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Montag, 01.06.2026
In Prag gab es am 1. Mai 2026 gewalttätige Naziangriffe, wie das Antifaschistische Infoblatt berichtet. Etwa 60 Nazis versammelten sich auf Initiative des Nazis Filip Vávra, um die Feiern zum 30-jährigen Bestehen tschechischer Antifagruppen zu stören:
„Bereits im Zuge einer Kundgebung vor dem Veranstaltungsort suchten die angereisten Neonazis die Auseinandersetzung. Später in der Nacht überfiel eine Gruppe Neonazis Punks auf dem Nachhauseweg und verletzte eine Person schwer.“
Zuvor hatten rund 50 Nazis eine antifaschistische Demonstration von etwa 1.000 Menschen angegriffen. Trotz der teils brutalen Attacken konnte das Antifa-Fest unter Polizeischutz stattfinden.
„Am nächsten Morgen wurde dann bekannt, dass Neonazis auf der Vyšehrad-Brücke, die nur von der Bahn befahren und zu Fuß genutzt werden kann, Besucher*innen des ,AFA-Fest‘ aufgelauert und einen Antifaschisten schwer verletzt haben.
Die Bilder des Schwerverletzten, der u.a. Musiker der deutschen Punk-Band ,Abbruch‘ ist, kursierten schnell in den sozialen Netzwerken. Auch die Neonazis verbreiteten die Bilder, sowie ein Video von dem Angriff, in dem die Silhouetten der Angreifer zu sehen und die Hilfeschreie des Angegriffenen. Die Verbreitung des Videos diente vor allem der Erniedrigung.“
Verantwortlich für die Nazipropaganda ist der tschechische Nazi Vlastimil Pechanec: „Pechanec verbrachte bis 2014 eine mehrjährige Haftstrafe, u.a. wegen des Mordes an einem Angehörigen der Sinti*zze und Rom*nja-Gemeinschaft 2001 in Svitavy. Nach seiner Haftentlassung führte er seine Szene-Aktivitäten fort und war für die extrem rechte Partei ,Dělnická Strana Sociální Spravedlnosti‘ (DSSS) tätig. 2016 half er als Vertreter der Partei auch der NPD (heute ,Die Heimat‘) beim Wahlkampf in Berlin. Wenig später trat er als Kandidat bei den Kommunalwahlen für die DSSS an.“
An dem Angriff waren mutmaßlich auch österreichische Nazis beteiligt:
„Ein paar Tage später veröffentlicht auch die ,Division Wien“ – der Nachwuchs der ,Tanzbrigade Wien‘ – eine Collage mit Gruppen-Bildern aus Prag. Ein Bild ist besonders pikant: es zeigt eine Aufstellung teils vermummter Neonazis am Aufgang zur Vyšehrad-Brücke, dort wo in der Nacht des 1. Mai bekanntermaßen ein Antifaschist von Neonazis schwer verletzt wurde.“ -
Dienstag, 02.06.2026
In Flensburg hat der Nazi Daniel Lux am Osterwochenende vom 5. bis 7. April 2026 Farb- und Brandanschläge auf den Infoladen Subtilus sowie auf Parteibüros der Linken, Grünen, SSW, SPD und der CDU in Flensburg verübt. Daniel Lux war früher Mitglied der rechtsradikalen Schwurbelpartei „Die Basis“ und ist kurz nach der Tat in die AfD eingetreten.
Nach einer Öffentlichkeitsfahndung wurde Lux’ Wohnung am 30. Mai durchsucht und Lux daraufhin am 31. Mai festgenommen. Bei Daniel Lux wurden laut Staatsanwaltschaft Flensburg Molotow-Cocktails und Nazisticker gefunden. Gegen ihn wird wegen Sachbeschädigungen, versuchte schwere Brandstiftung in drei Fällen und Verstöße gegen das Waffengesetz ermittelt.
Vor zehn Jahren trat Daniel Lux dem „Bündnis Deutscher Patrioten“ bei. Das 2016 gegründete Nazibündnis war mit der „Identitären Bewegung“ wie auch den „Patriotische Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) vernetzt. Der damalige Facebook-Account „KaiserDiazDer3th“ von Daniel Lux ist noch immer aktiv. Zur Begrüßung spuckt Lux allen Linken ins Gesicht, die ihn mutmaßlich mehr als einmal mit seiner Nazigesinnung konfrontiert haben dürften: „Ich bin ein Patriot und KEIN Nazi!!! Du Arschloch!!!“ -
Mittwoch, 03.06.2026
Vom 27. Mai bis 31. Mai 2026 trafen sich in Eisenach rund 300 Nazis zum „Burschentag“ der „Deutschen Burschenschaft“. In der Parallelwelt der „Burschenschaften“ entspricht das jährliche Treffen der (einzigen) Zusammenkunft ihrer Legislative, während der „Verbandsrat“ die Exekutive und die „Ehrengerichte“ die Judikative spielen. Daneben gibt es noch den „Vorsitz“, den die „Aktiven“ stellen – in diesem Jahr das „Schwarz-Weiß-Rote Kartell“. Das dokunetzwerk rhein main schreibt:
„Den Vorsitz für den »Burschentag« hatte das Schwarz-Weiß-Rote Kartell inne – bestehend aus Philipp Compte als Sprecher von der Burschenschaft Frankonia Erlangen, Benedikt Weiß von der Halle-Leobener Burschenschaft Germania zu Halle sowie Benjamin Steiner von der Burschenschaft Germania Halle zu Mainz. Alle drei sind parteipolitisch in der Alternative für Deutschland (AfD) organisiert.“
Am Freitag machte die DB dann zum zweiten Mal einen Fackelmarsch von der Eisenacher Innenstadt zur ihrem „Burschenschaftsdenkmal“ oberhalb der Stadt. Dort, auf ihrem Privatgelände, hielt der brandenburgische AfD-Landtagsabgeordnete Dominik Kaufner eine Rede. Die Thüringer Allgemeine berichtet über die Gründe:
„Den Fackelmarsch zum Denkmal konnte die DB nicht wie bei der Premiere im Vorjahr am Markt starten. Die Gegendemonstration machte dem Ansinnen mit einer angemeldeten Versammlung einen Strich die Rechnung. So musste die Burschenschaft umstricken, startete polizeieskortiert an der Wandelhalle über Luisenstraße und Ofenstein hinauf zur Göpelskuppe.
Die Versammlungsbehörde Wartburgkreis stufte den Fackelumzug der gut 200 Burschenschafter übrigens nicht als Versammlung ein, war zu vernehmen. Die Nutzung öffentlichen Raums samt Absperrungen musste freilich organisiert und verantwortet sein. Warum Behörden diesen Schaulauf in der Stadt zulassen, fragen die Gegner laut. Eisenach mache der DB den Hof, hieß es bei der Zwischenkundgebung auf der Bachstraße, wo ein massives Polizeiaufgebot die beiden Aufzüge abschirmte.“
Wichtigstes Ergebnis des diesjährigen „Burschentags“ ist wohl, dass die „Burschenschaft Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken“ nach 14 Jahren wieder DB-Mitglied ist. Der Grund ihres Austritts 2012 war ein von Antifas geleaktes antisemitisches und rassistisches Protokoll. Darin heißt es unter anderem:
„Top2: Es wird ein Brief des jüdischen Weltkongresses verlesen, in dem man sich entschuldigt, unseren AH Jury in der Vergangenheit geschmäht zu haben und es wird weiterhin erklärt, dass in Zukunft der Name reingewaschen werden wird. Weiterhin soll ein Film gedreht werden mit dem Titel „Jurys Liste“,in welchem die Verdienste von AH Jury um das Weltjudentum aufgezeigt werden sollen. Desweiteren liegt ein Scheck über eine Million Dollar als kleine Abfindung bei. [...] Es folgt ein kleines Progrom. Nach dieser Unterbrechung wird der GC fortgesetzt. [...] Der antrag geht einstimmt durch, es werden 2 weitere Fidschi-Neger gelyncht. Cbr.. Dax steigt erneut aus dem Grab hervor und mahnt zur Mäßigung, schließlich seien gute Neger heute schwer zu bekommen. Er werde jedoch, da ihm das BUCH so gut gefällt, die Anschaffung 10 weiterer Neger finanzieren. Tief ergriffen führt man ein weiteres Progrom durch.“
Die Frankfurter Rundschau ruinierte daraufhin den Ruf der „Ghibellinia“:
„Der ,Alte Herr‘ Hugo Jury begann einst als Ghibelline, nach seiner Karriere in der NSDAP wurde er 1942 SS-Obergruppenführer. Laut Protokoll erwägen die Burschen, einen Film mit dem Titel ,Jurys Liste‘ zu drehen und neue Auflagen eines Buches zu drucken, mit dem anscheinend Adolf Hitlers ,Mein Kampf‘ gemeint ist.
So geht das weiter. ,Es folgt ein kleines Progrom‘, steht auf der zweiten Seite des Protokolls in mangelhafter Rechtschreibung. Beschrieben wird ein offenbar fiktives Pogrom der Burschen, bei dem ,zur Feier des Tages vier Neger gelyncht‘ werden, ,die man vorher weiß getüncht‘ habe. Unter ,Veranstaltungen für das nächste Semester‘ finden sich schließlich eine ,Aktivenfahrt nach Namibia zur Negerjagd‘ und ,zwei wöchentliche Progrome‘.“
Mittlerweile ist die gesamte „Deutsche Burschenschaft“ da, wo die „Burschenschaft Ghibellinia“ schon vor 14 Jahren war. -
Donnerstag, 04.06.2026
Mitten in der Innenstadt von Metz wurde am frühen Morgen des 30. Mai 2026 der 19-jährige Noahm bei einem schwulenfeindlichen Angriff erschlagen. Noahms 20-jähriger Begleiter wurde mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.
Drei junge Männer im Alter von 19, 20 und 27 Jahren prügelten auf dem Place de la République so lange und brutal auf Noahm ein, dass im Krankenhaus sein Hirntod festgestellt wurde. Noahm starb am 2. Juni. Nach seinem Tod gab es eine Trauerversammlung am Ort der Tat.
Zwei der Angreifer befinden sich in Untersuchungshaft. Die Polizei dementiert einen homophoben Hintergrund, die Familie bittet um Öffentlichkeit.
Presse: RN 1 | RN 2 | RN 3 | France3 | ICI 1 | ICI 2 | ICI 3 | Mediapart | Libération | l’Humanité -
Freitag, 05.06.2026
Der 64-jährige Nazianwalt Dirk Schmitz wurde am 20. Mai 2026 in zweiter Instanz vom Landgericht Offenburg wegen des Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen gemäß § 86 StGB zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätze à 160 Euro oder 11.200 Euro verurteilt, Revision ist noch möglich. Schmitz war nach seiner Verurteilung im August 2025 durch das Amtsgericht Kehl in Berufung gegangen. Das AGR Offenburg schreibt:
„Der Geschäftsführer der ACURA-Kliniken Baden-Baden und Generalbevollmächtigte der Gesellschafter, der nach eigener Auskunft ,nur ab und zu‘ als Anwalt arbeitet, hatte 2024 einen Post auf X (Twitter) kommentiert, der zu einem Bild von Uli Hoeneß darüber schimpfte, dass der ehemalige Bayern-Präsident vor der AfD warnte. Schmitz postete darunter ein Bild von Adolf Hitler mit dem Zusatz ,Gleiche Meldeadresse‘ – gemeint war die JVA Landsberg am Lech, in der die beiden 1924 beziehungsweise 2014 aus extrem unterschiedlichen Gründen einsaßen.
In einem zweiten Post auf X verbreitete Schmitz ein Plakat der NSDAP zum 1. Mai 1938, auf dem ein Reichsadler mit Hakenkreuz zu sehen war, zitierte dazu eine verbotene SA-Parole hin und schrieb: Den 1. Mai haben die Nationalsozialisten als Feiertag eingeführt ,und heute sollen wir alle Nazis sein‘.
Wen er mit ,wir‘ meinte, blieb in der Verhandlung leider offen. Für einen dritten Beitrag mit einem Bild des ,Führers‘ war er bereits in der ersten Instanz nicht verurteilt worden. Angezeigt wurden die Taten jeweils über die Zentrale Meldestelle für strafbare Inhalte im Internet (ZMI) im Bundeskriminalamt.
Auch in seinem eigenen Prozess beharrte Schmitz darauf, dass seine Beiträge als ,Berichterstattung in einem zeitgeschichtlichen Zusammenhang‘ zu verstehen seien. Mit dieser Argumentation hatte er schon die Offenburger AfD-Stadträte Taras Maygutiak und Christian Eggs vergeblich vor dem Landgericht zu verteidigen versucht.“
Die Badische Zeitung erinnert ebenfalls an den Prozess vor dem Amtsgericht Offenburg im November 2024, bei dem Schmitz’ Mandant Taras Maygutiak zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt wurde und an Schmitz’ erfolglose OB-Kandidatur für die AfD 2017 in Ludwigshafen:
„Der Angeklagte bestritt nicht, die Beiträge veröffentlicht zu haben, wies jedoch jegliche Absicht von Rechtsradikalismus weit von sich. Seine Verteidigung argumentierte, die Posts seien rein ,satirisch-ironisch‘ gemeint gewesen und stellten eine ,Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens‘ dar.
In dem Kontext interessant: Der in Baden-Baden lebende Geschäftsführer im Gesundheitswesen arbeitet nebenberuflich als Anwalt und vertrat unter anderem schon den Offenburger AfD-Politiker Taras Maygutiak wegen des Postens von Hakenkreuzen auf Facebook. Zudem kandidierte er als Oberbürgermeister Kandidat für AfD in einer baden-württembergischen Großstadt.“ -
Samstag, 06.06.2026
In Brüssel entlud sich am 4. Juni 2026 die Wut über Kürzungen im französischsprachigen Bildungswesen in Blockaden, Straßenschlachten und wilder Zerstörung. Massen empörter und dennoch enthusiastischer Menschen befeuerten die Barrikaden. Der Frust und die Lust an der Zerstörung waren durch das viele Feuerwerk unüberhörbar und durch den dichten, schwarzen Rauch weithin sichtbar.
Die belgische Nachrichtenagentur Belga schrelbt über die geplanten Einsparungen in Höhe von 300 Millionen Euro:
„Valérie Glatigny, Bildungsministerin der französischsprachigen Gemeinschaft Belgiens, hat weitreichende Reformen vorgeschlagen, um diese Einsparungen zu erzielen. Der Plan sieht Kürzungen bei Schulmaterialien, eine drastische Erhöhung der Studiengebühren und die Abschaffung unbefristeter Anstellungen im Bildungssektor vor. Lehrer der Sekundarstufe I und II sollen zudem zukünftig 22 statt 20 Stunden pro Woche unterrichten – ohne Gehaltserhöhung.“
Gleichzeitig stiegen die belgischen Militärausgaben um 59% auf 12,5 Milliarden Euro. Die Kürzungen im Bildungswesen wurden am Abend beschlossen. -
Sonntag, 07.06.2026
In Basel wurde in der Nacht auf den 31. Mai 2026 drei leerstehende Gebäude auf dem Klybeck-Areal besetzt, wie einem Communiqué zu entnehmen ist:
„Das Ende der professionell abgewickelten Zwischennutzung auf dem Areal ist kein Grund die Gebäude dem Jahrelangen Leerstand und den Profitinteressen zu überlassen. Um stattdessen einen Ort des Miteinanders zu schaffen, rufen wir alle Menschen des Quartiers, der Stadt Basel und darüber hinaus dazu auf, vorbeizukommen und sich einzubringen.
Wir fordern die Stadt Basel, Swisslife und Rhystadt AG dazu auf, die heute besetzten Gebäude im nördlichen Teil des Areals langfristig und vertragslos abzutreten, aus der restlichen Quartiersplaung von Klybeck Plus herauszulösen und die Nutzung des Areals an die Selbstverwaltung von Unten zu übergeben.“
Ziel ist die dauerhafte Etablierung eine Kulturzentrums auf dem Gelände im Eigentum des Versicherungskonzern Swisslife. Zur Geschichte des Areals schreiben die Basler BesetzerInnen:
„Die historisch und architektonisch einzigartigen Gebäude im nördlichen Teil des ehemaligen Areals der Chemiefirma BASF sind Teil der Industriegeschichte von Basel und glücklicherweise verschont von schädlichen Giftstoffen im Boden. 2019 wurde das gesamte Werkareal – rund 300’000 m2 – für 1.2 Milliarden Franken an die zwei Immobilieninvestoren Swisslife und Rhystadt AG verkauft, die in Kooperation mit der Stadt Basel ihr Renditeprojekt ,KlybeckPlus‘ in Form eines Stadtquartiers vorantreiben.
Mit der professionellen Zwischennutzungsvermittlung «Unterdessen», die zwischen 2019 und 2026 diverse Zwischennutzungsverhältnisse auf dem Areal abwickelte, konnte der Leerstand mittelfristig kaschiert werden, ohne strukturelle Probleme zu lösen. Im Gegenteil: Statt einer dauerhaften öffentlichen Nutzung werden von der Eigentümerschaft Zwischennutzungen strategisch Gebrauch gemacht, um anhand kultureller und künstlerischer Projekte die Wertsteigerung voranzutreiben, ohne eine langfristige Verpflichtung einzugehen. Trotz dem Ausbleiben von Bebauungsplänen wurde den letzten Parteien auf dem Areal fristlos auf Ende April 2026 gekündigt. Das gesamte Areal steht nun leer.“
Presse: Basler Zeitung | Bajour 1 | Bajour 2 | Badische Zeitung | Schwarzwälder Bote -
Montag, 08.06.2026
Am 30. Mai 2026 haben europäische Nazis erneut einen „Remigrationsgipfel“ inszeniert. Nach dem letzten Treffen in Mailand 2025 trafen sich einige hundert Nazis dieses Mal im portugiesischen Figueira da Foz, wie auf Antifa-Fotos nachzuvollziehen ist.
Der Star der Nazigroupies war der US-Nazi und ehemalige ICE-Kommandeur Gregory Bovino, der von Oktober 2025 bis Januar 2026 das Gesicht von Trumps rassistischer Abschiebekampagne war, außerdem nahmem der US-Naziintellektuelle Jared Taylor und der Präsident des New York Young Republican Club Stefano Forte teil.
Aus Deutschland kamen unter anderem die AfDler Kay Gottschalk, Lena Kotré und Sven Tritschler sowie der IB-Vorsitzende Maximilian Märkl. Eigentlich wollte Märkl per Flugzeug anreisen, aber er wurde am Münchner Flughafen aufgrund eines Ausreiseverbots gestoppt. Märkl musste also die Strecke mit dem Auto zurücklegen und dürfte vermutlich juristischen Ärger bekommen.
Von der spanischen Nazipartei Vox kamen Rocío de Meer und Carlos Quero und aus Großbritannien Sammy Woodhouse von Restore Britain. Weitere RednerInnen waren der Österreicher Martin Sellner, der Belgier Dries Van Langenhove von der Naziorganisation „Schild & Vrienden“ sowie die niederländische Naziinfluencerin Eva Vlaardingerbroek. -
Dienstag, 09.06.2026
Die linke Leipziger Initiative chronik.LE hat einen Podcast zum Thema Studentenverbindungen produziert:
„Dafür haben wir mit einer Person der Autonomen Antifa Freiburg gesprochen, die seit Jahren zu Verbindungen recherchieren, mit dem Journalisten Lucius Teidelbaum und mit einer Person vom Ladenschlussbündnis in Leipzig.“
Themen sind unter anderem das Archiv der „Rudelsburger Allianz“, das wir anlässlich des Interviews veröffentlicht haben, das Communiqué „Coburgs korporierte Schüler“ zur NS-Geschichte des „Coburger Convents“, die faschistische „Deutsche Burschenschaft“, der katholische „Cartellverband“ und das „Corps Thuringia Leipzig“.
Teil 1: Mehr als nur ein Männergesangsverein (mp3)
Teil 2: Von der Urburschenschaft bis Leipzig (mp3) -
Mittwoch, 10.06.2026
Am Fackelmarsch im Rahmen des diesjährigen „Burschentags“ der „Deutschen Burschenschaft“ in Eisenach am 29. Mai 2026 nahm auch der Bamberger RCDS- und CSU-Politiker Anton Reichert in den Farben der „Burschenschaft Frankonia Erlagen“ teil, wie einer Recherche auf de.indymedia.org zu entnehmen ist:
„Anton Sebastian Reichert ist aktuell 24 und studiert im Master BWL an der Universität Bamberg. Seit mehreren Jahren ist er bei der Hochschulgruppe des RCDS aktiv. Aktuell ist er Vorsitzender der Ortsgruppe des RCDS und stellvertretender Vorsitzender des RCDS Bayern. Seit 2022 kandidiert er jährlich für das Studierendenparlament und den Senat der Universität. 2024 wurde er vom Studierendenparlament in die Kommission für Lehre und Studierende entsendet. Bei den Wahlen 2026 steht er auf Platz 1 des RCDS für den Senat und Listenplatz 2 für das Studierendenparlament.
Über den Instagram-Account des RCDS Bayern lassen sich mehrere Treffen mit Politiker*innen der CDU/CSU finden, die Reichert als stellvertretender Vorsitzender hatte. Am 22. März traf er mit Johannes Winkel den aktuellen Vorsitzenden der Jungen Union. Am darauffolgenden Tag lud ihn Dorothee Bär ein für einen Austausch ins Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt zu kommen. Kurz darauf am 31. März war Reichert bei einem Gespräch mit dem bayerischen Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume. Neben der hochschulpolitischen Aktivität von Reichert kandidierte der Pettstädter am 8. März bei den Kommunalwahlen in Bayern für den Gemeinderat auf Platz 4 der CSU. Da die Gemeinde aber lieber andere menschenverachtende CSUler im Lokalparlament wollte, wurde der 24-Jährige nur zweiter Nachrücker.“
Fotos von Anton Reichert wurden ebenfalls mitveröffentlicht: Reichert als RCDS-Kandidat und beim „Burschentag“ sowie beim „Burschenschaftsdenkmal“:
„Auf den Bildern ist erkennbar, dass Reichert die Nähe der extremen Rechten sucht: Auf dem Denkmal sehen wir Reichert als Dritten von links, rechts von ihm steht der ehemalige Landeschef der Jungen Alternative Bayern Philipp Compte, rechts von ihm der Hallenser AfD-Stadtrat und Landtagskandidat Benedikt Weiss.“ -
Donnerstag, 11.06.2026
Im nordirischen Belfast haben protestantische Unionisten Pogrome an MigrantInnen verübt. Hunderte Rechtsradikale gingen in kleinen Gruppen bewaffnet mit Flaschen und Steinen von Haus zu Haus. Sie riefen „Ausländer raus!“, hämmerten an die Türen, schlugen die Fenster ein und legten Feuer. An Häusern, an Autos, an einem Bus – bis ganze Straßenzüge brannten. BewohnerInnen mussten von der Feuerwehr aus ihren eigenen Häusern gerettet werden. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die Nazis ein.
Anlass für die rassistischen Angriffe war das Video einer brutalen Messerattacke durch einen 30-jährigen Sudaner auf einen wehrlosen 40-jährigen Schotten in Belfast. Das Video ging viral, nachdem Tommy Robinson es auf Elons Musks Plattform X geteilt hatte. Das Posting folgte direkt auf ein Treffen von Robinson mit Musks Vater Errol in einem Moskauer Luxus-Hotel.
Presse: BBC | Guardian 1 | Guardian 2 |
taz 1 | taz 2 | Welt -
Freitag, 12.06.2026
Der südbadische Nazi Lars Brändlin hat sich am Rande der „Winterakademie“ von Götz Kubitschek am 24. Januar 2026 in Schnellroda an Angriffen auf Recherche Nord beteiligt, wie die Badische Zeitung am 8. Juni 2026 berichtet. Na ja, „berichtet“: Lars Brändlin heißt hier „Ralf S.“, denn „aus juristischen Gründen kann sein richtiger Name nicht genannt werden – der Badischen Zeitung ist er jedoch bekannt“. Immerhin.
Die Attacken waren aber auch unverfroren: „,Mehrere Personen haben bei Minustemperaturen mit Plastikflaschen Wasser auf uns verspritzt und versucht, unser Equipment zu beschädigen‘, schildert André Aden von Recherche-Nord den Vorfall in Schnellroda der Badischen Zeitung. Ralf S. habe mit einer Tasse aus einem Eimer Wasser geschöpft.“ Haben die Nazis in Schnellroda noch nicht einmal Wasserpistolen?
Anschließend machten die Nazis das, was sie eben so machen, wenn sie nicht mit Wasser spritzen: „Auf den Aufnahmen ist Manuel Corchia zu sehen, der gegen eine Kameralinse schlägt. Später seien die Journalisten aus einer größeren Gruppe von zwischenzeitlich rund 25 Personen – darunter auch Gastgeber Götz Kubitschek und Martin Sellner – körperlich bedrängt, beleidigt und bestohlen worden. ,Es gab Schläge auf den Körper und die Kameras. Glücklicherweise ist niemand von uns zu Boden gegangen‘, sagt Aden.“
Dann wurde es noch deutscher: „Die Polizei ermittelte wegen Körperverletzung, Beleidigung und Diebstahl. Im April jedoch stellte die zuständige Staatsanwaltschaft die Verfahren ein. Mangels hinreichenden Tatverdachts, heißt es von der Behörde. Lediglich ein Verfahren wegen Beleidigung sei derzeit noch anhängig. Gegen diese Entscheidung sei keine Beschwerde eingelegt worden.
Die Deutsche Journalistinnen und Journalisten-Union (dju) sprach daraufhin von einem ,fatalen Signal‘ im Hinblick auf die Pressefreiheit. Die Junge Tat will sich zu den Ereignissen in Schnellroda nicht äußern. Fragen der Badischen Zeitung ließ sie unbeantwortet.“
Auf der Schweizer Rechercheseite nazifrei.org war das Outing von Lars Brändlin am 2. November 2025 das „erste internationale Outing“ – eine kleine Berühmtheit. So wie die Nazijungs der „Jungen Tat“, die sich an der Tat in Schnellroda beteiligt haben und ebenfalls auf der Antifaseite geoutet werden. -
Samstag, 13.06.2026
Der Proton Gründer und CEO Andy Yen hat dem deutschen Podcaster Benjamin Berndt in dessen Reihe „Ben ungeskriptet“ ein Interview gegeben. Proton – ein Anbieter von Onlinediensten – ist am bekanntesten für seinen verschlüsselten Emaildienst. Das Unternehmen wurde von Yen absichtlich in der datenschutz-sensitiven Schweiz gegründet.
Nun hat sich also dieser Vorreiter verschlüsselter Kommunikation von einem deutschen Naziversteher interviewen lassen und hat ihm seine Verschwörungstheorien erzählt. Erst kürzlich ging Berndts „Interview“ mit Björn Höcke viral. Tatsächlich war es ein viereinhalbstündiger Monolog eines Nazis ohne kritische Nachfragen und damit Nazipropaganda.
Der Spiegel schrieb in diesem Zusammenhang zu Berndts Gästen: „Neben dem einstigen Bordellbetreiber Bert Wollersheim und dem Salafisten Pierre Vogel waren auch die BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht, der frühere FDP-Vorsitzende Christian Lindner oder der Linkenpolitiker Gregor Gysi schon bei Berndt zu Gast.
Weil der Podcaster immer wieder aktive und frühere AfD-Politiker wie etwa Maximilian Krah, Frauke Petry oder den früheren Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen einlädt, wirkt die Gesamtausrichtung dennoch klar rechtslastig.
Auch Berndt selbst lässt bisweilen gewisse Tendenzen anklingen: Im rechtspopulistischen Schweizer Blatt »Weltwoche« nannte er die Brandmauer gegen die AfD die »absolut dümmste Idee, die Erwachsene haben könnten«. Auch Impfgegnern, Coronaleugnern, Putin-Sympathisanten und Verschwörungsideologen verschafft Berndt Gehör und zieht auch gegen die etablierten Medien zu Felde.“ -
Sonntag, 14.06.2026
Der antikapitalistischen Jugendkongresses „Take back the future“, der vom 12. bis zum 14. Juni 2026 an der TU Berlin stattfindet, wurde von der Uni zensiert. Ursprünglich sollten 14 von 90 geplanten Veranstaltungen nicht oder nur verändert durchgeführt werden. Ein Verhandlungskompromiss erreichte, dass am Ende vier Veranstaltungen außerhalb des Unigeländes stattfinden mussten. Organisiert wird der Kongress unter anderem vom Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverband (SDS). Anlass für die Zensur war ein Schreiben des Nazianwalts Ralf Höcker.
Der Spiegel schreibt zum Vorgehen der Uni: „In einer Mail der Universität an den Studierendenverband der Linken heißt es, es müsse ein Austausch über die Seminare stattfinden, »die aus dem Programm genommen werden sollen«. Zudem solle der SDS die Seminare »selbst kritisch« prüfen – »unter den Aspekten Neutralitätsgebot und thematische Wahlkampfnähe«. »Das sind für uns essentielle Rahmenbedingungen für das Stattfinden des Kongresses«, heißt es in der Mail weiter.
In einer weiteren Mail bittet das Universitätspräsidium den SDS darum, auf seiner Homepage und in Social-Media-Auftritten lediglich von Berlin und nicht TU Berlin als Veranstaltungsort zu schreiben. Auffällig ist, dass es sich um Vorträge handelt, die einen Schwerpunkt auf die AfD und Rechtsextremismus setzen.
Mutmaßlich handelt die Unileitung nach einer Beschwerde des Berliner AfD-Landesverbands. Dieser hatte durch die Kanzlei von Medienanwalt Ralf Höcker nur wenige Tage zuvor in einem als »Hinweis- und Warnschreiben« betitelten Brief Beschwerde eingereicht.“
Presse taz 1 | taz 2 | Spiegel | nd 1 | nd 2 | Jacobin -
Montag, 15.06.2026
Die AfD Breisach plant für den 15. Juni 2026 ab 18 Uhr einen „Bürgerdialog“ in der Breisacher Stadthalle in der Jahnstraße 3. Reden soll die drei baden-württembergischen AfD-Bundestagsabgeordneten Paul Schmidt aus Karlsruhe, der Schorndorfer Lars Haise und die Breisacher Abgeordnete Martina Kempf. Dagegen ruf das Bündnis „Unser Breisach: bunt, frei, demokratisch“ auf. Eine Kundgebung unter dem Motto „Präsenz ist Widerspruch“ findet um 19 Uhr auf dem Schulhof des Martin-Schongauer-Gymnasiums hinter der Stadthalle statt.
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Dienstag, 16.06.2026
Ende Mai 2026 hat die wichtigste antifaschistische Rechercheplattform in Österreich ihr Archiv als Open Data zur Verfügung gestellt. „Stoppt die Rechten“ schreibt in einem Aufruf zur kreativen Nutzung der Daten:
„Wir haben unser gesamtes Archiv als strukturierten Open-Data-Satz veröffentlicht. Ab sofort könnt ihr auf unserer neuen Open-Data-Seite alle jemals bei uns veröffentlichten Beiträge als JSON, CSV oder XML herunterladen. Die Daten sind maschinenlesbar, von störendem Web-Code bereinigt und mit unseren Meta-Tags und Kategorien versehen.“ -
Mittwoch, 17.06.2026
Netzpolitik berichtet über Demonstrationen gegen die Überwachung mittels „künstlicher Intelligenz“, konkret gegen das Überwachungspaket. Die neuesten KI-Modelle von Anthropic wird die deutsche Polizei dafür allerdings nicht nutzen können, denn diese wurden von der US-Regierung für alle Nicht-US-BürgerInnen per Anordnung gesperrt. Frankreich hat derweil die Zusammenarbeit mit der US-Überwachungsfirma Palantir beendet und investiert stattdessen in eigene KI-Infrastruktur.
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Donnerstag, 18.06.2026
Bei den Protesten gegen den vom 15. bis 17. Juni 2026 im französischen Evian stattfindenden G7-Gipfel nahmen 30 000 Menschen teil. Die NoG7 Koalition hatte zu Demonstrationen und Aktionen im benachbarten Genf aufgerufen:
„Für einen effektiven antifaschistischen Kampf nehmen wir uns der Wurzel des Problems an, die durch die Mitglieder des G7 verkörpert wird. In diesem Klima, in dem Männlichkeit als allmächtig inszeniert wird, ist der Kampf gegen den Faschismus immer auch ein queerer und feministischer Kampf!“
Bei den Demonstrationen wurden unter anderem Scheiben von Banken eingeworfen und Autos angezündet. Außerdem kam es zu Riots mit den Cops, die Tränengas und Wasserwerfer einsetzen und 550 Menschen festnahmen: Anarchy in Streets of Gold. -
Freitag, 19.06.2026
Am 6. Juni fand in Heidenheim der 22. Landesparteitag der AfD Baden-Württemberg statt, an einer Gegendemo beteiligten sich etwa 500 Menschen. Wenig überraschend bestätigten die AfD-Delegierten Markus Frohnmaier als Landesvorsitzenden, sein Stellvertreter bleibt mit deutlich schlechterem Wahlergebnis Emil Sänze. Weitere Vorstandsmitglieder sind Martin Hess, Marc Bernhard, Ruben Rupp und Lars Haise. Zum Schatzmeister wurde Andreas Auer gewählt, Rainer Podeswa zu seinem Stellvertreter. Schriftführer ist Stephan Köthe und Beisitzer sind Martin Rothweiler, Michael Blos, Joachim Kuhs und Jürgen Kögel. Die männerbündelnde Einigkeit wurde durch ein Hakenkreuz aus veganem Mett mit der Aufschrift „Vorsicht vor der NSAFD“ gestört, platziert durch das Zentrum für politische Schönheit auf dem Hotel-Frühstücksbuffet der AfD.
Presse: SWR/Tagesschau 1 | SWR/Tagesschau 2
Am 14. Juni gründeten die Nachwuchs-Nazis der AfD in Donzdorf den baden-württembergischen Landesverband der JA-Nachfolgeorganisation „Generation Deutschland“, um die 750 Antifaschist*innen gingen dagegen auf die Straße. Anders als vom Landesvorstand gewünscht wurde nicht der rassistische Bulle Chris Hegel (38 Stimmen) zum Landesvorsitzenden gewählt, sondern Benjamin Götz aus Ilshofen (40 Stimmen). Stellvertretende Sprecher wurden Maximilian Gerner und Tim Demuth, „Finanzbeauftrage“ wurden der Freiburger AfD-Nazi Karl Schwarz und sein Stellvertreter Samuel Kaufmann, Sohn des AfD-MdB Malte Kaufmann. Zu Beisitzern wählten die 81 Stimmberechtigten Dennis Wittmann und Marco Rohn.
Presse: SWR | Kontext | Zeit/dpa -
Samstag, 20.06.2026
Die Allgemeine Zeitung Mainz (Archiv | Disclaimer) berichtete am 19. Mai 2026 über die Macht der „Deutschen Burschenschafter“ in der rheinland-pfälzischen AfD: „Nahezu alle politischen Schlüsselpositionen in der rheinland-pfälzischen AfD sind mittlerweile von Burschenschaftern besetzt.“
Die AZ berichtet über Sebastian Münzenmaier, Damian Lohr, Michael Büge und Joachim Paul. Münzenmaier will vom stellvertretenden zum AfD-Landesvorsitzenden aufsteigen und damit Jan Bollinger beerben:
„Noch hat der Nicht-Burschenschafter Bollinger das Amt inne, doch Münzenmaiers Chancen gelten als gut. Parteiintern heißt es, der stellvertretende Landeschef sei in Wahrheit der starke Mann im Land. Der Pfälzer gilt in seinen Reihen als leutselig, professionell – und als bundespolitisch bestens vernetzt. Münzenmaier sei der zentrale Stratege und Strippenzieher hinter Parteichefin Alice Weidel, ist zu hören.
Zugleich zeigt Münzenmaier seit Jahren wenig Scheu vor dem rechtsaußenstehenden Umfeld der Partei – dem sogenannten Vorfeld. Dafür steht auch seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft Germania Halle zu Mainz, die der rheinland-pfälzische Verfassungsschutz wegen rechtsextremer Tendenzen beobachtet. Landesinnenminister Michael Ebling (SPD) stufte die politische Ausrichtung der Mainzer Burschenschaft als ,völkisch‘ ein.“
Münzenmaier verkündete seine Kandidatur am 9. Juni, wie die Tagesschau berichetete:
„Die bei der Landtagswahl deutlich gestärkte AfD wählt in knapp drei Wochen beim Landesparteitag in Bingen am 27. Juni einen neuen Landesvorsitzenden. Ob der amtierende Vorsitzende Jan Bollinger erneut antritt, ist noch unklar. Parteichef Bollinger war bereits drei Tage nach dem deutlichen Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl überraschend als Fraktionsvorsitzender abgewählt worden. Die Landtagsfraktion führt seither Michael Büge an.“
Während Michael Büge „Alter Herr“ der „Burschenschaft Gothia Berlin“ ist, gehört Sebastian Münzenmaier der „Burschenschaft Germania Halle zu Mainz“ an. Die AZ berichtete auch über „Münzenmaiers Vertrauter Damian Lohr“, ebenfalls Mitglied der „Germania“:
„Lohr ist Parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion und war früher Bundesvorsitzender der inzwischen aufgelösten AfD-Jugendorganisation ,Junge Alternative‘. In der Partei gilt er als Organisator im Schatten Münzenmaiers – und als wichtiges Bindeglied zwischen AfD und Burschenschaften. [...]
Auch in weiteren Schlüsselpositionen der AfD Rheinland-Pfalz finden sich DB‑Burschenschafter. Joachim Paul (Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn) ist bildungspolitischer Sprecher und stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion. Bildungspolitik gilt als zentrales landespolitisches Feld, da hier ein Großteil der Entscheidungen vom Land selbst getroffen wird.
Der rheinhessische AfD-Politiker Alexander Jungbluth (Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn sowie Germania Halle zu Mainz) sitzt als Münzenmaier-Vertrauter im EU-Parlament und ist zugleich Schatzmeister der Bundespartei. Das verschafft dem Netzwerk zusätzlichen Einfluss auf weiteren politischen Ebenen.“
Als Emporkömmling des Fußvolks führt die AZ Benjamin Steiner von der „Germania Mainz“ an:
„Ein Beispiel dafür ist Benjamin Steiner (Germania Halle zu Mainz). Vor drei Jahren noch als Burschenschafter im Vorfeld aktiv, hat der Mainzer den Sprung als Funktionär in die Partei geschafft. Er sitzt als stellvertretender Fraktionschef im Mainzer Stadtrat und als stellvertretender Vorsitzender in der neuen AfD-Landesjugend ,Generation Deutschland Rheinland-Pfalz‘.“
Auch in der Spiegel TV-Reportage zum diesjährigen „Burschentags“ in Eisenach kommt Steiner vor – als einer von „mehr als einhundert Burschen“, die bereits auf dem Ticket der AfD in deutsche Parlamente eingezogen sind.
Zur Bebilderung der Charakterisierung der DB als „völkisch, national, rückwärtsgewandt“ eignen sich der aktuelle DB-Vorsitzende Philipp Compte von der „Burschenschaft Frankonia Erlangen“ und die Anwesenheit des bayerischen „Dritten Weg“-Chefs Thorsten Kokula zu einem Fechtkampf auf dem „Frankonenhaus“ am 30. Juli 2025 ganz hervorragend.
Benjamin Nolte von der „Burschenschaft Danubia München“ kommt ebenso vor wie Kevin Dorow von der „Alten Königsberger Burschenschaft Alemannia Kiel“ und der „Burschenschaft Germania Hamburg“. Auch das Vernetzungstreffen des „Jungeuropa-Verlags“ von Philip Stein von der „Marburger Burschenschaft Germania“ am 2. Mai 2026 in Altenburg ist Thema.
Auch wurde der Messerangriff von Florian Kanz, damals von der „Burschenschaft Rheinfranken Marburg“, am 15. Februar 2023 auf einem Verbindungshaus in Bingen nachrecherchiert. Kanz wurde im Prozess wegen versuchten Totschlags – das rechtsradikale Motiv wurde vom Gericht ignoriert – von dem Nazianwalt und „Rheinfranken“ Björn Clemens verteidigt.
Schließlich wurde noch Hans Kornstädt von der „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ geoutet – auf dem „Burschentag“, als vermummter „Raczek“ und als Fackelträger auf dem „Sonnwendfeier“ der „Jungen Nationalisten“/JN, der Parteijugend von „Die Heimat“/NPD, am 15. Juni 2024 in Eschede. Kornstädt wird der „identitären“ Gruppe „Revolte Rheinland“ zugerechnet, die sich formal aufgelöst hat. -
Sonntag, 21.06.2026
Der US-Spionage-Konzern Palantir ist in Deutschland auf dem Rückmarsch. Laut taz gibt es momentan noch Verträge zwischen Palantir und den Landespolizeien in Hessen (seit 2017), Bayern (2024 bis 04/27), Nordrhein-Westfalen (2022 bis 10/26) und Baden-Württemberg (2026 bis 2030). Selbst in den schwarzen Seelen der CDU-/CSU-Innenminister ist ein Schatten auf Palantirs „Gotham“ gefallen, der dystopischen Precrime-Software der nicht minder dystopischen Tech-Bros Karp und Thiel.
In Baden-Württemberg kaufte die CDU die Software für 25 Millionen kurz vor den Wahlen, die sie dann „überraschend“ verloren hat. Hessen, Bayern und NRW ziehen als Ersatz für Palantir nur ein gleichmächtiges Recherchetool in Erwägung. Mit anderen Worten eines, das sich ähnlich wenig für europäische Datenschutzgesetze interessiert und dessen Code so praktisch proprietär wie der von Palantir ist. Und damit leider, leider deutschen Datenschutzbehörden unzugänglich.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hingegen spielt das europäische Versuchskaninchen bzw. dient als Meerschweinchen, wie es in Frankreich heißt. Hier hat die Firma ChapsVision eine Agentic AI-Software mit dem Namen ArgonOS entwickelt und dem deutschen Inlandsgeheimdienst verkauft. Was soll schon passieren, wenn der Augustus Intelligence-Lobbyist Philipp Amthor Staatssekretär für digitale Souveränität im Bundesdigitalministerium ist? -
Montag, 22.06.2026
Der Göttinger Nazi Max Dillmann hat in der Nacht auf den 21. Juni 2026 gegen 2 Uhr im Fridtjof-Nansen-Weg in Göttingen einen Linken niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Wie in Freiburg fand auch in Göttingen am 20. Juni ein Christopher Street Day (CSD) statt. Auf de.indymedia.org heißt es dazu:
„Die Messertat ereignete sich im Fridtjof-Nansen-Weg in Göttingen. Max Dillmann ist klar als Täter zu benennen und der jugendlichen rechten Clique zu zu ordnen, in welcher auch der Täter der in der Nacht zum 03.06.2026 Neonazi Parolen am Albaniplatz in Göttingen geprayt und die Regenbogen Flagge welche seitlich auf den Stufen einer Treppe zu sehen war mit einer großen Deutschlandfahne übersprayt hat, zu finden ist.
Max Dillmann, Fridtjof-Nansen-Weg 10, 37085 Göttingen“.
Laut Göttinger Tageblatt wurde der 17-jährige Täter in seinem Wohnhaus festgenommen, die Zeitung hat sogar ein Foto seines Wohnhauses veröffentlicht. Eine Mordkommission ermittelt in dem Fall und hat die antilinke Tat sofort entpolitisiert: „Nach derzeitigem Ermittlungsstand besteht kein Zusammenhang mit dem CSD“.
Update: Die taz berichtet über den Gesundheitszustand des Linken:
„Seit zwei Tagen kämpft ein Göttinger Student um sein Leben. In der Nacht zum Sonntag ist der 23-Jährige niedergestochen worden. ,Er liegt im künstlichen Koma, wird abgekühlt‘, sagt Sven Adam, Rechtsanwalt in der niedersächsischen Stadt. Der Verletzte habe fünf Liter Spendenblut erhalten.“
Presse: Göttinger Tageblatt (Archiv | Disclaimer) | NDR | Zeit | FAZ | taz
Polizei: Meldung 1 | Meldung 2 -
Dienstag, 23.06.2026
Am Wochenende des 19. bis 21. Juni 2026 feierte die „Leobener Burschenschaft Leder“ in der „Deutschen Burchenschaft“ im österreichischen Leoben ihr „140. Stiftungsfest“. Leoben ist die zweitgrößte Stadt der Steiermark nach Graz. Obwohl nur knapp 25.000 Menschen in der Stadt wohnen, sind dort zwölf Studentenverbindungen ansässig. Wir haben uns 2024 in dem Text „Streit in Leoben“ die dortige Korporationsszene angeschaut.
Bereits am Freitag waren an die hundert Gäste zum „Begrüßungsabend mit Tanz und Musik“ ab 18 Uhr angereist, zumeist „Burschenschafter“ aus Österreich und Deutschland. Als Festredner war der einschlägig bekannte AfD-Nazi Matthias Helferich angekündigt und entsprechend rassistisch war das Publikum. Das Motto des „Leder-Stiftungsfests“: „Deutsch – Furchtlos – Treu“.
Das „Festsymposium“ hingegen war für Samstag Nachmittag um 15 Uhr und der „Festkommers“ um 20 Uhr geplant – eindeutig der Haupttag des Wochenendes. Doch bereits Freitagnacht demonstrierten mehrere „Burschenschafter“, warum „Stiftungsfeste“ Hochrisikoveranstaltungen sind. Gegen 2:20 Uhr schlugen mehrere „Burschenschafter“ vor ihrem Veranstaltungsort einen 57-jährigen Taxifahrer zusammen, der sie wegen ihrer „Sieg Heil“-Rufe aus seinem Taxi geworfen hatte. Der Mann lebt „seit 40 Jahren in Österreich“ und hat „einst selbst an der Montanuni studiert“, wie der Standard berichtete.
„Der Taxilenker wurde am Samstag um zwei Uhr morgens von seiner Zentrale zu dem Firmengelände der Firma Ehgartner in den Stadtteil Donawitz gerufen. Dort feierten, wie sich später herausstellen würde, hunderte Burschenschafter in einer Halle.“
Hannes Hundegger, der Geschäftsführer der Firma Ehgartner, ist selbst „Alter Herr“ der „Burschenschaft Leder“ und war 2020 Festredner beim „Akademikerball“ in Wien.
„,Eine Dame hatte angerufen und eine Dame und ein Mann stiegen dann in meinen Wagen‘, erzählt der verletzte Taxilenker, ,und dann ging es bald los und sie riefen ,Sieg Heil!‘‘.
Der Fahrer sagte den beiden Fahrgästen daraufhin umgehend, sie sollten seinen Wagen verlassen und rief die Polizei, um eine NS-Wiederbetätigung anzuzeigen. Der Mann habe noch zu ihm gesagt: ,Du kleine fette Ausländersau.‘ ,Die Polizei hat ungefähr eine Viertelstunde gebraucht und derweil wollten die beiden zurück in die Halle gehen. Ich wollte das verhindern und ging dem Mann nach.‘
Doch weiter als bis zur Türe der Halle soll der Mann nicht gekommen sein. Drei Burschenschafter schlugen Momente später auf ihn ein, bis er auf dem Boden lag. ,Dann haben sie mir noch in den Oberkörper und in den Kopf getreten, auch in meinem Kehlkopf. Ich habe keine Luft mehr bekommen und habe ihnen das auch gesagt. Sie beschimpften mich, als ich am Boden gelegen bin, als Ausländerschwein und Hurensohn.‘“
Es heißt: „Ermittelt wird wegen des Verdachts der Körperverletzung und nationalsozialistischer Wiederbetätigung gegen mehrere derzeit unbekannte Täter.“. Aber die österreichische Polizei ist in etwa so engagiert wie die deutsche, wenn es um die Aufklärung von Naziverbrechen geht – nur ohne die gesellschaftliche Sensibilität für die begangenen NS-Verbrechen ihrer Vorgänger im Amt:
Die Kieberer haben den Täter nicht festgenommen, die Veranstaltungshalle nicht betreten, das Nazifest nicht gestört und lediglich lustlos ein paar Personalien herumstehender „Burschenschafter“ aufgenommen.
„[Zu] seiner Verwunderung gingen diese nicht in die Halle, sondern sollen nur die Personalien von im Freien herumstehenden Leuten aufgenommen haben. ,Und sie haben auch meine Verletzungen fotografiert‘, so der Mann. Der Mann, der in seinem Taxi gesessen habe, fuhr dann selbst weg. ,Ich habe mir das Kennzeichen notiert, es war ein Elektro-BMW‘, sagt der Taxilenker. Die Telefonnummer jener Frau, die das Taxi gerufen hatte, sei zudem in der Zentrale bekannt. Der männliche Fahrgast habe ,einen deutlichen Schmiss im Gesicht‘ gehabt, beschreibt der zusammengeschlagene Mann ihn. [...]
Die drei Männer, die nach seinen Schätzungen zwischen 20 und 30 Jahre alt seien, hätten auch versucht, seine Taschen zu durchsuchen und immer wieder geschrien: ,Wie heißt du?!‘ Er habe es ihnen nicht gesagt. Der Taxifahrer hatte schon davor, am Freitagabend, eine ,Fuhr‘ mit zwei Burschenschaftern ,mit tiefem Schmiss‘ gehabt, sie hätten gesagt, sie kämen aus Frankfurt, studierten in Graz und arbeiteten in Wien. Und sie hätten dem Taxifahrer ,ein Gedicht über Juden aufgesagt‘.“
Am Montag berichtete der Standard dann über die Konsequenzen für die „Burschenschaft Leder Leoben“:
„Der Übergriff selbst sorgte für Nachwehen in der zweitgrößten Stadt der Steiermark. Das Rektorat der international renommierten Montanuni hatte sich bereits im Vorfeld vom Event mit Helferich distanziert. Am Montag erfolgte dann eine historische Maßnahme des Rektorats. Es teilte mit, dass ,die Burschenschaft Leder auf den kommenden Veranstaltungen der Montanuniversität Leoben nicht mehr anwesend sein‘ werde.“
Presse: Standard 1 | Standard 2 | Standard 3 | Standard 4 | Kurier | Kleine Zeitung -
Mittwoch, 24.06.2026
Die „Allgemeine Deutsche Burschenschaft“ (ADB) hat sich so einiges vorgenommen im Geschäftsjahr 2026. Zum Beispiel Boomer-Hedonismus. Es gab bereits drei „Regionalveranstaltungen“: „Nord“ am 30. Mai 2026 organisiert von der „Hannoverschen Burschenschaft Arminia“ (aka Besuch Herrenhäuser Gärten), „Süd“ am 6. Juni 2026 von der „Münchener Burschenschaft Sudetia“ (aka Besuch Schloss Nymphenburg) und „West“ am 6. Juni 2026 von der „Burschenschaft Sigambria et Alemannia Siegen“ (aka Brauereiführung).
Vom 3. bis 5. Juli 2026 findet in Braunschweig eine „Seminartagung“ organisiert von der „Braunschweiger Burschenschaft Germania“ statt, der derzeitigen „vorsitzenden Burschenschaft“ repräsentiert durch Frederic Dinse, Lukas Zieme und Philipp Meinhold. Das Programm beinhaltet die üblichen Meta-Workshops zum Keilen („Fbr. Dr.-Ing. Michael Budde“), Fechten („Fechtmeister Wbr. Leonardo Germoglio“) und zur „Fuchsenstunde“ („Vbr. Sebastian Keine“) sowie zur kapitalistischen Selbstoptimierung: Seminare zu „Rhetorik“ („Vbr. Lars Heydenreich“), „Projektmanagement“ („Vbr. Lukas Knopf“) und „Zeit- und Selbstmanagement – Umgang mit Stress“ („Kadenbach coaching“). Zum sonntägliche Katerbrunch lädt die „Braunschweiger Burschenschaft Arminia-Gothia“.
Der wohl wichtigste Termin – insbesondere wegen des Ortes – ist der „Burschentag“ vom 23. bis 25. Oktober 2026 auf dem Hambacher Schloss, wo die ADB ihr zehnjähriges Bestehen feiern will. Mit ihrer Gründung besiegelte die ADB 2016 die Spaltung der „Deutschen Burschenschaft“ (DB). Freitag wollen die „Burschenschafter“ auf der Villa Ludwigshöhe verbringen und Samstag auf dem Hambacher Schloss. Der übernächste „ADB-Burschentag“ soll vom 28. bis 31. Oktober 2027 vollständig auf dem Hambacher Schloss stattfinden.
Weniger pompös sind die Bettelbriefe der „Gießener Burschenschaft Germania“ und der „Aachener-Dresdner Burschenschaft Cheruskia“ um „Stützburschen“ – einer Art menschlicher Leihgabe anderer „Burschenschaften“ als lebensverlängernde Maßnahme für sterbende Bünde. Diese Briefe, so kurz vor dem Tode, entfalten eine ganz eigene Poesie. Sie bilden ein eigenes Genre im ansonsten eher gefühlsstumpfen Einerlei der Korporationsszene: „Stützburschbettelbriefe“.
Nehmen wir nur unsere liebe „Germania“: „Hiermit übermittle ich euch im Auftrag der Aktivitas, dass sich die Germania im Sommersemester 2026 aufgrund von Mitgliedermangel gegenüber dem Dachverband vertagt. Die aktuelle Stärke der Aktivitas stand Antrittsconvent 13.04.2026 beruht auf 1. Fux, 2. aktiven Burschen, 3. inaktiven Burschen und 2. Auswärtigen und sind somit nach unserer Satzung nicht mehr geschäftsfähig. Die Option durch Reaktivierungen die Aktivenanzahl künstlich hochzuhalten ergab keinen Sinn, da die iaB. Berger, Ulmer und Hüttenberger sowie der auswärtige Bbr. Fieweger spätestens zum Wintersemester 26/27 philistriert werden.“
Ist das nicht traurig? Deshalb muss es heißen: „Stütze, wer kann!“ Die „Alemannia Gießen“ jedenfalls kann nicht:
„Kurzfristig wird uns, um größere Veranstaltungen durchzuführen, die B! Alemannia Gießen unterstützen können. Jedoch können wir keine Stützburschen dahingehend erwarten, da diese selbst mit Nachwuchsmangel zu kämpfen hat, jedoch besser aufgestellt ist als wir. Wir sind offen für Vorschläge und Konzepte um uns aus der Vertagung zu Retten.“
Schlimm auch die „Dresdner Cheruscia“, so demütig: „Wie gesagt, wir rechnen nicht mit Erfolg, wollen es mit dieser Anfrage aber wenigstens einmal versuchen.“ Dabei fordern die Herren „Unterstützungsburschen“, am liebsten „nach Dresden wechselnde Aktive“ oder zumindest „zufällig nach Dresden gehende Studenten [...], die dem Verbindungsstudententum geneigt sind“.
Denn es läuft nicht gut für die „Cherusker“: „Nach unserer Neugründung in Dresden im Jahre 1991 und dem Erwerb unseres angestammten Verbindungshauses in der Eisenstuckstraße erlebte unser auf einer Tradition aus dem Jahre 1861 beruhender Bund einige florierende Jahre. In den letzten Jahren jedoch bekamen auch wir die in der burschenschaftlichen Welt leider immer drohenden Nachwuchsprobleme. Wir haben nun beschlossen, uns den Realitäten zu stellen, das Streben nach einer Aktivitas aufzugeben und nur noch als Altherrenverband weiterzubestehen, vor dem Vollzug des Beschlusses jedoch noch einmal eine letzte große Anstrengung zu unternehmen.“
Aber wie gesagt, sie rechnen selbst nicht mit Erfolg: „Wir danken Ihnen auf jeden Fall für Ihre Aufmerksamkeit und wünschen Ihrem Bund herzlich eine glückhafte Zukunft in für die Burschenschaftliche Idee bald wieder gedeihlicheren Zeiten.“ -
Donnerstag, 25.06.2026
In Texas wurden die Prairieland Defendants wegen Anti-ICE-Protesten im ersten großen Antifaprozess in den USA nach Trumps Feinderklärung zu drakonischen Strafen verurteilt. Die neun Angeklagten erhielten unmenschlich und selbst für US-Standards ungewöhnlich lange Haftstrafen zwischen 30 und 100 Jahren Gefängnis. Und das für Taten, bei denen niemand gestorben ist, wie der Guardian berichtet:
„Nach einem dreiwöchigen Geschworenenprozess wurden die neun Aktivisten im März in einer Reihe von Anklagepunkten für schuldig befunden. Die Anklagepunkte bezogen sich auf einen Protest am 4. Juli vor einer Abschiebehaftanstalt in Alvarado, Texas, südlich von Fort Worth. Die Demonstranten waren spät abends eingetroffen, um im Rahmen einer Lärmdemonstration Feuerwerkskörper zu zünden und so ihre Solidarität mit den Inhaftierten zu bekunden. Einige der Protestierenden trennten sich spontan von der Hauptgruppe und beschädigten Autos auf dem Parkplatz, ein Wachhäuschen, zerstachen die Reifen eines Regierungstransporters und zerstörten eine Überwachungskamera. Als ein Polizist eintraf und seine Waffe zog, feuerte einer der Aktivisten aus dem Wald mit einem AR-15-Gewehr und traf den Beamten an der Schulter. Der Polizist überlebte.“
Der Hauptangeklagte Benjamin Song, der zu 100 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, gab in einer Erklärung an, „auf den Polizisten, Leutnant Thomas Gross, geschossen zu haben, weil Gross seine Waffe gezogen hatte und Song glaubte, dieser wolle einen Demonstranten erschießen.
,Ich will nie wieder erleben, wie gute Menschen, die für ihre Überzeugungen einstehen, auf offener Straße erschossen werden‘, sagte er. ,Nun wurden 21 Menschen verhaftet, verfolgt und bestraft. Weil sie mich kennen oder mit mir befreundet sind? Das ist falsch. Das ist Massenbestrafung. Kollektivbestrafung. Das ist Sippenhaft. Das ist Ungerechtigkeit.‘“
Neben absurden „Beweisen“ wie einer Druckerpresse sind die Urteile in den USA – wie in der Weimarer Republik aus Sicht von Julius Gumbel – gegen Linke und Rechte extrem unterschiedlich. Denn beim Sturm auf das US-Kapitol 2021 wurden Menschen durch Nazis getötet:
„Die Strafe für die Demonstranten übertrifft die längsten Haftstrafen, die für den Angriff auf das Kapitol am 6. Januar verhängt wurden. Enrique Tarrio, der Anführer der Proud Boys, wurde wegen aufrührerischer Verschwörung zu 22 Jahren Haft verurteilt. Stewart Rhodes, der Anführer der rechtsextremen Gruppe Oath Keepers, erhielt eine Haftstrafe von 18 Jahren.“
Direkt nach Trumps Amtsantritt 2025 wurden die Nazis begnadigt. -
Freitag, 26.06.2026
Aufstehen gegen Rassismus (agr) Offenburg berichtete am 11. Juni 2026 von der Verhandlung gegen Florian Stech vor dem Amtsgericht Oberkirch im Ortenaukreis. Stech hatte beim Plakatieren für die AfD mit seinem Sohn im Wahlkampf zur vorgezogenen Bundestagswahl im Februar 2025 eine junge Mitarbeiterin der Stadtverwaltung gefilmt, als sie AfD-Plakate von Verkehrsschildern entfernte. Wegen des Verbreitens von diesem Video in der AfD-WhatsApp-Gruppe von Taras Maygutiak wurde Stech nun zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätze à 25 Euro wegen Verstößen nach § 22, 23 und 33 KunstUrhG verurteilt.
agr berichtet: „Die dort [in der WhatsApp-Gruppe] auch namentlich genannte Angestellte erreichten üble Beschimpfungen, Vergewaltigungswünsche und Morddrohungen mit der Ausschreibung eines Kopfgeldes von 25.000 Euro: Bundesweit laufen noch immer mehrere Dutzend Ermittlungsverfahren. Auch seien sie und ihre kleine Tochter bei einem Schwimmbadbesuch einmal von Stech bedrängt worden, erzählte sie dem Richter.“
Der ehemalige NPDler Stech ist sehr umtriebig in Oberkirch. So versuchte er bei der Kreistagswahl 2019 bei der FDP erfolglos sein Glück, die ihn trotz Meldeadresse in Schwanau auf die Liste für den Wahlkreis Oberkirch-Renchtal schrieben. Mehr Erfolg hatte er bei der Wahl des Elternbeirats der Realschule Oberkirch, in dem er zumindest für das Schuljahr 2023/2024 stellvertretendes Mitglied war. Nach der Verhandlung kündigte Florian Stech in einer öffentlichen Oberkircher Facebookgruppe schon das Einlegen der Berufung zusammen mit seiner Anwältin Christina Gröbmayr an. Stech hatte hier – anders als in der Verhandlung, wo er sich weder zur Sache noch zur Person selbst äußerte – großen Gesprächsbedarf und outete in der Diskussion die Mitarbeiterin mit vollem Namen. -
Samstag, 27.06.2026
Am 15. April 2026 erschien auf Rhein-Main Rechtsaußen der Artikel „Herzdeutsch mit Hitler-Spirit“ zu dem 80-jährigen US-amerikanischen Verschwörungsideologen und ehemaliger Captain der US-Army William Toel veröffentlicht:
„Der Verschwörungsideologe William Toel sieht sich vom selben Geist erfüllt wie Adolf Hitler. Er schreibt Bücher, ist Gesprächspartner in extrem rechten Medien und reist mit Vorträgen durchs Land. Seine AnhängerInnen treten unter den Labels Herzdeutsch, Frauen-Schutz-Bewegung und Mütter für Frieden auf. Sie veranstalten unter anderem deutschlandweit »Mahnwachen« für den Frieden – auch im Rhein-Main-Gebiet. Hinter der Fassade von Friedensbotschaften und Herzchen-Symbolik verbreiten sie NS-relativierende Propaganda und Geschichtslügen.“
Seit der Corona-Pandemie 2021 flutet der frömmelnde Deutschtümler Toel „YouTube mit seinen Vorträgen und Statements, meldet sich ständig in rechten Medien zu Wort bzw. wird dort beworben und rezipiert. Im Interview mit dem extrem rechten Senders AUF1 im März 2025 erzählt er, er habe er seit 2021 exakt 431 Treffen in Deutschland abgehalten.“ Zum Beispiel gab es von „Herzdeutsch“ im Mai 2024 in 19 deutschen Städten Veranstaltungen. Das Markenzeichen der „Herzensmenschen“ sind rote Regenschirme.
Zum Rhein-Main-Gebiet schreiben die Antifas: „Führende OrganisatorInnen der regionalen Stammtische und Toel-Veranstaltungen sind das Ehepaar Renate und Markus Hammerschmidt aus Gensingen. Weiterhin treten im Rhein-Main-Gebiet in organisatorischer Funktion unter anderem die »Business-Coach« Britta Eremit aus Bad Homburg und der Frankfurter Jurist Gunnar Graf auf. Graf ist in ganz Deutschland und Österreich an Aktionen der Herzdeutsch-Gemeinschaft beteiligt und fungiert auch als Übersetzer und Regenschirmhalter für William Toel bei dessen Reden.“ Auf einem Foto aus Linz ist Graf zusammen mit Lisa Toel zu sehen, der Ehefrau von William Toel, die ihn oft auf seinen Propagandareisen begleitet.
Gunnar Graf ist „Alter Herr“ der „Landsmannschaft Hercynia Frankfurt“ und der „Landsmannschaft Darmstadtia Gießen“ im „Coburger Convent“. In „Querdenker“-Kreisen wurde ein Vortrag des Ex-Bankers Gunnar Graf am 15. November 2025 bei der Jahresmitgliederversammlung der „Friedrich-List-Gesellschaft e.V.“ seines Verbandsbruders Hansjörg Müller beworben. Bei dem Vortrag im Congress Centrum Würzburg war Graf der Festredner – in seiner üblichen Rolle als Finanzprophet. Wieso er sich für einen hält? Gunnar Graf ist Multimillionär. -
Sonntag, 28.06.2026
In den USA wurde am 11. Juni 2026 Mobiltelefone hunderter Protestierender gegen die rassistische Einwanderungspolizei ICE nach Massenverhaftung in Spokane im nord-westlichen Bundesstaat Washington von der örtlichen Polizei beschlagnahmt. Doch die Handys von 23 Personen – im Vorfeld vom FBI offenbar aufgrund ihrer Social Media-Postings identifiziert – wurden von den lokalen Polizeibehörden heimlich ans FBI weitergegeben. Benachrichtigt über diese Maßnahmen wurden die Protestierenden nicht von einer Behörde, sondern von Apples Warnmeldung eines iCloud-Einbruchsversuchs aus Seattle, dem Ort des nächstgelegenen FBI-Büros. Die Bundesbehörden hatten in diesem Fall im Wesentlichen eine Carte Blanche zur Verfolgung ihrer politischen GegnerInnen, wie das bekannte linksliberale US-Magazin Mother Jones berichtet:
„Eine Untersuchung von Mother Jones bestätigt nun, dass das FBI Software der israelischen Firma Cellebrite einsetzte, um heimlich Daten von den Handys von Bray-Waters und mindestens einem Dutzend weiterer Demonstranten zu extrahieren. Einen Monat später wurde eine dieser Demonstrantinnen, Thalia Ramirez, im Rahmen des sogenannten ,Spokane Nine‘-Falls angeklagt. Die Bundesregierung klagte in diesem Fall neun Personen wegen ,Verschwörung zur Behinderung oder Verletzung‘ von Polizeibeamten bei den Protesten vom 11. Juni an. Die Anklagen gegen alle anderen Demonstranten, deren Handys im Juni ausgelesen wurden, wurden von den Stadt- und Kreisgerichten umgehend fallen gelassen.“
Ohne im Besitz der notwendigen Durchsuchungsbefehle zu sein, agierte die mächtige US-Bundespolizei vorsätzlich illegal und politisch motiviert. Die Mother Jones-Autorin Schuyler Mitchell schreibt weiter:
„Ich habe hunderte Seiten Polizeiberichte aus Spokane zu den Protesten vom 11. Juni gesichtet, die ich über eine Anfrage nach öffentlichen Dokumenten erhalten und Mother Jones zur Verfügung gestellt habe. Ein Dokument, eine Akte über beschlagnahmte Gegenstände der Stadt Spokane, listet zahlreiche Handys und persönliche Gegenstände auf, die von Demonstranten sichergestellt wurden, sowie einen Umschlag des FBI-Sonderagenten Kevin Loader mit einer Festplatte, auf der Daten von 13 Geräten gespeichert waren. Ich habe die den Geräten zugeordneten Nummern mit Telefon-Erfassungsformularen und anderen Dokumenten aus den öffentlichen Akten abgeglichen, um die Besitzer der Handys zu ermitteln.
‚Wenn jemand wegen seines Handys anruft, teilen Sie ihm mit, dass es noch zu Ermittlungszwecken beschlagnahmt wird‘, heißt es in einem Eintrag vom 13. Juni oben auf der Akte. ,Schicken Sie ihn nicht an das FBI und teilen Sie ihm nicht mit, dass sich das Handy beim FBI befindet.‘“ -
Montag, 29.06.2026
Die Antifaschistische Recherche Oberberg (AROB) hat einen Rechercheartikel zu einem „Burschen-Treffen in Lohmar“ inklusive Fotos veröffentlicht:
„Ein Dutzend Burschen fand sich am 20.06.2026 nachmittags in der Borgster’s Erlebnisbrauerei in Lohmar (Rhein-Sieg-Kreis) bei deren ,Mittsommer-Event‘ ein.“
Anwesend waren neben Korporierte der „Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ in der „Deutschen Burschenschaft“ (DB), die das Treffen organisiert hatten, auch Korporierte der „Nationalistische Studentenvereniging“ (NSV) aus Belgien:
„Drei der ,Alten Herren‘ stiegen in einen privaten Kleinwagen mit belgischem Kennzeichen. Den Farben ihrer Bänder nach handelte es sich nicht nur um Raczeks, denn zwei von ihnen trugen passend zum Nummernschild außerdem Bänder der flämischen Nationalistische Studentenvereniging (NSV).“
Interessanterweise hat ein alter Bekannter einen neuen Namen: Matthias Eder (geb. Matthias Müller). Der Nazi sammelt Namen wie Bänder:
„Gleich mit drei Bändern dekoriert fand sich in einem Wiesbadener Mietwagen Matthias Eder ein, bekannter unter seinem früheren Namen Matthias Müller. Eder ist ,Alter Herr‘ der Raczeks zu Bonn, der Dresdensia-Rugia Gießen und der Dresdensia Leipzig.
Eder war schon früh aktiv in der extrem rechten Jungen Landsmannschaft Ostpreußen (JLO). Unter anderem deswegen, aber auch wegen der Teilnahme an Seminaren und Demonstrationen der NPD und als Autor der Jungen Freiheit musste er 2006 von seinem Amt als stellvertretender Vorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) in der Universität Gießen zurücktreten. Zu dieser Zeit war er außerdem Sprecher der Dresdensia-Rugia Gießen.
2011 wurde Eder / Müller ausgerechnet am 20. April (Adolf Hitlers Geburtstag) von Thomas Gruber zu einem Schießtraining eingeladen. Gruber ist ehemaliger Fallschirmspringer der Bundeswehr, hält die AfD für die ,letzte evolutionäre Chance für unser Land‘ und ist heute Leiter des baden-württembergischen Landesfachausschuss für Außen- und Sicherheitspolitik, Entwicklungshilfe und Außenwirtschaft der AfD.
Eder übernahm im zivilen Leben 2019 die Leitung des Geschäftsbereiches Information und Kommunikation von Plastic Europe Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main, damals noch als Matthias Müller. Erst in der Zeit danach muss er sich in Matthias Eder umbenannt haben.“
Weitere anwesende „Raczeks“ waren Niklas Drove, Hans Kornstädt, Carlo Frank und Moritz Hillesheim sowie der Neuzugang Jonas Rasmussen. Welcome on board!
„Aus dem AfD-Kreisverband Rhein-Sieg, OV Sankt Augustin war außerdem John-Luca Pletschen vertreten. Noch am Samstagmorgen vertrat er seinen Ortsverband bei einem Parteistand in Sankt Augustin. Anschließend ließ er sich in Lohmar absetzen, wo er sich als Erster des Treffens einfand.“ -
Dienstag, 30.06.2026
Die Gesellschaft für Freiheitsrechte hat ein AfD-Gutachten veröffentlicht mit dem wenig überraschenden Ergebnis: „Die AfD ist nachweislich verfassungswidrig.“
Das Gutachten basiert auf der AfD-Datenbank von FragDenStaat. Die GFF fordert selbst kein Verbot, doch das Gutachten dürfte den Druck auf die Politik erhöhen, ein Verbot zumindest zu prüfen. Letztlich zeigt das Gutachten, dass ein Verbot eine politische Entscheidung wäre, keine juristische.
Die taz schreibt: „Das Bundesverfassungsgericht kann eine Partei verbieten, wenn sie darauf abzielt, Demokratie, Rechtsstaat oder Menschenwürde zu beseitigen oder zu beeinträchtigen. Das GFF-Gutachten sieht gleich zwei Verbotsgründe: Der demokratische Wettbewerb würde bei einer AfD-Machtübernahme erheblich beeinträchtigt, und es wären systematische Verletzungen der Menschenwürde zu erwarten.“