• Montag, 08.02.2016

    In mehreren europäischen Städten und in Canberra versammelten sich am 6. Februar 2016 insgesamt über 12.000 Pegida-Nazis. Es kam zu Auseinandersetzungen und teilweise schweren Übergriffen und Anschlägen gegen Flüchtlinge und Linke am gesamten Wochenende. Die größte Demonstration mit bis zu 8.000 Nazis fand wie zu erwarten in Dresden statt. Nur einige hundert Pegidas folgten unter anderem in Tallinn, Bratislava, Amsterdam, Kopenhagen, Montpellier, Birmingham, Calais und im australischen Canberra dem "europaweiten" Aufruf. Über 1.000 waren es in Prag und gut 500 in Warschau – hier gab es, wie auch in Amsterdam und Kopenhagen, verstärkten antifaschistischen Widerstand. In Prag griffen Nazis nach der Pegida-Kundgebung das Autonome Zentrum Kilinka in der Jeseniova 60 mit Eisenstangen und Brandsätzen an. Es gab mehrere Verletzte. In Calais kam es bei einer nicht-genehmigten Pegida-Versammlung zu Nazirandale und Repression gegen die Faschos. Der 75-jährige General Christian Piquemal, ehemaliger Chef der Fremdenlegion und Afrika-Veteran, wurde als einer der Rädelsführer verhaftet. Mehr oder weniger unabhängig von den Pegida-Mobilisierungen gab es in Deutschland das gesamte Wochenende über Gewalttaten gegen Linke und Geflüchtete. Wegen Volksverhetzung wird gegen Jugendliche ermittelt, die am 5. Februar vor einer Geflüchtetenunterkunft im ostfriesischen Moordorf fremdenfeindliche Parolen gerufen haben. Im sächsischen Grimma wurde ebenfalls am 5. Februar ein Linker von Nazis mit einem Schraubenzieher lebensgefährlich verletzt. Im hessischen Alheim wurden die Scheiben einer Flüchtlingsunterkunft am 6. Februar zertrümmert, wie auch im niedersächsischen Northeim. Mit einer Schreckschusswaffe schossen Unbekannte, ebenfalls Samstag, aus einem Auto auf Geflüchtete nahe einer Unterkunft im westfälischen Bocholt. Im sächsischen Freital wurden am 7. Februar Naziparolen auf ein Flüchtlingsheim gesprüht. In Kaufbeuren-Neugablonz steckten Nazis am Sonntag den Dachstuhl einer Flüchtlingsunterkunft an.
    So understand Fusion plan to stop them with a bang

  • Sonntag, 07.02.2016

    Nach diverser Repression und angesichts drohender Räumungen linker Hausprojekte in Berlin versammelten sich am 6. Februar bis zu 5.000 Menschen zu einer Demonstration durch Friedrichshain. In der Nacht zuvor brannte das Kommando Klaus Jürgen Rattay zahlreiche Luxuskarossen nieder.
    Wir bleiben alle!

  • Sonnabend, 06.02.2016

    Während vereinzelt Prozesse gegen Nazis, die sich an der bundesweiten terroristischen Brandstiftungsserie beteiligen, eröffnet werden, brennen weiterhin fast täglich Flüchtlingswohnheime, hier und andernorts. In der Nacht auf den 5. Februar haben FaschistInnen in Warburg in NRW eine bewohnte Unterkunft angezündet. Auch in Petäjävesi in Finnland warfen Nazis am 4. Februar drei Brandsätze in eine bewohnte Geflüchtetenunterkunft.
    Wegen des rassistisch motivierten Brandanschlages im sächsischen Meißen im Juni 2015 wurde nun wegen Sachbeschädigung und schwerer Brandstiftung Anklage gegen zwei Nazis erhoben. Wegen versuchtem Mord im Oktober 2014 stehen in Rostock zwei Nazis vor Gericht, die einen Brandanschlag in Groß-Lüsewitz verübt haben. Die Justiz beschäftigt sich darüber hinaus mit der Hetze gegen Flüchtlinge, auch in Form von Falschanzeigen. In Sonneberg, in Thüringen, erfand eine 21-Jährige offenbar aus rassistischen Motiven eine Vergewaltigung durch Flüchtlinge. Größenwahnsinnige Jugendliche in Kirchheim unter Teck erfanden eine Verfolgungsjagt durch Geflüchtete am 2. Februar und lösten damit einen Großeinsatz aus.
    Trying and trying again to get this damn thing done

  • Freitag, 05.02.2016

    Am Kernkraft-Schrottmeiler Fessenheim hat es am 4. Februar mal wieder ein Feuerchen gegeben. Noch immer schiebt die französische Politik die längst überfällige Abschaltung der nuklearen Zeitbombe 20 Kilometer vor Freiburg auf die lange Bank.

  • Donnerstag, 04.02.2016

    Nach dem Naziüberfall in Connewitz am 11. Januar wurden am 3. Februar in Leipzig-Mockau die Autos des AfD-Stadtrats Holger Hentschel und des Neonazis Thomas Kuhbach angezündet.

  • Mittwoch, 03.02.2016

    Das Autonome Kulturzentrum Luftschlossfabrik in Flensburg wurde am 3. Februar von den Bullen geräumt. Dabei gab es auch Widerstand.

  • Dienstag, 02.02.2016

    Am 1. Februar hat das Autonome Zentrum KTS Freiburg ein Communiqué zur Debatte um die rassistische Türpolitik der Freiburger Clubs veröffentlicht. Die Badische Zeitung hat über das Communiqué berichtet.

  • Dienstag, 02.02.2016

    Auch zum Monatswechsel gab es bundesweit Naziterror, Brandstiftungen unter anderem in einer Moschee und mehrere Sprengstoffanschläge gegen Geflüchtete. Am 29. Januar attackierten zwei Rechte eine Flüchtlingsunterkunft in Gütersloh und zertrümmerten dabei Fenster. In Salzwedel verprügelten Nazis am Samstagabend Menschen auf offener Straße. Rechtsradikale versuchten in der Nacht des 30. Januar die Unterkunft für unbegleitete jugendliche Gelüchtete in Oelsnitz im Vogtland nieder zu brennen. Ebenfalls am Wochenende gab es einen gescheiterten Brandanschlag und einen gescheiterten Sprengstoffanschlag gegen zwei bisher unbewohnte Flüchtlingsunterkünfte in Leipzig. Am 31. Januar gab es einen Brand in einer Geflüchtetenunterkunft in Förtha bei Eisenach. In Neunkirchen im Saarland gab es am 2. Februar einen Brandanschlag auf eine Moschee. Nahe einer Flüchtlingsunterkunft in Oberhausen haben Rechte in der Nacht auf den 2. Februar Feuer gelegt und versucht mit einer Gasflasche eine Explosion herbei zu führen.

  • Dienstag, 02.02.2016

    Am morgen des 1. Februar fand an der griechisch-mazedonischen Grenze im Dorf Idomeni, eine Razzia bei internationalen UnterstützerInnengruppen statt. Dabei stürmten schwer bewaffnete Sondereinheiten mit Hunden, dass Haus, die herum stehenden Karren und kontrollierten alle Anwesenden. Von dort aus werden die bis zu 3.000 täglich an der Grenze ankommenden Flüchtenden mit Nahrung und Kleidung versorgt. Die Festung Europa einreißen, massenhafte Fluchtunterstützung leisten!

  • Montag, 01.02.2016

    Laut Badischer Zeitung wollten am 30. Januar, dem Jahrestag der Machtübertragung an die NSDAP, 25 Nazis mit Fackeln, Masken, Fahnen und einem Transparent im Stile der „Unsterblichen“ durch Kandern marschieren. Die Bullen kontrollierte die Gruppe noch in der Nähe des Startpunktes und beschlagnahmte alle Materialien. Die Nazis kamen laut BZ „aus dem Raum südlich von Freiburg bis in den südwestlichen Zipfel des Landkreises Waldshut“.

  • Montag, 01.02.2016

    Sogar der Gewerkschaft der Bullen GdP sind die aktuellen Ansagen der rechtsradikalen Alternative für Deutschland zuviel. Die unerträgliche Agitation der AfD-Faschistin Frauke Petry wurde nun von der geborenen Herzogin von Oldenburg Beatrix Amelie Ehrengard Eilika von Storch untermauert. Von Storch relativierte, Sie wolle nur dass der Grenzschutz auf die Erwachsenen unter den Flüchtlingen schießen kann. Die AfD steht in Umfragen bei über 10% der WählerInnenstimmen.

  • Sonntag, 31.01.2016

    Zweifelsohne bildet auch 2016 das Bundesland Sachsen und der Osten Deutschlands den Schwerpunkt faschistischer Gewalttaten, insbesondere gegen Geflüchtete. Unter anderem kam es in der Nacht auf den 31. Januar zu Steinwürfen auf eine Asylunterkunft in Chemnitz. Doch angesichts der kürzliche Eskalationen wie rassistischen Angriffen mit Schusswaffen in Hessen und dem Einsatz von Kriegswaffen gegen ein Flüchtlingsheim im Schwarzwald sowie zahllosen Brandstiftungen im Westen, muss endlich von der Mär eines „ostdeutschen Phänomens“ gelassen werden. Am 21. Januar gab es einen Brandanschlag in Marl und am 23. Januar in Barsinghausen. Um den 25. Januar brannte es im westfälischen Harsewinkel. Am 26. Januar wurde in Witten eine Holzbaracke für Flüchtlinge angezündet. In München gab es am 27. Januar Verletzte beim Brand in einer Geflüchtetenunterkunft, bevor am 29. Januar der Handgranatenanschlag von Villingen-Schwenningen erfolgte. Ebenfalls am 29. Januar gab es Schüsse auf eine Flüchtlingsunterkunft in Berlin. Am Samstag, den 30. Januar, brannte aus bisher ungeklärten Gründen ein Heim in Herne. In Ihringen am Kaiserstuhl gab es tätige Angriffe auf einen Geflüchteten.
    Vereinzelt kommt es bundesweit auch zu Verfahren gegen die Nazibrandstifter. Wegen eines rassistischen Anschlags mit Molotowcocktails in Dresden am 7. Oktober prüft des Gericht nun eine Anklage wegen gemeinschaftlicher Brandstiftung. Es gibt ebenfalls Ermittlungen wegen versuchtem Mord in Altena.

  • Sonnabend, 30.01.2016

    Am 30. Januar, einen Tag nach dem Terroranschlag auf ein Flüchtlingswohnheim in Villingen, folgten etwa 400 AntifaschistInnen und BürgerInnen dem Antifa-Aufruf zu einer Kundgebung gegen rassistischen Terror und rechte Hetze. Am 29. Januar wurde zudem ein syrischer Teenager Opfer eines rassistischen Angriffs in Ihringen. Er wurde direkt außerhalb der Unterkunft seiner Familie am Ihringer Bahnhof mit Steinen beworfen und rassistisch beschimpft.

  • Freitag, 29.01.2016

    In der Nacht auf den 29. Januar wurde eine entsicherte Handgranate auf dem Gelände der von etwa 170 Flüchtlingen bewohnten Erstaufnahmeeinrichtung in Villingen vom Sicherheitspersonal gefunden. Zwanzig BewohnerInnen wurden evakuiert und die nicht explodierte Waffe wurde kontrolliert gesprengt. Am 27. Januar hatte es großflächige Razzien gegen die BetreiberInnen der Naziplattform Altermedia gegeben, bei denen auch Ralph Kästner aus St. Georgen im Schwarzwald festgenommen wurde. Bereits im Oktober 2015 hatte es kurz nach einer Razzia in Triberg mit Waffen- und Hakenkreuzfunden einen Brand in einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen gegeben.
    Presse: 1 2 3 4 5 6 7

  • Donnerstag, 28.01.2016

    Als Reaktion auf die Razzien gegen Altermedia und die Verhaftung des Naziadministrators Ralph Kästner veranstalteten 17 Nazis am Abend des 27. Januar eine Kundgebung auf dem Marktplatz in Villingen. Dabei wurden unter anderem Fahnen von NPD und III. Weg geschwenkt. Anwesend waren auch Nazis aus Ralph Kästners Kameradschaft „Kommando Schwarzwald“. Die Kameradschaftstreffen fanden bisher meistens in Kästners Veranstaltungsraum „Methalle“ statt. Auch ansonsten finden in dem kneipenähnlichen Raum regelmäßig Nazivorträge, Nazikonzerte und Treffen von Nazigruppierungen wie der NPD statt. Die „Methalle“ befindet sich in Ralph Kästners Wohnhaus in der Bundesstraße 20 in 78112 St. Georgen im Schwarzwald.
    Presse: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  • Donnerstag, 28.01.2016

    Nach Verfahren gegen die verbliebenen LandwirtInnen auf dem besetzten geplanten Flughafengelände des Großbauprojektentwicklers VINCI am 25. Januar droht dem Widerstand der ZAD bei Nantes weitere Repression. Ab dem 28. Januar gibt es ebenfalls Prozesse wegen der Verursachung von Stau. Nach der Demonstration für die Aufgabe des Flughafens von über 20.000 am 9. Januar sind tausende mobilisiert um die drohende Räumung der autonomen Gebiete zu verhindern. Am 27. Februar ist eine weitere Massendemonstration geplant. Ça va chier!

  • Donnerstag, 28.01.2016

    Die Linksfraktion im deutschen Bundestag hat bereits am 14. Januar eine kleine Anfrage (Ds 18/7328 als PDF) zur fragwürdigen Vollstreckung des Europäischen Haftbefehls gegen Tomas Elgorriaga Kunze anlässlich seiner skandalösen Auslieferung an die Französische Justiz im November 2015 gestellt.
    Sie nennen es „Raum der Sicherheit, der Freiheit und des Rechts“ – Wir nennen es organisierte Kriminalität.

  • Mittwoch, 27.01.2016

    Am Holocaust-Gedenktag, dem 27. Januar, gab es Razzien in Baden-Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Spanien gegen die BetreiberInnen der wichtigsten deutschsprachigen Naziwebsite Altermedia. Altermedia wurde durch Bundesinnenminister de Maizière wegen Volksverhetzung und der „massenhaften und systematischen Verbreitung rechtsextremistischen und nationalsozialistischen Gedankenguts“ verboten. Die beiden Hauptbeschuldigten Jutta Valentin aus Bielefeld und Ralph Kästner aus St. Georgen im Schwarzwald befinden sich in Untersuchungshaft, der Generalbundesanwalt ermittelt gegen die beiden und die drei weiteren Angeklagten wegen Gründung einer kriminellen Vereinigung. Der Informatiker Ralph Kästner prahlte bereits vor Monaten gegenüber anderen Nazis mit einem gegen ihn laufenden Antiterror-Verfahren. Kästner ist überzeugter Nationalsozialist, trieb die rassistischen Naziaufmärsche von „SBH-Gida“ und „Nein zum Heim Schwarzwald-Baar-Heuberg maßgeblich voran und baute im Schwarzwald einen Ableger der Nazigruppierung „Recht und Wahrheit“ um den Naziterroristen Meinolf Schönborn auf. Bei der Kreistagswahl 2014 kandidierte er zudem für die DLVH um den NPDler Jürgen Schützinger. In Kästners Räumen in St. Georgen sollen neben Nazikonzerten und Naziveranstaltungen wie etwa am 15. November mit Ursula Haverbeck auch Sitzungen des NPD-Landesvorstands stattgefunden haben. Eine der weiteren Angeklagten ist die NPDlerin Irmgard Thomas aus Haselbach in Thüringen, die bereits im Naziforum „Thiazi““ unter dem Namen „Osiris“ aktiv war.
    Presse: 1 2 3 4 5 6 7

  • Mittwoch, 27.01.2016

    Infolge der Verursachung eines tödlichen Unfalls durch einen Spezialeinsatzkommando-Bullen bei Freiburg im Sommer 2014 kommt der damals besoffene und anschließend geflüchtete Cop in zweiter Instanz milde davon. Nach dem Verfahren vor dem Freiburger Landgericht muss das Schwein wegen fahrlässiger Tötung, vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs und Fahrerfluch infolge eines feucht-fröhlichen MEK-Sommerfestes nur zwei Jahre in den Bau. Weil sie damals versucht haben die Tat zu vertuschen ermittelt die Staatsanwaltschaft noch immer gegen seine Kameraden. Wie bereits vor dem Amtsgericht im Sommer 2015 forderte die Verteidigung zum Schutz ihres Mandanten vor Insassen der JVA die Erwägung besonderer Haftbedingungen.

  • Dienstag, 26.01.2016

    Das Antifaschistische Infoblatt hat einen Rechercheartikel zur Naziklamottenmarke Thor Steinar veröffentlicht, die Millionengewinne einfährt. Die Marke wurde 2002 von Axel Kopelke registriert. In den folgenden Jahren wurde das Unternehmen von Kopelke und Uwe Meusel durch arabische Investitionen zu einem internationalen Konzern ausgebaut.

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    Gegen Sexismus und Rassismus: Zur Debatte um die Türpolitik der Freiburger Clubs

    Communiqué vom 01.02.2016 des Autonomen Zentrums KTS Freiburg

    Als Autonomes Zentrum und unkommerzieller Veranstaltungsort in Freiburg möchten wir uns zu der Debatte um die rassistische Einlasspolitik einiger Freiburger Clubs äußern, die seit zwei Wochen in den lokalen und bundesweiten Medien geführt wird. Sorgen bereiten uns insbesondere die Auswirkungen dieser Debatte auf das politische Klima in Deutschland.

    Am 11.01.2016 beschloss das White Rabbit am Siegesdenkmal eine rassistische Türpolitik. Flüchtlinge sollten nur noch Zutritt zum Club erhalten, wenn sie sich zuvor einen Clubausweis besorgt hatten. Vorausgegangen waren vermehrte sexuelle Übergriffe und massive Gewalt unter der Beteiligung von Flüchtlingen. Am 13.01. verschickte das White Rabbit eine Mail an VeranstalterInnen mit dem Beschluss zu einer neuen Türpolitik und einer Einladung zu einer internen Veranstaltung eine Woche später, um über die Maßnahmen zu informieren. Diese Mail wurde von den EmpfängerInnen breit gestreut und im Zuge dessen auf Facebook veröffentlicht. Bei der Party am 16.01. wurden Flüchtlinge per Racial Profiling kontrolliert und abgewiesen. Einige dieser Flüchtlinge ließen sich am nächsten Montag Clubausweise ausstellen. Bei der internen Infoveranstaltung am 20.01. im White Rabbit gab es harsche Kritik an der rassistischen Einlasspolitik. Auf Druck der VeranstalterInnen wurde die neue Türpolitik für die kommenden Veranstaltungen ausgesetzt und vom White Rabbit am 25.01. zurückgenommen.

    Am 22.01. thematisierte die Badische Zeitung die Türpolitik des White Rabbit und titelte: „Kein Zutritt mehr für Flüchtlinge in Freiburgs Clubs und Diskotheken“. Am folgenden Tag griff die dpa das Thema in einer Agenturmeldung auf, woraufhin alle relevanten Zeitungen und Newsportale berichteten. Das White Rabbit reagierte am Abend des 23.01. mit einer Stellungnahme auf Facebook. Bis zum 28.01. gab es fortwährende Berichterstattungen und Reportagen zum Thema. An diesem Tag fand auf Initiative der Stadt Freiburg ein „Runder Tisch“ mit Bürgermeistern, Ordnungsamt, Polizei, Frauenbeauftragter und ClubbetreiberInnen statt. Wenig überraschend wurde mehr Polizei und mehr Repression gefordert. Unabhängig davon wurden am Abend mit VeranstalterInnen im White Rabbit alternative Möglichkeiten diskutiert, wie zukünftig mit Sexismus im Club umgegangen werden sollte.

    Insgesamt gab es bisher so gut wie keine Stellungnahmen von VeranstalterInnen im White Rabbit oder linken Gruppen in Freiburg. Wir würden uns mehr Positionierungen wünschen, die nicht nur eine rassistische Türpolitik wie im White Rabbit öffentlich zurückweisen, sondern auch die gängige rassistische Praxis und den weit verbreiteten Sexismus in vielen Freiburger Clubs und in der Geselschafft insgesamt kritisieren. Das White Rabbit war so naiv, ein rassistisches Türkonzept schriftlich zu versenden, was den Kristallisationspunkt für die Debatte bildete. Racial Profiling ist aber in vielen Freiburger Clubs seit Jahren rassistischer Alltag – genau wie bei der Polizei.

    Dreist geheuchelt ist in diesem Zusammenhang beispielsweise die Stellungnahme des Crash in der Schnewlinstraße: „Wir haben eine eindeutige Hausordnung, die Sexismus, Rassismus, Macho-Anmachen oder Gewalt untersagt und vertrauen, um deren Einhaltung zu gewährleisten, voll und ganz auf die Erfahrung unserer Mitarbeiter.“ Unerwähnt bleibt dabei, dass eben diese Mitarbeiter regelmäßig Menschen brutal zusammenschlagen. Zudem wurde im Mai 2014 aus den Reihen der Crash-Türsteher eine Bürgerwehr gegründet. Diese Bürgerwehr wollte gegen die „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“ patrouillieren, die Opfer einer rassistischen Hetzkampagne der Badischen Zeitung waren.

    Auch in der KTS gab es in der Vergangenheit Probleme mit sexistischen Übergriffen, Diebstählen und Gewalt, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß wie bei kommerziellen Veranstaltungsorten. Häufig werden vor Veranstaltungen Awareness-Konzepte und der Umgang mit Gewalt auf Veranstaltungen diskutiert. Wir versuchen TäterInnen individuell zu sanktionieren und sprechen uns deutlich gegen Kollektivstrafen aus. In der KTS sind auch außerhalb von Veranstaltungen regelmäßig Flüchtlinge zugegen, die sich teilweise an der Lösung der Probleme beteiligen. Für uns ist es wichtig, dass wir Sexismus konsequent bekämpfen, aber nicht mit rassistischen Mitteln. Wir wehren uns dagegen, die Kämpfe gegen unterschiedliche Unterdrückungsmechanismen gegeneinander auszuspielen.

    Die Debatte um Sexismus und Rassismus in Freiburger Clubs findet in einem gesellschaftlichen Klima statt, in dem nahezu jedes Wochenende Flüchtlingsunterkünfte brennen und die rassistische Partei AfD laut aktuellen Umfragen mit über 10% der Stimmen bei der kommenden Landtagswahl am 13.03. rechnen kann. Tausende RassistInnen marschieren als „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ seit geraumer Zeit gegen alles Fremde. Nach dem falschen Gerücht über die Vergewaltigung eines Mädchens in Berlin demonstrierten tausende Russlanddeutsche bundesweit gegen Flüchtlinge. Ein erschreckender Höhepunkt der physischen Gewalt gegen Flüchtlinge fand in der Nacht auf den 29.01. statt: bisher Unbekannte warfen im 65 km entfernten Villingen-Schwenningen eine Handgranate auf ein Flüchtlingswohnheim.

    Gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft: Grenzen und Türen auf für Flüchtlinge, SexistInnen aufs Maul!

    Communiqué vom 01.02.2016
    Autonomes Zentrum KTS Freiburg


    Das Communiqué auf Indymedia linksunten.

    Hammerskin Roland: Tod eines Spitzels

    Communiqué vom 04.10.2015

    Roland Sokol, geboren am 19.06.1972 und zuletzt wohnhaft In den Schneidergärten 79 in 76307 Karlsbad bei Karlsruhe, war seit Ende der 1980er Jahre einer der Protagonisten der badischen Naziskinhead-Szene. Er starb am 22.09.2015 an Krebs. In pathetischen Nachrufen vor allem auf Facebook-Pinnwänden beklagten seine „Kameraden“ sein Ableben und rühmten ihn als einen der letzten Naziskinheads, der der „Bewegung“ über lange Jahre hinweg treu geblieben sei. Roland Sokols Nazikarriere verlief über seine Sozialisation im Naziskin-Milieu der frühen 1990er Jahre und als Bassist der Szeneband „Triebtäter“, über Hooliganaktivitäten von „Destroyers Karlsruhe“ bis HoGeSa, als Besucher und teilweise Organisator von hunderten Nazikonzerten im In- und Ausland, über Aktivitäten bei der „Karlsruher Kameradschaft“, bei „Blood & Honour“ und der „Endstufe-Crew“ bis hin zu seiner Mitgliedschaft bei den „Hammerskins“. Sokol pflegte regen Kontakt zu hunderten von Bekanntschaften auch überregional und international, darunter dutzende Szenegrößen in ganz Deutschland und war stets auf dem aktuellen Stand der Entwicklungen und Diskussionen der Nazikameradschafts-Szene. Was bisher nicht bekannt ist: Roland Sokol war V-Mann des Verfassungsschutzes.

    Kompanielied: „Blut muss fließen“

    Abseits seiner Naziaktivitäten verlief Roland Sokols Leben recht ereignislos. Seine Eltern brachen im Jahr 1990 den Kontakt zu ihm ab, nachdem er sich für ein Leben als Naziskinhead entschied: „ich wurde vor 21 Jahren von meinem Vater vor die Wahl gestellt: Entweder Haare normal und Einstellung auch, oder verschwinden. Bin gegangen.“ Seine Zeit bei der Bundeswehr als Panzergrenadier der Kompanie 5./294 in Stetten am kalten Markt behielt der Hauptgefreite Sokol in Erinnerung: „Ich war von Juli ’91 bis Juni ’93 dabei, aber Mannschaftsdienstgrad. Kein Streß und den BCE hab ich da auch gemacht. Der MAD hat ganz schön abgekotzt. Der Großteil der Kompanie dachte rechts. Und: Blut muss fließen von Tonstörung war unser Kompanielied, das haste aus jeder Stube gehört :-)“. Er lernte Offsetdrucker und wechselte in seinen letzten Lebensjahren zwischen Hartz IV und kurzzeitigen Anstellungen als Industriemeister für digitale Druck- und Printmedien hin und her. Zwischenzeitig versuchte er sein unregelmäßiges Einkommen durch den wenig lukrativen Nazi-Onlinehandel „Patria-Versand“ aufzubessern. Nach seiner Trennung 2006 von seiner damaligen Ehefrau Stefanie Sokol, geb. Grün, lebte er meist allein, die gemeinsame Tochter sah er nur sporadisch. Trotz kurzzeitiger Anstellungen in Düsseldorf, Bremen oder der Schweiz blieb die Karlsruher Region sein Lebensmittelpunkt.

    Den Nazis das Salär kürzen: Verfassungsschutz abschaffen!

    Roland Sokol entzog sich den Unterhaltszahlungen für seine Tochter, wo er nur konnte. Gegenüber Kameraden sagte er 2012, dass er in Bremen arbeite: „AR Carton. Aber bitte nicht gleich tratschen. Da kommen dann gleich wieder Anrufe, weil Steffi zum Anwalt rennt wegen Unterhalt etc.“. Auch seinen Job in der Schweiz versuchte er geheim zu halten. Der Verfassungsschutz schaute zu und zahlte ihm noch ein steuerfreies Salär obendrauf. Sokol tendierte zu Selbstmitleid, nutzte seine Beziehungsschwierigkeiten ebenso wie seine jahrelangen Naziaktivitäten und die dadurch aufgebaute Credibility jedoch oft genug, um mit diversen Nazigrößen ins Gespräch zu kommen und im Gespräch zu bleiben: „Bei mir ging es drunter und drüber über all die Jahre. Dann kam der Knall: Frau weg - Kind weg - job weg - Eigentumswohnung weg - Schulden da - Nerven & Gesundheit weg. Bin jetzt geschieden. Hat mir alles ziemlich zugesetzt. War 14 Jahre mit Steffi zusammen. So ist das Leben. Aber ich bin noch so wie früher, nur durch das Erlebte etwas ruhiger.“ Stefanie Sokol ist Nazi wie Sokol und wurde im juristisch ausgetragenen Rosenkrieg von NSU-Anwältin Nicole Schneiders verteidigt. Sokols Anwältin wiederum war Meike Hammer, die Ehefrau des Nazianwalts und „Noie Werte“ Frontmanns Steffen Hammer.

    Triebtäter Forever, Forever Triebtäter

    Die 1991 gegründete Naziband „Triebtäter“ gilt als klassische Naziskinband und verbreitete über ihre Liedtexte gewaltprovozierende, menschenverachtete Propaganda. Bandmitglieder von „Triebtäter“ waren neben dem Sänger Christian „Chris“ Clewing in wechselnder Besetzung die Gitarristen Ralph „Ralle“ Burkart, „Tweety“ Wied und Markus Wagner, die Schlagzeuger Thomas Nothdurft, Thomas „Schurri“ Schurr und Alexander Zinn und beim Demotape und der ersten CD Marco Rössle und bei der zweiten und dritten CD Roland Sokol am Bass. Bereits das erste Demo-Tape, veröffentlicht 1991, wurde indiziert.

    „For the blood and honor“

    Die Naziskinhead-Szene in Baden-Württemberg wurde stark von der britischen Naziband „Skrewdriver“ um den am 24. September 1993 verstorbenen, aber bis heute verehrten Ian Stuart Donaldson beeinflusst. „Skrewdriver“ trat mehrfach in der „Kolbstube“ in Stuttgart auf, Ian Stuart Donaldson soll zeitweise sogar dort gewohnt haben. Das letzte von „Skrewdriver“ gespielte Konzert am 10. Juli 1993 in Waiblingen wurde von den „Kreuzrittern für Deutschland“ um Andreas Voigt und Alexander Heinig veranstaltet. Auf dem Konzert spielten sowohl „Skrewdriver“ als auch „Triebtäter“.

    „Sein ganzes Leben galt der Sache“

    Mit dem bereits seit längerer Zeit in Berlin lebenden Voigt stand Sokol ebenfalls noch in den letzten Jahren in Kontakt. Die Naziskin-Strukturen um die „Kreuzritter für Deutschland“ und das „Noie Werte“-Label „G.B.F. Records“ gelten als Vorläufer von „Blood & Honour“ in Baden-Württemberg mit teilweise nahtlosen Übergängen. Neben Ian Stuart Donaldson war Steve „Stigger“ Calladine Bandmitglied von „Skrewdriver“. Stigger wurde von Roland Sokol als persönlicher Freund angesehen und regelmäßig für Auftritte angefragt. Stigger spielte bei der Nazifeier zum 40. Geburtstag von Alexander Heinig am 19.03.2011 in Vaihingen, bei der auch Roland Sokol und die ehemaligen „Triebtäter“-Mitglieder Alexander Zinn und Marco Rössle anwesend war.

    Bewährung auf den Nazibühnen

    Im März 1994 verurteilte das Stuttgarter Landgericht die damaligen Bandmitglieder von „Triebtäter“ wegen Verbreitung von Propaganda für verfassungswidrige Organisationen, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Verbreitung pornographischer und gewaltverherrlichender Schriften zu Bewährungsstrafen zwischen sechs und zehn Monaten. Die Band trat jährlich deutschlandweit bei vielen Nazikonzerten auf, oft gemeinsam mit anderen prominenten Szenebands. Die Nazikonzerte waren teilweise äußerst gut besucht. Am 30.09.1995 etwa spielte „Triebtäter“ mit „Radikahl“, „Noie Werte“, „ADL 122“ und „Midgards Söner“ vor 800 Naziskins in Chemnitz. Im November 1994 trat „Triebtäter“ in Görlitz auf, an Silvester 1994 gemeinsam mit „Sturmtrupp“ bei einem überregionalen Naziskinhead-Treffen im „Löwen“ im österreichischen Feldstetten.

    „Einen bessern findst du nit“

    Am 25. März 1995 sollten die Nazibands „Triebtäter“, „Feuerstoß“, „Legion Ost“ und „Sturmtrupp“ bei einem größeren bundesweiten Naziskinhead-Treffen bei Gera auftreten. 231 Nazis wurden vorübergehend verhaftet, gegen Dutzende wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. Roland Sokol befand sich unter den Verhafteten, gegen ihn wurde wegen Verstoß gegen §86a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) ermittelt. Unter den bei Gera Verhafteten befand sich zudem der später untergetauchte Naziterrorist Uwe Mundlos. Bei der Band „Feuerstoß“ (später „Foierstoss“) spielte Dirk „Buddy“ Metzner, ein langjähriger, wenn auch zwischenzeitlich zerstrittener Skinhead-Weggefährte Roland Sokols, der inzwischen in der Julius-Leber-Strasse 4 in 76448 Durmersheim wohnt. Ebenfalls verhaftet wurde der „Blood & Honour“-Kader und langjährige Kamerad Sokols Hartwin „Winnie“ Kalmus aus Karlsruhe. Sokol erzählte über diesen: „hehe, was meinst Du wie Hartwin in seiner Anfangszeit überall hingekommen ist? TAXI Roland, der Hol-/und Bringservice.“ Kalmus schrieb seinerseits nach Sokols Tod: „Fast ein viertel Jahrhundert haben wir uns gekannt. Anfang eines meiner Vorbilder, immer einer der leider wenigen, die sich und ihren Weg treu geblieben sind“. Und tatsächlich galt für Sokol: „Meine Ehre heißt Treue.“ Zum Geheimdienst.

    „Nur noch Hass und Wut“

    Vor diesem Hintergrund entpuppt sich der Text von „Gott vergibt, wir nie“ von der dritten „Triebtäter“-Platte „Hunde des Krieges“ von 1997 mit der Besetzung Christian Clewing, Thomas Schur, Markus Wagner, Holger Wied und Roland Sokol als reine Heuchelei: „Für dich empfinden wir nur noch Hass und Wut // Entfacht ist im Herzen diese Glut // Ich wünsch’ dir die Hölle, die Hölle auf Erden // Tod und Verderben // Du hast uns bespitzelt und angelogen // Nur eingeschleimt und alle betrogen // Aus deiner Fresse, da kamen nur Lügen // Du bist enttarnt, du wirst niemand mehr betrügen // Ref.: Über eins, da solltest du im Klaren sein // Du kleines mieses Verräterschwein // Gott vergibt ... wir nie! // Wir glaubten dir, doch wir waren blind // Heute weiß ich, was für Idioten wir sind // Du kamst aus dem Nichts, wir nahmen dich auf // Doch aus diesem Fehler, da lernen wir ’draus // Judas!“

    Unter Beachtung der einschlägigen Vorschriften des Datenschutzes

    Auch gegen den Nazi Bernd Krick aus Nordrhein-Westfalen wurde in Gera ermittelt – für ihn interessierte sich Roland Sokol noch viele Jahre später. Mit seinem einschlägig bekannten Bruder Michael Krick, der vor den deutschen Strafverfolgungsbehörden in die Niederlande floh und nach wie vor in Terror-Gedanken schwelgt, pflegte Sokol regelmäßigen Kontakt. Michael Krick gab im Sommer 2014 als Adresse Donkhof 5, 5254 JL Haarsteeg an, als er in Malte Redekers Nazi-Versandhandel „1 St Tanga Slip Deutsches Reichsgebiet Schwarz f. Damen“ bestellte. Damals firmierte Redekers Shop noch unter dem Namen seines Plattenlabels „Gjallarhorn Klangschmiede“, heute ist er unter frontmusik.de erreichbar. Wie in Nazishops üblich werden natürlich auch in Redekers Shop die Kundendaten ausschließlich zur Abwicklung der Bestellung gespeichert und niemals an Dritte weitergegeben.

    „Sieg oder Wallhalla!“

    Schon im Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz aus dem Jahr 2001 wird Michael Krick mit Aufrufen zum „führerlosen Widerstand“ zitiert: „Greift das System und ihre Knechte an, wo immer es geht. Auch sie, die gegen unsere Rasse vorgehen und sie zu vernichten suchen. Staatsschmutz, Staatsanwälte, Richter haben Namen, Adresse und Familie. Eurer Phantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Als Vorbild mag uns hierbei die baskische ETA dienen. Zeigt kein Erbarmen, keine Reue. Der weiße, arische Widerstand lebt. Bildet Zellen nach dem Vorbild des führerlosen Widerstandes, unterstützt die national-revolutionären Zellen. Sieg oder Wallhalla!“

    „beinahe ausnahmslos von Spitzeln propagiert”

    Der Verfassungsschutz interessierte sich also weiterhin für Krick - wie Sokol sicherlich melden konnte, nicht zu Unrecht. Sokol gegenüber äußerte Krick, dass die niederländische „Blood & Honour“-Sektion ihm zu reformistisch sei. Die „Combat 18“-Gruppe um „Oidoxie” bezeichnete er als „C18-T-Shirt-Terroristen“. Das C18-Konzept des führerlosen Terrors in Kleingruppen hält Krick jedoch für richtig: „die ursprüngliche Idee is aber nicht verkehrt... nur hat sie nie einer auch wirklich ausgeführt.. wurd beinahe ausnahmslos von Spitzeln propagiert...“.

    „Loving our family“

    Michael Krick war nicht der einzige in Deutschland gesuchte Nazi, zu dem Sokol Kontakt hielt. Über Jahre hinweg kommunizierte Sokol regelmäßig mit Mark Turner, der sich aus Karlsruhe in die USA abgesetzt hatte. Turner hatte auch in den USA Ärger mit den Strafverfolgungsbehörden und schrieb Sokol: „habe mir aber in den USA ein paar sachen zu schulden kommen lassen und die Kripo in der BRD weiss auch das ich im KKK und den Nationale Alianz war usw und das seht dann net so gut aus wie du selber weisst...“. Mit Turners Schwester Michelle hatte Sokol vor Jahren eine Affäre, was zum Ende seiner Ehe mit Stefanie Sokol führte.

    Kleine Verhöre unter Kameraden

    Auch über den ehemaligen Nazikader und Kroatiensöldner Michael „Homes“ Homeister sammelte Roland Sokol Informationen. So stieß bei ihm unter anderem auf Interesse, dass Homeister plante, einen französischen Ex-Kroatiensöldner und mutmaßlichen Kriegsverbrecher an seinem neuen Wohnort im Allgäu unterzubringen. Ins Allgäu pflegte Sokol auch anderweitig seit vielen Jahren regen Kontakt, unter anderem zu Norbert „Nogge“ Lecheler, dem Sänger der Naziband „Faustrecht“.

    „alles inszeniert, und diesesmal wird es Folgen haben“

    Nach dem Bekanntwerden des NSU versuchte Sokol gezielt andere Nazis auszuhorchen. Er fragte beispielsweise das Mitglied der „Endstufe“-Crew Peter „Bubi“ Stieber: „Moin....sag mal, kannte die Typen aus Zwickau überhaupt irgendjemand??? ist doch wieder ein krasses Ding, aber alles inszeniert, und diesesmal wird es Folgen haben. Unsere Leute sind schon sensibilisierter.....“. „Bubi“ galt als verfeindet mit „Homes“, was Sokol zum Anlass nutzte, ihn über „Homes“ auszuhorchen: „Kenne den seit ’87 und ’91 zuletzt gesehen, seit dem den KOntakt verloren außer hier (...) Homes war früher ein guter Hauer, echt irre. In Südniedersachsen gegen eine Übermacht der AnitFA aus Göttingen. Da gabs etliche Schlachten, aber man konnte sich damals auf ihn verlassen. Naja, lange her alles.“ Eine Bekannte aus Chemnitz versuchte Sokol ebenfalls auszuhorchen: „Taucht der Jan Werner noch in Chemnitz auf. Den kannte ich von damals, dann war er weg. Weisst Du , was aus dem geworden ist?“

    Der Verfassungsschutz: Wegbereiter des Terrors

    Michael Krick vermutet einen Mordkomplott hinter dem Unfalltod seines ehemaligen Weggefährten Andree Zimmermann von der „Sauerländer Aktionsfront“ im November 1997. Spitzel Sokol fragte nach: „Aber warum war Andree so gefährlich für sie?“. Krick antwortete: „es wude damals gg uns ermittelt wegen angeblicher erweiterter Anti-Antifa-Aktivitaeten... so wurden zB mal von nem OStA der Grundriss seines Hauses usw gefunden... auch von nem BNDer Details, das BKA drohte uns Wochen vorm "Unfall" : "Wenn ihr die daten veroeffentlicht dann braucht ihr auf Knast nicht mehr zu hoffen" da die Sache auch noch immer gg mich laeuft, geh ich nicht weiter ins Detail... aber nach deren Tode waren sie ua bei mir im Bau und haben mehrere Hausdurchsuchungen durchgefuehrt (ua mit SEK ) auf der Suche nach ner Festplatte... da ich damals eh schon 8 Monate sass , wovon ca 3-4 in Iso, hab ich sie ausgelacht als sie mir mit Ossendorf drohten (Terroristenfluegel ) , denn schlimmer konnt es ja nicht mehr werden... diedere Beschuldigten haben danach nur noch auf Sparflamme gekocht und wollten damit nix mehr zutun haben... scheiss Funktastatur... vergisst abundzu ein paar Anschlaege... naja, jedenfalls laeuft die Sache immer noch und deswegen machen die BRd-Behoerden auch immer Druck, dass ich rausgeschmissen werde... nur koennen sie dafuer keine regulaere Auslieferung bekommen“. Michael Krick war in den 1990er Jahren Mitglied der „Sauerländer Aktionsfront“. Gegen ihn und unter anderem Kai Dalek und Andree Zimmermann wurde Ende der 1990er Jahre wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Kai Dalek wurde im Zuge der NSU-Recherchen als Spitzel des Landesamtes für Verfassungsschutz Bayern enttarnt, für das er ab 1987 arbeitete. Auch Andree Zimmermann war V-Mann des Verfassungsschutz.

    „Die Arme tätowiert, die Fäuste geballt, so sind wir bereit zu jeglicher Gewalt“

    Am Rand von Nazikonzerten kam es regelmäßig zu gewalttätigen Angriffen durch Nazi-KonzertbesucherInnen. Am 25. Mai 1995 beispielsweise spielte „Triebtäter“ gemeinsam mit „Deutsche Patrioten“ bei einem von der „Sauerländischen Aktionsfront“ organisierten Nazikonzert. Täter aus den Reihen der 150 KonzertbesucherInnen griffen laut Antifaschistische Zeitung NRW #9 im Anschluss an das Konzert eine Gruppe Jugendlicher an und verletzten zwei von ihnen. Der Triebtäter-Frontmann „Chris“ Clewing starb am 21.03.1997: „Chris hat jahrelang seine Frau verprügelt. Auch als sie schwanger war. Wurde immer schlimmmer. Wir ham das mitbekommen. Die Meisten haben weggeschaut. Mir hat das nicht gepasst. Dann hat er meine Freundin angefasst. Ich bin daraufhin ausgetreten. Tweety und Schurri auch. TT war aufgelöst. Monate später hat er wieder Gesine verdroschebn und auch auf gegen die Kinderbetten getreten. Daraufhin wollte ihn Gesine verlassen. Er hat sie unter nem Vorwand ins Haus zurückgerufen. und die Türe abgeschlossen. Dann wieder Schläge für Gesine. Irgendwie konnte sie wegrennen und die Bullen rufen. Als sie mit den Bullen ins Haus kam, da hing er an der Hundeleine, aber noch lebend. Er dachte wohl, dass Gesine schneller wieder zurückkommt. In der Folgenacht starb er.“

    „Blood & Honour“ Baden-Württemberg

    Alexander „Zinni“ Zinn und Markus Wagner spielten auch bei der als Nachfolgeband von „Triebtäter“ geltenden B&H-Band „Ultima Ratio“. Frontmann von „Ultima Ratio“ war der heutige Nazi-Szeneanwalt Alexander Heinig. Zinn, Wagner und Heinig galten ab Mitte der 1990er Jahre unter Markus Frntic, der in der Friedhofstr. 10 in 74366 Kirchheim am Neckar lebt, als Köpfe von „Blood & Honour“ Baden-Württemberg. Auch Markus Frntic stand wie viele andere langjährig aktive Nazis in Baden-Württemberg in regelmäßigem Kontakt mit Roland Sokol. Er bezeichnete ihn oft als „einen aus meiner Generation“. Noch vor dem Verbot von „Blood & Honour“ gründete Markus Frntic im Jahr 1999 die als terroristisch geltende Nazigruppierung „Furchtlos & Treu“. Bei einer Razzia im Januar 2004 wurden bei Frntic und anderen Mitgliedern von „Furchtlos & Treu“ Waffen und Sprengstoff gefunden. Die Domain von „Furchtlos & Treu“ war auf den Namen Markus Wagner (Kirchheim) angemeldet worden.

    Spitzel beim Ku-Klux-Klan

    Noch vor der Gründung von Achim Schmids KKK-Ableger in Schwäbisch Hall im Jahr 2000 leitete Frntic eine KKK-Sektion in Baden-Württemberg. Auch Markus Wagner nutzte online das Pseudonym „KKK“. In Achim Schmids „European White Knights of the Ku-Klux-Klan“ (EWK/KKK) waren neben mehreren Polizisten, darunter Timo Heß und Jörg Bartsch, auch V-Männer aktiv – nicht zuletzt Schmidt selbst, der für das Landesamt Baden-Württemberg spitzelte und von diesem vor einer polizeilichen Überwachung gewarnt wurde. Weiterer prominenter V-Mann der KKK-Gruppe war Thomas Richter, langjährige Top-Quelle des Bundesamtes für Verfassungsschutz.

    Nazikneipe „Bon Scott” in Ludwigshafen

    Auch ein weiterer Nazi aus der Region gilt als KKK-Anhänger: Der Kroatien-Fan und Frntic-Vertraute Thomas „Bonny“ Bonifer, der mit seiner Partnerin Monika in Ludwigshafen lebt. Sokol pflegt zu ihm wie zu vielen anderen langjährig aktiven Nazis Kontakt: „Servus Bonny.....der Wittmann hat vorgeschlagen, dass wir uns einmal im Quartal mit ein paar Leute von früher treffen....wenn Du mitmachst, wären wir anfangs zu siebt: Wittman, Schüttler, Frndic, Leis, Wölfi(Tom), Du, ich. Hättest Du Bock drauf. Wir könnten uns im Bon Scott treffen, das wäre ja cool.“ Das „Bon Scott” ist die Nazi-Kneipe in Ludwigshafen, in der auch die Hammerskins regelmäßig zu Gast sind.

    ...wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft

    Alexander Heinigs heutiger Anwaltskollege in der Kanzlei H3, Steffen Hammer, spielte in der 1987 gegründeten und 2010 aufgelösten Naziband „Noie Werte“ und betrieb in den 1990er Jahren das gemeinsam mit Oliver Hilburger gegründete Nazi-Plattenlabel „German-British Friendship“. „G.B.F. Records“ brachte unter anderem „Triebtäter“ heraus und war in Ermittlungsverfahren wegen Verstoß gegen §130 involviert. Am 07.05.2011 feierte Steffen Hammer seinen 40. Geburtstag, auch hier war Roland Sokol eingeladen. Bei der Feier zu Sokols eigenem 40. Geburtstag am 23.06.2012 spielte Mirko „Barny“ Szydlowski aus Jena, der einige Zeit in Schweden lebte und Sokol gegenüber angab, inzwischen in Dresden zu leben und in Chemnitz zu arbeiten. „Barny“ tritt nicht nur als Solo-Liedermacher auf, sondern spielt auch bei „Enhärjana“ und „Ferox“ und nahm eine Platte mit Ken McLellan von der britischen Band „Brutal Attack“ auf. Auch an den Nazibands „Blutstahl“ und „SKD“ sowie „Frontalkraft“ war Szydlowski beteiligt. „Barny“ soll am 07.11.2015 bei einem für den am 16.09.2015 verstorbenen Lars Hildebrandt geplanten Soli-Event in Thüringen auftreten.

    Die Stuttgarter Kolbstube

    Holger „Tweety“ Wied, der vor seiner Zeit bei „Triebtäter“ in der Band des Schwäbisch Haller KKK-Nazis Achim Schmid spielte, lebte jahrelang in Apolda in Thüringen, zog jedoch 2011 wieder nach Baden-Württemberg und wohnt in Schwäbisch Gmünd. Nach Auffliegen des NSU suchte Roland Sokol erneut den Kontakt zu ihm. Auch zu Gesine Clewing pflegte Sokol weiterhin Kontakt, ebenso zu Thomas Schurr und Marco Rössle. Clewing und Sokol schrieben zudem regelmäßig in der Facebook-Gruppe „Kolbstube“, in der Dutzende in den 1990er Jahren vor allem in Baden-Württemberg politisierte Nazis alte Erinnerungsfotos von Nazikonzerten austauschten. Verwaltet wird die Facebook-Gruppe von Martina Konzelmann und dem Nazihool André Murthum.

    Tribute to Triebtäter

    Noch viele Jahre später war Sokol in die Produktion eines Samplers mit dem Titel „Tribute to Triebtäter“ involviert, der im Dezember 2011 bei Martin Seidels Nazi-Label „Rebel Records“ in Cottbus erschien. Das juristische Gutachten zur Feststellung möglicher strafbarer Inhalte wurde wie so oft bei Nazi-Produktionen durch die Szeneanwältin Gisa Pahl erstellt. Seidel bewarb den Sampler mit warmen Worten: „Nach knapp fünf Jahren Vorbereitung ist der Tribute-Sampler für die legendären Triebtäter nun fertig. Wie es der Name aber schon erahnen lässt, ist dieser Silberling kein Sampler im ursprünglichen Sinne, sondern ein Memorandum an die Bandbreite und des Schaffens der Band Triebtäter. Die hierauf zusammengestellten Lieder möchten noch einmal das Gesamtwerk der ehemaligen süddeutschen Kapelle von Anfang bis zum unglücklichen Ende 1997 widerspiegeln.“ Ende 2012 plante Sokol zudem eine DVD mit Interviews von „Triebtäter“, die von Malte Redekers „Gjallarhorn Klangschmiede“ produziert werden sollte. Sokols Mitgliedschaft bei „Triebtäter“ spielte auch Jahre später noch eine wichtige Rolle für ihn, da dadurch in der Naziszene Glaubwürdigkeit und Reputation einhergingen und auch mit jüngeren Nazis schnell eine Vertrauensbasis entstand.

    Grüße von C18 aus der JVA

    Im Februar 1997 grüßte der damals in der JVA Koblenz einsitzende Christian Hehl im Nazi-Fanzine „United Skins“ Nr. 10 unter anderem „Roland & Steffi (KA)“ und „Triebtäter“:

    „Hallo Carsten
    Mit sehr viel Freude habe ich das U.S.Nr.9 hier gelesen, das mich auf Umwegen erreicht hat. Ich finde sehr gut daß Du versuchst für Alle ein Forum zu stellen, wobei meine Interessen mehr bei den C18 und Fußball liegen. Seit Ewigkeiten hat es in den Zines keine guten Fußballberichte mehr gegeben, obwohl Fußball zum SH-Kult gehört wie die Martens ! Leider sieht man Skins auf dein Fußballplatz viel zu selten. Bei uns in Mannheim sind pro Heimspiel ca. 30 Glatzen im Alter zwischen 13 und 30 Jahren, so machen sich auch keine linken Parolen breit, ich und einige andere von den Alten, sind fußballmäßig bei "The Firm" Mannheim -dem ältesten Randale Fanclub in MA- aktiv. " The Firm" gibt es seit 1982 in MA. Aber jetzt schweife ich ab, eigentlich wollte ich etwas zu diesen sog. Oi!-Skins sagen ("Ich bin nicht rechts, ich bin nicht links - ich bin Oi!"), daß ist mir doch eine sehr feige Meinung. Mir ist ehrlich ein Linker der mir aufs Maul haut lieber, als ein liberaler Scheißer der mir als Skin was vorschleimt. Diese Leute sind entweder zu dumm oder zu feige eine Meinung zu haben. // Grüße an: LU/MA Skins, NO-Skins, The Firm MA, City Boyz, die Anweiler Kameraden, Saarlauter, Saarbrücker, Roland & Steffi (KA), Marco & Dagmar (RA), Marcel & Andrea (Wi), Skins Speyer Nord, Triebtäter, Legion Ost, Foierstoss, Mjöllnir, Noie Werte, Miesling (JVA Münster), Thorsten Heise (JVA Wolfenbüttel), Günter Deckert (JVA Bruchsal), C. Worch (Santa Fu), G. Küssel (JVA Krems), G. Lauck "weiter so" (JVA Hamburg), Dirk Poser (JVA Bautzen) und alle Kameraden des Nationalen Widerstands in Haft, Skinheads Montabauer, Ccnny (Ludwigshafen jetzt Gera), Tanja aus Landau, Martin aus Trier, HNG & Ursel, Gesine und Sandra (Heilbronn) und alle Nazi Hools & Skins weltweit. // 88 // Hehli aus Mannheim (z.Zt. JVA Koblenz)“

    Herausgegeben vom Verfassungsschutz

    Hehl bezeichnete sich hier als Anhänger von „Combat 18“, dem in Abgrenzung zu den Geschäftemachern von „Blood & Honour“ eher terroristisch ausgerichteten militanten Arm der Nazi-Musik-Bewegung. Das Nazi-Fanzine „United Skins“ wurde von dem KKKler Carsten Szczepanski herausgegeben, der als V-Mann „Piatto“ jahrelang für den Brandenburger Verfassungsschutz spitzelte. Sein V-Mann-Führer war damals der Verfassungsschützer Gordian Meyer-Plath, inzwischen Chef des sächsischen Verfassungsschutzes und selbst Mitglied einer rechten Organisation, der „Burschenschaft Marchia Bonn“. Im Garten der „Marchia“ wurden noch 2007 Kreuze in KKK-Manier verbrannt, der Burschenschafter Matthias Brauer brüllte dazu „Hail White Power“. Inzwischen ist Brauer ein enger Weggefährte des Naziburschenschafters und ehemaligen Kaders der 1995 verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) Norbert Weidner, der 2013 ebenfalls als V-Mann enttarnt wurde.

    Das Erbe von „Blood & Honour“

    „Blood & Honour“ war im September 2000 vom Bundesinnenministerium verboten worden, da sie sich gegen die „verfassungsmäßige Ordnung“ und den „Gedanken der Völkerverständigung“ gerichtet hätten. Bereits ab 2003 wurde wegen Fortführung von „Blood & Honour“ gegen eine von Hartwin Kalmus angeführte und als besonders umtriebig geltende B&H-Gruppierung ermittelt, die sich „Division 28“ nannte. Obwohl Roland Sokol anderen Nazi gegenüber angab, kein Mitglied von „Blood & Honour“ gewesen zu sein und dies damit begründete, sich „dem Achim Pfeiffer nicht unterordnen“ zu wollen, führten die Behörden auch ihn als Beschuldigten im Wiederbetätigungsverfahren. Kalmus betrieb unter anderem eine von Jessica Molter angemietete Konzerthalle in Untergrombach bei Bruchsal, in der regelmäßig Nazikonzerte stattfanden und war in die Produktion von „Blood & Honour“-CDs involviert. Heute noch betreibt er den Naziversandhandel „Ragnarök Records“. Im März 2006 kam es zu Razzien gegen die Nachfolgestrukturen von B&H bei dutzenden Nazis auch in Karlsruhe und Umgebung. Auch Roland und Stefanie Sokol waren davon betroffen und wurden als Beschuldigte geführt. Der Grafikdesignerin Stefanie Sokol wurde dabei vorgeworfen, am Layout von „Blood & Honour“-CDs mitgearbeitet zu haben. Heute arbeitet Stefanie Sokol als Tätowiererin in ihrem Tattoostudio „Mystic Tattoo Karlsruhe“ im Passagehof 12 in 76133 Karlsruhe und hat weiterhin guten Kontakt zu Hartwin Kalmus. Bei dem auf die Ermittlungen folgenden Prozess im Jahr 2011 soll Roland Sokol nicht mit vor Gericht gestanden haben.

    „Hate Crew Nordbaden“

    Roland Sokol hielt zu vielen der im B&H-Fortführungsprozess Angeklagten auch Jahre später noch Kontakt, so etwa zu Falk Schwarzer und Jörg „Frosch“ Weber, der inzwischen bei der sich als Bruderschaft verstehenden „Hate Crew Nordbaden“ aktiv ist. Der damalige Mitangeklagte Robert Herff aus Brühl handelt inzwischen mit zum Teil hohe Preise erzielenden Nazidevotionalien aus der Zeit des Dritten Reichs. Auch Roger Ziebart, der wegen eines Angriffs auf zwei Kinder aus der „Hate Crew“ ausgeschlossen wurde, sammelt nationalsozialistische Embleme und Propagandamaterialien. Ziebart berichtete Sokol über seine Abneigung gegen die „ruhrpottprolls“ und die „stuttgarter speichellecker“ von „Combat 18“: „das sin so prolos, die einen auf c18, oidoxie crew un 28 machen - total die vögel das warn au die wo vor nem halben jahr oder so die gartenlaube mit den türken angezündet wurde“. Roland Sokol interessierte sich ab 2011 stark für eine Mitgliedschaft in der „Hate Crew“ und nahm sogar an der „Hate Crew“-internen Silvesterfeier 2011 in Ketsch teil, wurde dann aber statt dessen auf die „Hammerskins“ angesetzt.

    „Elsass Korps“

    Enge Verbindungen hatte Roland Sokol auch zur französischen B&H-Gruppe „Elsass Korps“ aus Strasbourg, die im Jahr 2005 von den französischen Behörden verboten wurde. Mit dem „Elsass Korps“-Kader Bruno Adler stand Sokol bis kurz vor seinem Tod in Kontakt. Am 06.02.1999 war Roland Sokol bei einem Nazikonzert in Mossey gemeinsam mit Markus Frntic, Tobias Schuster, Markus Wagner und Dirk Metzner wie so oft für die Security verantwortlich. Bei dem Konzert spielten die gleichnamige, jedoch von der B&H-Gruppierung unabhängige Band „Elsass Corps“, „Durandal“ sowie die mit Sokol seit vielen Jahren befreundete Band „Faustrecht“ um Norbert „Nogge“ Lecheler und Markus Steffek vor 200 Nazis. Auch Timo Koch von der Naziband „Propaganda“ (ehemals „Treueschwur“) aus Balingen spielte einige „Skrewdriver“-Lieder.

    Verbindungen nach Hessen

    Auch nach Hessen pflegte Roland Sokol regelmäßigen Kontakt zu älteren Nazikadern, die früher bei „Blood & Honour“ aktiv waren. So etwa zu Lars Schultz, Andreas Reuhl und Alexander Hübner. Lars Schultz aus Offenbach pflegte schon in den 1990er Jahren Kontakte zu „Triebtäter“ und übernahm von den baden-württembergischen Naziskins den „Skrewdriver Service Deutschland“ genannten Vertrieb der Bandprodukte von „Skrewdriver“. Hübner war Leiter der „Blood & Honour Sektion Südhessen“ und galt innerhalb der B&H-Szene als „Combat 18“-Mann, der Nazi-Clique um Alexander Hübner und Sören Brühl werden brutale Anschläge zugeschrieben. Auch Claus Zur-Lienen und Andreas Reuhl galten als Mitglieder des hessischen Ablegers von „Blood & Honour“. Alexander Hübner lebt in der Lämmerspielerstr. 53 in 63165 Mühlheim bei Offenbach und arbeitet inzwischen bei der Deutschen Bahn in der Abteilung Fachplanung und Logistik der DB Netz AG.

    Lörrach, Elsass, Spanien

    Sein langjähriger Kamerad Sören Brühl dagegen verließ Deutschland zunächst in Richtung Spanien und lebt seit 2008 mit seiner Familie im Elsass, möglicherweise wegen zu befürchtender juristischer Schwierigkeiten in Deutschland. Sören Brühl wuchs in Wiesbaden auf, studierte Sozialpädagogik an der FH Frankfurt, war Mitglied der Frankfurter B&H-nahen Nazigruppe „Schwarze Division“ und gilt als äußerst gewalttätig. Sören Brühl lebt gemeinsam mit seiner Ehefrau Melanie „Mel“ Brühl, geb. Seidel, im elsässischen Durlinsdorf in der Rue de Wasen 12. Melanie Brühl betreibt gemeinsam mit der seit vielen Jahren mit Roland Sokol bekannten Tanja „Tara“ Schroll das Tattoostudio „Schattenwerk“ in der Freiburger Str. 307 in 79539 Lörrach. Sören Brühl bessert das Einkommen der mittlerweile fünfköpfigen Familie – ihre Kinder versuchen die Brühls zu NationalsozialistInnen zu erziehen – durch den Verkauf von NS-Devotionalien auf. Im spanischen Calpe, Colari 39 C, besitzen die Brühls nach wie vor ein Ferienhaus, das gerne von der Nazi-Clique um Sören Brühl, Alexander Hübner, Claus Zur-Lienen und Robert Hartmann genutzt wird.

    „Die schnellste Maus aus Mexico“

    Befreundet war Sokol auch mit dem hessischen Nazi-Hooligan Andreas Kaidel. Kaidel betreibt das Fitness-Studio „Fitness Treff Gathof“ im Roseggerstraße 4 in 63073 Offenbach am Main. Sokol beschreibt Kaidels Begegnung mit Malte Redeker mit den Worten: "haham, der Malte. Ich weiss noch, als der dazugekommen ist....haha....da hab ich ihn mit nach Offenbach genommen auf ne party. hatte ihm gesagt, er soll sich benehmen, da nur Alte da sind....haha.....dann war er total dicht und hat immer:"Schwarz-weiss-blau.....Faschisten HSV gebrüllt...und nur Offenbacher um ihn rum...hab ihm dann gesagt, daß es besser ist , sich zu benehmen.....er wollte nicht hören...Dann ist der Kaidel (alter Offenbacher) hin und hat ihn umgeboxt und ein Stück hinterm Ohr rausgebissen....hahha.....Malte ist dann mit EINEM Schuh bis nach Hanau gerannt.....Als ich am nächstenTag zuhause war, hatte ich 24 unbeantwortete Anrufe auf dem AB.....alles vom Malte.....als er damals weggerannt ist, hat er noch in Mexico gelebt....und der Hehli hat dann hinterher gerufen:"Hasta la vista...." Haha.....sie hatten in Mexico einen Hausdiener,er kommt ja aus bester reicher Familie....in einem Fanzine stand dann:"Malte, die schnellste Maus aus Mexico... wenn er dicht ist, dann erzählt er immer, daß ich und Steffen Hammer von Noie Werte damals sein Vorbild war, haha..."

    „Kameradschaft Karlsruhe”

    Roland Sokol bewegte sich nicht nur in der „Blood & Honour“-Szene, sondern auch in Kameradschaftsstrukturen. Bereits in den frühen 1990er Jahren war er Mitglied der „Kameradschaft Karlsruhe“: „Ich war einer der Drei Gründer von der Kameradschaft Karlsruhe und Kameradschaftsführer.“ Er nutze seine politische Vergangenheit, um andere Nazis zu beeindrucken. Dabei erzählte er gerne von der Unterwanderung der „Kameradschaft Karlsruhe“ durch den LKA-Beamten mit dem Decknamen „Axel Reichert“: „Leider ist das Unheil in der BRD kaum noch aufzuhalten. Ich habe früher sehr viel Politik betrieben, wir hatten ne starke Organisation in Karlsruhe. Es wurde sogar erstmalig Einer vom LKA Stuttgart bei uns eingeschleust. Es kam alles raus, und dann war er auf einmal weg. 1 Jahr später sass er beim Günther Jauch in Stern TV live hinter einer Leinwand. Dann wurde ein Bild von ihm gezeigt, wo er mit dem Friedhelm Busse und mir drauf war. Dann klingelte mein handy stundenlang.....“.

    „Heß-Märsche“ des Verfassungsschutzes

    In dieser Zeit versuchten Nazis aus ganz Deutschland regelmäßig sogenannte „Heß-Märsche“ zum Todestag des Altnazis Rudolf Heß durchzuführen, die oft von später aufgeflogenen Nazi-V-Männern organisiert wurden. Da in Deutschland alle 1994 geplanten „Heß-Märsche“ verboten wurden, versuchten die Nazis konspirativ geplant am 13.08.1994 nach Luxemburg ausweichen. Organisiert wurde der dortige Aufmarsch von mehreren V-Leuten, darunter Norbert Weidner, Kai Dalek, Andree Zimmermann, Michael Petri und Michael Betz. Die luxemburgischen Behörden verhinderten den Heß-Marsch, indem sie 128 deutsche Nazis verhafteten – darunter auch Roland Sokol. Der vom LKA eingeschleuste Polizist organisierte die Anreise der um die 70 badischen Nazis zum „Heß-Marsch“ nach Luxemburg, war selbst allerdings nicht unter den Verhafteten: „Als wir ´94 nach auf den Heß-Marsch nach Luxemburg gefahren sind, hat er sich vorher abgeseilt....ich habe ihm dann nicht mehr vertraut.“ Sokol pflegte gerne seine Nostalgie: „Die Kameradschaft Karlsruhe von damals gibt es so nicht mehr. Das ist jetzt das Karlsruher Netzwerk mit ganz anderen Leuten. Da bin ich nimmer dabei. Nächste Generation.“ Aber er interessierte sich auch für die Aktivitäten der „nächsten Generation“ und hielt diesbezüglich beispielsweise mit Benjamin Schiffer Kontakt.

    Freiburger „Schlachtruf“

    Roland Sokol war nicht nur in Worms bei einem „Heß-Marsch“: „Ich bin anfangs jeden Heß-Marsch mit. Da war es noch ein Marsch.“ Im Jahr 1993 war er beispielsweise in Fulda dabei und erinnert sich in einer Unterhaltung mit dem Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre aktiven Freiburger Naziskinhead Frank Borrmann an seine Sitznachbarin im Bus, Martina Janssen: „1993 ist war sie im Bus neben mir gesessen, als wir nach Fulda zum Rudolf-Heß-Marsch gefahren sind. (...) Glaub die ist mehr so Oi jetzt und auch keine Politik mehr. Die war ja früher auf jedem Konzert.“ Martina Janssen war in der Naziskin-Szene überregional bekannt, da sie als eine der wenigen Frauen von Freiburg aus ein Naziskinhead-Fanzine produzierte, den „Schlachtruf“. Zudem soll sie Gründungsmitglied der „Skingirlfront Deutschland“, später „Skingirl Freundeskreis Deutschland“ gewesen sein. In Nazikreisen gilt sie teilweise als Verräterin, da sie in einem Prozess gegen den Nazikader Dieter „Miesling“ Riefling aussagte. Im „Schlachtruf“ druckte sie regelmäßig „Grüße an Kameraden“ ab – auch immer wieder an V-Leute, unter anderem Ralf „Manole“ Marschner, der im Zusammenhang mit Waffenbeschaffungen für den NSU genannt wird.

    Überfall auf das AJZ Kirchzarten

    Frank Borrmann war in den 1980er und 1990er Jahren mehrfach an Überfällen auf Linke, Obdachlose und Flüchtlinge in Freiburg beteiligt, unter anderem an einem Überfall auf das Autonome Jugendzentrum Kirchzarten im Juli 1989. Auf einem Freiburger Antifa-Flyer zu dem darauf folgenden Prozess vom Januar 1990 heißt es: „Neonazis überfielen das Autonome Jugendzentrum Kirchzarten (Die Nazigruppe nennt sich „Freiburger Hooligans“ und trägt entsprechende Aufnäher an der Jacke!). In diesem Zusammenhang sind bisher folgende Faschisten angeklagt: Stephan Herrgarten (Montag, 19.2.90, 9.00h Amtsgericht Freiburg), Oliver Kautzsch (Freitag, 9.3.90, ebenda). Prozesse gegen Frank Bormann, Jimmy Kromer werden folgen. Am 29. Juli 89 rückten 15 Skins und andere Faschisten ins AJ Kirchzarten ein. Nach kurzem Umschauen und Drohungen wie „Rotfront verrecke“ und „Euch linke Schweine bringen wir um“ schlugen sie gezielt BesucherInnen und Einrichtung zusammen. Die Bilanz des 10-minütigen Angriffes war: mehrere BesucherInnen wurden so schwer verletzt, daß sie im Krankenhaus behandelt werden mußten, Fenster und Einrichtung demoliert. Wir können nicht im Einzelnen auf die politischen Hintergründe dieser Faschisten eingehen; es reichen zur Verdeutlichung wohl folgende Hinweise: der Angeklagte Frank Bormann ist höchstwahrscheinlich FAP-Funktionär. Er sowie einige andere Angeklagte waren an mehreren Überfällen beteiligt; so beispielsweise am Überfall auf das Denzlinger Jugendzentrum 1989, auf das Jugendzentrum in Gundelfingen, auf das Flüchtlings- und Obdachlosenlager Klara 100 im Stühlinger, auf das Flüchtlingslager in der Kapplerstr., auf Punks in der Inennstadt....“

    Kontakte nach Freiburg

    Frank Borrmann, geboren am 27.04.1971, ist inzwischen nicht mehr als brutaler Straßenschläger unterwegs, da er seit einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt. Roland Sokol besuchte ihn im Oktober 2013 im Erlenweg 3a-d in Freiburg-Haslach, wo Borrmann in einer Seniorenresidenz lebt. Dort wird ihm „unabhängig von seiner Weltanschauung“ mit „Achtung und Respekt“ begegnet. Frank Borrmann steht auch in Kontakt mit einem bisher öffentlich nicht genannten Freiburger NPDler: Fredy Kälber. Fredy Kälber tritt in den Wahlkreisen Freiburg I und Freiburg II bei der Landtagswahl im Frühling 2016 für die NPD als Ersatzkandidat an. Fredy Kälber wohnt im Schildackerweg 20 in 79115 Freiburg-Haslach – in direkter Nähe zur kürzlich eingerichteten Freiburger Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge.

    Mitglied der „Endstufe-Crew“

    Bis zum Jahr 2011 war Roland Sokol gemeinsam mit Dirk „Buddy“ Metzner Mitglied der „Endstufe Crew Baden“. Die „Endstufe-Crew“ ist die Support-Gruppe der alten Bremer Naziband „Endstufe“ um Jens „Brandy“ Brandt. Am 17.04.2010 trat „Endstufe“ gemeinsam mit „Kommando Skin“ vor über 300 Nazis im „Rössle“ in Rheinmünster-Söllingen auf, auch Sokol war an der Organisation beteiligt: „Wir hatten von Endstufe über Faustrecht bis Noie Werte schon alles da. So nen Laden sollte man ausnutzen, solange es noch geht.... Hier mal ein link von der AntiFa: linksunten.indymedia.org/node/19985. Wie hier nutzte Sokol häufig Links zu Antifaberichten über Naziaktivitäten, um darüber mit anderen Nazis ins Gespräch zu kommen. Er flog schließlich wegen Streitereien mit Dirk Metzner aus der „Endstufe-Crew“, an seinen Nazikonzert-Orgatätigkeiten änderte sich dadurch jedoch nichts.

    „Arbeitet Bein Staat und ist Skin!!!!!!“

    Die „Endstufe-Crew“ gibt sich gerne elitär, nur Mitglieder dürfen die „Crew“-Abzeichen tragen und nicht alle Interessenten werden aufgenommen. Sokol berichtete etwa über einen Interessenten: „Er hatte mal bei der Endstufe-Crew angefragt, aber die alten Bremer meinten, sie wollen keine Staatsdiener bei sich haben“. Bei diesem Anwärter handelte es sich um Dirk Heiermeier aus Paderborn, der Beamter der Bundespolizei sein soll. Heiermeier besucht seit Ende der 1980er Jahre Nazikonzerte, was Sokol mit einem „ist eh Der Hammer. Arbeitet Bein Staat und ist Skin!!!!!!“ kommentierte. Heiermeier besuchte wie Sokol das große „Ian Stuart Memorial Concert“ am 20.09.2013 im britischen Northamptom und soll Heiermeier persönlich mit dem ehemaligen „Skrewdriver“-Bandmitglied Steve „Stigger“ Calladine befreundet sein. Sokol hält ihn für etwas dümmlich: „Er ist ja ganz nett, und wirkt wie ein Hofnarr, wenn er besoffen ist.....schaut dann immer so planlos.....und sowas beim Grenzschutz.....“. Trotzdem hielt er jahrelang mit Dirk Heiermeier Kontakt und lud ihn regelmäßig zu Nazikonzerten etwa ins Nazizentrum „Rössle“ ein. Im August 2014 schließlich schrieb Heiermeier an Sokol: „bin ja auch auf’s Kreuz genommen worden. .bin beurlaubt ..wegen Endstufe,Bound for Glory u . Skrewdriver Schallplatten. die ich veräußert haben soll..Volksverhetzung bei uns genannt..“

    Veranstalter im „Rössle“

    Das „Rössle“ Rheinmünster-Söllingen wurde von 2005 bis 2014 mit Unterbrechungen für Nazikonzerte und andere Naziveranstaltungen genutzt. Zwischenzeitlich war es regulär durch den langjährig bekannten Nazi Michael Steinmann aus der Bruchgartenstraße 15 in 76863 Herxheim angemietet worden. Steinmann arbeitet bei Daimler in Wörth und steht in engem Kontakt mit Pablo Allgeier, einem der Konzertorganisatoren des „Rössle“. Auch Roland Sokol organisierte im „Rössle“ regelmäßig große Naziveranstaltungen, auch wenn er feststellte: „Skinheadkultur ist rückläufig. Die Sache in Söllingen hat politischen Hintergrund.“ Allgeier verfügt inzwischen über einen für Nazikonzerte geeigneten Veranstaltungsort im Elsass.

    „Bullen Fehlanzeige, da alles legal bei uns“

    Über das Nazikonzert am 27.12.2010 im „Rössle“ schrieb Sokol einem „Kameraden“: „Servus, letze Woche Sa hatten wir den letzten Gig für dieses Jahr in unserer Location, von der ich Dir erzählt hatte. War Hammer!!!! - Bunker 16, Newcomer aus Bremen - Endstufe Umfeld und derzeit gleicher Schlagzeuger. Super! - I.C.1, traumhaft professionell der Andy, super bühnenerfahren von seiner Zeit mit Razors Edge!!! Der Saal hat gebebt..... -Sturmtrupp, alte Schule. Grandiose Stimmung.... Wir hatten wieder 300 Mann am Start, alles gut - alles optimal. Kein Stress, so soll es sein!!!!!! Der Abend war richtig schön, auch wenn ich / wir jede Menge mit der Organisation zu tun hatten. Bullen Fehlanzeige, da alles legal bei uns. Es gab nichtmal eine Anfahrtskontrolle....Null Stress also SUPER!!!!! Im Januar gehts weiter..... Der Widerstand lebt ! ;-)“. Insbesondere mit Bernhard Ferner, Ingo Leidenberger und Oliver Krzyzanowski von „Sturmtrupp“, die Sokol noch aus seiner Zeit als Bassist bei „Triebtäter“ kannte, hatte er regelmäßig Kontakt: „Also persönlich habe ich nen sehr guten Draht zu: Faustrecht, Kommando Skin, Sturmtrupp, Endstufe etc....“. Auch mit Andrew „Andy“ Nolan von „Razors Edge“ und „IC1“ war Sokol gut bekannt, ebenso mit den anderen „IC1“-Bandmitgliedern Sascha Deuerling und Klaus Heib.

    Nazi-Band „Kommando Skin“

    Auch mit den Bandmitgliedern von „Kommando Skin“ ist Sokol seit vielen Jahren bekannt. Langjährige Mitglieder von „Kommando Skin“ sind der auch bei „Ultima Ratio“ spielenden Sänger und Gitarrist Julian Hecke, der Bassist Andy Wäschle und der Schlagzeuger Dominik „Don“ Lutz. Dominik Lutz aus Tamm spielt nicht nur bei „Kommando Skin“ Schlagzeug, sondern auch bei „Naked but Armed“. Er wohnt in Tamm bei Ludwigsburg und ist wie Julian und Jenny Hecke und Andy Wäschle Teil der Naziclique um Rico Heise, Jens Ackermann und Andreas Graupner. Ein weiterer langjähriger Freund von Roland Sokol ist Klaus Heib, der mit seiner Frau Melanie Heib ebenfalls zum Freundeskreis um Graupner gehört und wie Graupner ehemaliges Bandmitglied von „Noie Werte“ ist. Klaus Heib spielt heute bei den Nazibands „Carpe Diem“ und „IC1“ und feiert jährlich seinen Geburtstag als größere Naziparty gemeinsam mit Rico Heise. Heib besucht gerne gemeinsam mit den Nazianwälten Steffen Hammer und Andreas Wölfel Survival-Trainings.

    Verfassungschutz im Nazikonzert-Business

    Sokol traf sich mehrfach mit dem „Rössle“-Eigentümer Günter Sick. Insbesondere in den letzten Monaten des Jahres 2013 versuchte er ihn immer wieder zu überzeugen, das „Rössle“ den Nazis zu überlassen. Am 24.06.2013 war Sokol federführend bei der Organisation eines „Hammerskin“-Konzerts mit „Division Germania“ und „Kommando Skin“. Im Vorfeld des von ihm mitorganisierten Konzerts am 16.11.2013 besuchte er Sick und überzeugte ihn davon, das „Rössle“ erneut zur Verfügung zu stellen. Über das Konzert mit Michael „Lunikoff“ Regener schrieb Sokol im Nachhinein, es hätte „null Ärger“ gegeben, „Staatsschutz am Anfang mal kurz, und nochmal mitten in der Nacht, man solle den Bass bissl runterdrehen. Ham wir nicht gemacht. Luni hat ne coole Show gemacht. Sehr professionell.“ Der Verfassungsschutz war durch seinen V-Mann Roland Sokol direkt in die Aufrechterhaltung des Nazibetriebs im „Rössle“ involviert, obwohl der Geheimdienst in der Öffentlichkeit stets behauptete, alle Anstrengungen zu Schließung des größten und wichtigsten Nazizentrums in Baden-Württemberg zu unternehmen. Das Ende des „Rössle“ besiegelten nicht etwa die nahezu lückenlosen Informationen des Verfassungsschutzes, sondern öffentlicher Druck nach antifaschistischen Recherchen und überregionaler Presseberichterstattung.

    „Patria“-Versand

    Am 23.11.2011 erhielt als einziger bekannter Nazi der damalige Betreiber des „Patria“-Versands, Franz Glasauer, der auch das Immobilienbüro „Bima und Wego“ im bayerischen Burgharting betreibt, eine DVD mit dem Bekennervideo des NSU. Kurz darauf wurde der Nazi-Onlineshop durch den V-Mann Roland Sokol übernommen. Sokol plante die Übernahme jedoch schon in den Wochen zuvor gemeinsam mit seinem langjährigen Kameraden Bernd Christoph aus Ulm, der die Nazidruckerei „Lithographix“ betreibt. Bernd Christoph hatte bereits seit den 1990er Jahren durch seinen „Blood & Honour“ nahestehenden Rechtsrock-Vertrieb „Clockwork Records“ Erfahrung in diesem Bereich und sollte für den Ausbau der Musiksparte zuständig sein. Sokol betrieb die Versandgeschäfte von Räumlichkeiten in der Etzenroter Straße 17b in Waldbronn aus. In die Anmeldung des Gewerbes war auch Sokols damalige Freundin Verena Lasar aus Heilbronn involviert. Sokol sprach gegenüber seinen „Kameraden“ vom Aufbau einer Existenzgrundlage mittels des Versands, der allerdings kaum Gewinn abwarf. Er blieb weiterhin mit seinem Konto in den roten Zahlen und musste wegen seiner finanziellen Schwierigkeiten weiterhin regelmäßig mit seiner Bank kommunizieren. Ende 2013 gab Sokol den „Patria-Versand“ auf.

    „Hooligans Karlsruhe”

    Nach dem Tod von Roland Sokol erschien in einer Lokalzeitung eine gedruckte Anzeige: „Wir nehmen Abschied von unserem Freund und Kameraden. In stiller Trauer, Hooligans Karlsruhe“. Bereits in den frühen 1990er Jahren war Roland Sokol Teil der gewalttätigen Nazi-Hooligan-Szene in Karlsruhe. Er fuhr regelmäßig zu Auswärtsspielen, etwa 1993 zum UEFA-Cup nach Eindhoven oder zum Pokalfinale 1996 in Berlin. Er rühmte sich noch Jahre später mit seiner Mitgliedschaft bei den 1993 aufgelösten „Destroyers Karlsruhe“ und trauerte den Zeiten der „Süddeutschen Front“ hinterher, eines Zusammenschlusses von Hooligans aus Karlsruhe und Stuttgart.

    Naziskinheads und Fußballhools

    Die Grenze zwischen Naziskinheads und Fußballhools verlief bereits in Roland Sokols Jugend fließend. Auch im Jahr 2003 schrieb er: „Bin sehr viel mit den Hools unterwegs. Wir versuchen grad, uns neu zu formieren und sind bestimmt 35 Mann. Teilweise eben Jüngere, aber die haben noch Feuer ohne Ende. Wir versuchen hier mit ein paar anderen Älteren so ne Art Front zu bilden, wo Hools, Skins etc. vereint sind. Aber ohne Partei oder so was.“ Auch heute noch bestehen enge Kontakte unter den „Alten“ von damals. Sokol pflegt weiterhin Kontakt zu seinen Stuttgarter Nazihool-Freunden von „Neckar-Fils Stuttgart“ und besuchte beispielsweise die „Neckar-Fils-Party“ am 07.07.2012. Die Stuttgarter Kolbstube galt zunächst als Hooligantreffpunkt, bevor sie überregional als Nazilocation bekannt wurde und auch Alexander Heinig ist noch regelmäßig bei den Stuttgarter Nazihools zu Gast. Sokol schwelgte regelmäßig in Erinnerungen: „Stuttgart war und ist ein Teil meines Lebens.....Dann Kolbstube und Ian Stuart, dann Süddeutsche Front. Alles schöne Erinnerungen, die ich niemal missen möchte.“ Sokol war trotz zeitweiligen Streits über die Jahre hinweg regelmäßig zu Gast in der Nazihool-Kneipe „La Vida Loca“ in Karlsruhe und mit dessen Betreiber Westham gut bekannt. Auch über anstehende „Acker-Matches“ zwischen konkurrierenden Hooligan-Gruppierungen war Sokol oft informiert.

    Verbindungen nach Sachsen

    Zu Sokols Hooligan- und Skinhead-Outfit gehörten auch seine Tätowierungen, die er zuletzt bevorzugt von dem Nazitätowierer Marcel „Daatzmann“ Daatz aus dem sächsischen Reichenbach im Vogtland anfertigen ließ. Wiederholt betonte Sokol seine guten Verbindungen nach Sachsen, insbesondere zu den Chemnitzer Nazihools von „HooNaRa“. So berichtete er über seine Teilnahme an der Beerdigung des Nazischlägers Rico „Malte“ Malt in Chemnitz 2007: „ich weiss noch, als wir vor dem Saal standen, wo seine Urne aufgebahrt war mit den ganzen Kränzen. Dann kam von CD vom Luni:"Der, der keine Hoffnung verliert...." Die Chemnitzer vor und neben mir ham dann alle geweint, das fand ich sehr mitreissend und nicht peinlich oder so....sehr stark. Oder als der Gründer von HooNaRa minutenlang am Grab vom Malte genkiet hat.....ich werde das alles nicht vergessen.“

    „Hooligans gegen Salafisten“

    Roland Sokol war maßgeblich an der Organisation der Anreise von dutzenden Alt-Hooligans am 23.02.2013 nach Saarbrücken beteiligt: “Wir fahre am 23. Februar mit 90 Mann nach Saarbrücken. Eine oldschool-Fahrt, Fussball. 45 Mann davon nur Alte“, „Alle DS’ler oder ehemaligen, alle Süddeutsche Front, City Boys, Leute aus den 80er bzw. bis ’93, als DS "aufgelöst" wurde.“ Auch sein oft verwendeter Nickname in Onlineforen, „Oldglory Karlsruhe“, bezieht sich auf seine Vergangenheit als gewalttätiger Nazihooligan. Im Stadion war Sokol in den letzten Jahren allerdings nicht mehr anzutreffen, da er dort in Schwierigkeiten geraten war. Auch überregional war Sokol bestens in der Nazihool-Szene vernetzt. Durch seine langjährigen Aktivitäten und aktuellen Vernetzungen war Sokol – und damit auch der lange dazu schweigende Verfassungsschutz – von Anfang an detailliert über die als „HoGeSa“ bekannt gewordene Nazi-Hooligan-Bewegung informiert und in ihre Aktivitäten eingebunden.

    „die Masse der Hools strohdoof“

    Sokol war Teilnehmer einer der ersten HoGeSa-Aufmärsche am 23.03.2014: „Hab Schüttler und Co in MA getroffen, als Wir alle gegen die Salafisten aufmarschiert sind“. Im Vorfeld des Nazihool-Großaufmarschs in Köln schrieb er an den Hamburger Nazihool Thorsten de Vries: „leider ist die Kundgebung nicht gegen Islamismus und die Masse der Hools strohdoof was Politik betrifft. (...). es ist so eine grosse Chance, dazu braucht es aber intelligente Leute, die das lenken. Am besten Unsere Leute, die national sind....KC spielt ja scheinbar, das ist mal ein Anfang, die haben sich gut entwickelt. (...) es ist ganz wichtig, dass viele politische leute dort sind. ich habe schon etliche Leute angetrieben, hinzufahren. von uns aus Karlsruhe werden mindestens 30 Boxer dort sein. (...) Der Tag kann ich die Geschichte eingehen. mich wundert die ganze Zeit schon, dass der Staat kein Verbot ausspricht. (...). Man sollte den Andi (Division Germania) auch für 1-2 Lieder auf die Bühne stellen, um dem ganzen ein Sahnehäubchen aufzusetzen. Dann kotzen die Linken und der Staat. Alles friedlich. Sonst ist ja eine verkappte AfD - Veranstaltung, was mich stört. Sehr sogar. Von wegen: Salafisten raus, aber die Moslems, die hier leben sind ja ok. Ich sehe gleich den Ossi, wir ham Fight Night, er ist Ringsprecher :-) und Andi wird auch da sein......Gruss und nen schönen Samstag wünsche ich Dir!!!!!“ An anderer Stelle breitete Sokol seine Weltuntergangs- und Gewaltphantasien vor Thorsten de Vries aus: „Unser Untergang ist nur noch zu verlangsamen, aber nicht mehr zu stoppen.... Es müsste ja ein Millionenfacher Massenmord begangen werden, um die Überfremdung zu beenden“.

    Nazis und Rocker und Nazi-Rocker

    Nicht nur die Übergänge zwischen alten Naziskins und Hooligans, sondern auch zwischen Naziszene und dem Rockermilieu ist fließend. Dutzende Nazibekanntschaften und rechtsradikale Hooliganfreunde von Roland Sokol sind inzwischen fest in der organisierten Kriminalität verankert. Auch zu diesen pflegte er bis zu seinem Tod Kontakt und war stets up to date. Über Ralf „Schüttler“ Schütthelm, langjähriger Nazikader und Nazihool, wusste Sokol zu berichten: „Ja, der Schüttler ist das. Ursprünglich Speyer, jetzt Lautern. Sehr guter Freund von mir. Und beim Gremium KA Security - Chef.“ Schütthelm war früher gemeinsam mit Achim Pfeiffer bei „Blood & Honour“. Auch Pfeiffer soll inzwischen Mitglied bei „Gremium“ sein, genau wie Thorben Heuser, ehemaliges Mitglied der Mitte der 1990er aufgelösten Karlsruher Rechtsrock-Band „Thors Hammer“ und Nazihooligan. Von „Blood & Honour“ zu den „Hells Angels“ wechselten auch Sascha Teeuwen und Christian Präg. Kurz vor seiner Aufnahme bei den „81ern“ interessierte sich Präg noch für eine Mitgliedschaft bei den Nazis der „Hate Crew“. Auch Thomas Knaus, der am 17.08.2002 mit Roland Sokol zum „Heß-Marsch“ nach Wunsiedel fuhr und ebenfalls Nazikonzerte im „Rössle“ besuchte, ist inzwischen bei den „Hells Angels“. Wolfgang Benkesser hingegen ist sowohl Mitglied bei den „Hammerskins“ als auch bei den „Hells Angels“.

    Multikulturalistische Rockerclubs

    Sokols „Kamerad“ Steffen Föll war bereits 1985 in der Anti-Antifa-Organisation „Referat für Sicherheit“ aktiv und galt als gewalttätig. Er ist bereits seit FAP-Zeiten mit Roland Sokol gut bekannt und versuchte ihn nach dem Nazihool-Aufmarsch in Köln am 26.10.2014 zur Teilnahme an den Aktionen der antimuslimischen Nazihools zu motivieren - dieser war zu diesem Zeitpunkt jedoch schon zu krank. Sokol war wenig von Fölls Mitgliedschaft bei den „Hells Angels“ Greifswald begeistert, da die Rockerclubs ihm zu „Multi-Kulti“ seien: „Von dem Rocker-Kram halte ich ich fern. Multi-Kulti etc.....ich habe das über Jahre hinweg verfolgt, was wirkich hinter den Clubs steckt und für HA an der Tür gearbeitet.....Aber jeder soll seinen Weg gehen dürfen.“ Föll rechtfertigte sich: „Du ich leb mein Leben ....bin seit Jugendtagen NS .....und geb auch bei jeder Gelegenheit meine Einstellung zum besten......nur soll ich bei Kontra Produktiven Aktionen ( angemeldete Demos...etc. ) .....ständig gegen ne Wand laufen ?.......wir laufen unter Potsdam...sind alles Deutsche Jungs...die teilweise vom BFC kommen !“ Die Nazirocker der Berliner „Vandalen“ bewunderte Sokol. Über Michael „Luni“ Regener schrieb er: „hab den ’93 in Berlin aufm FAP-Parteitag mit den Vandalen gesehen. Waren gute Jungs.“ Auch die Organisationsstruktur der „Hammerskins“ ist an die der Rockerclubs angelehnt.

    Ermittlungen gegen „Hammerskin“-Chef

    Nach dem Auffliegen des NSU stieg der Ermittlungsdruck auf Polizei und Staatsanwaltschaft. Bis dato unaufgeklärte Fälle, bei denen MigrantInnen ermordet oder durch mysteriöse Umstände zu Tode kamen, wurden neu aufgerollt. In Ludwigshafen waren die Ermittlungen zu dem Brand des türkischen Wohnhaus am Danziger Platz am 03.02.2008, bei dem neun Menschen zu Tode kamen, bereits vier Monate später eingestellt worden. Ein Brandanschlag konnte aber bis zum Schluss nicht ausgeschlossen werden und so wurden die Ermittlungen Ende 2011 wieder aufgenommen. Als Tatverdächtiger geriet Malte Redeker als lokaler Nazikader, überregionaler Nazihändler und Europachef der „Hammerskins“ ins Visier der Ermittlungsbehörden. Und auch der Verfassungsschutz beauftragte seine V-Leute sich in der Szene umzuhören. Sokol kontaktiert daraufhin sehr viele seine Kameraden und stellt ihnen detaillierte Fragen zum NSU und zu Strukturen der Naziszene allgemein. Roland Sokol ließ sich beispielsweise von Redeker in einem „freundschaftlichen Verhör“ von den gegen ihn gerichteten Ermittlungen berichten. In Redekers Worten: „bka chef und bundesstaatsanwaltschaft haben höchstpersönlich den brand im kanakenhaus hier ums eck vor 3 jahren wieder aaufrollen lassen. und ermittelt wird gegen mich.“

    Von „Blood & Honour“ zu den „Hammerskins“

    Die Hammerskins sind einer der wenigen organisierten Versuche, die militante Naziszene entlang von konspirativ organisierten Konzerten, Kampfsportevents und anderen szeneinternen Veranstaltungen zu festigen. Roland Sokol war nicht der einzige, der nach dem Verbot von „Blood & Honour“ nach einer neuen politischen Heimat suchte. Im als besonders umtriebigen Chapter Franken um Frank Zunner beispielsweise, das für den 31.10.2015 ein „Joe Rowan Memorial Concert“ plant, tummeln sich mit Dirk Breuer und Roland Brechtl mehrere ehemalige B&H-Kader. Roland Brechtl galt als Führungsperson der bayerischen B&H-Sektion.

    Du sollst keine Nazi-Konzerte organisieren

    Auch Bastian Fiedler hat eine Vergangenheit als „Blood & Honour“-Protagonist. Bastian Fiedler, geboren am 29.05.1976, betrieb Ende der 1990er Jahre von Wehr, Laufenburg und Rickenbach aus den „Blood & Honour“-nahen „HRS-Fanzine-Versand“ unter seinem Geburtsnamen Bastian Makowski. Er war in die Organisation des „Hammerskin“-Konzerts am 06.10.2012 in Malsburg-Marzell mit der Schwarzwälder „Hammerskin“-Band „Slapguns“ und der Chemnitzer Naziband „Blitzkrieg“ involviert. Auch Sokol war bei diesem Event anwesend. Er stand zudem wiederholt mit Jörg Richter von „Blitzkrieg“ in Kontakt.

    „Hangaround“, „Prospect“, „Hammerskin“

    Roland Sokol suchte und fand 2012 Anschluss an das „Chapter Westmark“ der „Hammerskins“, das im nördlichen Baden, in Rheinland-Pfalz, in Südhessen und im Saarland verankert war. Er durchlief die üblichen Stationen vom „Hangaround“-Anwärter über die „Prospect“-Probezeit bis hin zur Aufnahme als Vollmitglied. Bereits nach kurzer Zeit war Sokol direkt in die Organisation eingebunden. Für den 03.11.2012 planten das „Chapter Westmark“ ein großes, konspirativ organisiertes Nazirock-Konzert in Frankreich. Da Sokol einen Bus zum Konzert organisierte, erhielt er bereits im Vorfeld den geplanten Ort des Konzerts von Malte Redeker: „die adresse bitte NIEMANDEN vor 17 geben. auch nicht dem besten freund, dem hund, nachbars katze oder sonstwem ;-)“.

    Petite intervention antifasciste

    Sokol reichte diese Information sofort an den Verfassungsschutz weiter, doch wie später beim „Rössle“ führte erst eine antifaschistische Intervention zum Verlust der Konzert-Location direkt hinter der deutsch-französischen Grenze. Das prestigeträchtige „Hammerfest“ musste schließlich als Notlösung in der viel zu kleinen „Taverne du Thor“ der französischen „Hammerskins“ stattfinden. Das „Clubhouse“ lag zudem fast 200 km entfernt in Toul bei Nancy. Wenige Monate später wurde den französischen „Hammerskins“ ihr „Clubhouse“ nach Druck durch die antifaschistische Öffentlichkeit gekündigt.

    Der Verfassungsschutz lügt

    Im Mai 2013 wurden die „Hammerskins“ der Chapter Baden und Württemberg in einem ausführlichen Outing der interessierten Öffentlichkeit präsentiert. Damit wurde die jahrelang gepflegte Behauptung des baden-württembergischen Verfassungsschutzes widerlegt. Dieser wiederholte in seinen Publikationen seit den 1990er Jahren immer wieder: „In Baden-Württemberg unterhalten zwar einzelne rechtsextremistische Skinheads Kontakte zu den „Hammerskins", ein sogenanntes „Chapter" (regionale Gruppe) konnte bislang jedoch nicht festgestellt werden.”

    „provoke some problems“

    Die „Hammerskin“-Szene im Südwesten reagierte panisch auf die Veröffentlichung. In der Folge kam es zu mehreren Austritten. Malte Redeker schrieb als Europachef und Generalsekretär der „Hammerskins“ seinen „Brüdern“ der anderen europäischen und US-amerikanischen „Chapter“:
    „That the gouverment is reading our e-mails, tapping our calls, checking our mails is old news to us. Whenever you decided to join our struggle, sooner or later you will experience first hand, the so called rights "civil rights" in our democracies. But it has been worst in the past month, mainly in Germany. Some authorities do cooperate with the Antifa and provides them with insight information about our brotherhood. Few weeks ago, a deep insight on the Hammerskins in Baden Württemberg (one of Germanys southern states) has been released on a Antifa Platform. Those informations are not from the reds, but straight from the secret Police. How it came into the hands of the reds is still not confirmed, but it sucks, anyway. Here is the link to the article: linksunten.indymedia.org/de/node/86117. Basically all members, prospects and hangaround names has been dropped, including their private adress, date of birth and in some cases even their work place. In some countries, that does not matter, if you are NS/ Pro White or not. In Germany, those kind of exposures lead usually to unemployement. Its not really a personal risk, the reds are usually not brave enough trying to smash us, but they are a pain in the ass and can provoke some problems to some of us. Over that Exposing article on the internet, we lost 3 brothers. Bastian and Bucher from Baden, Vogel from Württemberg. Bastian used to be a patchholder for about 12 years, Bucher for about 5 and Vogel for maybe 2.“

    Pretty Good Treachery

    Die für die Naziszene typische Verschwörungstheorie von Malte Redeker, staatliche Ermittlungsbehörden und Geheimdienste würden AntifaschistInnen zuarbeiten, erscheint nun durch das Auffliegen Sokols als V-Mann in völlig neuem Licht: In Wirklichkeit hat der Europachef der Hammerskins den Geheimdiensten unwissentlich Informationen geliefert. Auch die Verschlüsselung interner Kommunikation ist kein Schutz vor Verrat.

    Geschäftspartner Spitzel

    Bereits 2002 wurde bekannt, dass die „Hammerskins“ jahrelang durch einen V-Mann bespitzelt worden waren. Mirko Hesse vom „Chapter Sachsen“ arbeitete jahrelang für den Bundesverfassungsschutz. Obwohl sein Verrat öffentlich bekannt ist, ist Mirke Hesse weiterhin gut in der Naziszene vernetzt. Er betreibt „druckbude.com“ und erhält unter anderem Aufträge von Malte Redeker. Die von Redeker angebotenen Nazishirts wie beispielsweise das „HoGeSa“-Shirt, das „Unsterblich“-Soli-Shirt und Bandshirts von „Division Germania“ und „DST“ sowie diverse „Hammerskin“- und „Crew38“-Merchandise-Artikel wurden von Mirko Hesse bedruckt, wie das Antifa Infoblatt bereits im Januar 2015 berichtete.

    Die „Hammerskins“ und der NSU

    Die „Hammerskins“ befürchteten intern nach dem Auffliegen des NSU ein Verbotsverfahren, auch wegen den Verstrickungen ihrer Mitglieder in das NSU-Umfeld. Neben dem „Hammerskin“ Thomas Gerlach dürfte auch sein „Bruder“ Christian „Batman“ Kunja im Fokus der Ermittlungsbehörden stehen. Kunja stand bereits im März 2008 in Kontakt mit einer Mailadresse namens „derrosarotepanther@hotmail.de“ – lange vor Bekanntwerden des Bekennervideos des „Nationalsozialistischen Untergrund“, in welchem die Comicfigur eines rosaroten Panthers eine Hauptrolle spielt. In Kunjas Adressbuch war die Mailadresse mit dem Namen „Wolle“ gekennzeichnet – der Spitzname des im NSU-Prozess angeklagten Ralf Wohlleben aus Jena. Die Mailadresse derrosarotepanther@hotmail.de muss neben Kunja noch mindestens zwei Dutzend weiteren „Hammerskins“ bekannt gewesen sein.

    Paranoia strikes deep

    Aus Angst vor dem im Zuge der NSU-Ermittlungen gestiegenen Ermittlungsdruck wurden Anfang 2013 die Chapter „Westmark“ und „Mecklenburg“ pro forma aufgelöst. Beide wurden unter anderen Namen weitergeführt – analog zum Vorgehen von Rockerclubs wie den „Hells Angels“ bei drohenden Verbotsverfahren. Sokols „Chapter Westmark“ gab sich den Namen „Chapter Westwall“, die hessischen „Westmark“-Mitglieder firmierten zukünftig als „Chapter Kurpfalz“ und „Mecklenburg“ wurde zu „Nordmark“. Zudem eskalierten die internen Streiterein der „Westmark“-Hammerskins, es kam zu mehreren Austritten und Rauswürfen. So verließen unter anderem die langjährigen „Hammerskins“ Matthias Herrmann, Frank „Ed“ Molina, Stephan Oppelt und Dennis Kühlwein die „Nation“, auch mehrere „Prospects“ wie etwa Nico „Wiesel“ Roth mussten gehen – ganz entgegen dem viel beschworenen Leitspruch „Hammerskins Forever, Forever Hammerskins“ (HFFH).

    Austritte als Folge

    Auch in anderen Chaptern kam es zu personellen Veränderungen. Tony Gentsch, der wie Matthias Herrmann Karriere bei der NS-Splitterpartei „Dritter Weg“ macht, verließ das „Chapter Franken“ und Christian „Gigi“ Holl das „Chapter Bayern“. Holl vertraute Sokol an, dass er großer Waffenfan sei: „Hab jetzt ein neues und für mich sehr geiles Hobby, es geht Sportschiessen. Hab auch schon die Waffen Sachkundeprüfung bestanden. Das macht mir riesen Spaß und wollte das schon immer. Ist nur schwer als HS das zu machen. Wegen Bewaffnung der Szene usw usf. Verstehst Du das? Schieße da ja alle Arten von Waffen und Kaliber.“ Auch im „Chapter Portugal“ knirschte es gewaltig – hier wurden Macht- und Verteilungskämpfe ausgefochten, die direkt mit der organisierten Kriminalität in Zusammenhang standen.

    „Hammerskin“ bei ThyssenKrupp Gerlach

    In einer der vielen internen Diskussionen zu den Streits innerhalb des „Chapter Westmark“ bzw. „Westwall“ schrieb Robert „Robby“ Kiefer, der als Ingenieur bei ThyssenKrupp Gerlach in Homburg arbeitet und Mitglied der Naziband „Wolfsfront“ ist, an Malte Redeker:
    „Roland hat bei mir echt n’ Stein im Brett. Ich mag ihn und seine Art sehr, denn wir sind uns scheiße ähnlich. Laber oft mit ihm über die Arbeit und alles mögliche, telefonieren auch regelmäßig. Bestimmt einmal die Woche. Aber nochmal und nochmal: Ein Chapter lebt von Leuten, die was machen und rumreisen, und natürlich ist das ein ganz klares Kriterium an Anwärter. Ist mir relativ scheißegal wie alt jemand ist. Molina und Matthias waren beide älter und auch länger Member als manch anderer. Genützt hat es ihnen nichts! Alt werden ist keine Leistung, noch sagt es irgendetwas über einen aus. Altwerden kann der letzte Vollidiot! Kontinuierlich einen gewissen Level an Anstand und Aktivitäten halten, das kann nciht jeder, und das macht das elitäre Selbstverständnis aus, was von jedem immer so hoch daherschwadroniert, aber von den wenigstens eingehalten wird: Kontinuierlich einen guten Level halten in Disziplin, Respekt und Aktivismus. Und wieder sind wir bei Forrest Hyde :-) Roland ist ein super Kerl und ich schätze ihn sehr, für mich aber nicht besser oder schlechter als einer der anderen Probanden! Heißt, nur wegen seines Alters hat er bei mir keinen Bonus! Ein gewisses Alter zu haben bedeutet einfach nichts! Wegen seines Charackters, klar! Keine Frage!“

    „einen gewissen Level an Anstand und Aktivitäten“

    Malte Redeker stimmte Kiefers Einschätzung bezüglich Roland Sokol zu:
    „natürlich ist es keine leistung alt zu werden. das sehen wir gleich. du sprichst es aber selber an: "einen gewissen Level an Anstand und Aktivitäten halten, das kann nciht jeder, und Roland hält seit 27 Jahren dieses Level. Verstehst du was ich meine? Im direkten Vergleich jetzt beispielsweise Johnny, dessen Level derzeit höher ist, aber noch lange nicht die Länge erreicht hat. Ich und du sicherlich auch inzwischen haben hunderte von Leuten kommen und gehen gesehen. Viele hatten ihre "guten Jahre". Unterm Strich verbleibt aber nichts. Wenn mir einer jahrelang vom Kampf bis zu letzt predigt, Aktivismus, Aktion, Widerstand, trallala, und sich dann einfach komplett zur ruhe setzt, lässt all sein gequake der letzten 5-10 jahren in einem komplett anderem licht erscheinen. es ist einfach vom totalen widerstand zu faseln, beim ersten bullenbesuch allerdings einzuknicken. werfe ich jetzt keinem der prospects vor, um n icht falsch verstanden zu werden. dennoch hat beispielsweise roland sein level die letzten jahrzehnte durchgehalten. und da sind praktisch alle im chapter noch meilenweit davon entfernt. roland hat seine bewährungszeit vor meinen augen zig mal mehr bewiesen, als jemand der mit mitte 20 2,3 gute jahre hat.
    wenn der in 10 oder gar 15 jahren noch ähnliches level fährt, dann ziehe ich meinen hut. vorschnelle lorbeeren verteilen tue ich aber ungern. was ist mit nem dennis? hffh tättowiert, macht 7 jahre mit und erkannt dann, dass "hs wie ne alte beziehung ist, die sich auseinandergelebt hat". was ist das für ne scheisse?hffh wofür steht das nochmal? also bewerte ich in der retroperspektive alles ein wenig anders als zuvor. beim winkenbach sehe ich das differenzierter. der wurde massiv vom dennis rausgemobbt und erhilt in einer für ihn blöden zeit viel zu wenig unterstützung. der ist einfach frustriert und hat das handtuch geschmissen. statt unterstützt zu werden wurde ihm in den rücken getreten. ganz andere geschichte.“

    Neuzugänge bei den „Hammerskins“

    Neu als Mitglieder aufgenommen wurden im Jahr 2013 Andreas Koroschetz, Nazimusiker unter anderem bei „Division Germania“, „Stahlgewitter“ und „Rotte Charlotte“ und im Jahr 2014 Thilo „Anwalt“ Seger, der nach seinem Jurastudium in Saarbrücken inzwischen als Anwalt arbeitet und für Malte Redeker „Gutachten“ zu möglichen volksverhetzenden Inhalten bei dessen Musikproduktionen erstellt. Seinen Steuerberater suchte sich Redeker ebenfalls in Szenekreisen. Er wird ebenso wie Markus Frntic von dem bekannten Naziprotagonisten Michael Dangel aus Heilbronn beraten. Zum Nachwuchs des „Chapter Westwall“ gehört auch Jonathan Kennel aus Lothringen, der mit Robert Kiefer in der „Hammerskin“-Band „Wolfsfront“ spielt. Auch die aus der Nazihool-Szene kommenden Freunde Roland Sokols Marc Hoppe und Christian „Dizzy“ Müller suchten bereits im Sommer 2013 Anschluss an die Hammerskins.

    Reise- und kontaktfreudig

    Roland Sokol war – wie sowohl von „Prospects“ bei den „Hammerskins“ und wohl auch von Spitzeln des Verfassungsschutz erwartet wurde – reise- und kontaktfreudig. Er fuhr regelmäßig zu deutschlandweiten Treffen der „Hammerskins“, den „National Officers Meetings“ (NOM). Etwa im Juli 2014 gemeinsam mit dem damaligen „Prospect“ Marco Berlinghof aus Plankstadt nach Berlin oder im November 2014 nach Anklam. Auch an europaweiten Vernetzungstreffen der „Hammerskins“, genannt „European Officers Meeting“, nahm Sokol teil. So besuchte er „Hammerskin“-Konzerte von Spanien bis Schweden und flog zu einem „EOM“ im südfranzösischen Béziers am 18. und 19.05.2013, das maßgeblich durch den französischen „Hammerskin“ Sylvain Ortet aus Cazavet organisiert worden war.

    Am Grab von „Hammer Max“

    Am 27.07.2013 nahm Roland Sokol gemeinsam mit dutzenden anderen Hammerskins an der Beerdigung des bei einem Motorrad-Unfalls gestorbenen bayerischen „Hammerskins“ Maximilian Reichel in Eching im Landkreis Freising teil. Im Juli 2015 erschien im „Wewelsburg Records“-Versandhandel des „Hammerskins“ und Burschenschafters Hendrik Stiewe aus Bochum ein Sampler „In Gedenken an Hammer Max“, eine „International Hammerskin compilation with Definite Hate, Blutbanner, Deaths Head, Preussenstolz, Zurzir etc.“.

    German British Nazi Friendship

    Gemeinsam mit einer Reisegruppe von mehreren „Hammerskins“, darunter Malte Redeker, Arnd Rademacher und Robert Kiefer, flog Sokol am 20.09.2013 zum von „Blood & Honour UK“ organisierten „Ian Stuart Donaldson“-Erinnerungskonzert nach Großbritannien. Neben dem „Hammerskin“ Hendrik Stiewe nahm auch eine langjährige Nazifreundin Sokols und regelmäßige Konzertgängerin, Claudia Hoppen aus Wiesbaden, zusammen mit etwa 1.500 weiteren Nazis an dem Großevent teil.

    „Ring der Nibelungen“

    Neben Konzertorganisationen, wo er häufig für die Kontakte zu Nazibands zuständig war, war Sokol auch von Beginn an in die Organisation des Kampfsport-Events der Hammerskins involviert. Die erste „Ring der Nibelungen“ genannte Veranstaltung fand am 14.09.2013, die zweite am 25.10.2014 im rheinland-pfälzischen Vettelschoß in den Räumen des Boxclubs „Asgard“ statt, Malte Redeker fungierte als Ringrichter. Dieses Kampfsport-Turnier, bei dem ausschließlich Nazi-Kämpfer aus ganz Europa gegeneinander antreten, findet inzwischen regelmäßig statt, der nächste Termin soll am 17.11.2015 sein.

    „Hammerskin“-Infrastruktur in Europa

    Im Februar 2013 eröffneten die „Hammerskins“ ein „Clubhouse“ in Saarbrücken-Rußhütte, in dem Sokol sich regelmäßig aufhielt. Nach einer antifaschistischen Intervention wurde ihnen jedoch gekündigt. Auch das Nachfolgeobjekt „Hate Bar“ im saarländischen Sulzbach-Altenwald ging den „Hammerskins“ kurz vor einem geplanten Kauf verloren. Die „Hammerskins“ verfügen international jedoch weiterhin über Infrastruktur für Treffen und Nazikonzerte. So betreiben die portugiesischen „Hammerskins“ ein „Clubhouse“ in der Rua das Hortas in Olival Basto in Lissabon. Das „Chapter Lothringen“ betreibt momentan nach dem Verlust ihres Veranstaltungslokals in Toul ein „Clubhouse“ in Combres-sous-les-Côtes zwischen Verdun und Metz, wogegen sich jedoch lokal und regional Widerstand regt. Eigentümer des dortigen Objekts ist Jérémy Flament. Im August 2014 hatten die bis dahin in einem einzigen Chapter organisierten französischen „Hammerskins“ beschlossen, sich in drei Gruppen unter den Namen „Südfrankreich“, „Nordfrankreich“ und „Lothringen“ zu spalten. Auch das spanische „Chapter“ spaltete sich im Herbst 2014 in die Regionen „Asturias“ und „Madrid“ auf.

    „Lustig, lustig, ihr lieben Brüder“

    Im September 2014 wurde bei Roland Sokol, der zudem auch an Multipler Sklerose erkrankt war, ein Leberkarzinom diagnostiziert. Es hatten sich bereits Knochenmetastasen im Brustbein und Metastasen in der Lunge gebildet. Nach mehrfachen Chemotherapien starb er am 22.09.2015 um 12:45 Uhr. Sokol ist nicht der einzige Nazi, der vermutlich aufgrund Unmengen Alkohol erkrankte, wie er selbst vor seinem Tod feststellte: „Ich war seit 2006 auf 14 Beerdigungen. Unfälle. Krankheiten. Selbstmord. 4 Leute, die sich erhängt haben. Drogen, Alkohol. Früher erste Reihe.“ Bereits kurz nach Roland Sokols Tod begannen seine Nazifreunde, Nachrufe und Erinnerungsfotos vor allem in sozialen Medien zu veröffentlichen. Insbesondere die „Hammerskins“, die für ihn bereits vor seinem Tod ein Erinnerungs-Gruppenfoto angefertigt hatten, erstellten kitschige Bildchen und Fotos von altarähnlichen Aufbauten, wo Sokols Bild neben den gekreuzten Hämmern von einer Kerze beleuchtet wird. Malte Redeker postete „schmerzerfüllt“ ein Foto von Sokol mit gekreuzten Armen samt „Hammerskin“-Logo.

    Spitzel Roland: Hier!

    „Hammerskin“ Andreas Koroschetz schrieb auf seiner Facebook-Pinnwand: „Geliebter Freund, Kamerad und Bruder. Wir werden uns wiedersehen. HFFH!“ Marc Hoppe schrieb von einer „letzten Schlacht“, die Sokol leider verloren hätte und veröffentlichte eine der letzten Aufnahmen von Sokol. Auf sein „Roland-Hier!“ reagierten dutzende andere Nazis mit plumpen Beileidsbekundungen, ebenso wie auf Frank Zunners „Komm gut auf die andere Seite mein Bruder! Skinhead Roland - Hier!!!!“. Christian Hehl veröffentlichte ein Erinnerungsfoto, das ihn gemeinsam mit Schütthelm und Sokol zeigt. Nazihool Marc Schiffko, der bereits mit Sokol gemeinsam bei der Bundeswehr war, klagte mit dutzenden Sokol-Memorial-Postings sein Leid, darunter Links zu Youtube-Videos des „Noie Werte“-Album „Verraten und Verzockt“. Wolfgang Benkesser schrieb: „Vor 17 Jahren durfte ich Roland Sokol kennenlernen. Ein Mann der schon damals seinen Weg ging. Als Skinhead war er ein Vorbild. Vom Vorbild zum Freund vom Freund zum Bruder. Ich hoffe du wirst am Tisch unserer Ahnen sitzen. Ich werde dich nie vergessen Bruder. HFFH“. Auch Hartwin Kalmus, Pablo Allgeier und „Hammerskins“ von Schweden bis Portugal kondolierten.

    Ständiges Jammern und Klagen

    In der Lokalzeitung erschien eine Traueranzeige, gezeichnet mit „Hooligans Karlsruhe“. Der in Realität ständig über seine Schicksalsschläge klagende Nazihool wurde mit einem pathetischen „Du hast deine Krankheit tapfer ertragen, ohne Jammern und Klagen. Nun bist du erlöst und befreit, wir werden dich nicht vergessen für alle Zeit“ gewürdigt. Sokol beklagt nicht nur Trennungen und Krankheit, sondern fühlte sich oft auch einsam: „der Rest der alten Skins von KA ist entweder bürgerlich, unbekannt verzogen, psychisch krank oder tod.“ Insbesondere die Abwendung einstiger „Kameraden“ war ihm stets ein wichtiges Thema: „Hier gibt es schon ewig keine richtige Skinhead-Szene mehr, die Leute sind bürgerlich-desinteressiert-tot weggezogen oder Hells Angels/Gremium etc..... So ist eben der Lauf der Dinge, da verändert sich manches und eine Subkultur wird deutlich weniger. Von meiner Generation sind alle weg, Nachwuchs quasi nicht da, oder nicht ernstzunehmend.“

    Schön, dass du dein Anliegen Amen.de anvertraut hast

    Auch Sokols christlich-fundamentalistische Schwester ließ eine Traueranzeige veröffentlichen. In ihr wird Sokol als in seinen letzten Lebensmonaten neu erweckter Christ beschrieben. Und tatsächlich entschied sich Sokol noch auf der Zielgeraden nach Walhalla für das Himmelreich der geistig Armen: „Du kannst dein Anliegen, die Zahl der Beter und das Feedback jederzeit hier einsehen: amen.de/gebet.php?view=N4nRk9ktZe“

    Sie sind das, was sie sind: Freunde eines Spitzels

    Der „Hammerskin“ Wolfgang Benkesser fasste die vielen Wortmeldungen zusammen: „Freunde die Anteilnahme an Rolands Tod ist überwältigend. Aus ganz Europa lese ich Beileidswünsche aus jeglicher Richtung. Was mich hier zum überlegen bringt ist die Tatsache dass wir das sind was wir oder wer wir sind. Egal ob Hells Angel Bandito oder Gremium egal ob B&H oder Hammerskin oder ob wir Mannheimer Karlsruher oder Lauterer sind. Wir sind alles Brüder vom selben Blut und vom selben Stamm. Hier geht es nicht um Geld oder Machtansprüche sondern um Werte und Stolz und um unser Vaterland. Erinnert euch die Zeit ist reif. DENN WIR SIND DAS WAS WIR SIND....“

    „Betreff: Beerdigung Sokol“

    Die Beerdigung wurde maßgeblich von Angela „Gurke“ Deym aus Ingolstadt organisiert, die mit vollem Namen Angela Gräfin von Deym von Stritez heißt. Sie besuchte bereits seit etwa 1992 gemeinsam mit Roland Sokol Nazikonzerte und war auch mehrfach mit den Nazis von „Faustrecht“ bei deren Auftritten im „Rössle“ in Söllingen. „Gurke“ sammelte in den Tagen vor Sokols Beerdigung Geld bei seinen Nazikameraden: „Wie die meisten mitbekommen haben ist unser aller Freund und Bruder heute nach langer schwerer, tapfer durchkämpfter Krankheit in seine Freiheit gegangen. Wir müssen nochmals alle zusammen stehen um ihm eine Beerdigung in Ehren zu ermöglichen ( die Krankheit hat dafür keinen Spielraum gelassen). So haben wir ein "Support Konto" freigemacht und hoffen auf euer aller Beteiligung ab sofort bis die Kosten gedeckt sind. Betreff: Beerdigung Sokol“.

    In seinen Spitzelberichten lebt er weiter

    Die Beerdigung fand am 02.10.2015 auf dem Karlsruher Hauptfriedhof statt. Nach einer Trauerfeier zogen um die 200 Nazis, darunter viele Hooligans, Rocker, Nazimusiker und „Hammerskins“ mit ihren „Patches“, zum Grab in der Parzelle Nr. 66. Bereits zu Lebzeiten bewegte sich Sokol fast ausschließlich in männerdominierten Räumen, entsprechend befanden sich unter den Anwesenden nur wenige Frauen. Der Kranzschmuck mit Schleifen verschiedener Nazugruppierungen und -bands wurde später stolz auf Facebook präsentiert. Der Sarg wurde von Sokols langjährigen „Kameraden“ Dirk Metzner, Steffen Hammer, Klaus Heib und Malte Redeker zum Grab geschoben. Früher sangen Hammer und Heib mit ihrer Band „Noie Werte“ das Lied Walhalla: „Wenn Du dieses Lied hörst, wird er in Walhalla sein! Sein ganzes Leben galt der Sache, sein Gewissen war stets rein! Wir hatten einen Kameraden, einen besseren findest Du nicht! Er war einer der besten Soldaten und vergessen werden wir ihn nicht!“

    Verfassungsschutz schützt Naziorganisationen

    Nach Informationen des antifaschistischen Newsflyers „Gamma“ wurde ein Verbot der „Hammerskins“ im Jahr 2000, als auch „Blood & Honour“ verboten wurde, durch den Verfassungsschutz verhindert und mit Schutz von V-Männern in den Reihen der „Hammerskins“ begründet: „Sämtliche personenbezogenen Informationen stammen aus dem Einsatz von V-Personen – überwiegend der Landesbehörden für Verfassungsschutz. Sie sind dementsprechend als Verschlusssache eingestuft und unterliegen dem Quellenschutz.“ Die Mitgliedschaft von Spitzeln in Naziorganisationen kann also dazu führen, dass diese nicht nur vom Geheimdienst aufgebaut, finanziert und unterstützt werden, sondern auch noch staatlichen Schutz genießen.

    Verfassungsschutz abschaffen!

    Autonome Antifa Freiburg


    Dieses Communiqué mit Fotos und Ergänzungen auf Indymedia linksunten

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