Der Spiegel (Archiv) berichtet wie zuvor hessische Medien über Morddrohungen in Form handgeschriebener Wandsprüche in der Philosophischen Fakultät der Philipps-Universität Marburg gegen Christina Brüning, Professorin für Didaktik der Geschichte. Die polizeilichen Ermittlungen zu den Morddrohungen verliefen ergebnislos, die Uni stellt Brünings Arbeitsgruppe mittlerweile klandestine Räume zur Verfügung.
Die 45-jährige Professorin selbst sieht die Drohungen als Folge ihres Engagements gegen Rechte und Nazis – insbesondere gegen die interkorporierte „Studentenhistorikertagung“ 2025 in Marburg. Die von „schlagenden“ Marburger Studentenverbindungen und dem „Arbeitskreis der Studentenhistoriker“ organisierte Veranstaltung musste aufgrund der antifaschistischen Marburger Herbstoffensive abgesagt werden und fand stattdessen im kleinen Kreis statt. Der Spiegel schreibt:
„Im vergangenen Herbst protestierte Brüning gegen eine von Burschenschaftern und anderen Verbindungen geplante »Studentenhistorikertagung« in Marburg. Dort seien, wie die Professorin und eine ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen es sehen, »Versuche der Geschichtsumdeutung« zu erwarten gewesen. Die beiden veranstalteten ein eigenes Podium mit Vorträgen im Marburger Rathaus. Das Burschenschaftertreffen fand am Ende nicht statt.
Eckart Conze, Dekan des Fachbereichs Geschichte und Kulturwissenschaft, sagt rückblickend, es habe »massive Angriffe und Vorwürfe aus dem rechten Milieu« gegen die Professorin gegeben, weil sie sich gegen das Treffen gewandt habe. Seine Kollegin sei damit »zu einer Figur geworden, auf die Hass projiziert worden ist«.
Auch wenn unklar sei, wer hinter den Morddrohungen stecke, gebe es »eine hohe Plausibilität, dass diese Angriffe von rechts kommen«, sagt Conze. Andere Lehrende am Fachbereich hätten ebenfalls nach Bekanntwerden der Drohungen berichtet, dass eine Gruppe von Studenten, die vermutlich bestimmten Marburger Burschenschaften nahestehen, in den vergangenen Jahren immer wieder Seminare gestört und sich provokativ geäußert habe, etwa wenn es um Genderthemen gegangen sei.“