Donnerstag, 22.01.2026

Die Neue Presse Coburg (Archiv) berichtete am 15. Januar 2026 über den Streit um das Gedenken an die Täter des Albertinums: „Denkmal an Coburger Gymnasium: Name des Bücherverbrenners bleibt erhalten“.
Jenes Denkmal besteht aus zwei Gedenksteinen für die Kriegstoten unter den Lehrern und Schülern des Gymnasiums der Jahre 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945. Sie stehen nah beieinander auf dem Salvatorfriedhof, der als Pausenhof des Albertinums genutzt wird. Der erste Name auf dem größeren der beiden Steine ist der von Franz Heimberger, Coburger Bücherverbrenner der ersten Stunde:
„Die Liste führt der ehemalige Rektor an, der als Gruppenführer der Hitlerjugend 1933 für die ersten Bücherverbrennungen in Coburg verantwortlich war und später rigoros das Bildungssystem der Nationalsozialisten in Coburg umsetzte: Oberstudienrat Franz Heimberger. Das neue System zog unter anderem den Ausschluss aller jüdischen Kinder aus Coburger Schulen nach sich.
Franz Heimberger, so lässt sich nach dem Stand der heutigen Forschung festhalten, war unter den Nationalsozialisten in Coburg keine kleine Nummer, sondern vom NS-System überzeugt und hat sich damit an den Verbrechen aktiv beteiligt. Die Antifa Freiburg hat in einem Communiqué ,Coburgs korporierte Schüler‘ vor dem Pfingstkongress offen gelegt, dass die Schülerverbindung ,Ernesto-Albertina‘ in den Sommerferien wahrscheinlich bis ins Jahr 2019 Totengedenken vor den Steinen abgehalten hat – was auch Schulleiter Martin Kleiner nicht ahnte, der erst 2022 seinen Dienst am Albertinum angetreten hat.“

Die Neue Presse Coburg (Archiv) hatte am 5. Juni 2025 im Rahmen der dreijährigen Antifakampagne gegen den „Coburger Convent“ (CC) unser Communiqué vom gleichen Tag aufgegriffen. Die Gedenksteine sollen nun durch Infotafeln kontextualisiert werden, auch wenn manche sie lieber entfernt sähen:
„Schulleiter Kleiner sagt bis heute: Er hätte die Steine lieber nicht hier. ,Je nachdem, wie die Infotafeln gestaltet werden, wäre das aber eine Kompromisslösung.‘ Auch die Antifa kritisierte in ihrem Communiqué, dass die Ernesto-Albertina nicht den Opfern, sondern der Täter gedacht hätte. Die Steine stehen außerdem nicht schon immer an dieser Stelle: Sie wurden vom ehemaligen Ernst-Albert-Seminar am Glockenberg auf Geheiß der Schulleitung und der Ernesto-Albertina 1959 dorthin versetzt, hat Robert Gresser von der Schülerverbindung vor dem Pfingstkongress erklärt.“
Der Stadtheimatpfleger Christian Boseckert, Nachfolger von Hubertus Habel und einer der Protagonisten sowohl unseres Communiqués als auch der Coburger Herbstdebatte, wird bei der Erstellung der Infotafeln wegen Befangenheit keine Rolle spielen:
„Doch die geschichtliche Aufarbeitung sollten [Habels] Meinung nach andere übernehmen. ,Der Stadtheimatpfleger ist in diesem Fall befangen.‘ Habel kritisiert Boseckerts – in diesem Fall – Doppelfunktion als Heimatpfleger und Vorsitzender der Alten Herren der Ernesto-Albertina. Jener Schülerverbindung, die an den Steinen Totengedenken abgehalten hat, wie bereits im vorangegangenen Artikel vonseiten der Verbindung bestätigt wurde.
Habel wünscht sich, dass weitere Recherchen und die möglichen Infotafeln beispielsweise von einem P-Seminar des Albertinums übernommen werden. Das sei durch die Entscheidung des Stadtrats auch so festgelegt, erklärt der Pressesprecher der Stadt Coburg, Louay Yassin: ,Mit dem Stadtratsbeschluss vom 18. Dezember 2025 ist die Tätigkeit des Stadtheimatpflegers im Rahmen dieses Projekts beendet. Die Federführung wurde auf das Amt für Schulen, Kultur und Bildung übertragen. Dies ergibt sich aus der dort festgelegten Zuständigkeit.‘“