Kürzlich wurde ein besonders krasser Fall eklatanten Versagens des Bundesamtes für Verfassungsschutz und des Landesamtes für Verfassungsschutz Berlin bekannt. Liv Heide wurde im Juni 2024 von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) entlassen, nachdem sie vom Landesamt nach einem falschen Hinweis des Bundesamtes bei der Hochschule als Nazi denunziert worden war.
Tatsächlich hatte Christiane Horn (Foto) aus der Klausdorfer Straße 165 in 24161 Altenholz die Identität von Liv Heide angenommen und unter diesem Namen eine Naziwebseite betrieben. Beide Geheimdienste ließen sich durch den Identitätsdiebstahl täuschen. Die Hochschule vertraute dem Verfassungsschutz blind und unterließ eine eigenständige Prüfung. Der Job ist weg, Pech gehabt.
Christiane Horn nahm die Identität einer Frau an, die aus dem gleichen Ort in Schleswig-Holstein stammt und ähnlich alt ist, zudem wohnte Horn früher mal in Berlin. Unter dem Pseudonym „Liv Heide“ betrieb Christiane Horn die Naziseite „WhiteDate.net“ – eine Datingplattform nur für Weiße. Die Naziseite wurde von Antifas gehackt, im Oktober 2025 geleakt und während des 39C3 im Dezember 2025 auf offener Bühne gelöscht.
Die Zeit schreibt: „Nach Informationen der ZEIT hat das Bundesamt für Verfassungsschutz die echte Liv Heide zwei Jahre lang in den Fokus genommen. Die Ermittler kannten das Portal WhiteDate und wussten, dass sich eine ,Liv Heide‘ als Betreiberin ausgibt. Als dieser Name dann das erste Mal 2022 auf der Website der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin auftauchte, schlug das Referat Internetbeschaffung beim Bundesamt intern Alarm. Die Information erreichte das Fachreferat 2D in Köln, das für die Beobachtung von nicht gewaltbereiten extremen Rechten im digitalen Raum zuständig ist.
Hier wurde die Information von einer Mitarbeiterin geprüft. Sie ließ sich Auskünfte vom Nationalen Waffenregister schicken, fragte das Handelsregister ab und beantragte beim Landeskriminalamt eine Sicherheitsüberprüfung. In keiner der Datenbanken fand sich ein Eintrag zu Liv Heide. Am Ende schrieb die Frau einen Sachstandvermerk, das interne Dokument liegt der ZEIT auszugsweise vor. Darin führte der Geheimdienst vor allem Beweise auf, dass die Website verfassungsfeindlich, antisemitisch und rassistisch ist. Aber die Beamtin bestätigte auch, dass ,tatsächliche Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass HEIDE verfassungsfeindliche Bestrebungen verfolgt‘.
Im Zuge der nachrichtendienstlichen Ermittlungsarbeit sei der Verfassungsschutz zu der Annahme gelangt, ,dass zwischen der Gründerin von ,White Date‘, ,Liv Heide‘ und der an der HWR beschäftigten Liv Heide Personenidentität besteht‘.
Also meldeten die Geheimdienstler diese Info 2024 an den Verfassungsschutz in Berlin. Das Landesamt ist für alle Extremisten in der Hauptstadt zuständig. Im Sachstandvermerk des Bundesamtes standen zwei verhängnisvolle Worte: Man habe die Betreiberin von WhiteDate ,klar identifiziert‘. Das Landesamt vertraute darum den Kollegen und gab die Erkenntnisse ungeprüft an die Hochschule weiter. Erkenntnismitteilung, Aktenzeichen II B – 042-S-590005-0121/2024. Aus einem Verdacht wurde jetzt ein schriftlicher Beweis. Mit Siegel des Verfassungsschutzes.“
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