Dienstag, 07.04.2026

Am 11. März 2026 gab es Razzien gegen den Naziverlag „Der Schelm“. Die Tagesschau schrieb:
„Die Zuständigkeit liegt bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe. Nach rbb-Informationen wurde in Deutschland an acht Orten in Brandenburg, Baden-Württemberg, Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen durchsucht. Bei der Razzia stellten die Einsatzkräfte NS-Devotionalien, Propagandamaterialien, elektronische Datenträger und andere Beweismittel sicher. In Polen ließen die Ermittler per Amtshilfe eine Druckerei und in Spanien eine Lagerhalle sowie Privat- und Firmenräume durchsuchen. [...]
Sechs Männern und zwei Frauen deutscher Herkunft wirft die Karlsruher Staatsanwaltschaft unter anderem vor, ,in 488 Fällen gemeinschaftlich volksverhetzende Druckwerte von 2022 bis 2024 hergestellt, verbreitet, geliefert und vorrätig gehalten zu haben‘, wie Sprecher Manuel Graulich der Redaktion rbb24 Recherche mitteilte. Ein Druckereibesitzer ist der Beihilfe beschuldigt. Hauptbeschuldigter ist der aus Leipzig stammende und bereits vor Jahren nach Moskau geflüchtete Verlagsinhaber und Rechtsextremist Adrian [Preißinger].“

Im April 2024 waren Enrico Böhm und Annemarie Kunze wegen des Verlagsbetriebs zu Knaststrafen verurteilt worden. Offenbar ist dem Naziverlag schon vor einiger Zeit die Kundendatenbank verlustig gegangen:
„Die Webseite des ,Schelms‘ ist in Estland angemeldet. Exklusiv verfolgte rbb 24 Recherche zwei Jahre lang die neuen Vertriebsstrukturen und analysierte den Kundenstamm des Verlags. Die etwas mehr als 11.000 Besteller kommen aus aller Welt. Zu den deutschen Kunden sollen bekannte Neonazis sowie Lokalpolitiker der AfD aus mehreren Bundesländern gehören.
Die Mehrzahl der Käufer scheint jedoch nach einer exklusiven Auswertung des rbb aus der Mitte der Gesellschaft zu stammen: Unternehmer, Handwerker, Anwälte, Ärzte, Polizisten, Lehrer, Pfarrer, Buchhändler, Altenpfleger, Feuerwehrmänner. Der Präsident eines Schützenvereins soll mindestens acht Bücher bestellt haben, darunter ,Judas Schuldbuch‘ und die ,Diktatur Bundesrepublik Deutschland‘ des Holocaust-Leugners Germar Rudolf.
Ein vom Verfassungsschutz aus Hessen als ,rechtsextremistisch‘ bezeichneter Verlag bestellte mindestens zwanzig Mal Nachdrucke von Kinderbüchern aus der NS-Zeit: ,Giftpilz‘ und den ,Pudelmopsdackelpinscher‘. Die Bücher stehen seit 2018 auf dem Index der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendschutz.“

Am 25. März haben die baden-württembergischen Grünen eine Kleine Anfrage gestellt, um „die Durchsuchungsmaßnahmen und das Netzwerk des rechtsextremistischen Verlags ,Der Schelm‘ in Baden-Württemberg genauer beleuchten.“
Presse: Tagesschau | RBB | hr | MDR | FAZ