Wenn die „Burschenschaft Teutonia Prag zu Würzburg“ in der „Deutschen Burschenschaft“ (DB) thematisiert wird, dann meist nur im Zusammenhang mit ihrem „Alten Herren“ Daniel Halemba. Der bayerische AfD-Landtagsabgeordnete steht zur Zeit in Würzburg vor Gericht, weil er unter anderem den „Aktivensprecher“ der „Teutonia“, Roland Schmidt, eingeschüchtert haben soll. Nur ist Schmidt der Sohn des „Gildenschafters“ Martin Schmidt und außerdem selbst ein AfD-Nazi wie Halemba, weswegen er auch für diesen im Prozess ausgesagt hat.
Aber es gibt durchaus noch andere spannende „Teutonen“, die mal wieder ein bisschen Stress in ihrem Leben bräuchten. Zum Beispiel der „Alte Herr“ Anselm Scheifler. Vor seiner Karriere als „Teutone“ war der damalige Theologie-Student Scheifler kurzzeitig im „Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen“ (CV). Aber die braven CVer waren zwar Brüder in religione, aber nicht im Geiste.
Anselm Scheifler stand mehr auf der derben Seite des Autoritären, was seinen Weg zur deutschnationalen „Burschenschaft“ erklären dürfte. So nutzte er 2013 die Mailadresse „ib-rhein-main@gmx.de“ um als Vorsitzender der Ortsgruppe Rhein-Main der „Identitären Bewegung“ Infobriefe zu verschicken und Veranstaltungen zu organisieren: „Es steht an: Treffen am 25. Mai in Fulda. Hier werden Identitäre aus der gesamten West-Region kommen. Geplant ist eine medienwirksame Aktion sowie eine normale Verteilaktion. Schaut ob ihr an diesem Tag Zeit habt und gebt mir rechtzeitig bescheid.“
Als Fußball-Hooligan war Anselm Scheifler Moderator der Gruppe „Weil Deutsche sich’s noch trau’n!“. Ein Jahr später war er 2015 „Hauptverantwortlicher“ der Arbeitsgruppe „Bildung, Forschung, Wissenschaft“ der damaligen AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA). Einer der Teilnehmer der von Scheifler geleiteten Arbeitsgruppe war Stefan Räpple.
Durch den Diebstahl des Laptops von Arne Schimmer und die anschließende Veröffentlichung der darauf gespeicherten Daten wurde 2018 bekannt, dass Anselm Scheifler Abonnent der Nazizeitschrift „Hier&Jetzt“ war. Seinen AfD-Kameraden Harald Dresel, der gerade mit Halemba vor Gericht steht, fügte Scheifler als Moderator am 29. Juni 2019 zum „Tramizu Politikforum“ hinzu. Dieses Forum gilt als dedizierter Naziableger der allgemeinen „Tramizu“-Facebook-Gruppe.
Und was macht Anselm Scheifler beruflich? Der Diplom-Theologe arbeitete 2021 als „Bezirksseelsorger“ für die Malteser in Baden-Württemberg und war 2023 als Stuttgarter „Diözesanreferent Pastoral“ angestellt. Diese Tätigkeit endete, nachdem dort seine Naziaktivitäten bekannt wurden.
Heute ist Anselm Scheifler „pastoraler Mitarbeiter“ im Pastoralteam der katholischen Pfarrei Sankt Marien Frankfurt am Main. Scheifler ist in der Pfarrei im Frankfurter Westen als Krankenpastoral in der Seelsorge tätig. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich, gilt das Bistum Limburg doch „bei vielen ja als liberal“. Zumindest versucht die durch Tebartz-van Elst feuergetaufte Limburger Kirchenpropaganda diesen Eindruck zu erwecken:
So betonte beispielsweise der Pressesprecher des Bistums, Stephan Schnelle, in einem Interview mit der erzkatholischen Seite kath.ch im Juni 2022 die Liberalität des Bistums. Auf die Frage, warum Thomas Jäger „nicht Priester des Bistums Limburg“ wurde, obwohl der wegen Kindesmissbrauchs verurteilte Nazipriester aus der Diözese Limburg stammt, antwortete Schnelle:
„Thomas Jäger war von 2000 bis 2006 Priesterkandidat für das Bistum Limburg. Nach dem Studium ist er jedoch in das Erzbistum Vaduz gewechselt. Dafür mag es verschiedene Gründe geben. Ein Grund könnten natürlich unterschiedliche theologische Auffassungen liegen. Das Bistum Limburg gilt bei vielen ja als liberal.“
Der Limburger Bischof Georg Bätzing, mithin Anselm Scheiflers Chef, gilt DLF als „Gesicht des Synodalen Wegs“. Bätzing ist seit sechs Jahre Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. In dieser Funktion erklärte er 2024 laut KNA „eine AfD-Mitgliedschaft für nicht vereinbar mit Ämtern in der katholischen Kirche“.
Noch Ende 2025 hat Bätzing laut Stern „mit Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 die Kirche zur Einmischung beim Thema Rechtsextremismus aufgerufen und ausdrücklich vor der AfD gewarnt“. Doch Christenworte sind wohlfeil oder als Bibelzitat: „Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.“