Colombi-Hotel Freiburg arbeitet.

    Eines der von Mang besuchten Nazikonzerte fand am 06.10.2012 in Lütschenbach im Schwarzwald statt. Organisiert wurde dieses Konzert von den „Hammerskins“ des „Chapter Baden“, zu denen Mang ebenfalls Kontakte pflegt. Bei den baden-württembergischen „Hammerskins“ rumorte es nach dem letzten Communiqué insbesondere im „Chapter Württemberg“, wo von mindestens einem Austritt in Folge der Veröffentlichung berichtet wurde. Auch das „Chapter Baden“, das als eine der konspirativsten Sektionen der deutschen „Hammerskins“ gilt und schon früh auf Verschlüsselung drängte, verzeichnet Veränderungen. So zog der „Hammerskin“ Daniel Heintz von Müllheim in die Pfalz, wo er in Landau bei Randstad arbeitet. Zuvor war er in der Freiburger Filiale der berüchtigten Leiharbeitsfirma tätig. Zuletzt trafen sich die deutschen „Hammerskins“ am 14.09.2013 zu einer „Fight Night“ im rheinland-pfälzischen Vettelschoss. Vor einem Publikum von weit über 100 Nazis traten Nazis in 17 Kämpfen gegeneinander an.

    „Mehr zu irren Nazistrolchen

    Robert Englisch ist 42 Jahre alt und lebt mit seiner Familie im Buchenweg 9 in 79364 Malterdingen. Vor seiner Zeit in Südbaden lebte Englisch im niedersächsischen Oldenburg. Nach seiner vorübergehenden Verhaftung am 05.09.2013, wurde Robert Englisch von den Behörden als unpolitischer, irregeleiteter Sprengstoffnarr dargestellt, der von den drei anderen Beschuldigten Rösch, Wurster und Hiller zum Bau von Bomben angestiftet worden sein soll. Dabei fällt Englisch neben seinem Waffenfetischismus, insbesondere seiner Begeisterung für Schusswaffen und Munition aller Art, vor allem durch seine antisemitische Nazi-Ideologie auf. Er besuchte Naziveranstaltungen gemeinsam mit Hiller, Rösch und Wurster und war außerdem bei dem am 24. November 2012 von den Kaiserstühler Nazis ausgerichteten „Heldengedenken“ anwesend. Bereits seit Jahren beschäftigt er sich intensiv mit dem Bau von teils sehr großen Modellflugzeugen. Im Januar 2013 schrieb er in diesem Kontext: „das flugzeug kann dich ganz schnell töten, eine frau läßt sich da wesentlich mehr zeit“.

    Robert Englisch geht davon aus, dass seine Anschlagspläne von Michael Stark an die Behörden verraten wurden. Michael Stark bewegt sich seit längerem im Freundeskreis um Hiller und Englisch, nahm auch an Spreng-Übungen teil und besorgte gemeinsam mit Hiller Kugellager für Englisch. Michael Stark gibt an, wie Robert Englisch beim Hersteller von Tunnelvortriebsmaschinen und CDU-Großspender Herrenknecht in Schwanau zu arbeiten. Auch anderen Kollegen bei Herrenknecht sind Englischs Bombenexperimente kein Geheimnis.

    Naziaufmärsche in Karlsruhe und Dortmund

    Oliver Rösch, geboren am 27.10.1989 in Zschopau in Sachsen, hat am 31.08.2013 bei dem von der Nazipartei „Die Rechte“ organisierten Naziaufmarsch in Dortmund einen Sprengsatz in Richtung von GegendemonstrantInnen geworfen und dabei fünf Personen verletzt. Gebaut wurde dieser Sprengsatz von Robert Englisch. Rösch wurde in Dortmund direkt nach seinem Bombenwurf festgenommen, jedoch kurz darauf bereits wieder freigelassen. Nach seiner Freilassung organisierten Englisch und Hiller ihm ein Rückfahrticket in den Schwarzwald. Der offiziell wohnungslose Rösch lebte in letzter Zeit bei Karl Wurster. Seit seiner erneuten Verhaftung sitzt der bereits mehrfach vorbestrafte Rösch, der zudem größere Geldprobleme hat, in Untersuchungshaft.

    Karl Wurster wurde am 22.09.1991 geboren und besuchte von 2002 bis 2007 die Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule Klosterreichenbach. Er besucht häufig Naziveranstaltung, etwa gemeinsam mit Rösch, Hiller und Englisch bei Bernd Kaltenbach. Wurster war mit Hiller und Rösch auf dem Naziaufmarsch am 25.05.2013 in Karlsruhe. Über Wurster sollte das geplante Nazizentrum im Raum Freudenstadt gekauft werden. Doch bereits vor dem geplanten Kauf Anfang August scheiterten die hochfliegenden Pläne.

    Ebenfalls beim Naziaufmarsch in Karlsruhe anwesend war Michael Stielau aus der Eberbachstraße 71 in 76532 Baden-Baden — allerdings nicht offen als Nazi erkennbar, sondern hinter einer großen Fernsehkamera versteckt. Michael Stielau betreibt „Baden-Baden TV“ und arbeitet als Kameramann. Stielau achtet zwar auf seine Unauffälligkeit, pflegt jedoch Nazikontakte und stellt organisierten Nazis Aufnahmen von GegendemonstrantInnen zur Verfügung. Auch auf Facebook meldet er sich mit rechten Statements zu Wort. Erst im September 2013 schrieb er über den Nazi-Rapper „Makss Damage“: „Geniale Texte, muss mehr von ihm hören“, kommentierte auf der Pinnwand des Nazikaders Maik Scheffler wohlwollend dessen Einträge und beantwortet die Frage „Soll die NPD verboten werden“ mit „Nein, sie soll bleiben!“.

    Brandanschlag in der Gartenstraße

    Seit der Besetzung der Gartenstraße 19 in der Freiburger Innenstadt am 23.04.2010 gab es immer wieder Angriffe auf den Infoladen. Der letzte und gefährlichste Angriff erfolgte am 27.10.2012 kurz vor Mitternacht. Die Täter schlugen die Scheiben ein und legten im Gebäude Feuer. Die Polizei verharmloste den Brandanschlag als „Sachbeschädigung mit ganz geringem Schaden“. Die Badische Zeitung veröffentlichte erst zwei Monate nach dem Brandanschlag einen längeren Artikel. Anlass waren nicht etwa eigene Recherchen oder Informationen der Behörden, sondern ein antifaschistisches Communiqué. In diesem war der Lehrer Nikolaus Weirich aus Stegen als einer der für die Planung des Brandanschlags Verantwortlichen enttarnt worden. Daraufhin gab es bei mehreren Nazis Hausdurchsuchungen. Weitere Tatverdächtige sind Max Grösch und Franziskus Thomas Maria Weirich, Im Ettle 1, 79117 Freiburg-Ebnet, ein Bruder von Nikolaus.

    Max Grösch ist 20 Jahre alt und lebt noch bei seinen Eltern Am Schmiedacker 4, 79199 Kirchzarten-Burg am Wald. Grösch stand bereits mehrfach in Freiburg vor Gericht: am 21.10.2007 wegen Diebstahl, am 26.02.2010 zusammen mit Franziskus Weirich wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Körperverletzung, am 15.07.2010 wegen Sachbeschädigung und versuchter Körperverletzung und am 11.06.2013 wegen Körperverletzung. Die ersten drei Verfahren wurden eingestellt und da Richter Uwe Nowak offenbar ein Herz für Lokalnazis hat, endete der letzte Prozess mit einer Verurteilung zu Sozialarbeit und 10-monatigem nächtlichen Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Max Grösch war am Abend des Brandanschlags mit Franziskus Weirich unterwegs und an der Planung des Anschlags beteiligt. In einer Freiburger Lokalität attackierte er einen Türsteher, was zur Anklage wegen Körperverletzung führte. Noch im Mai beteuerte Grösch seine Unschuld und schickte eine Namensliste mit ZeugInnen des Vorfalls ans Gericht, knickte dann aber aufgrund der Beweislast auf Anraten seines Anwalts vor der Verhandlung ein.

    Schülerfux und die Brandstifter

    Vom Januar bis August 2011 war Max Grösch „Schülerfux“ der „Burschenschaft Saxo-Silesia Freiburg“ in der „Deutschen Burschenschaft“. Auf Facebook ist Grösch befreundet mit dem ehemaligen Altherren-Vorsitzenden der „Saxo-Silesia“ Jörg Haverkamp, Darriwald 12, 79108 Freiburg-Hochdorf, und dem „Schriftwart“ des Altherren-Verbandes und Faschisten und Sexisten Dubravko Mandic, Hieberainle 22, 79108 Freiburg-Hochdorf. Mandic arbeitet in der Freiburger Kanzlei „Knapp Rechtsanwälte“ in der Kaiser-Joseph-Straße 273 des „Alten Herren“ der „Burschenschaft Teutonia Freiburg“ Andre M. Knapp. Außerdem ist Dubravko Mandic Mitglied im Schiedsgericht des Landesverbandes Baden-Württemberg der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD).

    Die baden-württembergische Vorsitzende der AfD, Elke Fein, steht auf Listenplatz 5 der Landesliste, ist Direktkandidatin für den Wahlkreis Freiburg und Dozentin für Neuere und Osteuropäische Geschichte an der Uni Freiburg. Trotz Mitgliedern wie Mandic in wichtigen Parteifunktionen verharmlost Fein den Schulterschluss der AfD mit Nazis. Zudem behauptet Fein, die AfD nehme wie bei den REPs „bei Aufnahmeanträgen früherer Mitglieder der ‚Freiheit‘ eine Einzelfallprüfung vor“. Demzufolge hat Eva Kahlmann, ehemaliges Mitglied der rassistischen Kleinstpartei „Die Freiheit“ (DF) die Einzelfallprüfung wohl bestanden. Eva Kahlmann ist, wie ihr Sohn Emil Kahlmann und ihr Partner Norbert Voll, Islamhasserin und Aktivistin der Mannheimer „PI-News“-Gruppe. Mittlerweile betreut sie die Facebook-Seite der AfD.

    Auf Platz 17 der AfD-Landesliste kandidiert Martina Kempf, Friedhofallee 4a, 79206 Breisach, Jahrgang 1964. Kempf ist christliche Fundamentalistin, Antifeministin, „Lebensschützerin“ und Macherin der „Aktion Lebensrecht für Alle“. Wie ihr Mann Volker Kempf und Taras Maygutiak der Freiburger AfD-Hochschulgruppe ist sie Autorin der „Jungen Freiheit“ und hat in der Ausgabe März 2013 der Nazizeitung „Zuerst“ ein Interview gegeben. Sie referierte bei der „VIII. Bielefelder Ideenwerkstatt der Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ in der „Deutschen Burschenschaft“.

    Bei Bürgels unterm Sofa

    In Freiburg gibt es seit 2003 keine JN-Ortsgruppe und seit 2009 keinen NPD-Kreisverband mehr. Einzelne JN-Mitglieder wie die aus Reutlingen zugezogene Maria Dimerli aus March-Buchheim werden geoutet und isoliert. Der Freiburger NPD-Bundestagskandidat Michael Kerber wohnt im 80 km entfernten Villingen-Schwenningen. Der letzte NPD-Vorsitzende John Bürgel wohnt noch immer zusammen mit seiner Frau Bettina Bürgel in der Sandstraße 6 in Freiburg-Herdern. John Bürgel arbeitet weiterhin als Chemie-Schichtarbeiter bei Losan Pharma in Neuenburg, Bettina Bürgel bei der Metzgerei Blatter & Winterhalter in der Bertoldstraße 27 in der Freiburger Innenstadt. Gabriele Bürgel, die im Seniorenwohnpark in der Rheinhausenstraße 32c in 79336 Herbolzheim wohnt, ist ebenfalls NPD-Mitglied.

    Auch nach der Zerschlagung des Freiburger NPD-Kreisverbands nehmen John und Bettina Bürgel weiter an NPD-Veranstaltungen teil. John Bürgel ist für die in den letzten Wochen insbesondere in Herdern verklebten NPD-Aufkleber mit der Aufschrift „Asylantenheim? Nein Danke!“ verantwortlich. Bettina Bürgel ist seit 1999 Mitglied der NPD. Sie trat 10 Jahre nach ihrem Mann John Bürgel der Nazipartei bei, 2000 heirateten John und Bettina. Auch Bettina Bürgel spielte jahrelang eine wichtige organisatorische Rolle im NPD-Kreisverband Freiburg-Südlicher Oberrhein.

    Freiburger NPD-Umfeld

    Webmaster der Freiburger NPD war mehrere Jahre lang Bernd Hansen. Er betreute die Mailadresse seitenbetreuer@suedlicher-oberrhein.npd.de und spendete der NPD Geld. Einer der anonymen Autoren der NPD-Website war der Ex-Redakteur des Freiburger Stadtkuriers Andreas Strittmatter. Dort schrieb er etwa über „Kinderschänder“ und über „von Multikulti infizierte BRD-Politiker“. Arbeitslos und bekannt in Funk und Fernsehen wurde der Nazijournalist durch sein Outing im Dezember 2008.

    Die Nazi-Veranstaltung im Juni 2008 in Freiburg-Littenweiler mit dem NPD-Sympathisanten und Nazi-Propagandisten Wolfgang Grunwald, Alte Kirchstraße 10 in 79282 Ballrechten-Dottingen, wurde organisiert von Bernd Krain aus der Ferdinand-Weiß-Straße 137 in 79106 Freiburg. Aktuell pflegt Krain seine Nostalgie für die „verlorenen deutschen Ostgebiete“ und Preußen und steht in regem Kontakt mit anderen Schlesienspinnern. Der langjährige Angestellte des Freiburger Elektronik-Fachhandels Omega, Dirk Allgaier, bewirbt auf Facebook Nazimusik wie „Die Juden sind unser Unglück“ und „teilt“ mit aller Welt die Partei seiner Wahl: die NPD. Kürzlich ist Allgaier als Leiter der in der Brückstraße 40 neueröffneten Dortmunder Omega-Filiale in die nordrhein-westfälische Nazihochburg gezogen.

    Leben, wo andere Urlaub machen

    Im Freiburger Umfeld gibt es vereinzelt noch weitere NPD-Mitglieder. Beate Düringer, Jahrgang 1966, von Beruf Imkerin, war um 2007 Interims-Vorsitzende des NPD-Kreisverbands. Das NPD-Mitglied Nummer 82057 lebt auf dem Trottenhof im Führhäupterweg 1 in 79241 Ihringen – keine 600 m vom Jüdischen Friedhof entfernt, der 2007 durch Nazis verwüstet wurde. Der Trottenhof firmiert im Internet unter weingut-dueringer.de. Ihre Ferienwohnungen bewirbt Familie Düringer unter urlaub-am-kaiserstuhl.de. Der Imkerverein Breisach ignorierte Hinweise, dass er die NPD-Funktionärin als Rechnerin beschäftigt.

    Das NPD-Mitglied Annette Oberlin aus der Kastelbergstraße 2 in 79189 Bad Krozingen, Jahrgang 1975, spendete der NPD ebenso wie Beate Düringer Geld – zusätzlich zu ihren Mitgliedsbeiträgen. Ebenfalls Parteimitglied ist Markus Schlegel, Jahrgang 1976, wohnhaft in der Attentalstraße 13 in 79252 Stegen. Im Schwarzwald wohnen die NPDler Daniel Kleiser, Jahrgang 1966, wohnhaft Freiburger Straße 2 in 79822 Titisee-Neustadt und Manuel Baumann, An der Haslach 10 in 79853 Lenzkirch.

    Kein Fußbreit dem Faschismus

    Freiburg ist keine Nazihochburg. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis eines gesellschaftlich liberalen Klimas und jahrelanger, gezielter Antifa-Arbeit. Wenn auch einzelne Nazis für Ärger sorgen, so ist und bleibt die Stadt insgesamt kein gutes Pflaster für sie. Aber trotz ihrer Marginalisierung zeigen die Anschläge und Anschlagspläne, dass von Nazis immer eine Gefahr ausgeht. Nach der jahrelangen Mordserie der NSU, den hilflosen Ermittlungen gerade der baden-württembergischen Polizei und den anschließenden Vertuschungen der Geheimdienste, sollte klar sein, dass auf den Staat und seine Behörden im Kampf gegen Rechts kein Verlass ist. Die Freiburger Justiz ist wegen des Stech-Prozesses zur Zeit auf Bewährung und ob im Gartenstraßen-Prozess überhaupt Anklage erhoben wird, ist weiterhin unklar. Es zeigt sich immer wieder: ohne antifaschistische Aktionen bauen Nazis Strukturen auf und ohne antifaschistische Recherche werden sie nicht bekannt.

    Antifa is watching you!

    Autonome Antifa Freiburg


    Communiqué, Updates und Fotos auf Indymedia linksunten


    Liste der baden-württembergischen NPD-KandidatInnen für die Bundestagswahl 2013, (Wahlkreise 258 bis 295)

    - 258: Bundestagswahlkreis Stuttgart I
    Hellriegel, Ronnie
    Gas- und Wasserinstallateur
    Schießmauerstr. 16
    70563 Stuttgart

    - 259: Bundestagswahlkreis Stuttgart II
    Schernau, Lutz
    Maschinenbauer
    Rosmarinweg 95
    70374 Stuttgart

    - 260: Bundestagswahlkreis Böblingen
    Geider, Bernd
    Unternehmer
    Kranichweg 57
    69123 Heidelberg

    - 261: Bundestagswahlkreis Esslingen
    Krämer, Martin
    Student
    Hainbuchenweg 24
    70597 Stuttgart

    - 262: Bundestagswahlkreis Nürtingen
    Schrade, René
    Industriemechaniker
    Dammstr. 6
    73728 Esslingen am Neckar

    - 263: Bundestagswahlkreis Göppingen
    Neidlein, Alexander
    Verlagskaufmann
    Gastenfelden 9
    91592 Buch am Wald

    - 264: Bundestagswahlkreis Waiblingen
    Wehner, Jürgen
    Metallbaumeister
    Winterbacher Str. 8 (Stand: 2011)
    73614 Schorndorf

    - 265: Bundestagswahlkreis Ludwigsburg
    Lockfisch, Klemens
    Einzelhandelskaufmann
    Jägerstraße 47
    71032 Böblingen

    - 266: Bundestagswahlkreis Neckar-Zaber
    Reiß, Daniel
    Oberkellner
    Hansenklinge 10
    71543 Wüstenrot

    - 267: Bundestagswahlkreis Heilbronn
    Brodbeck, Matthias
    Technischer Angestellter
    Bahnhofstraße 2/1
    97990 Weikersheim

    - 268: Bundestagswahlkreis Schwäbisch Hall – Hohenlohe
    Kellermann, Friedrich
    Metzger
    Lächenstraße 6
    74592 Kirchberg an der Jagst

    - 269: Bundestagswahlkreis Backnang – Schwäbisch Gmünd
    Grunert, Benno
    Rentner
    Gottlob-Müller-Str. 10
    71364 Winnenden

    - 270: Bundestagswahlkreis Aalen – Heidenheim
    Keine Kandidatur

    - 271: Bundestagswahlkreis Karlsruhe-Stadt
    Köhler, Heiko
    Angestellter
    Badstraße 59
    71134 Aidlingen

    - 272: Bundestagswahlkreis Karlsruhe-Land
    Däschner, Karl
    Teamleiter
    Engelsgasse 15
    76646 Bruchsal

    - 273: Bundestagswahlkreis Rastatt
    Pfirrmann, Karl-Heinz
    Finanzberater
    Dammstraße 19
    76744 Wörth am Rhein

    - 274: Bundestagswahlkreis Heidelberg
    Jaeschke, Jan
    Kurierfahrer
    Mierendorffstr. 6
    69469 Weinheim

    - 275: Bundestagswahlkreis Mannheim
    Waldheim, Silvio
    KFZ-Schlosser oder Verkaufsberater
    Hallenstraße 13 (Stand: 2011)
    68219 Mannheim

    - 276: Bundestagswahlkreis Odenwald – Tauber
    Erdmann, Tobias
    Technischer Angestellter
    Im Egelsee 9
    97990 Weikersheim

    - 277: Bundestagswahlkreis Rhein-Neckar
    Schätz, Reinhard
    KFZ-Mechaniker
    Rauenberg

    - 278: Bundestagswahlkreis Bruchsal – Schwetzingen
    Scheibler, Jörg
    Industriemeister
    Hohermuthstraße 7
    Ubstadt-Weihe

    - 279: Bundestagswahlkreis Pforzheim
    Ragg, Günther
    KFZ-Meister
    Lindenweg 15 (Stand:2011)
    78549 Spaichingen

    - 280: Bundestagswahlkreis Calw
    Schützinger, Rudolf
    Industriemeister
    Körnerstr. 25
    Villingen-Schwenningen

    - 281: Bundestagswahlkreis Freiburg
    Kerber, Michael
    Kaufmännischer Angestellter
    Neckarstraße 137
    78056 Villingen-Schwenningen

    - 282: Bundestagswahlkreis Lörrach – Müllheim
    Boltze, Andreas
    Fachkraft für Lagerlogistik
    Hegenheimer Str. 17
    79576 Weil am Rhein

    - 283: Bundestagswahlkreis Emmendingen – Lahr
    Güllich, Hans-Jürgen
    KFZ-Mechaniker
    Reinsbronn 31
    97993 Creglingen

    - 284: Bundestagswahlkreis Offenburg
    Wöhrle, Werner-Christian
    Pharmareferent
    Hornisbrücke 6
    77793 Gutach (Schwarzwaldbahn)

    - 285: Bundestagswahlkreis Rottweil – Tuttlingen
    Fischer, Wolfram
    Diplom-Betriebswirt (BA)
    Wilhelmstraße 61
    78532 Tuttlingen

    - 286: Bundestagswahlkreis Schwarzwald-Baar
    Schützinger, Jürgen
    Geschäftsführer
    Hegelstr. 87
    78056 Villingen-Schwenningen

    - 287: Bundestagswahlkreis Konstanz
    Hoffmann, Susanne
    Geschäftsführerin
    Sängerstraße 12 (Stand: 2011)
    78054 Villingen-Schwenningen

    - 288: Bundestagswahlkreis Waldshut
    Hallasch, Philip-Mario
    Getriebemonteur
    Gupfweg 8
    79400 Kandern

    - 289: Bundestagswahlkreis Reutlingen
    Heinzmann, Axel
    Rentner
    Kirchentellinsfurter Str. 12
    72827 Wannweil

    - 290: Bundestagswahlkreis Tübingen
    Schmidt, Edda
    Hausfrau
    Untere Klingen 2
    72406 Bisingen

    - 291: Bundestagswahlkreis Ulm
    Keine Kandidatur

    - 292: Bundestagswahlkreis Biberach
    Keine Kandidatur

    - 293: Bundestagswahlkreis Bodensee
    Belz, Tim
    Maler und Lackierer
    Bahnhofstrße 3
    88677 Markdorf

    - 294: Bundestagswahlkreis Ravensburg
    Hennes, Benjamin
    Industriebuchbinder
    88255 Baindt

    - 295: Bundestagswahlkreis Zollernalb – Sigmaringen
    Schmidt, Hans
    Rentner
    Untere Klingen 2
    72406 Bisingen


    Communiqué, Updates und Fotos auf Indymedia linksunten

    21.09.2013 - Druckversion dieses Artikels Druckversion