Sonntag, 19.04.2026

Die taz berichtet über Thüringer Volkstanzgruppen, in denen Nazis unterschiedlicher Milieus zusammenkommen:
„Dass so einschlägige Szeneleute zusammengekommen sind, ist kein Zufall. Volkstanzgruppen wie die in Ranis dienen Rechtsextremisten längst nicht nur als Freizeitvergnügen. Es sind politische Netzwerk- und Rekrutierungstreffen. Im harmlosen Gewand vermeintlicher Brauchtumspflege betreiben die Rechten einen knallharten Kulturkampf im Sinne der NS-Ideologie. Ähnlich funktioniert das mit Liederabenden, historisierenden Laienschauspiel-Aufführungen und Sonnenwendfeiern. [...] Und das passiert tatsächlich fast jede Woche irgendwo in Deutschland.“
Da die AfD der dominierende parlamentarische Machtfaktor der deutschen Rechtsradikalen ist, erfüllen solche Gruppen nahezu immer die Funktion einer Vorfeldorganisation der AfD:
„Das Propaganda-Potenzial von ,Brauchtumspflege‘ hat auch die AfD für sich erkannt. So proklamiert die Partei etwa in ihrem kürzlich beschlossenen „Regierungsprogamm“ für Sachsen-Anhalt, man müsse das ,Brauchtum im ländlichen Raum erhalten‘ und ,Aktivitäten fördern, die das Heimatgefühl und die Nationalidentität stärken‘.“
Als aktuelles Beispiel beschreibt die taz die Politisierung der „Sächsischen Separatisten“: „Mit 16 oder 17 Jahren habe er ein Interesse am Brauchtum und an Volksliedern entwickelt, erklärte Hättasch vor Gericht. Mit 18 oder 19 sei er erstmals bei einem Volkstanz eingeladen gewesen und dann dabei geblieben. Im Lauf seiner Aussagen wird klar: Volkstanz spielte auch für die Vernetzung weiterer Personen aus den Ermittlungen eine Rolle. Mit dem Angeklagten Kevin [Richter] teile er die Leidenschaft für den Volkstanz, sagt Hättasch, den Angeklagten Kevin [Müller] lernte er bei einem solchen Event kennen, ebenso mindestens drei weitere Beschuldigte. Und auch der Angeklagte Hans-Georg [Pförtsch] berichtet von seinem Interesse am Volkstanz.“
Am Rande wird auch Nikolai Nerling erwähnt, der zusammen mit Stefan Räpple an der Pädagogischen Hochschule Freiburg studierte und dort UStA-Vorstand war:
„Auch der Name Nikolai Nerling taucht immer wieder auf. Der ehemalige Grundschullehrer erlangte als ,Volkslehrer‘ auf Youtube eine gewisse Berühmtheit, verharmloste den Holocaust und ist wegen Volksverhetzung verurteilt. Nerling veranstaltete selbst öffentliche Volkstanzkundgebungen. Der taz liegt ein Foto vor, das den angeklagten mutmaßlichen Rechtsterroristen Kurt Hättasch im Jahr 2020 als Zuhörer einer Veranstaltung von Nerling zeigt. Hättasch ist damals 20 Jahre alt, es ist ungefähr die Zeit, in der er laut eigener Aussage mit dem Volkstanz begonnen hat.“