Die taz hat am 16. März über Hella Hättasch berichtet. Sie ist die Ehefrau von Kurt Hättasch, ein als „Sächsischer Separatist“ angeklagter früherer AfD-Funktionär, dem bei der Festnahme „von einem Polizisten in den Kiefer geschossen“ wurde. Aber sie ist auch Miteigentümerin des Nazitreffs „Haus Montag“ im sächsischen Pirna:
„Unterstützt wird Hättasch bei seiner offensiven Verteidigung von seiner Frau Hella. Sie übermittelte anscheinend die Tagebuchinhalte ihres Mannes aus dem Knast an einen rechten Blog, traf sich mit dem AfD-Politiker Björn Höcke, der sodann von einer „anständigen Familie“ sprach, der „übel mitgespielt“ worden sei. Als betroffene Ehefrau und junge Mutter gab sie auch dem rechten Sender Auf1 ein Interview vor der Kulisse ihrer guten Stube, in dem sie sich verwundert zeigte, dass die Familie überhaupt bei irgendwem auf dem Schirm sei. Sie selbst sei eine ,normale junge Frau mit Baby‘.
Recherchen der taz zeigen nun: Auch Hella Hättasch weist engere Bezüge zu Akteuren der rechtsextremen Szene auf als bislang öffentlich bekannt. Auszüge aus dem Grundbuchamt, die der taz vorliegen, belegen: Ihr gehört ein Anteil an dem ,Haus Montag‘ in Pirna, das von Sicherheitsbehörden und Medien seit Jahren als Treffpunkt der neonazistischen Szene eingeordnet wird. Hella Hättasch ist im Grundbuch mit ihrem Geburtsnamen bereits seit Jahren als Miteigentümerin eingetragen, zusammen mit ihrem Vater Thomas Sattelberg sowie Max Schreiber, die beide für lange Karrieren in der extrem rechten Szene bekannt sind. [...]
Max Schreiber, Thomas Sattelberg und seine Tochter Hella sind seit dem 24. Oktober 2023 offiziell im Grundbuch als Eigentümer des ,Haus Montag‘ eingetragen, wie aus den Auszügen des Amts hervorgeht. Hella Hättasch gehört ein Fünftel des Hauses, Sattelberg und Schreiber jeweils zwei Fünftel.“
Hella Hättasch stellte Kubitscheks und Lehnerts Naziblog „Sezession“ „das handschriftliche Tagebuch ihres Mannes zur Abschrift und zur Veröffentlichung zur Verfügung“. Darin beschreibt der inhaftierte Nazi in bemitleidenswerter Prosa die SEK-Razzia, die ihm die Visage eines Erstweltkriegsveteranen beschert hat. Es ist eigentlich einerlei, ob Hättasch tatsächlich in gutem Glauben „nur“ Antifas ermorden wollte, nachdem er den Notruf gewählt hatte, oder ob er die Gelegenheit sah, einen Polizisten „in Notwehr“ erschießen zu können und danach so eine Räuberpistole zu erzählen:
„Jetzt nur noch auf die Polizei warten, aber die Gefahr, dass die Truppe ausreißt, wird immer größer. Unsere Straße ist eine Sackgasse, und ich könnte durch den Hinterausgang über das Feld zur Einmündung der Straße laufen, um ihnen dort den Weg abzuschneiden. Was soll ich auch sonst tun? Vor dem Haus sind es zu viele, bestimmt zehn Mann, da lässt sich nichts ausrichten.
Ich gehe zu meinem Jagdwaffenschrank, nehme den Schlüssel und öffne die Tür. Zuerst greife ich zu einem Jagdgewehr, aber finde keine passende Munition dazu, also stelle ich es wieder zurück und greife zu einem anderen Karabiner. Ich lade aufgeregt die Patronen ein und verriegele den Schrank wieder. In einer derart bedrohlichen Angriffssituation ist ein solches Vorgehen durchaus legal, ,Notwehr‘ oder ,rechtfertigender Notstand‘ heißt das, meine ich, hat man als Waffenbesitzer ja alles mal brav gelernt. Man stelle sich außerdem vor, die Extremisten stürmten tatsächlich das Haus und hätten ihrerseits Zugang zu den Waffen!“
Aber lief ja am Ende doch noch alles gut für Kurt: „Ihr Unterkiefer ist stark fragmentiert. Wir werden die Knochenstücke richten und den Unterkiefer durch eine Titanplatte, Schrauben und Draht in seine alte Form bringen. Das Projektil, das Ihren Unterkiefer zerschlagen hat, wurde nach dem Durchschuss abgelenkt und steckt jetzt in Ihrer rechten Schulter. Dieses werden wir entfernen und anschließend alles vernähen. Der Eingriff wird mehrere Stunden dauern, aber sie werden davon nichts mitbekommen.“