Vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Würzburg hat der Prozess gegen den 24-jährigen Nazi Daniel Halemba begonnen. Der bayerische AfD-Landtagsabgeordnete und „Alte Herr“ der „Prager Burschenschaft Teutonia zu Würzburg“ in der „Deutschen Burschenschaft“ lässt sich von dem Freiburger Nazianwalt Dubravko Mandic sowie den Rechtsanwältinnen Isabella Sanna und Isabell Körner verteidigen.
Die meisten BelastungszeugInnen in dem Prozess schützten Erinnerungslücken vor oder bagatellisierten die Delikte, die Angeklagten schweigen und mindestens eine wichtige Zeugin wurde vergessen zu laden. Die Anklage lautet auf Geldwäsche, Volksverhetzung, Nötigung, Sachbeschädigung. Der Vorwurf der Geldwäsche bezieht sich dabei auf einen Geldtransfer von 4.000€ aus Betrügereien eines Dritten ins Baltikum, die über Halembas Konto liefen.
Bei Halembas 21. Geburtstagsfeier „auf dem Haus“ der „Burschenschaft“ soll in der Nacht auf den 19. Juli 2022 das „Landser“-Lied „Wacht an der Spree“ gespielt worden sein, was die Staatsanwaltschaft als Volksverhetzung wertet. Ein weiterer Vorwurf der Volksverhetzung wurde bereits im Vorfeld fallengelassen: Halemba hatte Heinrich Himmels SS-Sexbefehl über sein Bett gehängt, so dass dieser erst durch die Berichterstattung über die Razzien für die Öffentlichkeit sichtbar wurde.
Bei der Razzia „auf dem Haus“ der „Teutonia“ wurde auch Halembas USB-Stick beschlagnahmt, auf dem sich das auf der Geburtstagsfeier abgespielte „Landser“-Lied befand. Auf dem „sind unfassbar viele Dateien drauf, Goebbels-Reden und sonst was“, sagte die Vorsitzende Richterin Gudrun Helm am zweiten Prozesstag.
Im April 2023 habe Halemba den ehemaligen Präsidenten des AfD-Landesschiedsgerichts Thomas Bayer bedroht, damit dieser ein Parteiausschlussverfahren gegen eine AfD-Konkurrentin nicht einstelle. Bayer wiederum verteidigt in dem Verfahren Harald Dresel, ist also im Prozess gleichzeitig Zeuge und Verteidiger. Bayer kandidiert bei der schlecht vorbereiteten bayerischen Kommunalwahl am 8. März 2026 auf Platz 4 der AfD-Liste für den Würzburger Stadtrat, der ebenfalls als Zeuge aussagende André Lihl auf Platz 3 und Halemba ist Spitzenkandidat.
Während der Strafermittlungen habe Halemba zusammen mit Dresel im Oktober 2023 einen anderen „Burschenschafter“ der „Teutonia“ und damals Mitbeschuldigten drei Tage vor dessen Zeugenvernehmung durch die Staatsanwaltschaft eingeschüchtert, damit dieser nicht gegen sie aussage. Harald Dresel lässt sich außerdem von Markus Berthold und Matthias Bauerfeind verteidigen.
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