Vom 27. Mai bis 31. Mai 2026 trafen sich in Eisenach rund 300 Nazis zum „Burschentag“ der „Deutschen Burschenschaft“. In der Parallelwelt der „Burschenschaften“ entspricht das jährliche Treffen der (einzigen) Zusammenkunft ihrer Legislative, während der „Verbandsrat“ die Exekutive und die „Ehrengerichte“ die Judikative spielen. Daneben gibt es noch den „Vorsitz“, den die „Aktiven“ stellen – in diesem Jahr das „Schwarz-Weiß-Rote Kartell“. Das dokunetzwerk rhein main schreibt:
„Den Vorsitz für den »Burschentag« hatte das Schwarz-Weiß-Rote Kartell inne – bestehend aus Philipp Compte als Sprecher von der Burschenschaft Frankonia Erlangen, Benedikt Weiß von der Halle-Leobener Burschenschaft Germania zu Halle sowie Benjamin Steiner von der Burschenschaft Germania Halle zu Mainz. Alle drei sind parteipolitisch in der Alternative für Deutschland (AfD) organisiert.“
Am Freitag machte die DB dann zum zweiten Mal einen Fackelmarsch von der Eisenacher Innenstadt zur ihrem „Burschenschaftsdenkmal“ oberhalb der Stadt. Dort, auf ihrem Privatgelände, hielt der brandenburgische AfD-Landtagsabgeordnete Dominik Kaufner eine Rede. Die Thüringer Allgemeine berichtet über die Gründe:
„Den Fackelmarsch zum Denkmal konnte die DB nicht wie bei der Premiere im Vorjahr am Markt starten. Die Gegendemonstration machte dem Ansinnen mit einer angemeldeten Versammlung einen Strich die Rechnung. So musste die Burschenschaft umstricken, startete polizeieskortiert an der Wandelhalle über Luisenstraße und Ofenstein hinauf zur Göpelskuppe.
Die Versammlungsbehörde Wartburgkreis stufte den Fackelumzug der gut 200 Burschenschafter übrigens nicht als Versammlung ein, war zu vernehmen. Die Nutzung öffentlichen Raums samt Absperrungen musste freilich organisiert und verantwortet sein. Warum Behörden diesen Schaulauf in der Stadt zulassen, fragen die Gegner laut. Eisenach mache der DB den Hof, hieß es bei der Zwischenkundgebung auf der Bachstraße, wo ein massives Polizeiaufgebot die beiden Aufzüge abschirmte.“
Wichtigstes Ergebnis des diesjährigen „Burschentags“ ist wohl, dass die „Burschenschaft Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken“ nach 14 Jahren wieder DB-Mitglied ist. Der Grund ihres Austritts 2012 war ein von Antifas geleaktes antisemitisches und rassistisches Protokoll. Darin heißt es unter anderem:
„Top2: Es wird ein Brief des jüdischen Weltkongresses verlesen, in dem man sich entschuldigt, unseren AH Jury in der Vergangenheit geschmäht zu haben und es wird weiterhin erklärt, dass in Zukunft der Name reingewaschen werden wird. Weiterhin soll ein Film gedreht werden mit dem Titel „Jurys Liste“,in welchem die Verdienste von AH Jury um das Weltjudentum aufgezeigt werden sollen. Desweiteren liegt ein Scheck über eine Million Dollar als kleine Abfindung bei. [...]
Es folgt ein kleines Progrom. Nach dieser Unterbrechung wird der GC fortgesetzt. [...]
Der antrag geht einstimmt durch, es werden 2 weitere Fidschi-Neger gelyncht. Cbr.. Dax steigt erneut aus dem Grab hervor und mahnt zur Mäßigung, schließlich seien gute Neger heute schwer zu bekommen. Er werde jedoch, da ihm das BUCH so gut gefällt, die Anschaffung 10 weiterer Neger finanzieren. Tief ergriffen führt man ein weiteres Progrom durch.“
Die Frankfurter Rundschau ruinierte daraufhin den Ruf der „Ghibellinia“:
„Der ,Alte Herr‘ Hugo Jury begann einst als Ghibelline, nach seiner Karriere in der NSDAP wurde er 1942 SS-Obergruppenführer. Laut Protokoll erwägen die Burschen, einen Film mit dem Titel ,Jurys Liste‘ zu drehen und neue Auflagen eines Buches zu drucken, mit dem anscheinend Adolf Hitlers ,Mein Kampf‘ gemeint ist.
So geht das weiter. ,Es folgt ein kleines Progrom‘, steht auf der zweiten Seite des Protokolls in mangelhafter Rechtschreibung. Beschrieben wird ein offenbar fiktives Pogrom der Burschen, bei dem ,zur Feier des Tages vier Neger gelyncht‘ werden, ,die man vorher weiß getüncht‘ habe. Unter ,Veranstaltungen für das nächste Semester‘ finden sich schließlich eine ,Aktivenfahrt nach Namibia zur Negerjagd‘ und ,zwei wöchentliche Progrome‘.“
Mittlerweile ist die gesamte „Deutsche Burschenschaft“ da, wo die „Burschenschaft Ghibellinia“ schon vor 14 Jahren war.