Meldungen 2026 April

  • Mittwoch, 01.04.2026

    Am 28. März 2026 fand in London die größte antifaschistische Demonstration in der Geschichte des Vereinigten Königreichs statt. Luftaufnahmen zeigten riesige Menschenmengen in der Mitte von London. Während die VeranstalterInnen von einer halben Million Menschen sprachen, zählte die Londoner Polizei nur ein lächerliches Zehntel davon.
    Die Demonstration richtete sich gegen die Nazipartei „Reform UK“ von Nigel Farage, die in einer YouGov-Umfrage vom 11. März zur Zeit mit 23 % vor den Konservativen und den Grünen mit jeweils 19% liegen, während Labour nur noch auf 17% und die LibDems auf 14 % kommen. Am 13. September 2025 hatte der EDL-Gründer „Tommy Robinson“ einen erheblich kleineren Naziaufmarsch in London organisiert.
    Presse: Guardian | BBC | Independent | Searchlight

  • Donnerstag, 02.04.2026

    Der „Arbeitskreis der Studentenhistoriker“ (AKSt) will seine nächste „Studentenhistorikertagung“ im Harz veranstalten und nicht mehr länger in Tübingen. Vom 9. bis 11. Oktober 2026 soll die „86. deutsche Studentenhistorikertagung“ in Clausthal-Zellerfeld stattfinden. Ausrichten wird die Tagung das „Corps Montania“ im „Weinheimer Senioren-Convent“ (WSC) sowie die ebenfalls pflichtschlagende „Freie Burschenschaft Schlägel und Eisen“.
    Der Grund für die Wahl der hintersten niedersächsischen Provinz ist der verhinderte Tagungsversuch im altehrwürdigen Marburg 2025: „Im letzten Jahr sind wir massiven Bedrohungen der Antifa ausgesetzt gewesen, die dazu führten, daß wir nicht wie geplant in Marburg tagen konnten. Ja, sie haben’s geschafft. Aber wir zürnen nicht. Wir bemitleiden sie lediglich wegen des Hasses, den sie in sich tragen.“
    Die Korpo-Tagung musste schließlich still und heimlich im engsten Kreis völlig woanders stattfinden. Wir können daher die diesjährigen Bitten nachvollziehen, „verantwortungsvoll mit dieser Einladung umzugehen. Alle Korporierten, alle unsere Freunde sollen recht zahlreich erscheinen! Aber diejenigen in diesem Lande, die uns drohen, die uns hassen, sollen nicht erfahren, wo wir uns friedlich und in Freundschaft jederman gegenüber treffen wollen.“

  • Freitag, 03.04.2026

    Die taz hat am 16. März über Hella Hättasch berichtet. Sie ist die Ehefrau von Kurt Hättasch, ein als „Sächsischer Separatist“ angeklagter früherer AfD-Funktionär, dem bei der Festnahme „von einem Polizisten in den Kiefer geschossen“ wurde. Aber sie ist auch Miteigentümerin des Nazitreffs „Haus Montag“ im sächsischen Pirna:
    „Unterstützt wird Hättasch bei seiner offensiven Verteidigung von seiner Frau Hella. Sie übermittelte anscheinend die Tagebuchinhalte ihres Mannes aus dem Knast an einen rechten Blog, traf sich mit dem AfD-Politiker Björn Höcke, der sodann von einer „anständigen Familie“ sprach, der „übel mitgespielt“ worden sei. Als betroffene Ehefrau und junge Mutter gab sie auch dem rechten Sender Auf1 ein Interview vor der Kulisse ihrer guten Stube, in dem sie sich verwundert zeigte, dass die Familie überhaupt bei irgendwem auf dem Schirm sei. Sie selbst sei eine ,normale junge Frau mit Baby‘.
    Recherchen der taz zeigen nun: Auch Hella Hättasch weist engere Bezüge zu Akteuren der rechtsextremen Szene auf als bislang öffentlich bekannt. Auszüge aus dem Grundbuchamt, die der taz vorliegen, belegen: Ihr gehört ein Anteil an dem ,Haus Montag‘ in Pirna, das von Sicherheitsbehörden und Medien seit Jahren als Treffpunkt der neonazistischen Szene eingeordnet wird. Hella Hättasch ist im Grundbuch mit ihrem Geburtsnamen bereits seit Jahren als Miteigentümerin eingetragen, zusammen mit ihrem Vater Thomas Sattelberg sowie Max Schreiber, die beide für lange Karrieren in der extrem rechten Szene bekannt sind. [...]
    Max Schreiber, Thomas Sattelberg und seine Tochter Hella sind seit dem 24. Oktober 2023 offiziell im Grundbuch als Eigentümer des ,Haus Montag‘ eingetragen, wie aus den Auszügen des Amts hervorgeht. Hella Hättasch gehört ein Fünftel des Hauses, Sattelberg und Schreiber jeweils zwei Fünftel.“

    Hella Hättasch stellte Kubitscheks und Lehnerts Naziblog „Sezession“ „das hand­schrift­li­che Tage­buch ihres Man­nes zur Abschrift und zur Ver­öf­fent­li­chung zur Ver­fü­gung“. Darin beschreibt der inhaftierte Nazi in bemitleidenswerter Prosa die SEK-Razzia, die ihm die Visage eines Erstweltkriegsveteranen beschert hat. Es ist eigentlich einerlei, ob Hättasch tatsächlich in gutem Glauben „nur“ Antifas ermorden wollte, nachdem er den Notruf gewählt hatte, oder ob er die Gelegenheit sah, einen Polizisten „in Notwehr“ erschießen zu können und danach so eine Räuberpistole zu erzählen:
    „Jetzt nur noch auf die Poli­zei war­ten, aber die Gefahr, dass die Trup­pe aus­reißt, wird immer grö­ßer. Unse­re Stra­ße ist eine Sack­gas­se, und ich könn­te durch den Hin­ter­aus­gang über das Feld zur Ein­mün­dung der Stra­ße lau­fen, um ihnen dort den Weg abzu­schnei­den. Was soll ich auch sonst tun? Vor dem Haus sind es zu vie­le, bestimmt zehn Mann, da lässt sich nichts ausrichten.
    Ich gehe zu mei­nem Jagd­waf­fen­schrank, neh­me den Schlüs­sel und öff­ne die Tür. Zuerst grei­fe ich zu einem Jagd­ge­wehr, aber fin­de kei­ne pas­sen­de Muni­ti­on dazu, also stel­le ich es wie­der zurück und grei­fe zu einem ande­ren Kara­bi­ner. Ich lade auf­ge­regt die Patro­nen ein und ver­rie­ge­le den Schrank wie­der. In einer der­art bedroh­li­chen Angriffs­si­tua­ti­on ist ein sol­ches Vor­ge­hen durch­aus legal, ,Not­wehr‘ oder ,recht­fer­ti­gen­der Not­stand‘ heißt das, mei­ne ich, hat man als Waf­fen­be­sit­zer ja alles mal brav gelernt. Man stel­le sich außer­dem vor, die Extre­mis­ten stürm­ten tat­säch­lich das Haus und hät­ten ihrer­seits Zugang zu den Waffen!“

    Aber lief ja am Ende doch noch alles gut für Kurt: „Ihr Unter­kie­fer ist stark frag­men­tiert. Wir wer­den die Kno­chen­stü­cke rich­ten und den Unter­kie­fer durch eine Titan­plat­te, Schrau­ben und Draht in sei­ne alte Form brin­gen. Das Pro­jek­til, das Ihren Unter­kie­fer zer­schla­gen hat, wur­de nach dem Durch­schuss abge­lenkt und steckt jetzt in Ihrer rech­ten Schul­ter. Die­ses wer­den wir ent­fer­nen und anschlie­ßend alles ver­nä­hen. Der Ein­griff wird meh­re­re Stun­den dau­ern, aber sie wer­den davon nichts mitbekommen.“

  • Samstag, 04.04.2026

    Der Schweizer Mailanbieter Proton, der für sich mit „Proton: Privacy by default“ wirbt, hat Nutzerdaten ans FBI übermittelt. Daraufhin wurde ein bis dahin anonymer „Stop Cop City“-Aktivist vom FBI identifiziert. Dies wurde über US-Akten bekannt, welche die US-Medienseite 404 Media (Archiv | Disclaimer) einsehen konnte.
    Konkret wollte das FBI einen Namen hinter der Mailadresse defendtheatlantaforest @protonmail.com [dpc]. Die Mailadresse gehört zu einer Protestbewegung, die südöstlich von Atlanta, Georgia aktiv ist. Bekannt wurde sie von 2020 bis 2023 durch die Proteste gegen das 2025 eröffnete „Atlanta Public Safety Training Center“. Für das Ausbildungszentrum der Polizei wurden Teile des South River Forests im DeKalb County abgeholzt. Die Bewegung gegen die „Cop City“ im Wald nannte sich „Stop Cop City“ und „Defend the Atlanta Forest“.
    Am 18. Januar 2023 wurde Manuel Esteban Paez Terán, indigene*r und queere*r Anarchist*in aus Venezuela und besser bekannt als Tortuguita, durch amerikanische Polizisten erschossen. Georgia State Troopers räumten ab 9 Uhr morgens das Protestcamp und forderten Tortuguita erfolglos auf, das Zelt zu verlassen. Daraufhin feuerten die Polizisten Pfeffergranaten in Tortuguitas Zelt, woraufhin Tortuguita in Panik geriet und vier 9 mm Pistolenkugeln zurückschoss. Tortuguita wurde von sechs Troopern erschossen. Zwar wurde auch einer der Trooper angeschossen, aber es ist bis heute nicht aufgeklärt, wer die Kugel abfeuerte. Am 9. Februar 2023 veröffentlichte die Polizei von Atlanta Aufnahmen einer Bodycam. Darin ist zu hören, wie einer der Trooper sagt: „You fucked your own officer up.“
    Im Fall der durch Proton ans FBI herausgegebenen Daten ging es jedoch weder um den angeschossenen Trooper, wie Proton fälschlicherweise zu seiner Verteidigung behauptete, noch gab es überhaupt eine Anklage. 404 Media schreibt: „Informationen, die das FBI erhielt, wiesen eine bestimmte Person als Zahlungsquelle für ein bestimmtes Proton Mailkonto aus. ,Am 25. Januar 2024 ergaben die von der Schweizer Rechtshilfeabteilung erhaltenen Teilnehmerdaten, dass [vollständiger Name] (BETREFF) als Zahlungsquelle für die Proton-E-Mail-Adresse [dpc] fungierte‘, heißt es darin. 404 Media veröffentlicht den Namen der Person nicht, da sie laut Recherchen in Gerichtsdatenbanken offenbar nicht angeklagt wurde.“
    Proton hat damit dem FBI geholfen, eine Person für den Blog der Protestbewegung verantwortlich zu machen: „Das Dokument führt weiter aus, dass das FBI davon ausgeht, dass die Person, die das Proton-Mailkonto verwaltet, wahrscheinlich administrativen Zugriff auf den Blog hat. Das FBI erhielt Informationen zu diesem Proton-Mailkonto von den Schweizer Behörden im Rahmen eines Rechtshilfeabkommens.“
    Presse: 404 Media | Heise | Golem | Netzwoche | Standard | Steiger Legal

  • Sonntag, 05.04.2026

    Am 28. März fand in Ettlingen eine AfD-Veranstaltung mit Martin Sellner, Maximilian Märkl und Aaron Franz statt. Die AfD schreibt von „190 geladenen Gästen“. Im Vorfeld und am Ettlinger Schlossplatz gab es Proteste.
    Aaron Franz ist seit kurzem baden-württembergischer Vorsitzender der „Identitären Bewegung“. Der Zeitungsverlag Waiblingen schreibt in Bezug auf die IB-Aktion in Untertürkheim im September 2024, wegen der Aarons Bruder Tim Franz angeklagt war, und die Fake-Ankündigung einer IB-Parteigründung im August 2025 zur baden-württembergischen Landtagswahl im März 2026 durch die Gebrüder Franz:
    „In einer Presseanfrage wollten wir von Aaron [Franz] [...] wissen, warum er nun die ,Identitäre Bewegung Schwaben‘ leitet. Wir wollten wissen, wie seine Familie zu seiner Laufbahn bei der rechtsextremen Gruppe steht – bei seinem Bruder ist es klar, aber was ist mit dem Rest?
    Wir wollten wissen, was Aaron F. damals mit der Drohne in Tatortnähe vorhatte und warum er über eine angebliche Teilnahme an der Landtagswahl gelogen hat. Wir wollten wissen, ob die AfD Ettlingen Maximilian Märkl und ihn kürzlich zu einer Veranstaltung eingeladen hat – die rechtsextreme Partei selbst hat Fotos der beiden veröffentlicht und schweigt sich nun darüber aus. Antworten haben wir keine erhalten.“

    Die AfD-Veranstaltung fand im Ettlinger Restaurant „Esskultur“ statt, dem Clubhaus des FV Ettlingenweier. Der Wirt Nail Ekic war so begeistert von den Nazis, dass er der AfD angeboten hat, ihren monatlichen Stammtisch in seinem Restaurant Am Sportplatz 27 in 76275 Ettlingen abzuhalten.
    Ursprünglich hätte die AfD-Veranstaltung im Restaurant „Imperium“ stattfinden sollen, dem Clubhaus des FV Sulzbach. Die Badische Neuesten Nachrichten erinnern an die Naziveranstaltung der „Jungen Alternative“ im August 2024, die zu Antifa-Interventionen führte:
    „Der FV Sulzbach hat in Sachen AfD-Veranstaltungen bereits seine Erfahrungen gemacht: Im Sommer 2024 hatte die inzwischen aufgelöste Junge Alternative im Imperium ihr Sommerfest gefeiert. Der Verein hatte sich danach klar von der Veranstaltung distanziert.“
    Trotzdem fanden im „Imperium“ noch bis vor kurzem die Ettlinger AfD-Stammtische statt. Aber da das zukünftig nicht mehr der Fall ist – der andere Fußballverein übernimmt ja die AfD-Bewirtung – sind nun alle übertrieben entsetzt. Denn klar, niemand hatte die Nazis Monat für Monat in der Alten Reute 1 in 76316 Sulzbach bemerkt.
    Organisiert wurde die Veranstaltung vom Ettlinger AfD-Stadtrat und „1. Sprecher“ des AfD-Ortsverbands, Thomas Möckel, sowie der „Schriftführerin“ der Ettlinger AfD, seiner Ehefrau Nicole Möckel. Die AfD-Möckels wohnen in der Bulacher Straße 8 in 76275 Ettlingen.
    Der erfolglose Ettlinger AfD-Landtagskandidat Thomas Markus Kastell kündigte laut BNN am 4. April die Niederlegung seines Stadt- und Kreistagsmandats an. Kastell hatte auf seiner Facebook-Seite den Sellner-Auftritt begrüßt, verteidigt und dazu aufgerufen, hinzugehen. Ein klarer Widerspruch zu den Äußerungen des AfD-Bundesvorstands, über welche die Tagesschau im Februar berichtete:
    „AfD-Mitglieder sollen nach dem Willen der Bundesspitze keine Veranstaltungen mit der Führungsfigur der als rechtsextremistisch eingestuften ,Identitären Bewegung‘ (IB), Martin Sellner, mehr durchführen.“

  • Montag, 06.04.2026

    Der AfDler Chris Hegel aus Aalen (Ostalbkreis) bewirbt seit einigen Wochen seine Kandidatur als Landesvorsitzender des noch zu gründenden baden-württembergischen Landesverbands der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD). Hegel ist von Beruf Polizist und wurde bei der baden-württembergischen Landtagswahl am 8. März 2026 für den Wahlkreis Aalen über die AfD-Landesliste in den Landtag gewählt.
    Chris Hegel versteckt weder seinen Rassismus („entweder wir setzen Remigration jetzt durch oder wir verlieren unsere Heimat für immer“) noch seine völkische Ideologie („unser Tun oder Nichtstun wird am Ende entscheiden, ob Deutschland die Heimat der Deutschen bleibt“).
    Allerdings versteckt Hegel seine Vergangenheit hinter Phrasen wie „es war mir relativ schnell klar, dass ich ein Rechter bin“. Die Plattform dafür bot ihm zwei Wochen vor der Landtagswahl die Schwäbische Zeitung.
    Bis Dezember 2025 war Gabriel Kords Chefredakteur der Schwäbischen Zeitung. Mittlerweile hat er diese Position beim Nordkurier inne, der 2021 vom „Schwäbischen Verlag“ übernommen wurde. Am 14. April 2026 um 18:30 Uhr ist Gabriel Kords zu Gast bei der AfD-Landtagsfraktion im Schweriner Schloss. Neben Kords hat die AfD den Naziinfluencer Boris Morgenstern und den „Junge Freiheit“-Chefredakteur Dieter Stein angekündigt. Das Thema: „Medienmacher im Meinungsmarkt der Zukunft“.
    Für das Verständnis wesentlich ist jedoch wie so oft in Deutschland die Vergangenheit. Im September 2016 besuchte Chris Hegel eine Naziveranstaltung der Pforzheimer Nazigruppierung „Freundeskreis ein Herz für Deutschland“ (FHD), bei der ein „Zeitzeuge“, in diesem Fall der im Jahr 2020 gestorbene Nazioffizier und „Ritterkreuzträger“ Ludwig Bauer, einen Vortrag halten sollte. Beworben wurde diese Veranstaltung unter anderem von dem heutigen Unternehmens- und AfD-Berater Armin Allmendinger, der dafür sein Pseudonym „Identitäre Aktion Ellwangen“ nutzte:
    „Betreff: Fw: FHD-Pforzheim Zeitzeugenvortrag
    Von: freiheitliche-ostalb@web.de
    Datum: 15.09.2016
    ZUR INFO Identitäre Grüße, IAE
    Weitergeleitete Nachricht:
    Betreff: FHD-Pforzheim Zeitzeugenvortrag
    Von: kontakt@fhd-pforzheim.de
    Gesendet: 13.09.2016
    Liebe Freunde und Mitglieder,
    hiermit laden wir Euch recht herzlich zu unserer nächsten Veranstaltung ein.
    Thema: Ein Offizier und Ritterkreuzträger der Panzerwaffe berichtet von seinen Erlebnissen an der Ost- und Westfront
    Datum: Sonntag, den 25.09.2016
    Ort: Großraum Pforzheim
    Einlaß: 14:30 Uhr – Beginn: 15:00 Uhr
    Für weitere Informationen wendet Euch bitte an unsere Infonummer: 0176/25188817
    1941 bewarb sich unser Referent mit 17 Jahren als Offiziersanwärter bei der Wehrmacht. Er nahm an den Kämpfen vor Moskau, bei Woronesh, bei Rshew und im Raum Kriwoi Rog teil. 1944 wurde sein Regiment nach Frankreich verlegt. Dort kämpfte er an der Invasionsfront. und nahm anschließend an der Ardennen-Offensive teil. Am 29. April 1945 wurde ihm das Ritterkreuz verliehen. Er selber wurde in seinem Panzer insgesamt 9x abgeschossen und mehrfach verwundet. Neben dem Ritterkreuz wurden ihm das Verwundetenabzeichen in Gold, Das Panzerkampfabzeichen in Silber (II. Stufe), beide Eisernen Kreuze sowie die Ostmedaille verliehen.
    Im Mai 1946 folgte die Entlassung aus der US-Kriegsgefangeschaft.
    Das dürfte so ziemlich das letzte Mal sein einen derart hochdekorierten Weltkriegsteilnehmer bei uns begrüßen zu können. Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes wurde während des 2. Weltkriegs nur ca. 7.000 mal verliehen und gilt als höchste deutsche Tapferkeitsauszeichnung. Als Voraussetzung für die Verleihung galten besondere Tapferkeit vor dem Feind oder hervorragende Verdienste in der Truppenführung.
    Deshalb solltet Ihr unbedingt die Gelegenheit wahrnehmen und den Vortrag nicht verpassen. Besonders Jugendlichen, die heute in den Schulen von überwiegend grün-roten Lehrern ein völlig verzerrtes Geschichtsbild vermittelt bekommen, ist die Veranstaltung zu empfehlen.
    Mit kameradschaftlichen Grüßen
    FHD“

    Chris Hegel entsprach als Jugendlicher genau der Zielgruppe und ließ sich von den örtlichen NPD-Nazis nach Pforzheim chauffieren. Er schrieb an die damalige NPD-Aktivistin und heutige „Die Heimat“-Landesvorsitzende Marina Djonovic in einem privaten Chat: Dominik wollte mich mitnehmen, bei dem ist aber das Auto verreckt^^“. Nach einigem Hin und Her instruierte ihn Djonovic: „Schreib mir kurz deine Adresse dann holen wir dich ab“. Chris Hegel antwortete mit „Lerchenweg 2 ,Ellwangen“, „Schreib mir wenn du in der Nähe bist, ich kann auch runter zur Bushaltestelle vor HG/EBR kommen“ und „Bin in 1 min da“.
    Nach dem FHD-Vortrag schickte Marina Djonovic dann Einladungen zu internen NPD-Veranstaltungen an Chris Hegel. Wenig später begann er seine Ausbildung bei der Polizei.

  • Dienstag, 07.04.2026

    Am 11. März 2026 gab es Razzien gegen den Naziverlag „Der Schelm“. Die Tagesschau schrieb:
    „Die Zuständigkeit liegt bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe. Nach rbb-Informationen wurde in Deutschland an acht Orten in Brandenburg, Baden-Württemberg, Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen durchsucht. Bei der Razzia stellten die Einsatzkräfte NS-Devotionalien, Propagandamaterialien, elektronische Datenträger und andere Beweismittel sicher. In Polen ließen die Ermittler per Amtshilfe eine Druckerei und in Spanien eine Lagerhalle sowie Privat- und Firmenräume durchsuchen. [...]
    Sechs Männern und zwei Frauen deutscher Herkunft wirft die Karlsruher Staatsanwaltschaft unter anderem vor, ,in 488 Fällen gemeinschaftlich volksverhetzende Druckwerte von 2022 bis 2024 hergestellt, verbreitet, geliefert und vorrätig gehalten zu haben‘, wie Sprecher Manuel Graulich der Redaktion rbb24 Recherche mitteilte. Ein Druckereibesitzer ist der Beihilfe beschuldigt. Hauptbeschuldigter ist der aus Leipzig stammende und bereits vor Jahren nach Moskau geflüchtete Verlagsinhaber und Rechtsextremist Adrian [Preißinger].“

    Im April 2024 waren Enrico Böhm und Annemarie Kunze wegen des Verlagsbetriebs zu Knaststrafen verurteilt worden. Offenbar ist dem Naziverlag schon vor einiger Zeit die Kundendatenbank verlustig gegangen:
    „Die Webseite des ,Schelms‘ ist in Estland angemeldet. Exklusiv verfolgte rbb 24 Recherche zwei Jahre lang die neuen Vertriebsstrukturen und analysierte den Kundenstamm des Verlags. Die etwas mehr als 11.000 Besteller kommen aus aller Welt. Zu den deutschen Kunden sollen bekannte Neonazis sowie Lokalpolitiker der AfD aus mehreren Bundesländern gehören.
    Die Mehrzahl der Käufer scheint jedoch nach einer exklusiven Auswertung des rbb aus der Mitte der Gesellschaft zu stammen: Unternehmer, Handwerker, Anwälte, Ärzte, Polizisten, Lehrer, Pfarrer, Buchhändler, Altenpfleger, Feuerwehrmänner. Der Präsident eines Schützenvereins soll mindestens acht Bücher bestellt haben, darunter ,Judas Schuldbuch‘ und die ,Diktatur Bundesrepublik Deutschland‘ des Holocaust-Leugners Germar Rudolf.
    Ein vom Verfassungsschutz aus Hessen als ,rechtsextremistisch‘ bezeichneter Verlag bestellte mindestens zwanzig Mal Nachdrucke von Kinderbüchern aus der NS-Zeit: ,Giftpilz‘ und den ,Pudelmopsdackelpinscher‘. Die Bücher stehen seit 2018 auf dem Index der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendschutz.“

    Am 25. März haben die baden-württembergischen Grünen eine Kleine Anfrage gestellt, um „die Durchsuchungsmaßnahmen und das Netzwerk des rechtsextremistischen Verlags ,Der Schelm‘ in Baden-Württemberg genauer beleuchten.“
    Presse: Tagesschau | RBB | hr | MDR | FAZ

  • Mittwoch, 08.04.2026

    In Straßburg wurde am 3. April 2026 ein Mann aufgrund einer Chatbot-Unterhaltung von einer Spezialeinheit festgenommen und anschließend in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Der Mann hatte dem geschwätzigen Chatbot erzählt, dass er beabsichtige eine Waffe zu kaufen, um einen „Geheimagenten der CIA, des Mossads oder des DGSI“ (französischer Inlandsgeheimdienst) zu töten. Die Nachricht des nicht näher benannten Chatbots wurde vom FBI an die französischen Behörden übermittelt, was zu der Razzia führte.

  • Donnerstag, 09.04.2026

    Google hat im August 2025 „eine neue Sicherheitsebene“ für Android Apps angekündigt und im März 2026 eingeführt. Ursprünglich hieß es, dass ab September 2026 keine App mehr an Google vorbei installiert werden kann:
    „Indem wir Android sicherer machen, schützen wir die offene Umgebung, in der Entwickler und Nutzer vertrauensvoll Inhalte erstellen und sich vernetzen können. Die neue Entwicklerbestätigung für Android ist eine zusätzliche Sicherheitsebene, die böswillige Akteure abschreckt und es ihnen erschwert, wiederholt Schaden anzurichten. Ab September 2026 müssen Apps in ausgewählten Regionen von einem bestätigten Entwickler registriert werden, damit sie auf zertifizierten Android-Geräten installiert werden können.“
    Dagegen formierte sich Widerstand in Form der „Keep Android Open“-Kampagne. Google hat reagiert und angekündigt, eine Ausnahmemöglichkeit zu schaffen, um doch nicht von Google notarisierte Apps zu installieren.
    Graphene OS, eine Android-Alternative für Pixel-Handys von Google (und demnächst Motorola), ist von Googles Ankündigung anderweitig betroffen. Zwar gelten dort Googles App-Beschränkungen nicht, aber Graphene wird regelmäßig auf Basis des Google Android-Codes gebaut. Der soll zukünftig nur noch zweimal jährlich veröffentlicht, aber nicht-öffentlich entwickelt werden.
    Auf Apple-Geräten war es abseits von Jailbreaks noch nie möglich, Apps an Apple vorbei dauerhaft zu installieren. Zwar gibt es kein freies Betriebssystem für iPhones, dafür aber Linux für Apple Silicon bis zu M2-Prozessoren auch in der in Europa weit verbreiteten Debian-Variante.
    Bei der Nutzung von iOS/macOS sollte bei Apple-Geräten der „Blockierungsmodus“ („Lockdown Mode“) und der „Erweiterte Datenschutz“ („Advanced Data Protection“) aktiviert sein.
    Der „Erweiterte Datenschutz“ ist Apples Bezeichnung für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Daten, die über iPhones, Macs & Co. (oft unbewusst) in der iCloud gespeichert werden. Durch die Aktivierung wird den Ermittlungsbehörden der Umweg über iCloud verwehrt, um an Daten wie Kalendereinträge oder manchmal ganze Backups zu gelangen.
    „Zum Lockdown Mode“ sagte eine Apple-Sprecherin gegenüber Tech Crunch: „Uns sind keine erfolgreichen Spyware-Angriffe auf Apple-Geräte mit aktiviertem Lockdown-Modus bekannt.“
    Aus den Erfahrungen mit der Repression nach dem linksunten-Verbot wissen wir, dass bei Einhaltung der üblichen Sicherheitsvorkehrungen nicht nur Handys mit GrapheneOS, sondern auch Apple Silicon-Geräte mit aktiviertem Lockdown-Mode für Polizei und Geheimdienste in Deutschland nicht mehr als ein Backstein sind. Den sie irgendwann widerwillig rausgeben müssen, damit er zurückgeworfen werden kann. Oder aphoristisch als Clickbait formuliert: „MacBook. Schlag zu, wenn du was zu verbergen hast.“

  • Freitag, 10.04.2026

    Am 6. April 2026 haben der Kyiv Independent und die antirussische OSINT-Gruppe TUA Research eine Recherche veröffentlicht: „Die Enttarnung der anonymen Moderatoren von ,Russians With Attitude‘ – einem kriegsbefürwortenden Podcast, der in der US-Rechten populär ist.“
    Der Kyiv Independent ist ein ukrainisches Online-Medium in englischer Sprache, das im November 2021 von zuvor gefeuerten JournalistInnen der Kyiv Post gegründet wurde – drei Monate vor Beginn des russischen Angriffskriegs.
    „In ihrem Podcast fordern ,Kirill‘ und sein Co-Moderator ,Nikolay‘ die Annexion von Teilen der Ukraine durch Russland, propagieren die Vorstellung einer ,erzwungenen, feindseligen ukrainischen Identität‘ und setzen sich für ein Verbot der ukrainischen Sprache ein.“ Am vierten Jahrestag der russischen Invasion postete ,Kirill‘: „Der Feind verdient es, vernichtet zu werden.“
    Die Zielgruppe des Podcasts lebt in den USA: „Das im Jahr 2020 gestartete Projekt ,Russians With Attitude‘ (,RWA‘) – ein Podcast und Social-Media-Projekt – hat sich eine Gefolgschaft unter englischsprachigen rechten Zielgruppen aufgebaut, vorwiegend in den Vereinigten Staaten. Das Projekt produziert Inhalte rund um das Thema Russland, mit einem Schwerpunkt auf Geschichte und Politik, wobei Ereignisse konsequent durch eine ultranationalistische Brille betrachtet werden.“
    Die Recherche deckt die Identität der beiden bisher anonymen Männer auf, die hinter „Russians With Attitude“ stehen. Der laut Eigenbeschreibung „wöchentliche Podcast von zwei Russen, die durch die Höllenlandschaft der amerikanischen kulturellen Hegemonie navigieren“ wird produziert von Eldar Orlov und Kirill Kamenetsky.
    Kirill Kamenetsky ist früh mit seiner Familie aus Russland nach Deutschland emigriert. Hier verbrachte er den Großteil seines Lebens, bevor er nach einer Hausdurchsuchung wegen Finanzierung des russischen Terrors 2025 nach Russland zog.
    In Deutschland war Kirill Kamenetsky „Burschenschafter“. Bereits 2015 war Kamenetsky im Umfeld der „Normannia Heidelberg“ aktiv, wie Antifas damals auf Indymedia linksunten berichteten:
    „Der Russe Kirill Kamenetsky, der wegen seiner ,nichtarischen‘ Abstammung in der Deutschen Burschenschaft nicht als Vollmitglied aufgenommen werden kann, füllt zur Zeit als ,Freund des Bundes‘ die Reihen der Normannen-Aktivitas auf.“
    Diese Einschätzung erwies sich als falsch, denn 2017 war die „Burschenschaft Normannia“ Mitglied der „Deutschen Burschenschaft“. Im Vorwort unseres Communiqués „Nachruf auf die Burschenschaft Normannia Heidelberg“ zitieren wir eine Mail von Kamenetsky aus dem Jahr 2017 zu Dubravko Mandic:
    „Auf dem Burschentag hat sich Herr Vbr. Mandic, Alter Herr der Freiburger Burschenschaft Saxo-Silesia, unserer Aktivitas gegenüber in höchstem Maße ungebührlich verhalten. Er hegt einen Groll gegen unseren Bund, seit ich bei einer privaten Veranstaltung seine Begleitung des Hauses verwiesen habe. Er hat sowohl unsere Aktiven als auch unseren Bund als Ganzes auf die gröbste und asozialste Art beleidigt, die man sich nur vorstellen kann; später hat er sich auch zu Tätlichkeiten hinreißen lassen, er hat Bbr. Rotärmel mit Geld beworfen und ist mir gegenüber körperlich geworden.“
    Damals unterschrieb er mit „Kirill Kamenetsky N!x“, denn Kamenetsky war im Sommer 2017 der Sprecher der später aufgelösten „Aktivitas“ der „Burschenschaft Normannia“. Der Kyiv Independent schreibt:
    „Kamenetskys Vergangenheit in deutschen und russischen Nazikreisen ist dokumentiert. Eine Schweizer Website nennt seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft Normannia Heidelberg, die nach extremistischen und antisemitischen Vorfällen suspendiert wurde. Eine deutsche Antifa-Website veröffentlichte einen Bericht mit einer angeblichen E-Mail von Kirill Kamenetsky aus dem Jahr 2017, die auf eine Führungsrolle in der Gruppe hindeutet; als Absender war sein vollständiger Name angegeben. Der Kyiv Independent konnte die Echtheit des Dokuments nicht unabhängig überprüfen.“

  • Samstag, 11.04.2026

    Im ersten großen Antifa-Prozess nach Trumps Feinderklärung im September 2025 wurden am 13. März 2026 alle Angeklagten von einer Jury in Texas schuldig gesprochen. Wie in den USA üblich, wird das Strafmaß zu einem späteren Zeitpunkt von einem Richter oder einer Richterin festgesetzt. NBC 5 berichtete aus Fort Worth:
    “Eine Jury sprach am Freitag alle neun Angeklagten schuldig, die an dem Angriff auf das Gefängnis Prairieland im Juli 2025 beteiligt waren. Acht Angeklagte wurden wegen Landfriedensbruchs, Unterstützung terroristischer Aktivitäten, Verschwörung zum Einsatz und Transport von Sprengstoff sowie des Einsatzes und Transports von Sprengstoff verurteilt.
    Benjamin Hanil Song wurde als einziger Angeklagter wegen versuchten Mordes an Beamten und Angestellten der US-Streitkräfte schuldig gesprochen. Song wurde außerdem in drei Fällen wegen unerlaubten Schusswaffengebrauchs während einer Gewalttat verurteilt.“

    Der Prozess hat wie die „Stop Cop City“-Ermittlungen Einblick in Repressionsmethoden gewährt. Während durch die Ermittlungen in Atlanta bekannt wurde, dass der Schweizer Mailanbieter Proton User ans FBI verraten hat, offenbarte der Prozess in Texas Einblicke in Probleme mit der Nutzung der Signal Chat-App.
    Bereits seit 2023 ist bekannt, dass „ausländische Regierungen“ bei Apple und Google Push-Benachrichtigungen verlangt haben. Im Juni 2025 wurde bekannt, dass Apple tausende dieser Nachrichten weitergegeben hat (Archiv | Disclaimer).
    Durch Prozessnotizen wurde nun bekannt, dass diese Daten auch vor Gericht genutzt werden:
    „Signal-Chat-Beweise von Sharps Gerät (Anlage 158): Die Nachrichten wurden von Sharps Telefon über Apples internen Benachrichtigungsspeicher wiederhergestellt – Signal war zwar entfernt worden, eingehende Benachrichtigungen blieben jedoch im internen Speicher erhalten. Es wurden ausschließlich eingehende Nachrichten erfasst (keine ausgehenden).“
    Den direkten, physichen Zugriff auf das iPhone hätte die Aktivierung des „Blockierungsmodus“ („Lockdown Mode“) verhindert. 404 Media (Archiv | Disclaimer) hat weitere Details zu den Methoden der Repression recherchiert:
    „404 Media sprach mit einer der Unterstützerinnen, die während des Prozesses Notizen machte, und mit Harmony Schuerman, der Anwältin der Angeklagten Elizabeth Soto. Schuerman teilte ihre Notizen zu Beweisstück 158. ,Sie konnten diese Chats abfangen, weil sie die Benachrichtigungen auf ihrem Handy so eingestellt hatte – jedes Mal, wenn eine Benachrichtigung auf dem Sperrbildschirm erscheint, speichert Apple sie im internen Speicher des Geräts‘, heißt es in den Notizen.
    Die Unterstützerin fügte hinzu: ,Ich war am letzten Verhandlungstag der Staatsanwaltschaft im Gerichtssaal, als FBI-Sonderagent Clark einige Signal-Nachrichten untersuchte. Ein Teil stammte vom Handy von Lynette Sharp (einer der Kronzeuginnen), aber die interessanten, detaillierten Nachrichten, die im Gerichtssaal gezeigt wurden, waren solche, die sich selbst löschen sollten und tatsächlich in der Signal-App verschwunden waren.‘“

    Umgehen lässt sich diese Lücke, die eigentlich keine Signal-Lücke ist und auch nicht nur Signal betrifft, indem in den Signal-Einstellungen bei Benachrichtigungen ein leerer Benachrichtigungsinhalt ausgewählt wird („Kein Name und Inhalt“). Diese Einstellung muss auf jedem Endgerät geändert werden, auch bei allen verknüpften Signal Desktop Apps. Ein einziges Gerät reicht aus, um Push-Benachrichtigungen über Apples bzw. Googles Benachrichtigungsnetzwerk zu schicken, welche weder Verschlüsselung noch ablaufende Nachrichten kennen.
    Das FBI hat außerdem auf ein offenbar unverschlüsseltes Apple iCloud-Backup zugreifen können: „Killian machte Aussagen zu Daten, die er von Apple im Zusammenhang mit Zachary Evetts’ iCloud-Backup (verknüpft mit seinem Yahoo-E-Mail-Konto) erhalten hatte. Die Beweisstücke 174 (Fotos) und 176 (Nachrichten und Kalendereinträge) wurden zugelassen (Seite 25 von Beweisstück 176 wurde nach Einspruch zurückgezogen).“
    In diesem Fall schützt die Aktivierung des „Erweiterten Datenschutzes“ („Advanced Data Protection“) die meisten eigenen iCloud-Daten durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
    Da die Trump-Administration ihren „War on Antifa“ auch in Europa forciert (siehe New York Times (Archiv | Disclaimer)), braucht es auch hier mehr digitale Selbstverteidigung.

  • Sonntag, 12.04.2026

    Bisher war Peter Kurth immer „der mit Geld“. 1988 in der Berliner Sozial- und Wirtschaftsverwaltung, anschließend bei Deutscher Bank und Deutscher Kreditbank, als CDU-Finanzsenator um die Jahrtausendwende in Berlin, im Berliner Diözesanvermögensverwaltungsrat und als Finanzier der deutschen Naziszene. Kurth hat Geld, auch wenn unbekannt ist, woher es stammt.
    Bisher ist auch nicht bekannt, ab wann der „Alte Herr“ der „Burschenschaft Gotha Berlin“ in der „Deutschen Burschenschaft“ mit seinen Nazispenden begann. Bekannt ist, dass Kurth der „Identitären Bewegung“ für ihre Nazizentren in Chemnitz und Steyregg insgesamt eine Viertelmillion Euro spendete und die „Sächsischen Separatisten“ mit 100.000 Euro finanzierte.
    Kurths persönliche Nazikontakte wurden höchstens mal im Rahmen der Berichterstattung über ein Nazitreffen in seiner Berliner Dachgeschosswohnung erwähnt oder als die Finanzierung seines langjährigen persönlicher Referenten Arne Mörig durch Alice Weidel aufflog. Nach Recherchen der Zeit (Archiv | Disclaimer) nahm Kurth aber auch an öffentlichen Naziaktionen teil:
    „Eine Festwiese in Dresden, die Identitäre Bewegung hat Partyzelte und gelbe Liegestühle mit schwarzen Lambda-Zeichen aufgebaut. Es ist ein Samstag im August 2018, die Organisation veranstaltet ihr erstes Festival in Deutschland.“
    Hier traf Peter Kurth den Anti-Antifa Mario Müller: „An einem Biertisch sitzt einer der bekannten Köpfe der Identitären, Mario Müller, wegen Gewalttaten vorbestraft. Auf Fotos erkennt man: Müller unterhält sich mit einem Herrn in hellblauem Hemd und Steppweste. [...] Zoomt man in die Fotos, wird sichtbar: Der weißhaarige Herr trägt an seinem Hemd einen Button mit einem Lambda-Symbol darauf. Es ist das Erkennungszeichen der Identitären Bewegung.“
    Andere Fotos zeigen Kurth 2019 auf einem IB-Fackelmarsch durch die Wiener Innenstadt: „Die Aufnahmen entstanden im Herbst 2019, als Kurth die Hauptstadtpolitik verlassen hatte, aber noch einen wichtigen Wirtschaftsverband leitete. Just in der Woche des Fackelmarschs war er in der CDU-Parteizentrale zu Gast.“
    Mittlerweile hetzt Peter Kurth als Nius-Redakteur gegen Muslime und die Brandmauer. Die AfD unterstützte er schon 2016: „Die AfD, heißt es, habe früh um den ehemaligen Finanzsenator geworben. Als die Partei erstmals in den Berliner Landtag einzog, soll der Christdemokrat Kurth den Neuen von der Konkurrenz das Einmaleins des Landeshaushalts erklärt haben.“
    Auch war Kurth nicht nur Finanzberater der AfD: „Zweimal soll der CDU-Mann auf Kundgebungen der AfD in Berlin aufgetaucht sein, zuletzt als der Verfassungsschutz die Partei bereits als rechtsextremen ,Verdachtsfall‘ eingestuft hatte.“
    Zum Schluss berichtet die Zeit über ein gemeinsames Podium mit Ulrich Siegmund: „An diesem Freitag will Siegmund bei einem ,Unternehmertag 2026‘ den Mittelstand für sich begeistern. Auch Peter Kurth werde kommen, so kündigte es die AfD auf Instagram an.“

  • Montag, 13.04.2026

    Der 44. AfD-Konvent wird am 2. Mai 2026 als einer der letzten in der Bundesgeschäftsstelle der AfD in Reinickendorf stattfinden. Von 9 bis 12 Uhr ist die Schatzmeisterkonferenz geplant, dann Mittagessen und um 13 Uhr soll der Konvent beginnen. Aber was ist das eigentlich, dieser AfD-Konvent? Machen die da noch was anderes als die „Einrichtung einer Härtefallkommission, Arbeitstitel ,Blaue Hilfe‘“? Ist das überhaupt interessant für die antifaschistische Öffentlichkeit?
    Wir denken schon: Auf dem 43. AfD-Konvent am 31. Januar 2026 wurde neben der „Blauen Hilfe“ noch ein Darlehen für den Landtagswahlkampf 2026 des Landesverbands Sachsen-Anhalt in Höhe von 500.000 Euro beschlossen. „Konditionen: Rückzahlung: innerhalb von 4 Jahren mit einem Prozent Zinsen.“ Die Rückzahlung dürfte kein Problem werden, steht die Partei in Umfragen vor der Wahl am 6. Juni doch bei 38% der Stimmen. Außerdem wurde auf dem letzten Konvent der Haushalt des AfD-Bundesverbands für das Kalenderjahr 2026 beschlossen – in Höhe von 2.539.000 Euro.

  • Dienstag, 14.04.2026

    Am 4. Februar 2026 brannte der Transporter eines AfD-Mitglieds im mittelfränkischen Uffenheim. Der AfD Kreisverband Fürth sprach in einer Pressemitteilung am 8. Februar von einem „feigen Anschlag“ und machte die „Omas gegen Rechts“ verantwortlich:
    „Mit Entsetzen reagiert die AfD auf den jüngsten Gewaltakt gegen ein Parteimitglied in Uffenheim, der nach ersten Erkenntnissen dem linksextremen Spektrum zuzuordnen ist. Wir verurteilen diesen Angriff aufs Schärfste. Es ist eine alarmierende Entwicklung, wenn die verbale Hetze auf Veranstaltungen wie jenen der ,Omas gegen Rechts‘ nun scheinbar in physische Gewalt gegen Andersdenkende umschlägt.“
    Der Naziwagen war zuvor mit linken Parolen beschmiert worden und der Besitzer legte der Polizei Drohbriefe vor. Die hatte der Nazi allerdings so plump gefälscht, dass die Polizei ihn an seiner Handschrift erkannte. Am 19. März gestand der Mann die Sprayereien und Brandstiftung in eigener Sache. Die AfD hat ihr Mitglied am 29. März ausgeschlossen. Wegen Vortäuschens einer Straftat laufen Ermittlungen gegen den Fußgänger.

  • Mittwoch, 15.04.2026

    Am Wochenende des 11. und 12. April 2026 trafen sich „identitäre“ Nazis im Maison de la Chimie des rechtsradikalen Thinktanks „Institut Iliade pour la longue mémoire européenne“ mitten in Paris. Das „Institut“ wurde in Erinnerung an den OAS-Terroristen Dominique Venner gegründet. Linke PolitikerInnen wie der LFI-Abgeordnete Thomas Portes hatten gegen das Nazitreffen zuvor erfolglos protestiert.
    An deutschsprachigen Nazis waren unter anderem Mario Müller, Benedikt Kaiser, Maximilian Märkl, Martin Sellner und Philip Stein von der „Marburger Germania“ mit seinem „Jungeuropa Verlag“ anwesend. Außerdem Dennis Braun aka „Arminus“ und seine Partnerin Clarissa Stark, die inzwischen für „Compact“ arbeitet wie auch Paul Klemm.
    Die Nazis sprechen großspurig von „1.500 Menschen. Ganz Europa versammelt.“ Nur sind die „Identitären“ weithein für ihre völlig übertriebenen Propagandalügen bekannt. Auf Fotos sehen die lichten Reihen in dem Pariser Konferenzraum, die Schlangen vor dem Runen-Merchandise und der Ringelpiez mit Anfassen dann auch eher nach 150 Nazis aus – schlimm genug.

  • Donnerstag, 16.04.2026

    Während die AfD in Deutschland keine Kontaktbeschränkungen zu „Burschenschaften“ kennt, ist zumindest rein formal ein Abgrenzungsbeschluss zu prominenten „Identitären“ in Kraft. In Österreich gibt es diese „freiwillige Selbstbeschränkung“ nicht. Dort kooperiert die FPÖ ganz offen mit Kadern der „Identitären Bewegung“ – „auf dem Haus“ einer „Burschenschaft“.
    Die antifaschistische Rechercheseite „Stoppt die Rechten“ hat am 16. März 2026 über einen gemeinsamen Auftritt des Tiroler FPÖ-Politikers Fabian Walch mit dem „Iden­ti­tä­ren“-Kader Chris­toph Albert berichtet. Die Veranstaltung fand am 14. März im Haus der „Burschenschaft Cruxia Leoben“ in der „Deutschen Burschenschaft“ statt. Das Thema der Vortragenden: „Der erste Weltkrieg und die konservative Revolution“.
    Walch ist Inns­bru­cker FPÖ-Gemein­de­rat und nach einem zeitgleichen Artikel in der „Tiroler Tageszeitung“ gab es Rücktrittsforderungen von SPÖ und Grünen, wie der ORF am 17. März berichtete. Walch und seiner Tiroler FPÖ unter Obmann Markus Abwerzger ignorierten die Forderungen.

  • Freitag, 17.04.2026

    In Großbritannien haben Aussagen des ehemaligen Bullenspitzels Carlo Soracchi alias „Carlo Neri“ zu seiner Beziehung zu Donna McLean für Empörung gesorgt. Der Guardian berichtet über den Mann, der linksradikale und antifaschistische Gruppen unterwandert hat:
    „Ein verdeckter Polizeibeamter hat zwei Frauen, die er zu langfristigen sexuellen Beziehungen verleitet hatte, mit ,grotesken und grausamen‘ Lügen emotional manipuliert, wie die öffentliche Untersuchung zu verdeckten Ermittlern ergab.
    Carlo Soracchi gab zu, das Mitleid einer der Frauen erwecken zu wollen, indem er behauptete, seine Schwester sei von seinem Vater missbraucht worden. Er erzählte ihr außerdem, sein Vater sei gestorben, obwohl er noch lebte.
    Soracchi gab zudem zu, Steuergelder betrügerisch erhalten zu haben, um die Kosten einer Reise nach Italien zu decken, wo er mit der Frau, Donna McLean, den Valentinstag verbringen wollte.“

  • Samstag, 18.04.2026

    Die antifaschistische Recherche- und Infoplattform „Periskop Leipzig“ berichtet über ein faschistisches Kampfsportevent am 7. März 2026 bei Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt. Zu der Premiere der „Gladiator Fight Series“ in einem angemieteten Gemeindezentrum in Teutschenthal westlich von Halle hat „Periskop“ eine Recherche im Vorfeld und eine Recherche im Nachgang veröffentlicht. „Für einige der Anwesenden könnte eine Dokumentation ihrer Teilnahme am Event Konsequenzen haben, denn zu offensichtlich ist der extrem rechte Charakter der Veranstaltung. Dies trifft auch auf Denny Stöber zu, der in Teutschenthal nur anhand seiner Tattoos auf den Beinen identifiziert werden konnte.“
    „Ein Großteil der angekündigten Kämpfenden stammt aus der Kampfsportszene der Region, allen voran aus der „Gladiator Fight Academy“ mit Sitz in Halle (Saale), deren Protagonisten auch die ,Gladiator Fight Series‘ organisieren. Anfang 2025 eröffnet, bietet das Gym im Hallenser Süden professionelle Trainingsmöglichkeiten in verschiedenen Kampfsportarten, mit dem Ziel, sich einen Namen im Kampfsport-Geschehen zu machen.
    Die Betreiber Theo Weiland, Christopher Henze und Hans Krüger, die allesamt mit der extrem rechten Hooligan-und Ultraszene verschiedener ostdeutscher Fußballvereine verwoben sind, bilden auch den Trainerstab und fördern in der ,Gladiator Fight Academy‘ eine handvoll Wettkämpfer. Das Gym selbst wird, laut eigenen Angaben, von mehreren hundert Sportler_innen genutzt.“

    Erwähnt werden außerdem Hannes West, Dominic Exel, Lukas Kötter, Stefan Wuttke, Christian Zeuner, Felix Stiller und Dominic Exel aus Halle, Oliver Fischer aus Dessau, Luka Schröder aus Riesa, Sven Steiger, Robert Käthner, David Minarik, Nick Eichler, Tom Zimmermann aus Chemnitz, Philip Stein aus Dresden, Sven Huber aus Gera, Mario Bentz aus Luwigshafen, die „Hammerskins“ Jan Zrzodelny, Malte Redeker und Wolfgang Benkesser, ferner Dorian Hackius und Paul Udo Kulze aus Berlin, Glenn Pielenz, Mario Schulze, William Puder, Leon Hoff, Justin Scheppner, Mario Schulze und William Pude aus Cottbus, Mathias Friederich, Luca Sonntag, Benjamin Brinsa, Paul Hoffmann, Denis Van Ngoc, Thomas Kuhbach, Fabian Nebe, Alexander „Malenki“ Kleine, Ronny Beer, Christian Buttgereit und Max Schubert aus Leipzig, David Kramer und Thomas Persdorf aus Wurzen sowie Eric Hoffmann und Steffen Reitberger aus Zwickau.
    „Aus dem organisierten und mehrheitlich rechten Hooliganmilieu des 1. FC Lokomotive Leipzig“ waren Andreas Schumer, Lukas Müller, Steve Griefenow und Benjamin Schölzel anwesend. „Aus dem engsten Umfeld des „Rowdys MC“ reisten zudem Alexander Lohse, David Sturm, Dittmar Schumer, Peter Kühnel, Rocco Hahn, Dennis Wessel und Ronny Gläßer nach Teutschenthal. [...] Eine andere Gruppe kampfsportaffiner, neonazistischer LOK-Fans reiste aus dem nordsächsischen Delitzsch nach Teutschenthal. Zur Reisegruppe gehörten Eric Schmidt, Marc Weiße, Christoph Roßmann und Robin Fehrmann“.
    Auch Erfurter Hools wie Cedrik Dellit und Till Maschke vom „Jungsturm“ waren anwesend: „Die Teilnahme der Erfurter Fanszene ist u.a. auf Theo Weiland zurückzuführen, der nicht nur Mitbetreiber der ,Gladiator Fight Academy‘ ist, sondern auch der Führungsriege des ,Jungsturm‘ angehörte, der extrem rechten Hooligangruppe des FC RWE. Gegen die Mitglieder der Gruppe wurde zwischen 2020 und 2021 vor Gericht verhandelt. Weiland, wie auch seinen Mitstreitern Steve Weinhold, Marco Klingner und Robin Brand, wurde die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen und letztlich auch nachgewiesen.“
    Auch AfDler waren anwesend: „Rechte Hooligans, Neonazis und die sogenannte ,Neue Rechte‘: eine Melange, zu deren Komplettierung eigentlich nur noch Personen fehlen, die sich in der extrem rechten AfD verdingen. Genau dieser Kreis scheute vor Ort die Kameras, konnte es im Nachgang aber nicht lassen, von der eigenen Teilnahme zu berichten. So veröffentlichte Paul Backmund – AfD-Stadtrat in Halle (Saale), Kampfsportler und Direktkandidat für die AfD bei der kommenden Landtagswahl – auf Social Media ein Bild aus dem Inneren des Gemeindesaals in Teutschenthal am Abend der Fight Night. Zu sehen ist er mit Bendikt Weiß – ebenfalls AfD-Direktkandidat für die kommende Landtagswahl und aktives Mitglied der ,Halle Leobener Burschenschaft Germania‘ – sowie Fabian Jank, der für die AfD im Landtag in Brandenburg sitzt.“
    Der AfD-Kandidat Benedikt Weiß ist nicht nur seit Wintersemester 2020/21 Mitglied der „Halle-Leobener Burschenschaft Germania“, sondern bereits seit dem Wintersemester 2016/17 der „Hamburger Burschenschaft Germania“ und seit dem Sommersemester 2024 auch der „Burschenschaft Frankonia Erlangen“. Die drei Bünde sind Mitglied im „Schwarz-Weiß-Roten Kartell“ innerhalb der „Deutschen Burschenschaft“. Seit Anfang dieses Jahres ist die „Frankonia Erlangen“ die „vorsitzende Burschenschaft“ und Benedikt Weiß DBXX, also stellvertretender Sprecher der „Deutschen Burschenschaft“.

  • Sonntag, 19.04.2026

    Die taz berichtet über Thüringer Volkstanzgruppen, in denen Nazis unterschiedlicher Milieus zusammenkommen:
    „Dass so einschlägige Szeneleute zusammengekommen sind, ist kein Zufall. Volkstanzgruppen wie die in Ranis dienen Rechtsextremisten längst nicht nur als Freizeitvergnügen. Es sind politische Netzwerk- und Rekrutierungstreffen. Im harmlosen Gewand vermeintlicher Brauchtumspflege betreiben die Rechten einen knallharten Kulturkampf im Sinne der NS-Ideologie. Ähnlich funktioniert das mit Liederabenden, historisierenden Laienschauspiel-Aufführungen und Sonnenwendfeiern. [...] Und das passiert tatsächlich fast jede Woche irgendwo in Deutschland.“
    Da die AfD der dominierende parlamentarische Machtfaktor der deutschen Rechtsradikalen ist, erfüllen solche Gruppen nahezu immer die Funktion einer Vorfeldorganisation der AfD:
    „Das Propaganda-Potenzial von ,Brauchtumspflege‘ hat auch die AfD für sich erkannt. So proklamiert die Partei etwa in ihrem kürzlich beschlossenen „Regierungsprogamm“ für Sachsen-Anhalt, man müsse das ,Brauchtum im ländlichen Raum erhalten‘ und ,Aktivitäten fördern, die das Heimatgefühl und die Nationalidentität stärken‘.“
    Als aktuelles Beispiel beschreibt die taz die Politisierung der „Sächsischen Separatisten“: „Mit 16 oder 17 Jahren habe er ein Interesse am Brauchtum und an Volksliedern entwickelt, erklärte Hättasch vor Gericht. Mit 18 oder 19 sei er erstmals bei einem Volkstanz eingeladen gewesen und dann dabei geblieben. Im Lauf seiner Aussagen wird klar: Volkstanz spielte auch für die Vernetzung weiterer Personen aus den Ermittlungen eine Rolle. Mit dem Angeklagten Kevin [Richter] teile er die Leidenschaft für den Volkstanz, sagt Hättasch, den Angeklagten Kevin [Müller] lernte er bei einem solchen Event kennen, ebenso mindestens drei weitere Beschuldigte. Und auch der Angeklagte Hans-Georg [Pförtsch] berichtet von seinem Interesse am Volkstanz.“
    Am Rande wird auch Nikolai Nerling erwähnt, der zusammen mit Stefan Räpple an der Pädagogischen Hochschule Freiburg studierte und dort UStA-Vorstand war:
    „Auch der Name Nikolai Nerling taucht immer wieder auf. Der ehemalige Grundschullehrer erlangte als ,Volkslehrer‘ auf Youtube eine gewisse Berühmtheit, verharmloste den Holocaust und ist wegen Volksverhetzung verurteilt. Nerling veranstaltete selbst öffentliche Volkstanzkundgebungen. Der taz liegt ein Foto vor, das den angeklagten mutmaßlichen Rechtsterroristen Kurt Hättasch im Jahr 2020 als Zuhörer einer Veranstaltung von Nerling zeigt. Hättasch ist damals 20 Jahre alt, es ist ungefähr die Zeit, in der er laut eigener Aussage mit dem Volkstanz begonnen hat.“

  • Montag, 20.04.2026

    Anfang April veröffentlichte der Freiburger AfD-Oberbürgermeisterkandidat Karl Schwarz eine Story mit Selfie im Fitnessstudio-Spiegel. Schwarz verzierte das Foto mit Deutschland-Fähnchen und dem Schriftzug „Stabil in den Sommer“.
    Als Soundtrack wählte Schwarz das Nazisoldaten-Marschlied „Erika“. Das Lied wurde von Hitlers „musikalischem Oberzeremonienmeister“ Herms Niel geschrieben und ist bis heute in Nazikreisen beliebt. In diesem Fall gibt es jedoch eine Geschichte hinter dem Lied auf Instagram und sie handelt von singenden Nazis in Freiburg.
    Im Februar 2025 wurde der „Freichor im Breisgau“ von Aaron Bachert aus dem Blumweg 5 in 79199 Kirchzarten gegründet. Bachert verließ den Männerchor bereits im Juli 2025 „aus zeitlichen Gründen“ wieder. Von den anderen Nazis wurde ihm zum Abschied theatralisch „für seine Tätigkeiten im Kampfsport viel Erfolg“ gewünscht. Viel Drama um nichts: wenig später war Bachert wieder dabei. Als erste Annäherung an den „Freichor“ veröffentlichen wir das 1. Erika-Video aus dem April 2025.
    Der Name „Freichor“ ist eine Anspielung auf die mörderischen Freikorps in den ersten fünf Jahre der Weimarer Republik von 1918 bis 1923. Die Freiburger Nazis feiern damit die Mörder von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, rechtsradikale Terroristen wie Albert Leo Schlageter und spätere SA-Männer wie Ferdinand Ernst Nord.
    Zu Beginn probte der „Freichor“ im Wohnzimmer von Sascha Arjang Trieblnig in den Gilgenmatten 5 in 79114 Freiburg-Weingarten. Trieblnigs Partnerin ist Svenja Catherina Hildegard Wendt, die Schwester von Malte Wendt und Tochter von Chris Wendt. Trieblnigs Mitbewohner ist Florian Patay. Alle fünf haben sich während der Corona-Pandemie radikalisiert und sind Teil der verschwörungsgläubigen Szene Freiburgs. Im Dezember 2022 wohnte an dieser Adresse auch Patric Laufs, AfD-Listenplatz #9 bei der Freiburger Kommunalwahl 2024.
    Aber im „Freichor“ tummeln sich noch Nazis allerlei weiterer Milieus. Sie bilden eine faschistische Vorfeldorganisation der AfD in Freiburg, die Schwarz mit seinem Wahlkampfvideo „gegrüßt“ hat. Wir finden, nicht nur deshalb lohnt ein näherer Blick auf den „Freichor“. Oder auch mehrere.

  • Dienstag, 21.04.2026

    Gesanglich wird der „Freichor“ von Niklas Hötzer aus dem Amselweg 1 in 79254 Oberried geleitet. Politisch sind in dem Freiburger Männerchor ohnehin alle auf Linie. Am 22. Juni 2025 schrieb Hötzer:
    „Verehrte Männer des Freichors! Hand auf Herz muss ich euch ehrlich sagen: Ich bin sehr stolz auf euch! Wir haben unseren ersten offiziellen gemeinsamen Auftritt ohne fremde Hilfe fantastisch absolviert! Ihr habt großartig umgesetzt, was ich von euch verlangt habe. Die Freude der Zuhörer (derer, die solche hohe Kunst und unseren Mut zu schätzen wussten) war definitiv spürbar.“
    Niklas Hötzer ist ein Freund von AfD-Oberbürgermeisterkandidat Karl Schwarz: „Bereits am selben Abend hat mich mein Freund Stadtrat Karl Schwarz angefragt, was wir an Gage verlangen für einen Auftritt bei einem (vermutlichen) Parteifest.“
    Für die Männer an der Singfront hatte Hötzer nichts als motivierende Worte: „Ich freue mich schon jetzt darauf und möchte nochmal meine Freude über und meinen Dank für euer Engagement in der Erhaltung deutscher Kultur ausdrücken. JEDER von euch zählt. Ihr seid die Zukunft der Männerchormusik. Was wir Samstag getan haben, war erst der Anfang. Und ich freue mich auf die Zukunft mit euch.“
    Unterschrieben hat Hötzer in einer Form, die keinen Zweifel an seiner Gesinnung lässt: „FREICHOR VORAN! Herzlichst, Niklas Hötzer, Chorleiter alias Chorführer alias Oberchorbannführer“.
    Der letzte bekannte Probeort des „Freichors“ ist das Ökumenisches Gemeindezentrum Stegen am Dorfplatz 14 in 79252 Stegen. Hötzer schrieb im März 2025: „Ich versuche uns Kosten zu sparen, indem wir einen Proberaum erhalten. Dieser befindet sich in Stegen bei Kirchzarten. Ich bin gut befreundet mit dem Pfarrer, der mir in jüngerer Vergangenheit bereits gestattet hat, dort zu unterrichten.“
    Fünf Tage später konnte Hötzer Vollzug melden: „Ich habe es geschafft uns heute einen besseren Proberaum zu organisieren! Das heißt wir werden nicht bei Sascha proben sondern im Ökumenischen Zentrum in Stegen! Dort haben wir ein Klavier, gute Akustik und vor allem viel Platz!“
    Im Ökumenischen Gemeindezentrum Stegen entstand im Dezember 2025 das 2. Erika-Video (Aaron Bachert im blauen Shirt, Niklas Hötzer mit dem Rücken zur Kamera). Über sieben Monate nach dem 1. Erika-Video (Aaron Bachert stehend, „Oberchorbannführer“ Hötzer am Keyboard) klingt die „Zukunft der Männerchormusik“ immer noch schräg.

  • Mittwoch, 22.04.2026

    Aus Marburg berichtet die Partei Die Linke in einer Pressemitteilung vom 17. April 2026 über die Entscheidung der dortigen Staatsanwaltschaft, kein Ermittlungsverfahren wegen des Fechtduells am 15. August 2025 einzuleiten. Die „Landsmannschaft Hasso-Borussia Marburg“ im „Coburger Convent“ (CC) hatte das „Corps Hasso-Nassovia Marburg“ im „Kösener Senioren-Convents-Verband“ (KSCV) wegen einer Ehrverletzung zum Duell gefordert, welches schließlich im Haus des Corps stattfand. Die Linke hatte deswegen im November 2025 Strafanzeige erstattet, doch die Staatsanwaltschaft Marburg sah keine ausreichenden Beweise für einen Anfangsverdacht der gefährlichen Körperverletzung.

  • Donnerstag, 23.04.2026

    Seinen „ersten offiziellen gemeinsamen Auftritt ohne fremde Hilfe“ hatte der „Freichor“, Freiburgs Nazimännerchor, bei der Hochzeitsfeier eines seiner Mitglieder: der kirchlichen Eheschließung von Dubravko und Vanesa Mandic am 21. Juni 2025. Nach Mandic’ wundersamer Konvertierung zum Erzkatholizismus seiner Tradwife wurde die Trauung in der Kirche der Piusbrüder in der Kronenstraße 2 in 79365 Rheinhausen vollzogen. Gefeiert wurde anschließend in der Gaststätte „Reblaus“, Am Silberbrunnen 4 in 79353 Bahlingen am Kaiserstuhl.
    Karl Schwarz schrieb über den Auftritt des „Freichor“ und der kroatischen Band „RiziBizi“ bei der Hochzeit: „Unter den Gästen: zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, unter anderem die Bundestagsabgeordneten Tobias Teich und Dr. Christina Baum, unsere liebe Sophie, viele weitere herausragende Patrioten und Vertraute. Musikalisch wurde der Tag auf wunderbare Weise begleitet – von einem neu formierten Männerchor aus Freiburg, einer talentierten Band mit kroatischen Wurzeln und nicht zuletzt vom Trauzeugen, der mit keinem Geringeren als Markus Hoppe (Bodybuilder und treuer Freund) eindrucksvoll an Dubravkos Seite stand.“
    Auch „Oberchorbannführer“ Niklas Hötzer war ganz angetan von der musikalischen Darbietung: „Wir haben das Fest der Liebe zwischen Dubravko und Vanessa definitiv kulturell bereichert [:Blaues Herz:] [:Deutschlandfahne:] die Mauer plus Überdachung gab uns genug Resonanz um gutes Selbsthören zu ermöglichen und der Ernst der Situation hat euch eine Höchstleistung aberrungen. Niemals hätte ich mir so eine Darbietung mit Anfängern des Sanges erträumen lassen.“
    Sicher, über Geschmack lässt sich streiten und über Können auch. Wir durften uns bereits eine Meinung zu der „wunderbaren musikalischen Begleitung“ der Hochzeit bilden, nur stimmt sie so gar nicht mit der von Schwarz und Hötzer überein. Vielleicht liegt es an der Auswahl der Werke aus dem reichen Fundus des deutschen Liedguts? Möglicherweise sind wir auch voreingenommen, weil wir Nazis generell nicht mögen und speziell diese so gut kennen? Fairerweise veröffentlichen wir daher Hochzeitsvideo 1, Hochzeitsvideo 2 und Hochzeitsvideo 3, auf dass sich die interessierte Öffentlichkeit ein eigenes Urteil bilden kann.
    Es waren noch einige weitere Nazis anwesend, darunter der AfD-Politiker Reimond Hoffmann, der verhinderte Burschenattentäter Tobias Benecke, geb. Lipski, und seine Ehefrau Sophie Benecke sowie Michael Brück.
    Der „Freichor“ bestand an diesem Tag aus zehn Nazis plus „Oberchorbannführer“. Auf einem Hochzeitsgruppenbild hat sich der „Freichor“ verewigt. Von links nach rechts: Daniel Rief, Markus Weckesser, Michael Lämmermann, Lars Brändlin, Niklas Hötzer, dahinter Dubravko Mandic, Erwan Berté, Max Kern, Sascha Trieblnig, Patrick Maretic und Aaron Bachert. Neben Hötzer steht Vanesa Mandic.

  • Freitag, 24.04.2026

    Vom 1. bis zum 3. Mai 2026 findet in der Ortenau ein rechtsradikales Treffen statt, zu dem auch Nazis aus dem Ausland anreisen werden. Aufstehen gegen Rassismus Offenburg mobilisiert gegen das großspurig „First General Assembly“ genannte Treffen des rechtsradikelen Projekts „Ave Europa“:
    „Hauptredner ist der belgische Historiker und neurechte Vordenker David Engels aus Brüssel, der in Büchern und in rechten Zeitschriften wie ,Cicero‘ und ,Sezession‘ seine Thesen zum Niedergang Europas verbreitet und sich gegen die Prinzipien des demokratischen Verfassungsstaates richtet.
    Außerdem dabei: der rechtsextreme AfD-Stadtrat Tim Schramm aus Wuppertal, der als Veteran des Ukraine-Kriegs auch Verbindungen in die neonazistische Szene pflegt, der neurechte FPÖ-Politiker Nikolaus Muchitsch aus Wien, ebenfalls freiwillig im Ukraine-Krieg tätig und mit Verbindungen zu Neonazis und zur ,Identitären Bewegung‘, oder Paul Wenzel aus Zell am Harmersbach, politischer Aktivist mit Abschluss an der Hochschule Offenburg, der als stellvertretender Vorsitzender von ,Ave Europa‘ auftritt.“

    Weiter sind Felix Hosse, Gunther Fehlinger, Petras Austrevicius, Jan Olsen, Tigran Khzmalyan, Samuel Doveri Vesterbye, Sandor Horvath, Fred van Schaik, Felix Hosse, Jan Olsen, Tim Winterling, Cemil Kerimoglu und George Papatheodorou angekündigt.
    Das Nazitreffen am Tag der Arbeit findet in der „Jugendherberge Schloss Ortenberg“ statt, malerisch in Weinbergen gelegen. Die Jugendherberge ist Mitglied im Dachverband „Deutsches Jugendherbergswerk“ (DHJ), dem Träger von fast 400 Jugendherbergen in Deutschland und damit größtes Mitglied des internationalen Jugendherbergsverbandes Hostelling International (HI). Der DHJ hat in Deutschland fast zweieinhalb Millionen Mitglieder. Ob die alle mit der Nazipolitik der Ortenberger Jugendherberge einverstanden sind?

  • Samstag, 25.04.2026

    Der SWR/Tagesschau berichtete am 18. April 2026 über die Veranstaltung mit Martin Sellner am 28. März im Ettlinger Restaurant „Esskultur“, dem Clubhaus des FV Ettlingenweier. Die Veranstaltung wurde unter anderem von dem Ettlinger AfD-Stadtrat Thomas Möckel und seiner Frau Nicole Möckel organisiert, der damit gegen eine explizite Vorgabe des AfD-Bundesverbands verstoßen hat.
    In dem Videobeitrag geht es auch um den Ulmer AfD-Stadtrat Nicolas Brickenstein, der immer wieder als Sprecher an Aktionen der „Identitären Bewegung“ (IB) in Bayern teilgenommen und damit gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der AfD zur IB verstoßen hat. Zwei Beispiele, welche die Heuchelei der Faschisten aufzeigen.

  • Sonntag, 26.04.2026

    Die „Aktivitas“ des „Wiener Akademischen Turnvereins“ (WATV) ist endgültig aus dem „Akademischen Turnbund“ (ATB) ausgeschlossen worden. Nach seinem Ausschluss aus dem ATB am 26. Juli 2025 durch eine Entscheidung des ATB-Prä­si­di­ums, ging der WATV in Berufung. Die ganze Vereinsmeierei spielte sich wie bei Korporationen üblich vor der verbandsinternen Paralleljustiz des ATB ab.
    Die österreichische Antifaplattform „Stoppt die Rechten“, mit deren Veröffentlichungen der ATB den Ausschluss des WATV wesentlich begründet hat, schreibt dazu:
    „Bevor der sta­tu­ta­risch dafür vor­ge­se­he­ne Rechts- und Ehren­aus­schuss des ATB über die­sen Ein­spruch ver­han­del­te, pas­sier­te aber noch etwas. Peter Krü­ger, der Alte Herr des WATV, kan­di­dier­te auf dem Ver­bands­tag des ATB Ende Okto­ber 2025 neu­er­lich als Prä­si­dent.
    Den Kon­flikt mit dem WATV hat­te er ver­sucht, auf klei­ner Flam­me zu hal­ten. Er sorg­te dafür, dass sich alle, auch der WATV, gegen Ras­sis­mus und Anti­se­mi­tis­mus in Reso­lu­tio­nen aus­spra­chen, obwohl alle wuss­ten, dass aus­ge­rech­net sein eige­ner Ver­ein prak­tisch und sta­tu­ta­risch damit in mas­si­vem Wider­spruch stand. Bei der Wahl zum Prä­si­den­ten fiel Peter Krü­ger, Ver­eins­na­me „Gicht“, obwohl ein­zi­ger Kan­di­dat (!), jeden­falls kra­chend durch.
    Den end­gül­tig letz­ten Strich zwi­schen dem ATB und dem WATV zog dann aller­dings der Rechts- und Ehren­aus­schuss (REA) des ATB in sei­ner Sit­zung vom 28.2.2026. Der Aus­schluss des WATV wur­de – mit klei­nen Abwei­chun­gen von den Begrün­dun­gen des Prä­si­di­ums bzw. des Antrags – bestätigt. Stoppt die Rech­ten wur­de das kom­plet­te Urteil des REA zuge­spielt.“

    Neben rassistischen und antisemitischen Vorfällen wurde der Ausschluss der „Aktivitas“ des WATV mit den rassistischen Aufnahmekriterien des Bundes begründet. Der Standard beschreibt die unter deutschnationalen Korporationen übliche Praxis:
    „Noch heute findet sich das ,deutsche Volkstum‘ als Aufnahmekriterium in der Hausordnung eines Vereins in Wien. Der 1887 gegründete Wiener Akademische Turnverein (WATV), eine der größten deutschnationalen Verbindungen in Österreich, scheint einen De-Facto-Arierparagrafen zu haben.
    Wer dem nicht farbentragenden studentischen Turnverein beitreten will, muss nicht nur ein Mann sein. ,Als deutsch-nationale Studentenverbindung ist uns die Zugehörigkeit zum deutschen Volk, sowie die Verteidigung des entsprechenden Volkstums Grundvoraussetzung und innere Pflicht‘, heißt es auf der Homepage des WATV.“

    Der WATV ist „nichtschlagendes“ Mitglied im rechtsradikalen „Wiener Korporationsring“ (WKR), dem ansonsten fast nur „schlagende“ Verbindungen angehören, und im deutschnationalen „Öster­rei­chi­schen Tur­ner­bund“ (ÖTB). Die „Alten Herren“ des „Wiener Akademischen Turnvereins“ sind auch weiterhin Mitglied im „Akademischen Turnbund“.

  • Montag, 27.04.2026

    Sascha Trieblnig war überaus zufrieden mit der ersten Probe des „Freichors“, Freiburgs Nazimännerchor, am 9. März 2025. Der Austausch von Audio- und Videodateien sowie der Liedtexte und Noten erfolgte einfach professionell – also deutsch – über eine ungesicherte Dropbox:
    „Einfach professionell – also deutsch – rekapituliert und fürs nächste Mal vorbereitet. Also auch für mich wirklich einer der wichtigsten Impulse in diesem Jahr, aber auch grundsätzlich für mich persönlich – ich liebe zu singen und brauche diesen Balsam für meine Seele. Insbesondere zu manch schwierigen Zeiten, die durchlebt werden.
    Ich bin gespannt auf jene Momente, in denen ich die Schüchternheit überwunden habe, um alleine just im Moment der aufrichtigen Empfindung frei für mich zu singen. Zugleich freue ich mich auch darauf für jene zu singen, die ich liebe und mir viel bedeuten – ich freudigen Momenten als auch zum Beistand in anderen Lebensituationen.“

    Gleich zu Beginn stand mit „Wenn die Bunten Fahnen wehen“ ein Lied der „Bündischen Jugend“ auf dem Programm. Das einprägsame 1. Fahnen-Video dieser frühen „Freichor“-Probe wird noch Generationen von HistorikerInnen zu Tränen rühren.
    Die Jugendbewegung entstand um 1923 und umfasste alle parteipolitisch unabhängigen und konfessionellen ungebundenen Jugendbünde in der Weimarer Republik. Das „Deutsche Historische Museum“ schreibt zu der Bewegung:
    „Die größtenteils aus dem Bürgertum stammende Bündische Jugend versuchte als eigenständige Selbsterziehungsgemeinschaft, ihr Leben neben Elternhaus, Schule, Kirche und Beruf frei zu gestalten. Auf Wanderfahrten ins Grüne, in Lagern und auf Heimabenden suchten die Bünde mit ihren insgesamt etwa 50.000 organisierten Mitgliedern eine zumeist romantisch stilisierte Rückbesinnung auf Heimat und Natur ohne Alkohol und Nikotin sowie ein Alltagsleben abseits der bürgerlichen Konsumgesellschaft mit ihren Normen und Ausschweifungen.
    Die Einzelbünde der Wandervogelbewegung bildeten den Hauptbestandteil der äußerst aktiven Bündischen Jugend. Ähnlich bedeutend war die in Deutscher Pfadfinderbund, Bund der Reichspfadfinder, Ringgemeinschaft deutscher Pfadfinder und Christliche Pfadfinderschaft gespaltene Pfadfinderbewegung. Anfang der zwanziger Jahre übernahmen zahlreiche Wandervogelbünde die Halstücher, Fahnen und Wimpel der uniformierten Pfadfinder. Beiden Bewegungen waren eine jugendlich bestimmte Führungsstruktur und ein starker Romantizismus gemein.
    Aus dem Zusammenschluss verschiedener Pfadfinder- und Wandervogelbünde entstand 1926 der ,Bund der Wandervögel und Pfadfinder‘, der sich im Jahr darauf in Deutsche Freischar (DF) umbenannte. Mit ihren 15.000 Mitgliedern bildete die DF den Kernbund der Bündischen Jugend. Wenige Wochen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten schloss sich die DF Ende März 1933 mit anderen Jugendorganisationen zum Großdeutschen Bund zusammen. Als einer der ersten Jugendverbände wurde dieser im Juni 1933 vom NS-Regime aufgelöst.“

    Dennoch sehen sich auch rechtsradikale Jugendorganisationen wie die „Deutsche Gildenschaft“ (DG), die „Hitlerjugend“ (HJ), nach dem Krieg der „Bund Heimattreuer Jugend“ (BHJ), die 1994 verbotene „Wiking-Jugend“ (WJ), der „Freibund“ und ihre 2009 verbotene Nachfolgeorganisation „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ) oder der „Sturmvogel“ in der Tradition der „Bündischen Jugend“.
    Das 2. Fahnen-Video konnte dann am 28. März 2025 schon im „Ökumenischen Gemeindezentrum für die katholische Herz-Jesu-Gemeinde und die evangelische Versöhnungsgemeinde in Stegen“ gedreht werden. Am 29. März schrieb „Oberchorbannführer“ Hötzer:
    „WICHTIGE NEUIGKEITEN!!
    Verehrte Sängerkameraden!
    Es gibt mehrere Dinge zu verkünden, zu denen ich euch bitten möchte eure Meinung zu äußern.
    1. Jan Elert, der Präsident des Chorverband Breisgau und Mitsänger in meinem Münstertäler Männerchor hat angeboten, dass wir Teil des MGV Untermünstertal werden. Damit würden wir Förderung vom Verband bekommen, ohne selbst einen Verein anmelden und leiten zu müssen. Es wäre quasi ein 2. Chor innerhalb des MGV Untermünstertal. Dass wir woanders Proben spielt keine Rolle. Wir haben keine Verpflichtungen gegenüber dem Hauptchor, aber Mitsingen dort ist immer willkommen. Was haltet ihr davon?
    2. Gestern hat Jakob mich darauf hingewiesen, dass die dritte Strophe von ,Wenn die Bunten Fahnen wehen‘ perfekt die Umfrage Ergebnisse der AfD Zusammenfassen: ,Wo die Blauen Gipfel ragen, lockt so mancher Steile Pfad, immer vorwärts ohne Zagen, bald sind wir dem Ziel genaht.‘ Ich würde in der Freiburger AfD Telegram-Gruppe damit für uns werben. Was haltet ihr davon?
    3. Kommt ihr zur nächsten Probe am Freitag, 18 Uhr nach Stegen?“

  • Dienstag, 28.04.2026

    Vor dem Landgericht Magdeburg läuft zur Zeit ein Prozess wegen versuchten Totschlags gegen den Nazi Ulrich Cullmann, geboren am 14.05.1969 als Ulrich Klöries. Opfer ist ein mittlerweile 81-jähriger Magdeburger, der am 2. September 2025 gegen 21:20 Uhr von Cullmann angegriffen wurde: erst ein Schlag ins Gesicht, dann der Einsatz von Pfefferspray. Weiter schreibt die taz:
    „Dann habe er ein Messer gezückt. Mit Wucht habe er dieses in den Oberkörper von Wolfgang P. gerammt, neben die linke Achsel, 15 Zentimeter tief, es traf dessen Lunge.“
    Teile der Lunge mussten entfernt werden, das Opfer benötigt zukünftig einen Rollator. Der Täter sagt „nichts zum Vorwurf, dass er einen mittlerweile 81-jährigen Magdeburger beinahe erstach, weil dieser sich über das Verkleben von ein paar Stickern beschwerte. Sticker des III. Wegs, eine der radikalsten Parteien im rechtsextremen Spektrum.“
    Ulrich Cullmann ist ein psychisch kranker Alkoholiker: „Schon seit Jahren soll er ein Problem mit Alkohol und Drogen haben. Ein Gutachter soll ihm in der Haft eine Schizophrenie attestiert haben. Daraufhin wurde [Cullmann] von der JVA Burg in ein psychiatrisches Krankenhaus verlegt.“
    Ansonsten ist dieser „Ulrich Cullmann“ ein weitestgehend unbeschriebenes Blatt, doch sein Alter Ego ist ein alter Bekannter. Als „Ulrich Klöries“, was in Akten regelmäßig zu „Ulrich Kloeries“ wird, machte der Nazi Karriere:
    „Schon als Jugendlicher, als Ulrich [Cullmann] noch in Köln lebte und einen anderen Namen trug, trat er nach taz-Recherchen in die rechtsextreme NPD ein. Es folgte ein Weg durch fast alle Parteien, die damals in der Neonazi-Szene Bedeutung hatten. Er machte bei der ,Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei‘ (FAP) mit, die 1995 verboten wurde. 1994 war er Kandidat der ,Deutschen Liga für Volk und Heimat‘ bei der Kommunalwahl in Köln. In Antifa-Archiven findet sich für das Jahr auch eine Teilnahme von Ulrich [Cullmann] an einem denkwürdigen Aufmarschversuch in Luxemburg. Neonazis wollten dort Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess gedenken, auch Szenegrößen wie Siegfried ,SS Siggi‘ Borchardt reisten an. Der Ausflug endete für sie im Debakel: Die luxemburgische Polizei zerschlug den Aufmarsch rabiat, nahm die Neonazis fest. Ulrich [Cullmann] aber machte weiter, war später im Kölner ,Bund Nationaler Kameraden‘ aktiv, 1998 handelte er sich bei einem Szenekonzert in Düsseldorf ein Verfahren wegen ,Sieg Heil‘-Rufen ein.
    Und es blieb nicht bei Worten. Nach taz-Informationen fiel Ulrich [Cullmann] seit 1991 mehrfach auch wegen Körperverletzungen oder Widerstandshandlungen auf, einmal schoss er einem Mann mit einem Luftgewehr ins Bein. 2009 wurde er in Köln dann gar wegen Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der Anlass war auch hier banal, die Gewalt fürchterlich: Er hatte seine 27-jährige Mitbewohnerin nach einem Streit um 50 Euro mit massiven Schlägen und Tritten gegen den Kopf und Oberkörper attackiert, sie dann mit zwei Messerstichen in die Brust getötet und ihr mit einem Luftgewehr in den Kopf geschossen. Nach dem Mord vergewaltigte [Cullmann] sein Opfer. Die Staatsanwaltschaft forderte eine lebenslange Haftstrafe. [Cullmann] wurde aber als vermindert schuldfähig erklärt, da er bei der Tat fast drei Promille Alkohol im Blut hatte.
    Seine Haftstrafe saß er bis Juni 2021 ab. Zur Tatzeit des Messerangriffs in Magdeburg stand er noch unter Führungsaufsicht. Zuvor muss Ulrich [Cullmann] zumindest eine Kehrtwende versucht haben. Er nahm nach taz-Informationen in der Haft an einem Aussteigerprogramm des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen teil, änderte seinen Namen, zog nach Magdeburg. Von seiner Gesinnung aber löste er sich offensichtlich nicht. Bei seiner Festnahme soll die Polizei in seiner Wohnung nicht nur kartonweise Aufkleber und Poster des III. Wegs gefunden haben, sondern auch mehrere Messer und Pfefferspray. In der Haft soll er eingeräumt haben, seine Wohnung sei auch sonst rechtsextrem ,ausgeschmückt‘.“

  • Mittwoch, 29.04.2026

    In Gießen wurde in der Nacht auf den 24. April 2023 ein Brandanschlag von Korporierten auf das linke Kulturzentrum AK44 vereitelt. Das antifaschistische Recherchekollektiv „Stadt, Land, Volk“ hat eine umfangreiche Recherche zu der Tat veröffentlicht.
    Nun wird die Tat wird vor Gericht verhandelt, wie die FAZ schreibt:
    „Die Staatsanwaltschaft Gießen hat drei Jahre nach der Tat zwei ehemalige studentische Burschenschafter wegen versuchter Brandstiftung und Hausfriedensbruchs angeklagt. Sie sollen demnach versucht haben, einen auf dem Hof eines linken Kulturzentrums in der Uni-Stadt abgestellten Kleinbus anzuzünden.
    Zuvor sollen sie sich durch eine Hecke gezwängt haben und über einen Zaun auf das Gelände des AK44 genannten Hauses gelangt sein. Einer der Männer habe flüssigen Grillanzünder auf das Fahrzeug geschüttet. Bewohner des Kulturzentrums, in dem auch ,alternative Lebensentwürfe‘ gelebt werden, entdeckten das Duo aber nach eigenen Angaben und verhinderten Schlimmeres.
    Polizisten konnten einen der beiden Burschenschafter noch in der Nacht des Anschlags festnehmen. Seinen mutmaßlichen Komplizen fassten sie aufgrund von Zeugenaussagen kurz darauf. Was die Männer zu ihrer Straftat veranlasst hatte, blieb im Laufe der Ermittlungen im Dunkeln.“

    Sicher ist, dass einer der beiden Täter zum Tatzeitpunkt der „Gießener Burschenschaft Germania” in der pflichtschlagenden „Allgemeinen Deutsche Burschenschaft“ angehörte. Warum ist das so klar wie ein Korporierter vor der MPU? Weil der Mann bei der Tat fotografiert wurde und dabei eine dreifarbige Schärpe seiner Verbindung trug.
    Allerdings floh der Täter nicht zu seiner „Burschenschaft Germania“, sondern zu der benachbarten „Landsmannschaft Darmstadtia Gießen“ im „Coburger Convent“. Die „Landsmannschaft“ machte jüngst wegen der publizistischen Tätigkeiten ihres Mitglieds Nils Wegner für die „Deutschen Burschenschaft“ von sich reden.
    Schlagzeilen über Gewalt gegen Linke in Gießen gab es zuletzt im November 2025 bei der Gründung der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“. Ein vermeintlicher Angriff auf AfDler erwies sich später als brutaler Naziangriff auf Linke. Im Vorstand der GD sitzen haufenweise „Burschenschafter“, darunter viele Helmuts.

  • Donnerstag, 30.04.2026

    Bei der zweiten Probe des „Freichors“ am 14. März 2025 wurde die Abwandlung eines Verses des Schweizer Komponisten Hans Georg Nägeli (1773-1836) vorgetragen. Die Probe fand im Wohnzimmer von Sascha Trieblnig in den Gilgenmatten 5 in 79114 Freiburg-Weingarten statt: „Raummiete: 5 € pro Person“.
    Es ist sicher kein Zufall, dass „Freichor“-Leiter Nikals Hötzer ausgerechnet Nägeli als Inspiration auswählte. Denn dieser gründete 1805 das Zürcherische Singinstitut, aus welchem 1810 der weltweit erste Männergesangverein hervorging. Zudem reiste Nägeli 1823/24 durch Süddeutschland, was zur Gründung der ersten deutschen Gesangvereine führte.
    Aber Nägeli war Schweizer und sein Patriotismus gründete sich auf Kultur. Bei Nägeli heißt es dann auch: „Wir glauben an ein Vaterland, wo Kunst und Tugend wohnet.“ Von Kunst hält der „Freichor“ nicht besonders viel, wie das Vaterland-Video zeigt. Denn darin singen die Nazinachfahren Nägelis: „Wir glauben an ein Vaterland, wo Recht und Tugend wohnen.“
    Nach der Probe war Hötzer sehr erregt: „Männer, ich danke euch für diese Probe! Heute waren wir 13(!) Männer. Von Probe 1 auf Probe 2 konnten wir uns fast verdoppeln! Und die Tendenz steigt! Das ist fantastisch! Ihr seid alle topmotiviert darauf, Neues zu lernen. Ich bin so glücklich, wie das Ganze Fahrt aufnimmt und wie positiv eure Rückmeldung an mich sind. Es war ein echt schöner Moment für mich wie emotional ihr mir zugehört habt als ich euch ,Die Grenzwacht hielt im Osten‘ vorgesungen habe.
    Das Lied „Die Grenzwacht hielt im Osten“ heißt eigentlich „Die Baltenfahne“ und wurde 1920 von dem deutschbaltischen Adligen Carl Baron Manteuffel-Szoege gedichtet. Vermutlich wurde es inspiriert durch seinen Verwandten Hans von Manteuffel-Szoege, der 1919 als deutschbaltischer Offizier der „Baltischen Landeswehr“ starb:
    „Die Baltenfahne
    Die Grenzwacht hielt im Osten, dem Feinde lange stand,
    Heut kehrt ihr letzter Posten, zurück ins Vaterland.
    Erschöpft und aufgerieben, in treuer Ritterschaft,
    Die Besten sind geblieben, uns ander’n brach die Kraft.
    Doch bringen wir die Fahne, die wehend vor uns stritt,
    Von Rigas blut’gem Plane, in allen Ehren mit.
    Die sturmbewährt sich nimmer, vor einem Feind geneigt,
    Und heute noch und immer, den Weg nach Osten zeigt.

    Es rauscht dorthin zu mahnen, zu ihr der Väter Geist,
    Trotz aller Not ein Ahnen, das deutsche Zukunft heißt.
    Sind wir auch fremd geworden, euch Brüdern aus dem Reich,
    Aus West und Süd und Norden, das Banner blieb sich gleich.
    Ob wir auch hier verderben, das kümmere euch nicht,
    Die Fahne zu vererben, ist unsere letzte Pflicht.
    Ich darf nicht länger zagen, bald zwingt sie euren Sinn,
    Nach Ostland sie zu tragen, sie will sie muss dorthin.
    Nach Ostland sie zu tragen, sie will sie muss dorthin.“

    Das Lied handelt vom verlorenen Kampf der „Baltikumer“ mit historischen Referenzen auf die Litauerkriege des Deutschen Ordens. Jenen deutschen Soldaten und rechtsradikalen Freikorps-Angehörigen also, darunter viele Deutschbalten, die 1919 nach Ende des Ersten Weltkriegs in Lettland, Litauen und Estland gegen die Rote Armee kämpften.
    Die ersten beiden Strophen des Liedes betrauern den Verlust der Vormachtstellung der Deutschbalten, versinnbildlicht in der Rückholung der „Baltenfahne“. Dabei handelt es sich um die schwarze Fahne der „Eisernen Division“, auf der unter einem Totenkopf die Worte „UND DOCH“ stehen.
    Der Militärputsch der Deutschbalten unter Andrievs Niedra gegen Ministerpräsident Kārlis Ulmanis, der 1934 selbst zum Diktator wurde, scheiterte 1919. In einer Art „baltischer Dolchstoßlegende“ werden in dem Lied die eigenen Verluste auf auf „Rigas blut’gem Plane“ mit der Entfremdung der Deutschen aus „West und Süd und Norden“ erklärt.
    Keineswegs wird der deutschbaltische Machtanspruch aufgegeben, denn es heißt in dem Lied: „Und heute noch und immer, den Weg nach Osten zeigt.“ Die letzten beiden Strophen beschwören dann auch die „deutsche Zukunft“. Diese rachsüchtige Zukunft kam 1941 mit der Schlacht um das Baltikum und millionenfachem Mord, begangen durch deutsche Soldaten.
    Aber wir müssen nicht erst ins Baltikum schauen. In Freiburg gab es bis 2017 im Stadtteil Rieselfeld den Ludwig-Heilmeyer-Weg, benannt nach dem bekannten Freiburger Mediziner. Nach der Veröffentlichung des Abschlussberichts der Kommission zur Überprüfung der Freiburger Straßennamen wurde der Weg in George-de-Hevesy-Weg umbenannt und mit einem Schild versehen:
    „Die Straße war von 1994 bis 2017 nach dem Arzt und Leiter der Inneren Medizin an der Universitätsklinik Freiburg, Ludwig Heilmeyer, benannt. Die Umbenennung erfolgte wegen seiner Verstrickung in den Nationalsozialismus.“
    Laut Abschlussbericht war Heilmeyer zuvor Freikorps-Soldat:
    „Als freiwilliges Mitglied des Freikorps Epp hatte Heilmeyer an der blutigen Niederschlagung der Münchener Räterepublik teilgenommen. Das Freikorps (darunter Ernst Röhm, Rudolf Heß, Gregor und Otto Strasser) verübte dabei zahlreiche Morde. Später engagierte sich Heilmeyer im antidemokratisch ausgerichteten Stahlhelm, der dann 1933/1934 in die SA überführt wurde.
    An der Universität Jena, deren frühe nationalsozialistische Ausrichtung schon den Zeitgenossen bekannt war, hat sich Heilmeyer – wie viele anderer Mediziner auch – an der Gründung eines Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbundes (NSD) nicht nur beteiligt, er wurde als Oberarzt vom NS-Landesminister Fritz Wächter vielmehr ausdrücklich damit beauftragt und wurde erster dortiger Dozentenschaftsführer (1933-1934).“