Freitag, 03.04.2026

Die taz hat am 16. März über Hella Hättasch berichtet. Sie ist die Ehefrau von Kurt Hättasch, ein als „Sächsischer Separatist“ angeklagter früherer AfD-Funktionär, dem bei der Festnahme „von einem Polizisten in den Kiefer geschossen“ wurde. Aber sie ist auch Miteigentümerin des Nazitreffs „Haus Montag“ im sächsischen Pirna:
„Unterstützt wird Hättasch bei seiner offensiven Verteidigung von seiner Frau Hella. Sie übermittelte anscheinend die Tagebuchinhalte ihres Mannes aus dem Knast an einen rechten Blog, traf sich mit dem AfD-Politiker Björn Höcke, der sodann von einer „anständigen Familie“ sprach, der „übel mitgespielt“ worden sei. Als betroffene Ehefrau und junge Mutter gab sie auch dem rechten Sender Auf1 ein Interview vor der Kulisse ihrer guten Stube, in dem sie sich verwundert zeigte, dass die Familie überhaupt bei irgendwem auf dem Schirm sei. Sie selbst sei eine ,normale junge Frau mit Baby‘.
Recherchen der taz zeigen nun: Auch Hella Hättasch weist engere Bezüge zu Akteuren der rechtsextremen Szene auf als bislang öffentlich bekannt. Auszüge aus dem Grundbuchamt, die der taz vorliegen, belegen: Ihr gehört ein Anteil an dem ,Haus Montag‘ in Pirna, das von Sicherheitsbehörden und Medien seit Jahren als Treffpunkt der neonazistischen Szene eingeordnet wird. Hella Hättasch ist im Grundbuch mit ihrem Geburtsnamen bereits seit Jahren als Miteigentümerin eingetragen, zusammen mit ihrem Vater Thomas Sattelberg sowie Max Schreiber, die beide für lange Karrieren in der extrem rechten Szene bekannt sind. [...]
Max Schreiber, Thomas Sattelberg und seine Tochter Hella sind seit dem 24. Oktober 2023 offiziell im Grundbuch als Eigentümer des ,Haus Montag‘ eingetragen, wie aus den Auszügen des Amts hervorgeht. Hella Hättasch gehört ein Fünftel des Hauses, Sattelberg und Schreiber jeweils zwei Fünftel.“

Hella Hättasch stellte Kubitscheks und Lehnerts Naziblog „Sezession“ „das hand­schrift­li­che Tage­buch ihres Man­nes zur Abschrift und zur Ver­öf­fent­li­chung zur Ver­fü­gung“. Darin beschreibt der inhaftierte Nazi in bemitleidenswerter Prosa die SEK-Razzia, die ihm die Visage eines Erstweltkriegsveteranen beschert hat. Es ist eigentlich einerlei, ob Hättasch tatsächlich in gutem Glauben „nur“ Antifas ermorden wollte, nachdem er den Notruf gewählt hatte, oder ob er die Gelegenheit sah, einen Polizisten „in Notwehr“ erschießen zu können und danach so eine Räuberpistole zu erzählen:
„Jetzt nur noch auf die Poli­zei war­ten, aber die Gefahr, dass die Trup­pe aus­reißt, wird immer grö­ßer. Unse­re Stra­ße ist eine Sack­gas­se, und ich könn­te durch den Hin­ter­aus­gang über das Feld zur Ein­mün­dung der Stra­ße lau­fen, um ihnen dort den Weg abzu­schnei­den. Was soll ich auch sonst tun? Vor dem Haus sind es zu vie­le, bestimmt zehn Mann, da lässt sich nichts ausrichten.
Ich gehe zu mei­nem Jagd­waf­fen­schrank, neh­me den Schlüs­sel und öff­ne die Tür. Zuerst grei­fe ich zu einem Jagd­ge­wehr, aber fin­de kei­ne pas­sen­de Muni­ti­on dazu, also stel­le ich es wie­der zurück und grei­fe zu einem ande­ren Kara­bi­ner. Ich lade auf­ge­regt die Patro­nen ein und ver­rie­ge­le den Schrank wie­der. In einer der­art bedroh­li­chen Angriffs­si­tua­ti­on ist ein sol­ches Vor­ge­hen durch­aus legal, ,Not­wehr‘ oder ,recht­fer­ti­gen­der Not­stand‘ heißt das, mei­ne ich, hat man als Waf­fen­be­sit­zer ja alles mal brav gelernt. Man stel­le sich außer­dem vor, die Extre­mis­ten stürm­ten tat­säch­lich das Haus und hät­ten ihrer­seits Zugang zu den Waffen!“

Aber lief ja am Ende doch noch alles gut für Kurt: „Ihr Unter­kie­fer ist stark frag­men­tiert. Wir wer­den die Kno­chen­stü­cke rich­ten und den Unter­kie­fer durch eine Titan­plat­te, Schrau­ben und Draht in sei­ne alte Form brin­gen. Das Pro­jek­til, das Ihren Unter­kie­fer zer­schla­gen hat, wur­de nach dem Durch­schuss abge­lenkt und steckt jetzt in Ihrer rech­ten Schul­ter. Die­ses wer­den wir ent­fer­nen und anschlie­ßend alles ver­nä­hen. Der Ein­griff wird meh­re­re Stun­den dau­ern, aber sie wer­den davon nichts mitbekommen.“