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Freitag, 01.05.2026
Vom 22. bis 26. Mai 2026 findet in Coburg der „158. Coburger Pfingstkongress“ statt. Wir veröffentlichen zur besseren Vorbereitung antifaschistischer Proteste die Tagungsunterlagen 2026 des „Coburger Convents“. Darin heißt es:
„Die Einschränkung der Informationspflicht zur Rechnungslegung im Verband wurde mit dem Hinweis sorglosen Umganges mit drei Kongreßmappen gerechtfertigt, die im Jahr 2022 in zwei Restaurants und einem Café in Coburg aufgefunden wurden.
Gemäß dem CGC-Protokoll 2025 wurden die Kongreßunterlagen im letzten Jahr wenige Stunden nach Übersendung an die Vereinigungen des Coburger Convents von der Antifa Freiburg veröffentlicht, vermutlich aufgrund einer Weitergabe von Seiten einzelner Empfänger als Mitglieder des CC.
Aufgrund des genannten Geheimnisbruchs hat der Vorstand inzwischen beschlossen, wie in den letzten Jahren über die Haushaltszahlen nicht mehr in der Kongreßmappe schriftlich zu informieren, sondern die Haushaltszahlen lediglich eine Stunde vor den Conventen für alle Conventsteilnehmer zur Einsichtnahme auszulegen.“
Deswegen nicht vergessen: „Bitte behandeln Sie diese Tagungsunterlagen vertraulich!“ -
Samstag, 02.05.2026
Der AfD-Landesverband Baden-Württemberg unter den Vorsitzenden Markus Frohnmaier und Emil Sänze hat den Kreisvorstand des AfD-Kreisverbands Stuttgart mit sofortiger Wirkung abberufen. Die Übergabe sämtlicher Daten an einen „Notvorstand“ soll bis zum 4. Mai 2026 abgeschlossen sein.
Der Grund ist profane Selbstbereicherung in Höhe mehrerer zehntausend Euro. Es habe „merkwürdige Überweisungen“ gegeben. Welches Chaos (oder Reichtum) muss herrschen, um Banküberweisungen in dieser Höhe nicht eindeutig zuordnen zu können?
Jedenfalls sieht auch die AfD „erhebliche organisatorische und finanzielle Klärungsbedarfe“, wohin denn nun die 39.200 € vom Parteikonto verschwunden sind. Die Nazipartei gab bekannt, dass die Polizei nach einer Anzeige des Kreisvorstands wegen Betrugsvorwürfen ermittele.
Presse: Spiegel | SWR | Zeit | BZ -
Sonntag, 03.05.2026
In Bingen am Rhein in Rheinland-Pfalz stach am 15. Februar 2023 ein Korporierter auf ein Mitglied der „Studentenverbindung Rhenania Bingen“ ein. Sowohl der Name des Täters als auch seine Korporation waren damals unklar. Genau wie sein Motiv, das auch aktuell vor Gericht bisher keine Rolle spielt.
Denn mehr als zwei Jahr nach der Tat hat der Prozess vor dem Landgericht Mainz gegen den heute 26-jährigen Täter Florian Kanz aus Langen begonnen. Ihm wird versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen – nicht aber versuchter Mord. Kanz war zum Tatzeitpunkt Mitglied der „Burschenschaft Rheinfranken Marburg“ in der „Deutschen Burschenschaft“ und außerdem Bundeswehrsoldat.
Eigentlich war Florian Kanz in Bingen zu Besuch bei der verbandsfreien „Landsmannschaft Rheno Teutonia“, mit denen er zu später Stunde einen „Coleurbummel“ machte. Der Brauch erlaubt es Korporierten, sich bei anderen Verbindungen selbst einzuladen, inklusive und insbesondere zu kostenlosem Bier. Nicht so üblich war die Aufmachung des Täters: eine Flecktarnuniform der Bundeswehr.
Schließlich landeten Kanz und seine Gastgeber beim „Technischen Ruderverein Rhenania“, wo sie auf Kosten der Ruderer um die Wette soffen. Dort erwähnte das spätere Opfer, dass er „im AStA der TH Bingen ehrenamtlich aktiv“ sei, einem eher linken AStA.
Die Allgemeine Zeitung Mainz schreibt über den weiteren Verlauf des Abends: „Es hatte dann Diskussionen über Transgender, Semesterticket und AStA gegeben und darüber, ,dass wir eine nichtschlagende, gemischtbunte und sehr offene Verbindung sind. Jeder kann kommen‘, erzählte der 23-Jährige und erinnerte sich, der Angeklagte sei irgendwann zur Toilette gegangen.
Als er von dort zurückkam, habe er ihn mit einem Klappmesser und den Worten ,Er hat uns verraten‘ attackiert. Ein Stich ging in die Brust, drei weitere Stiche in den Rücken, als das Opfer die Flucht ergriff und sich in das angrenzende WG-Wohngebäude retten konnte. [...]
Zwar war der 23-Jährige damals nicht lebensgefährlich verletzt worden, das Opfer leidet nach eigener Aussage aber bis heute an den psychischen Folgen der Tat. Er habe sich nicht mehr auf sein Studium konzentrieren können und es aufgeben müssen, er habe Schlafstörungen und Albträume, er habe Angst, allein im Haus zu sein oder allein auf die Straße zu gehen. Der Prozess wird fortgesetzt.“
Presse: Frankfurter Rundschau 1 | Frankfurter Rundschau 2 | Endstation Rechts | Allgemeine Zeitung Mainz (Archiv) -
Montag, 04.05.2026
Das Nazitreffen in der Ortenberger Jugendherberge vom 1. bis 3. Mai 2026 hat mit „100 fast ausschließlich männlichen Teilnehmern“ stattgefunden, die „an einer neuen, rechten Vision für die EU“ arbeiten, „mit dem Ziel, 2029 bei der Europawahl anzutreten“, wie die Badische Zeitung schreibt. Eingeladen hatte das rechtsradikele Projekt „Ave Europa“, Hauptredner war der belgische Nazihistoriker David Engels.
Die Presse hatte trotz vorheriger Akkreditierung keinen Zutritt, so dass die BZ Daniel Silva, dem „Marketingverantwortlichen von Ave Europa“, außerhalb der Jugendherberge eine Plattform bot: „Silva kam von sich aus auf Neurechte Personen im Programm der Veranstaltung zu sprechen. Diese seien dort nur wegen ihrer Expertise, zum Beispiel der Erfahrung im Krieg für die Ukraine und gegen Russland, sagt er.
Er meint Tim Schramm, einen AfD-Kommunalpolitiker, der von der Partei ausgeschlossen wurde, im Schiedsgericht wieder Mitglied wurde und nun erneut wegen Nähe zu einem NPD-Funktionär aus der Partei fliegen soll. Schramm hat selbst ausgesagt, bis zur Wahl in Sachsen-Anhalt nicht mehr öffentlich über seinen Kampfeinsatz in der Ukraine zu referieren.
Er war nicht der einzige Ukraine-Veteran in der Jugendherberge: Auch Nikolaus Muchitsch von der FPÖ war im Kampfeinsatz in der Ukraine und Teil des Panels. Auf die Kontakte und Ähnlichkeiten zu der Identitären Bewegung angesprochen, erklärt Silva, dass deren prominentester Vertreter, Martin Sellner, ,in einer Sackgasse steckt und dieser sich ideologisch verrannt hat.‘ Ave Europa, sagt Silva, sei hingegen nicht links oder rechts.“
Das passt doch wie die Faust aufs Auge der Gastgeberin zu ihrem Motto: „Die Jugendherbergen in Deutschland. Jeden Tag eine gute Entscheidung für eine bessere Welt.“ -
Dienstag, 05.05.2026
Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat das Verbot der „Artgemeinschaft“ durch die damalige SPD-Bundesinnenministerin Faeser im September 2023 bestätigt. Die Naziorganisation, die mit vollem Namen „Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e. V.” heißt, wurde vor Gericht von dem bekannten Nazianwalt Wolfram Nahrath vertreten.
Anders als das Verbot des Nazinetzwerks der „Hammerskins“ eine Woche vor der „Artgemeinschaft“ im September 2023, das im Dezember 2025 vom Bundesverwaltungsgericht aufgehoben wurde, und das Verbot des Nazimagazins „Compact“ im Juli 2024, das im Juni 2025 aufgehoben wurde, bleibt also ausnahmsweise mal ein staatliches Verbot einer Naziorganisation bestehen.
Presse: Endstation Rechts | LTO | DLF | Zeit | taz | FAZ -
Mittwoch, 06.05.2026
Der Inlandsgeheimdienst „Bundesamt für Verfassungsschutz“ (BfV) und die für IT-Sicherheit zuständige Bundesbehörde „Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik“ (BSI) warnten erst im Februar 2026 in einer gemeinsamen Pressemitteilung vor Social Engineering-Angriffen über den Messengerdienst Signal, obwohl bereits seit September 2025 ein großangelegter Social Engineering-Angriff läuft:
„Dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) liegen aktuelle Erkenntnisse vor, denen zufolge ein wahrscheinlich staatlich gesteuerter Cyberakteur Phishing-Angriffe über Messengerdienste wie ,Signal‘ durchführt. Im Fokus stehen hochrangige Ziele aus Politik, Militär und Diplomatie sowie Investigativjournalistinnen und -journalisten in Deutschland und Europa. Der unberechtigte Zugriff auf Messengerkonten ermöglicht nicht nur die Einsicht in vertrauliche Einzelkommunikation, sondern potentiell die Kompromittierung ganzer Netzwerke.“
Die Warnung wurde Ende April erneuert, niederländische Geheimdienste vermuten Russland als Urheber der Kampagne. Anlass für die erneute Warnung dürfte einer der erfolgreichsten bekannten IT-Angriffe auf deutsche PolitikerInnen gewesen sein. Betroffen sind alle Fraktionen – bis auf die russlandfreundliche AfD.
Konkret wurde die Übernahme des Signal-Kontos von CDU-Bundestagspräsidentin Julia Klöckner bekannt, die auch Mitglied im CDU-Präsidium ist. Weitere Opfer sind CDU-Bildungsministerin Karin Prien und SPD-Bauministerin Verena Hubertz.
Die Angreifer nennen sich „Signal Support“ und fordern ihre Opfer in einem privaten Chat auf, die PIN ihrer Registrierungssperre einzugeben. Diese PIN verhindert gewöhnlicherweise für eine Woche, dass ein Signal-Account für eine Nummer reregistriert werden kann. Wenn diese PIN allerdings in einem Chat den Angreifern frei Haus geliefert wird, dann können nach einer erneuten Registrierung der Nummer alte Nachrichten gelesen und neue geschrieben werden. Das Handelsblatt schreibt:
„Es gibt Hunderte weitere Betroffene. Ihre Chats konnten seit dem Vorfall mitgelesen werden, und auch alles, was sie in den 45 Tagen zuvor geschrieben und gesendet hatten.“ -
Donnerstag, 07.05.2026
Am 29. März 2025 machte Niklas Hötzer, selbsternannter „Oberchorbannführer“ des „Freichors“, seinen Sängerknaben den Vorschlag, dass der Nazichor Mitglied des „Bundesmusikverband Chor & Orchester“ werde. Auch der „Männergesangverein Untermünstertal 1888“, den Hötzer ebenfalls leitet, ist Mitglied im „Dachverband der Amateurmusik“. Der Vorschlag stieß bei Markus Weckesser auf heftige Gegenliebe:
„Lieber Niklas,
schön, dass Du so vorbehaltlos quer denkst!
1. nachdem unsere Intention neben Freude am Entdecken bislang unbekannt gebliebener Kehlkopfregionen auch und gerade der Erwerb deutschen Kulturgutes ist, wäre der ,Anschluss‘ an einen Traditionsverein deutschen Kulturgutes grundsätzlich einen Versuch wert.
Ich persönlich finde das Angebot des Vereins - so wie Du es uns mitteilst – liberal und undogmatisch – also genau so, wie wir uns m. E. auch persönlich verstehen.
Bzgl. Finanzen sollte man konkrete Zahlen kennen – auch was die damit einhergehenden Bedingungen angeht. Der Präsident des deutschen Chorverbandes war es, der einmal als Bundespräsident – völlig ohne Not und Einfluss von außen – den ,Islam als Teil Deutschlands‘ bezeichnete, ohne damit sogleich eine Ablehnung gegen den Verband an sich insinuieren zu wollen: deutscher-chorverband.de/verband/praesidium
2. Natürlich juckt es jeden von uns, auch und gerade durch das Erheben der Stimme ggf. politisch wirksam zu werden und wer Eier hat, macht das in diesen Zeiten gerade auch für die einzige patriotische Opposition – ohne sich damit zugleich parteipolitisch binden zu wollen. Gleichwohl sollte man das Für und Wider vor einer öffentlichen Darstellung zuerst einmal intern erörtern, um die Befindlichkeiten abzufragen.
Die Vorstellung, dass wir als der ,gesichert extrem blauste Freichor‘ geframed werden, macht mich persönlich im grünwoken Sumpf allein aus Gründen des Nonkonformismus ziemlich sangesfreudig.
3. Gerne hätte ich die neue Probestätte ausprobiert (die Akustik scheint großartig!), bin aber komm. Freitag beruflich in Heidelberg, so dass ich erst wieder am Karfreitag (oder einem anderen Tag) zum Singen kommen könnte – kommen will!
cantat!
Markus, 2. Tenor“
Auf Xing wirbt Weckesser für sich mit dem Slogan „Freiberuflich, Freier Architekt, W²-Architekturbüro“. Die Adresse von Weckessers Architekturbüro lautet formal Stohren 6 in 79244 Münstertal, allerdings befindet sich Stohren näher am Schauinsland als am Münstertäler Ortskern, also mitten im Schwarzwald.
Markus Weckesser grüßte im „Freichor“-Chat mit „Heil deutschem Wort und Sang!“ (Screenshot). Wes Geistes Kind Weckesser ist, war wirklich kinderleicht herauszufinden:
„Hier mal ein intellektueller Lackmustest für alle Chorknaben und Münstertäler Vereinsfunktionäre:
[Link zum „Panzerlied“ aus dem Film „Die letzte Schlacht“ von 1965 über die Ardennenoffensive im Winter 1944/45]
Wer könnte sich vorstellen, auch einmal so ein Soldatenlied – wie ich es noch in meiner aktiven Bw-Dienstzeit (1987-89) – und ganz ohne Beobachtung des Verfassungsschutzes! – im Rahmen der öffentlichen Vereidigung einstudieren durfte – öffentlich zu singen?“ (Screenshot)
Weckesser geht es dabei „zunächst um eine eigene Gewissensprüfung, um einfach mal die ideologischen Grenzen- bzw. -losigkeit zwischen ,Islam gehört zu Deutschland‘ und ,Wehrmachtssoldatenlied‘ auszuloten.
Als Kanon ließe sich das Lied sicher auch noch künstlerisch veredeln, wenn es darum geht, sich nicht des Vorwurfes tumber sozialistischer Kriegspropaganda aussetzen zu wollen.“ (Screenshot)
Am 29. Mai 2025 postete der Dreisamtal-Schwurbler Adrian Kempf eine weitere Variante von „Wenn die bunten Fahnen wehen“. Entstanden ist das schauerliche 3. Fahnen-Video auf dem Schauinslandturm. Markus Weckesser steht ganz links, also in dem Video.
Am 22. Juni 2025, dem Tag nach Mandic’ Hochzeit, schlug Weckesser eine schwarz-weiß-rote Fahne als Logo für den „Freichor“ vor und machte einen kleinen Reichsbürgerwitz: „Hier noch die Bildvorlage für alle zur freien Verwendung für Türklingeln, Büroschilder, Hauswurfsendungen, insta-Statusanzeigen und zur Vorlage bei der nächsten Ausweiskontrolle.“ (Screenshot) -
Freitag, 08.05.2026
Ende April 2026 berichtete die Sächsische Zeitung erneut über den Dresdner Staatsanwalt Mike Ulbricht. Gegen diesen läuft ein Disziplinarverfahren, „weil er im vergangenen November einen Vortrag vor Rechtsextremen gehalten hat. Das erfuhr die Sächsische Zeitung aus Justizkreisen.“
Mike Ulbricht hatte auf Einladung von Dubravko Mandic einen Haufen Nazis in Baden-Baden geschult, die anschließend als Verteidiger die Dresdner Oberlandesrichter im Verfahren gegen die „Sächsischen Separatisten“ hart angriffen. Die Jungle World schrieb dazu Ende Februar:
„Ein Staatsanwalt, der Rechtsextreme und Nazis in Sachen Volksverhetzung juristisch berät? Die Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag hat dazu eine Kleine Anfrage gestellt, die Beantwortung steht noch aus. Staatsanwalt [Ulbricht] hat auf Anfrage der Sächsischen Zeitung seinen Vortrag bestätigt und mitgeteilt, er folge »grundsätzlich jeder Einladung, um über meine wissenschaftliche Arbeit ins Gespräch zu kommen«. Vom rechten Hintergrund des Gastgebers will er nichts gewusst haben, auch sonst habe sich niemand »als Rechtsextremist zu erkennen gegeben«.
Ob man Rechtsextreme als solche erkennt, ist ja auch immer eine Frage des eigenen Standpunkts. Mike [Ulbricht] hat zumindest selbst eine burschenschaftliche Vergangenheit und in seiner Dissertation betrachtet er, wie es im Vorwort heißt, kritisch und ohne »in politische Korrektheit gekleidete Denk- oder Sprachtabus« den Absatz 4 des Volksverhetzungsparagraphen (§ 130 StGB).
Darin ist die Bestrafung für die Billigung, Verherrlichung oder Rechtfertigung der nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft festgelegt. Nach Meinung des Staatsanwalts handelt sich hierbei um eine »feindstrafrechtliche Norm«, womit eine Art Sonderstrafrecht zur Bekämpfung von Feinden gemeint ist. Interessanterweise warf Mandic nun im Prozess in Dresden den Richter:innen »Feindstrafrecht« vor.“
Offenbar läuft noch ein zweites Disziplinarverfahren gegen den Nazistaatsanwalt, wie die Sächsische Zeitung schreibt:
„Mike [Ulbricht] soll bereits 2022 seine Beurlaubung aus dem Justizdienst beantragt haben. Der Grund: Wie die Sächsische Zeitung aus Justizkreisen erfuhr, wollte er zu dieser Zeit als juristischer und parlamentarischer Berater für die AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag arbeiten.
Das sächsische Justizministerium soll den Antrag damals abgelehnt haben. Mike [Ulbricht] habe gegen die Ablehnung seiner Beurlaubung geklagt und von ,politischer Willkür‘ gesprochen, wie die ,Junge Freiheit‘ schreibt. Auch deswegen soll ein Disziplinarverfahren gegen [Ulbricht] laufen. Beamte sind zu Loyalität und Mäßigung gegenüber ihren Dienstherren verpflichtet.“
Also wir finden ja, dass dieser Fall mehr Öffentlichkeit verdient hat. Es gibt schließlich noch einiges zu erzählen.
Pressespiegel: knack.news -
Samstag, 09.05.2026
Der Mord im Hotzenwald an Mahdi ben Nacer wird juristisch neu aufgerollt, dieses Mal tatsächlich als Mordprozess gegen den Täter Patrick Eichelberg. Der Fall wurde vom Bundesgerichtshof an das Landgericht Waldshut-Tiengen zurückverwiesen. Allerdings wird der Prozess „in der zweiten Septemberhälfte“ in Freiburg stattfinden, wie die Badische Zeitung berichtet:
„Das erste Urteil des Landgerichts hatte der Bundesgerichtshof einkassiert. Nach Ansicht der Richter in Karlsruhe hatten die Waldshuter Kollegen es versäumt, ,das Mordmerkmal der Heimtücke rechtsfehlerfrei auszuschließen‘. Der Maulburger Patrick [Eichelberg], der die Tat gestanden hatte, wurde im November 2024 vor dem Landgericht Waldshut zu sechs Jahren und zehn Monaten wegen Totschlags verurteilt. Sowohl die Nebenklage als auch Patrick [Eichelberg] hatten daraufhin Revision eingelegt. Wie es in der Begründung der Revisionsentscheidung des BGH weiter heißt, sei das Landgericht bei seiner Prüfung der Arg- und Wehrlosigkeit ,vom falschen Zeitpunkt ausgegangen‘. Um die Tat ,umfassend neu zu prüfen‘, wurde nun eine andere Kammer des Landgerichts mit dem Fall beauftragt. ,Das Landgericht wird sich auch erneut mit der Frage zu befassen haben, ob ein niedriger Beweggrund vorliegt.‘ Das Strafmaß würde bei Mord höher ausfallen.“
Laut RDL findet der Prozess im Prozessgebäude des OLG Karlsruhe statt. Die Freiburger Außenstelle befindet sich in der Heinrich-von-Stephan-Straße 3, statt. Doch nicht nur der Ort des Prozesses wurde geändert, auch der Chef der Staatsanwaltschaft wurde ausgetauscht, da er praktischerweise das Rentenalter erreicht hat. Die Pressestelle des baden-württembergischen Justizministeriums gibt bekannt:
„Die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen hat einen neuen Leiter. Tomas Orschitt wechselt als neuer Leitender Oberstaatsanwalt von der Staatsanwaltschaft Freiburg – Zweigstelle Lörrach – an die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen und tritt dort die Nachfolge von Leitendem Oberstaatsanwalt Michael Mächtel an.“
Die Maßnahmen treffen die Verantwortlichen des empörenden Deals, der mitschuldig macht – mit Ansage. Aus einem Nazimord wurde ein Justizmord – unter Beobachtung. -
Sonntag, 10.05.2026
Am 1. April 2026 endete der zweite Prozess gegen die Eisenacher Nazigruppe „Knockout 51“ vor dem Oberlandesgericht Jena mit milden Verurteilungen – die Generalbundesanwaltschaft hatte Haftstrafen zwischen drei und fünf Jahren gefordert. Der BGH hatte im Februar entschieden, dass die Nazigruppe nicht als terroristische Vereinigung gemäß § 129a StGB, sondern lediglich als kriminelle Vereinigung gemäß § 129 StGB angesehen werden dürfe.
Der 27-jährige Nazi Kevin Noeske erhielt als Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung zwei Jahre und neun Monate Haft. Marvin Wolf wurde wegen Mitgliedschaft und der Beihilfe zur Herstellung einer Waffe zu zwei Jahren Haft ausgesetzt für drei Jahre zur Bewährung verurteilt. Patrick Wieschke, Kreisvorsitzender der Nazipartei „Die Heimat“ (ehemals NPD) im Eisenach-Wartburgkreis, wurde als Unterstützer zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt, ebenfalls für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Die Antifagruppe „We’re watching you, 51“ schreibt zu dem Prozess:
„Bereits der erste Prozess gegen Leon Ringl, Eric Krempler, Maximilian Andreas und Bastian Adam stellte in seiner Verkürzung auf wenige Taten und bloß vier Angeklagte eine starke Verzerrung der Eisenacher Realitäten unter dem Alltagsterror der örtlichen Neonaziszene dar. Alleine Knockout 51 sind zweitweise über zwanzig Personen zuzuordnen gewesen, von denen wiederum ein gutes Dutzend unmittelbar an den verschiedenen Taten und am Aufbau der Gruppenstruktur beteiligt war.
Weil die Bundesanwaltschaft sich für eine sehr verkürzte Anklage gegen wenige Exponenten entschied, entkamen viele HelferInnen der Öffentlichkeit eines Strafprozesses wegen Terrorverdachts. Dabei steht hinter den angeklagten Taten und der Gruppenstruktur eine ganze Szene überwiegend junger Neonazis, die bei bestem Wissen am Terror mit Tötungsabsichten gegen Linke mitgewirkt haben. Im Folgenden soll ein wenig Licht ins Dunkel dieser Eisenacher Zustände gebracht werden, die auch zwei Strafprozesse gegen wenige Kader von Knockout 51 überdauern werden.“
Portraitiert werden die „Knockout 51“-Nazis Nils Ackermann, Denis Kuzub, Florian Ott, Lauro Biastoch, Paul Biastoch, Mike Keding, Tommy Haasch, Thorben Pfotenhauer, Hannah Ringl, Benjamin Sode, Maximilian Hobert, Julian Matzke, Julian Nölker, Josephine Orthey, Lara-Louise Teßmann, Markus Walther, Marius Laudenbach, Steven Marx, Ulrike Eckern, Bastian Hausmann und Guido Bredau.
Presse: MDR | taz | Migazin | Belltower -
Montag, 11.05.2026
Das 1. Erika-Video des „Freichor im Breisgau“ entstand am 27. April 2025 im katholisch-rustikal holzvertäfelten Wohnzimmer von Max Kern, In den Spirzen 10 in 79274 St. Märgen im Schwarzwald. Besagter Kern schlug dem „Freichor“ am 16. März 2025 einen Klassiker der Aneignung deutscher Revolutionsgeschichte durch heutige Biedermänner vor: „Die freie Republik“.
Das Lied handelt von dem Ausbruch aus einem Frankfurter Gefängnis am 10. Januar 1837 von sechs Studenten, die nach dem Frankfurter Wachensturm am 3. April 1833 zu lebenslanger Haft verurteilt worden waren. Das Hambacher Fest hatte ein Jahr zuvor am 30. Mai 1832 stattgefunden.
Bekannter noch als „Die freie Republik“ ist das blutrünstige „Heckerlied“ von 1848, welches Text und Melodie referenziert: „Wenn die Leute fragen, lebt der Hecker noch? Könnt ihr ihnen sagen: Ja, er lebet noch. Er hängt an keinem Baume, er hängt an keinem Strick. Er hängt nur an dem Traume der deutschen Republik.“
Kern schrieb zur „freien Republik“: „Hier ist einer meiner Lieblinge. Lied zum Hambacher Fest. Spiele ich normalerweise am Lagerfeuer mit der Gitarre. Aber vielleicht auch gut im Männerchor ?!“
Doch Chorleiter Niklas Hötzer hatte andere Pläne für die Männer in der Etappe: die Mühen der Ebene. Alles weitere war in der Dropbox: „Kleines Update zur Dropbox! Ihr findet dort jetzt Übefiles und Noten zu ,Christenglaube‘ und ,Das Morgenrot‘! Bitte hört und schaut sie euch an!“
Aboopfer Dubravko Mandic glänzte mal wieder mit technischer Inkompetenz: „muss man die App herunterladen? Wieder ein neues Abo“.
Neben Sangeskunst stand bei Max Kern auch Wehrsport auf dem Programm: „KultUR - Brauchtumsgruppe-Kampfkunst: So werden auch manch welche von Uns Ihre Spielsachen auch mitbringen. Wem es düngt, der wird sich austoben können.“
Am 23. März 2025 scheiterte dann der Traum vom Nazimännerchor e.V. im „Bundesmusikverband Chor & Orchester“ am staatlichen Vereinsregister. Klar, wenn der Chor ein eingetragener Verein wäre, dann könnte die Antifa ja einfach die Namen der Vereinsvorstände beim Registergericht nachschauen!
„Männer, ich danke euch wiederum für euer fleißiges Mitsingen! Wieder haben wir 3 neue Stimmen dabei gehabt vor 2 Tagen!
Für die, die leider nicht dabei waren ein paar Updates:
1. Es gibt für unseren Chor 2 Namensvorschläge. Entweder ,Breisgauer Freichor‘ oder ,Freichor im Breisgau‘. Ich finde das Wortspiel mit ,Chor‘ und ,Korps‘ sehr lustig und gleichzeitig verkörpert es das revolutionäre Gedankengut unserer sängerischen Vorfahren. Über den endgültigen Namen kann beizeiten in einer Mitgliederversammlung abgestimmt werden.
2. Es gab gemischte Reaktionen auf meinen Vorschlag eine Vereinsgründung anzustreben aufgrund der damit verbundenen Eintragung unserer Namen ins Vereinsregister. Gottseidank bin ich mit dem Präsidenten des Badischen Chorverbands befreundet und kann ihn fragen, ob man dem Verband beitreten kann ohne ,e.V‘ zu sein.“ -
Dienstag, 12.05.2026
Die Zeit (Archiv | Disclaimer) berichtete am 23. April 2026 über den völkischen „Jungadler“, der erstmals Anfang 2025 im Zuge der Razzia bei dem damaligen Oberstaatsanwalt Günter Handke in Brandenburg und Berlin der Öffentlichkeit bekannt wurde. Handke wird die Fortführung der 2009 verbotenen Naziorganisation „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ) unter dem Namen „Jungadler“ vorgeworfen. Die Zeit schreibt:
„Der Jungadler war nie als Massenorganisation gedacht, eher als elitäres Projekt mit sorgsam ausgewählten Teilnehmern. Rund hundert lassen sich mithilfe der vorliegenden Dokumente über die Jahre zählen, gut vierzig von ihnen konnte die ZEIT identifizieren. Es sind keine frustrierten, perspektivlosen Neonazis in Springerstiefeln, sondern oft hochgebildete junge Männer und Frauen. Viele haben ein Einser-Abitur, haben bei Musik- oder Sportwettbewerben geglänzt. Nicht selten tragen sie altdeutsche Namen wie Sunhild oder Wieland und entstammen Elternhäusern, in denen das deutsche Volk als Rassegemeinschaft verehrt wird.“
Der Artikel beschreibt exemplarisch das Leben der Familie des mittlerweile toten Ralf Wilhelm aus Baden-Württemberg, von dem mindestens drei Kinder an Zeltlagern des „Jungadlers“ teilnahmen. Zuvor war die Familie in der am 10. November 1994 verbotenen „Wiking-Jugend“ aktiv, dann in der am 31. März 2009 verbotenen HDJ. Alle diese Organisationen gehen zurück auf die „Hitlerjugend“ (HJ) und ihr 1939 statuiertes Prinzip „Jugend wird durch Jugend geführt“:
„Um eine Jungadler-»Horte« zu leiten, musste man offenbar – wie einst in der Hitlerjugend – eine »Führerschule« absolvieren. 76 Jahre nach Kriegsende heißt es in einer Einladung zur »Praktischen Führerschule« des Jungadlers für Pfingsten 2021 in Frakturschrift: »Manche Dinge kann man hart oder weich erleben, wir erleben sie hart.«“
Andere der völkischen „Jungadler“-Familien haben laut Zeit Verbindungen zu der am 27. September 2023 verbotenen „Artgemeinschaft“. Für deren Zeitung schrieb unter anderem Wolf-Dieter Schröppe, der 1992 zusammen mit dem 2013 gestorbenen Nazimörder Erich Priebke fotografiert wurde, wie die taz aufdeckte.
Schröppe und Priebke waren zusammen im Vorstand der deutschen Schule im argentinischen San Carlos de Bariloche, bevor Priebke 1995 an Italien ausgeliefert und 1998 dort verurteilt wurde. Schröppe hingegen brachte es an der Waldorfschule in Minden „vom Hausmeister, Handwerkslehrer zum ,informellen Leiter‘“, wie der Blick nach Rechts 2015 schrieb.
Die Zeit führt Indizien an, dass in Schröppes „Schmiede am Rande eines niedersächsischen Moors“ „Jungadler“-Treffen stattgefunden haben. In der 2014 gegründeten Schmiede tritt Wolf Schröppe mit seinen Söhnen Wieland und Wedekind als „Moorschmiede“ auf.
Am Ende geht der Zeit-Artikel noch auf Verbindungen des „Jungadlers“ zur AfD ein. So nahmen mehrere Kinder des AfD-Bundestagsabgeordneten Peter Felser an „Jungadler“-Treffen teil. Peter Felser ist „Alter Herr“ der „Deutschen Hochschulgilde Heinrich der Löwe München“ in der „Deutschen Gildenschaft“ (DG). Auch die Kinder des Roßlauer AfD-Ortsbürgermeisters Laurens Nothdurft fuhren zu „Jungadler“-Treffen: „einst war er »zweiter Bundesführer« der HDJ, seine Frau wirkte zeitweise als »Bundesmädelführerin«. Eine seiner Töchter scheint beim Jungadler eine wichtige Rolle gespielt zu haben. [...]
Und dann ist da noch der Fall, der die Ermittlungen zum Jungadler überhaupt erst ins Rollen brachte: der eines Brandenburger Oberstaatsanwalts. Seine Ehefrau, selbst vor vielen Jahren im HDJ-Milieu aktiv, hatte ihn im Januar 2025 im Trennungsstreit angezeigt: Er unterstütze eine Gruppe namens »Jungadler«, die die HDJ fortführe. Ermittler durchsuchten sein Haus und prüfen nun, ob seine Frau falsche Vorwürfe gegen ihn in Umlauf gebracht haben könnte, Belege für eine aktive Unterstützung des Jungadlers gibt es bislang nicht. Der Oberstaatsanwalt könnte aber von dem Jugendbund gewusst und geschwiegen haben. Mit Familie Nothdurft ist er eng verwandt.“
Günter Handkes Schwester, damals bei der HDJ unter ihrem Geburtsnamen Mandy Böttiger bekannt, ist Laurens Nothdurfts Ehefrau. -
Mittwoch, 13.05.2026
Die taz hat neue Recherchen zu dem Dresdner Nazistaatsanwalt Mike Ulbricht veröffentlicht. Bereits 2015 hatte Ulbricht demnach enge Kontakte zur AfD:
„Es gibt Hinweise darauf, dass Mike [Ulbricht] der AfD und ihrer ehemaligen Jugendorganisation Junge Alternative noch näher stand und sie länger unterstützte, als bisher bekannt. So liegt der taz eine E-Mail vor, in der sich Mike [Ulbricht] im August 2015 an die damalige AfD-Bundessprecherin Frauke Petry gewendet haben soll, um sie zum ,Positionspapier zur Asyl- und Flüchtlingsproblematik‘ zu beglückwünschen, in dem der Bundesvorstand damals auf eine ,wirksame Richtungsänderung in der deutschen Flüchtlings- und Asylpolitik‘ drängte. ,Ich teile Ihre Ansätze und Ideen zur Lösung des Migrationssturms voll und ganz‘, heißt es darin von [Ulbricht] an Petry. ,Als gebürtiger Sachse mit jahrzehntelanger ,Westerfahrung‘ bin ich gerade in Dresden froh, dass dort das ,Rad der Geschichte‘ noch um ein paar Jahre zurückgedreht ist.‘
Für die darauffolgenden zwei Jahre liegen der taz Kontounterlagen vor, die darauf hinweisen, dass Mike [Ulbricht] der AfD zwei- und dreistellige Spendenbeträge überwiesen haben könnte, etwa Ende 2015 mit der Nachricht ,Lassen Sie sich nicht spalten‘.“
Sechs Jahre später stand Mike Ulbricht auf einem internen Mitgliederverteiler der sächsischen „Jungen Alternative“ (JA): „Für 2021 liegt der taz eine E-Mail vor, in der der Sächsische Landesvorstand der Jungen Alternative seine Mitglieder über Anträge des Verbands auf dem anstehenden Bundeskongress informiert. Auch Mike [Ulbricht] ist mit seiner privaten E-Mail-Adresse unter den Empfänger:innen. Seitdem könnte Mike [Ulbricht] auch der ehemalige AfD-Politiker Mandic ein Begriff sein. Denn der JA-Landesverband hatte im Februar 2021 seine Mitglieder zur Wahlkampfhilfe für Mandic aufgerufen.“
Bisher ist Ulbricht trotz seiner Naziaktivitäten weiter im Amt: „Mike [Ulbricht] indes ist als Staatsanwalt weiterhin im Dienst. So zumindest bestätigt es das Justizministerium dem grünen Abgeordneten Valentin Lippmann auf eine jüngste Anfrage zu dem Fall im Sächsischen Landtag. Auch eine weitere Tätigkeit übt Mike [Ulbricht] demnach aktuell noch aus: Bis März 2028 ist er Gleichstellungsbeauftragter der Staatsanwaltschaft Dresden.“ -
Donnerstag, 14.05.2026
Im „Kulturhof Kosma“ nahe Altenburg in Thüringen fand am 2. Mai 2026 eine Konferenz des „Jungeuropa Verlags“ statt, an der rund 200 Nazis teilnahmen. Der Veranstaltungsort ist einschlägig: Björn Höcke trat hier bereits 2016 auf. Pixelarchiv hat Fotos von TeilnehmerInnen veröffentlicht und schreibt:
„Bei dem Vernetzungstreffen kamen aus ganz Deutschland und Österreich AfD, militante Neonazis bis hin zu Personen aus dem Unterstützungsumfeld des rechtsterroristischen NSU zusammen. Unter den Teilnehmenden befanden sich sowohl AfD-Abgeordnete, Mitglieder des »Generation Deutschland«-Bundesvorstand und der FPÖ, als auch u. a. Mitglieder der neonazistischen »Hammerskin Nation«, von »Knockout 51«, von »Kampf der Nibelungen«, der JN und der »Heimat«.
Security-Aufgaben wurden durch eine Führungsperson der neonazistischen Hooligangruppe »Jungsturm Erfurt« übernommen. Als Vortragende waren unter anderem Benedikt Kaiser, Jonas Schick und Susanne Dagen geladen. Die Veranstaltung wurde nach eigenen Angaben von der ESN-Fraktion im Europaparlament und fünf einzelnen AfD-Abgeordneten gefördert.“ -
Freitag, 15.05.2026
Axel Kronast, der „Amtsleiter Fechten“ des „Coburger Convents“ (CC), wird am 30. Mai 2026 auf dem diesjährigen „Burschentag“ der „Deutschen Burschenschaft“ einen „Sekundantenlehrgang“ leiten. Der Lehrgang soll von 9 bis 13 Uhr am „Burschenschafter-Denkmal“ in Eisenach stattfinden, bei schlechtem Wetter im „Klubhaus“ in Seebach. Die Kosten des Lehrgangs werden von der DB übernommen. Auf DB-Seite wird der Lehrgang von Niels-Christopher Petersen organisiert, Kronasts Pendant bei dem Nazidachverband.
Axel Kronast ist „Alter Herr“ der „Landsmannschaft Brandenburg Berlin“ und der „Alten Turnerschaft Slesvigia-Niedersachsen Hamburg-Königsberg zu Hamburg“ im CC. Sein Fechtlehrgang in Marburg 2023 wurde von Antifas verhindert und die städtischen Räume dem CC dauerhaft entzogen.
Neben Kronast hat auch der Naziautor Nils Wegner von der „Landsmannschaft Darmstadtia Gießen“ enge Verbindungen zur DB. Wegner publizierte nicht nur im „Ares-Verlag“, sondern auch im DB-Verbandsblatt. Heute ist Nils Wegner „ständiger Mitarbeiter“ im CC-Verbandsblatt, wie Korpokritik auffiel. -
Samstag, 16.05.2026
Am 6. Mai 2026 gab es Durchsuchungen bei Nazis der seit Mitte 2024 existierenden Gruppen „Jung & Stark“ (JS) und „Deutsche Jugend Voran“/„Neue Deutsche Welle“ (DJV/NDW). Die Razzien fanden im Zuge eines Ermittlungsverfahrens der Bundesanwaltschaft (BAW) wegen Bildung krimineller Vereinigungen gemäß § 129 StGB statt, einige der Beschuldigten sind minderjährig.
Demnach ließ die BAW „rund 50 Objekte in zwölf Bundesländern durchsuchen. Die Maßnahmen richten sich gegen insgesamt 36 Beschuldigte. Im Einzelnen finden sie in folgenden Gebieten statt: Bayern (Landkreis Eichstätt), Berlin, Brandenburg (Potsdam und Landkreise Dahme-Spreewald, Havelland, Spree-Neiße, Teltow-Fläming), Hessen (Frankfurt a. M.), Mecklenburg-Vorpommern (Rostock und Landkreis Vorpommern-Greifswald), Niedersachen (Celle, Braunschweig und Landkreise Cuxhaven, Goslar und Helmstedt), Nordrhein-Westfalen (Bochum, Duisburg, Essen, Mülheim a. d. R., Oberhausen, Hochsauerlandkreis und Kreise Mettmann und Minden-Lübbecke), Rheinland-Pfalz (Landkreise Ahrweiler und Mayen-Koblenz), Saarland (Landkreise Neunkirchen und St. Wendel), Sachsen (Landkreise Bautzen, Görlitz, Mittelsachsen und Leipzig), Sachsen-Anhalt (Burgenlandkreis und Landkreise Börde und Harz) und Schleswig-Holstein (Lübeck). [...]
Es besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten herausgehobene Mitglieder der rechtsextremistischen Vereinigungen „Jung & Stark“ (JS) oder „Deutsche Jugend Voran“ (DJV) sind. Diese Gruppierungen existieren jedenfalls seit Mitte 2024. Die DJV tritt bisweilen auch unter dem Namen ,Neue Deutsche Welle‘ (NDW) auf. Die JS und die DJV sind bundesweit organisiert und unterhalten in den Ländern Regionalgruppen. Ihre Mitglieder vernetzen sich sowohl über soziale Medien als auch durch regelmäßige Treffen. Dabei wird zu Gewalttaten gegen politische Gegner sowie gegen vermeintlich Pädophile aufgerufen. Einige Beschuldigte sollen dementsprechend Angehörige der linken Szene oder Personen angegriffen haben, die sie für pädophil hielten. Die Opfer wurden jeweils von mehreren Angreifern geschlagen und trugen nicht unerhebliche Verletzungen davon.“
Die Ermittlungen führt der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof Jens Rommel. Vor seiner Zeit als Richter am Bundesgerichtshof von 2020 bis 2024 war Rommel ab 2015 Leiter der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg.
Presse: Tagesschau | NDR | WDR | DLF | taz | LTO | Katapult | Tagesspiegel -
Sonntag, 17.05.2026
Der Stuttgarter AfD-Spendenskandal ist erheblich größer als gedacht. Wir fanden schon die 40.000 unterschlagenen Euro vom Konto des AfD-Kreisverbands Stuttgart bemerkenswert, derentwegen der Vorstand Ende April abberufen wurde. Aber nun gingen plötzlich 162.000 Euro seit 2021 ein und es fehlen 100.000. Aber nicht Mitgliedsbeiträge der AfD oder zumindest Steuergelder, sondern Mitgliedsbeiträge der Techniker Krankenkasse (TK). Die hatte der im März 2026 gestorbene Schatzmeister Björn Anderßon auf das AfD-Konto überweisen lassen.
Björn Anderßon hatte vor seiner Zeit als AfD-Schatzmeister ab 2009 als Sozialversicherungsfachangestellter bei der TK gearbeitet. Offenbar hatte er einen Weg gefunden, große Summen unbemerkt zu stehlen und auf das AfD-Konto zu überweisen: „Der AfD-Landesvorsitzende Emil Sänze sagte dem SWR, das Konto sei als eine Art ,Referenzkonto‘ für Überweisungen an Drittkonten genutzt worden.“
Offiziell will in der Stuttgarter AfD davon niemand etwas mitbekommen haben. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass der schwerkranke Anderßon einen Deal mit seinen Stuttgarter NazikollegInnen gemacht hat: Ein Teil des Geldes verprasst der vom Tode Gezeichnete während seiner letzten Monate, den Rest bekommen die Überlebenden. Der Tote bekommt natürlich die alleinige Schuld, denn in Deutschland wird gegen Tote nicht ermittelt.
Dazu passt die Todesanzeige der Stuttgarter AfD, in der das Narrativ des Lebensendes in Luxus bereits im März verbreitet wurde: „In den vergangenen Monaten hat er das Leben noch einmal in vollen Zügen gespürt. Er war viel auf Reisen, hat seine Lieblingsorte besucht, lag am Strand zwischen Seerobben und beobachtete vom Deck seines Schiffes die Weite des Meeres und die Schönheit der untergehenden Sonne.“
Ob die Luxusreisen nach Walhalla nun aber 100.000 oder vielleicht doch nur 50.000 Euro gekostet haben, das hat Björn Anderßon zum Wohle der Stuttgarter AfD mit ins Grab genommen. Die schreibt verschmitzt: „Sein Andenken wird in uns weiterleben.“
Presse: SWR/Tagesschau | BILD-Zeitung -
Montag, 18.05.2026
Der Berner Regierungsrat, also die Regierung des Kantons Bern, will eine Motion der „Schweizerischen Volkspartei“ (SVP) für ein „Verbot linksextremistischer und gewalttätiger Gruppierungen wie «Antifa» und «Schwarzer Block»“ unterstützen. Der parlamentarische Vorstoß der nationalkonservativen SVP im Berner Grossen Rat, dem Kantonsparlament, fordert ein Verbotsverfahren auf Bundesebene.
Die Berner Zeitung schreibt: „Konkret will die Kantonsregierung darauf hinwirken, dass der Bund die rechtlichen Grundlagen für ein wirksameres Vorgehen prüft. Ein Verbot oder eine Strafverfolgung dürften nicht an zu hohen Anforderungen an den Organisationsbegriff scheitern, argumentiert der Regierungsrat.
Der Bundesrat hatte im März einen ähnlichen Vorstoss aus dem Nationalrat abgelehnt. Er begründete dies damit, dass die Antifa keine Organisation im engeren Sinn sei, sondern eine heterogene Bewegung beziehungsweise ein loses internationales Netzwerk ohne klare Organisationsstruktur.“
Presse: Berner Zeitung | Journal B | Swissinfo | Nau -
Dienstag, 19.05.2026
In London folgten am 16. Mai 2026 rund 60.000 Rechtsradikale einem Aufruf des Nazis Stephen Lennon (aka „Tommy Robinson“) zum zweiten „Unite the kingdom“-Aufmarsch. Elf Redner wurden mit Einreiseverboten belegt. Am 28. März hatten beim ersten Mal noch etwa 160.000 teilgenommen.
Das Event wurde zum Großteil durch Spenden amerikanischer Rechtsradikaler finanziert. So spendete die amerikanischen Unternehmer Andy Miller 200.000 und Robert Shillman 100.000 Dollar. Während seiner Rede, in der er zum Gang durch die Institutionen aufrief, dankte Robinson Elon Musk für seine kontinuierliche Unterstützung.
Am Rande des Naziaufmarschs wurden zwei Männer in der Nähe des Bahnhofs Euston festgenommen, nachdem sie in London eingetroffen waren. Einer der beiden wurde wegen des Verdachts auf schwere Körperverletzung gesucht – infolge eines Vorfalls in Birmingham, bei dem ein Mann überfahren worden war. Der zweite Mann wurde wegen Anstiftung zur Gewalt an Polizisten festgenommen.
The Guardian zum Aufmarsch und zur Festnahme
Searchlight Magazine zum Aufmarsch und zu den Einreiseverboten
HOPE not hate zum Aufmarsch und zu Tommy Robinson -
Mittwoch, 20.05.2026
In den Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) ist am 18. Mai 2026 ein Artikel über ein geplantes Konzert der Naziband „Sturmwehr“ in Bietigheim bei Rastatt erschienen:
„Die Gemeinde Bietigheim und der örtliche Angelsportverein wollen unter allen Umständen ein Konzert der rechtsextremistischen Szene-Band Sturmwehr am Schertlesee unterbinden. Sowohl Bürgermeister Constantin Braun als auch der ASV-Vorsitzende Frank Bauer bestätigten BNN-Informationen, dass ein Verwaltungsmitglied des Vereins die Band aus Nordrhein-Westfalen auf dem vom ASV gepachteten gemeindeeigenen Grundstück am 30. Mai beim Clubhaus verpflichten will.“
Verantwortlich ist laut BNN Leon Dreixler, der ehemalige Vorsitzende der 2025 aufgelösten Nazipartei „Die Rechte“. Dreixler posierte auf Facebook mit Jagdgewehr und montiertem Zielfernrohr. Ein weiteres Profilbild: „better dead than red“.
Wie üblich sind in dem Angelsportverein, dessen Vereinsheim von Vereinsmitglied Dreixler unter einem Vorwand angemietet wurde, alle überrascht über den Nazi in den eigenen Reihen. Das hatte doch niemand ahnen können! Oder doch?
Unerwähnt bleibt nämlich, was lokale Antifas herausgefunden haben: Leon ist nicht der einzige Dreixler in dem Drecksverein. Schriftführerin im „ASV Bietigheim e.V. 1969“ ist Gudrun Dreixler, geboren am 17. September 1968 in Bietigheim. Gudrun Dreixler arbeitet als Rechtsanwaltsfachangestellte im Sekretariat der Kanzlei „Mirau, Stiefvater und Partner, Steuerberatungsgesellschaft mbH“ aus Baden-Baden. -
Donnerstag, 21.05.2026
In Marburg wurde der Nazibursche Tobias Heuwinkel in der Nacht auf den 13. Mai 2026 erneut großflächig geoutet. Heuwinkel ist Mitglied der Naziburschenschaft „Burschenschaft Rheinfranken Marburg“ in der „Deutschen Burschenschaft“. Marburger Antifas schreiben:
„Der Kampf der extremen Rechten um die Universität ist aktueller denn je. Im Fachbereich 06 (Geschichte und Kulturwissenschaften) an der Philipps Universität Marburg kippt die Stimmung. Bekannte Naziburschen wie Tobias Heuwinkel werden in Studienausschuss gewählt und repräsentieren die Marburger Archäologie nach außen.
Tobias Heuwinkel stammt aus Detmold. Er ist seit 2016/2017 bei der Marburger Burschenschaft Rheinfranken und begann damals sein Studium in der Archäologie. Im Jahr 2016 nahm er am Vortrag des Neonazi, Szeneanwalts und ehemaligen AfD Funktionär Dubravko Mandic auf dem Haus der Rheinfranken teil. Vor dem Haus kam es zu Gegenprotesten, was die Rheinfranken später in der Nacht mit einem Angriff auf die linke Kneipe Havanna 8 quittierten.
Heuwinkel ist inzwischen wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Vor-und Frühgeschichte. Hier wird er von Prof. Dr. Felix Teichner beschäftigt und betreut bei Lehrgrabungen Studierende. Auch darf er das Seminar immer wieder nach außen vertreten, sei es im Unimagazin oder wie Ende Januar bei der offiziellen Informationsveranstaltung inklusive Infostand im Cineplex.“ -
Freitag, 22.05.2026
Deutschland weigert sich bis heute über bereits vergangene und lächerlich niedrige Wiedergutmachungen hinaus Gelder an Nachfahren von Opfern deutscher NS-Kriegsverbrechen zu zahlen. Selbst rechtskräftige Urteile wie im Fall des Distomo-Massakers 1944 werden von der deutschen Regierung ignoriert.
Die taz schreibt: „Das Massaker von Distomo hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Griechen eingegraben. 218 Frauen, Kinder und Männer wurden als Vergeltung für einen Hinterhalt griechischer Partisanen am 10. Juni 1944 in dem 163 Kilometer nordwestlich von Athen gelegenen Dorf mit seinen damals 1.650 Einwohnern durch eine SS-Einheit hingerichtet.
1997 erließ das örtliche Landgericht Livadeia das Urteil Nr. 137, das den Nachfahren der Opfer der Nazi-Gräueltaten in Distomo eine Entschädigung von 9,5 Milliarden Drachmen (umgerechnet rund 28 Millionen Euro) zuspricht. Deutschland legte Revision dagegen ein. Der Oberste Gerichtshof in Athen wies die Revision jedoch zurück. Dies machte den Weg für mögliche Pfändungen von Vermögenswerten des deutschen Staates in Griechenland frei, falls Berlin nicht zahlt.
Gezahlt hat Deutschland tatsächlich bis heute nicht – aber das Urteil konnte trotzdem nicht vollstreckt werden. Denn dafür bedarf es wiederum eines Erlasses durch den griechischen Justizminister, und kein Justizminister hat das bislang getan.“
Griechische Anspruchsberechtigte klagten sich daraufhin in Italien durch alle Instanzen. Das italienische Kassationsgericht in Rom hat nun abschließend entschieden, dass die KlägerInnen Eigentum deutscher Staatsunternehmen in Italien pfänden lassen können.
Der Spiegel schreibt: „Damit können italienische Gerichtsvollzieher künftig im Prinzip Grundstücke, Bankguthaben oder Betriebsstätten der Bahn und ihrer italienischen Tochtergesellschaften pfänden. Grundsätzlich denkbar ist der Zugriff auch auf Vermögenswerte anderer deutscher Staatsunternehmen in Italien.“ -
Samstag, 23.05.2026
In Stuttgart haben Ende April 2026 zwei 19- und 21-jährige Nazis einen 44-jährigen Mann niedergestochen, den sie als Antifaschisten identifizierten. Der SWR schreibt:
„Die Männer sollen am Abend des 24. April im Bereich der Mönchhaldenstraße in Stuttgart-Nord bewusst und gewollt in die Brust des Opfers eingestochen haben. Bei der Tatwaffe handelte es sich laut Staatsanwaltschaft um ein Springmesser.“
Das Opfer überlebte nur knapp nach einer Notoperation. Die Täter sitzen in Untersuchungshaft, ermittelt wird wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.
„Nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen sollen die beiden jungen Männer ihr Opfer bei der Tat ausdrücklich als angebliches Mitglied der Antifa angesprochen haben. Die Staatsanwaltschaft vermute ein politisches, mutmaßlich rechtsextremes Motiv hinter der Tat.“
Presse: SWR | Badische Zeitung | ZVW -
Sonntag, 24.05.2026
In den Spektrum SciLogs wurde eine dreiteilige Artikelserie zur These „Die AfD fungiert im Feld der bayerischen extremen Rechten als Gravitationszentrum“ veröffentlicht:
„Diese Rolle der AfD als Akteurin der Vernetzung, Übersetzung und Verdichtung wurde im Strafprozess gegen AfD-MdL Daniel Halemba Anfang 2026 deutlich sichtbar. Dominik Sauerer arbeitet für die Mobile Beratung Nord und hat den Prozess beobachtet. Er berichtet von Netzwerken unter Beteiligung von Identitärer Bewegung, der neonazistischen Kleinpartei Der III. Weg, Republikanern, NPD, Die Heimat, Burschenschaften, Aryan Peoples Resistance und – ganz prominent – der AfD. Der siebentägige Prozess vor dem Amtsgericht Würzburg fand zwar großes mediales Echo, nicht immer wurde dabei aber einer der wichtigsten Punkte deutlich: Wie klar sich die AfD in dem Prozess als rechtsextreme Sammlungspartei fast ohne Berührungsängste zeigte.“
Teil 1: Die AfD als Gravitationszentrum rechter Krisendiskurse
Teil 2: Zwischen AfD, IB und Neonazi-Milieu: Rechte Vernetzungen in Bayern
Teil 3: Zwei Themen, ein Zentrum: Anti-Asyl-Agitation und Queerfeindlichkeit als Mobilisierungsfelder der AfD -
Montag, 25.05.2026
Am 14. Juni will der AfD-Nachwuchs um Chris Hegel in der Stadthalle in Donzdorf im Landkreis Göppingen als letzten Landesverband auch den baden-württembergische Ableger der „Generation Deutschland“ (GD) gründen. Gegen das Treffen der Nachfolge-Organisation der „Jungen Alternative“ (JA) wird es Proteste geben und auch gegen den rassistischen Bundesvorstand der „Generation Deutschland“ sorgte kürzlich eine antifaschistische Aktion für Schlagzeilen:
„Vor einigen Tagen wurde Julia Gehrckens, die Teil des Vorstandes von Generation Deutschland ist, in der Hoopter Landstraße 147 (Winsen/Niedersachsen) in ihrem Zuhause besucht. Dabei wurde ihr Auto, ein dunkler VW Golf mit dem Kennzeichen WL EA 113 tiefergelegt, sowie auch das Haus mit Farbe eingedeckt. Auf ihrem Haus wurde sie als das gekennzeichnet, was sie ist: Ein Nazischwein!“
Vor ihrem Umzug nach Niedersachsen und ihrer Karriere auf Bundesebene gehörte Julia Gehrckens dem baden-württembergischen Landesvorstand der „Jungen Alternative“ an. -
Dienstag, 26.05.2026
Am 29. und 30. Mai findet in Nancy zum fünften Mal das Antifa-Festival Les Révoltées statt. Auf dem Programm stehen Konzerte, Infostände und Diskussionsveranstaltungen.
In Besançon findet ab dem 1. Juni das zweite Antifa-Fest statt, der Höhepunkt wird eine Demo am 6. Juni um 14 Uhr ab Place Granvelle, anschließend gibt es Konzerte.
Zuletzt gab es in Frankreich große antifaschistische Proteste am 1. Mai gegen den Kongress des „Rassemblement National“ (RN) in Mâcon und am 9. Mai gegen den jährlichen Naziaufmarsch in Paris. Der Aufmarsch wurde dieses Jahr allerdings verboten. Stattdessen versammelten sich einige hundert Nazis außerhalb der Hauptstadt zu einer Fackelmarsch-Aufstellung im HJ-Stil und einem Konzert. -
Mittwoch, 27.05.2026
In Coburg fand vom 22. bis 26. Mai 2026 der „158. Coburger Pfingstkongress“ des „Coburger Convents“ statt. Die Korporierten der deutschen und österreichischen „Landsmannschaften“ und „Turnerschaften“ sorgten wie jedes Jahr für skandalöse Bilder – in diesem Jahr nicht nur durch den an die Zeit des NS erinnernden Fackelmarsch.
Auf Instagram ging ein Video viral, in dem österreichische Landsmannschafter Linke als „Homos“ und „Schwuchteln“ beschimpfen. Zwar erinnerte Verbindungsschüler Oberbürgermeister Dominik Sauerteig das „hohe Präsidium“, die „sehr geehrten Herren Chargierten“ und alle anderen volltrunkenen Militaristen im Bierzelt auf dem Anger daran, dass „Homophobie [...] in meiner Stadt keinen Platz“ habe. Allerdings tat er das als Festredner des CC, der die Schwulenfeinde jedes Jahr aufs Neue in seine Stadt einlädt – in Coburg gilt so einer wie Sauerteig als kleineres Übel.
Wie immer standen die GewinnerInnen des beliebten Katz-und-Mausspiels bereits vorher fest: die Linken. Das Spiel beginnt jedes Jahr mit der Wahl der Waffen: Farbe, Feuer oder Buttersäure. 2023 wurde zu Feuer am Bulli und Farbe am Denkmal im Hofgarten gegriffen, 2024 zu Buttersäure im Festzelt und wieder Farbe am Denkmal, 2025 gleich zwei Mal zu Farbe am Denkmal und 2026 zu Buttersäure an einem anderen Denkmal, nämlich jenes am Theaterplatz, an dem der CC alljährlich seiner Täter gedenkt. Der längst überfällige Bauzaun und die Videoüberwachung am Denkmal im Hofgarten waren also vollkommen unwirksam, die Korporierten durften das Eau de Vomi bereits zu Beginn ihres Karnevalsumzugs erschnüffeln. -
Donnerstag, 28.05.2026
In den USA hat das Justizministerium einen Auftrag über 106 Millionen Dollar zur KI-gestützten Protokollierung, Übersetzung und Auswertung der Telefonate von Insassen US-amerikanischer Bundesgefängnisse vergeben. Das Bureau of Prisons schloss dazu im April 2026 einen Vertrag mit LEO Technologies von Elliott Broidy. Der britische Guardian schreibt:
„Auf ihrer Website erklärt das in Texas ansässige Unternehmen, dass die Telefongespräche von Gefangenen ,die weltweit größte Konzentration krimineller Aktivitäten darstellen – alle aufgezeichnet, alle legal zugänglich‘.“
Elliott Broidy profitiert ungeniert von der Überwachung Gefangener, dabei liest sich sein Vorstrafenregister wie Trumps Tagebuch: Betrug, Bestechung, illegale Lobbyarbeit, eine gekaufte Abtreibung:
„Der nächste Skandal um Broidy folgte auf einen Hackerangriff auf seine E-Mails. Die New York Times berichtete 2018, dass die E-Mails seine Zusammenarbeit mit dem Berater der Vereinigten Arabischen Emirate, George Nader, offenbarten. Die Times beschrieb diese Zusammenarbeit als ,aktive Bemühungen, Präsident Trump im Auftrag der VAE und Saudi-Arabiens für sich zu gewinnen‘. Nader war 1991 in einem Bundesverfahren wegen Besitzes kinderpornografischen Materials verurteilt worden.“
Beide – Broidy wie Trump – hatten den gleichen Rechtsanwalt: Michael Cohen. Der wurde selbst wegen Steuerhinterziehung und Falschaussagen vor dem US-Kongress zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Auch für Cohens Ex-Mandanten Broidy sah es nach dessen Verurteilung im Winter 2020 gar nicht gut aus, doch dann erhielt er Hilfe von seinem alten Freund Trump:
„Einen Tag vor dem Ende von Donald Trumps erster Amtszeit im Jahr 2021 begnadigte er Elliott Broidy, einen von Skandalen geplagten republikanischen Spendensammler und ehemaligen Funktionär des Republikanischen Nationalkomitees, der drei Monate zuvor gestanden hatte, versucht zu haben, illegal Lobbyarbeit für Trump und seine Regierung zu betreiben.“ -
Freitag, 29.05.2026
Geras notorischster Nazi Christian Klar wurde in Spanien auf der Flucht festgenommen, wie der MDR berichtet:
„Eine Sprecherin des Thüringer Landeskriminalamts sagte am Donnerstag, die spanische Polizei habe ihn am späten Mittwochabend in Madrid gefasst. Die entscheidenden Hinweise seien von der Thüringer Zielfahndung gekommen.
Weil er einem Prozess gegen ihn am Amtsgericht Gera wegen mehrerer Delikte ferngeblieben war, hatte die Staatsanwaltschaft Gera nach Klar auch mit einem europäischen Haftbefehl gefahndet.“
Christian Klar hatte bundesweite Prominenz erlangt, als er Bodo Ramelow als „Ratte“ bezeichnet hatte. Neben Beleidigung war er noch wegen Körperverletzung, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung, Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz sowie das Abhalten verbotener, nicht angemeldeter Versammlungen angeklagt. Klar tauchte daraufhin in Spanien unter.
„Ein Antrag auf Auslieferung werde bereits vorbereitet, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera. Mit dem EU-Land Spanien bestehen entsprechende Abkommen. Wie lange das Verfahren dauere, sei schwer einzuschätzen. Klar könne die Auslieferung etwa ablehnen, dann müsste sich zunächst ein spanisches Gericht mit dem Fall beschäftigen.“