Die Allgemeine Zeitung Mainz (Archiv | Disclaimer) berichtete am 19. Mai 2026 über die Macht der „Deutschen Burschenschafter“ in der rheinland-pfälzischen AfD: „Nahezu alle politischen Schlüsselpositionen in der rheinland-pfälzischen AfD sind mittlerweile von Burschenschaftern besetzt.“
Die AZ berichtet über Sebastian Münzenmaier, Damian Lohr, Michael Büge und Joachim Paul. Münzenmaier will vom stellvertretenden zum AfD-Landesvorsitzenden aufsteigen und damit Jan Bollinger beerben:
„Noch hat der Nicht-Burschenschafter Bollinger das Amt inne, doch Münzenmaiers Chancen gelten als gut. Parteiintern heißt es, der stellvertretende Landeschef sei in Wahrheit der starke Mann im Land. Der Pfälzer gilt in seinen Reihen als leutselig, professionell – und als bundespolitisch bestens vernetzt. Münzenmaier sei der zentrale Stratege und Strippenzieher hinter Parteichefin Alice Weidel, ist zu hören.
Zugleich zeigt Münzenmaier seit Jahren wenig Scheu vor dem rechtsaußenstehenden Umfeld der Partei – dem sogenannten Vorfeld. Dafür steht auch seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft Germania Halle zu Mainz, die der rheinland-pfälzische Verfassungsschutz wegen rechtsextremer Tendenzen beobachtet. Landesinnenminister Michael Ebling (SPD) stufte die politische Ausrichtung der Mainzer Burschenschaft als ,völkisch‘ ein.“
Münzenmaier verkündete seine Kandidatur am 9. Juni, wie die Tagesschau berichetete:
„Die bei der Landtagswahl deutlich gestärkte AfD wählt in knapp drei Wochen beim Landesparteitag in Bingen am 27. Juni einen neuen Landesvorsitzenden. Ob der amtierende Vorsitzende Jan Bollinger erneut antritt, ist noch unklar. Parteichef Bollinger war bereits drei Tage nach dem deutlichen Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl überraschend als Fraktionsvorsitzender abgewählt worden. Die Landtagsfraktion führt seither Michael Büge an.“
Während Michael Büge „Alter Herr“ der „Burschenschaft Gothia Berlin“ ist, gehört Sebastian Münzenmaier der „Burschenschaft Germania Halle zu Mainz“ an. Die AZ berichtete auch über „Münzenmaiers Vertrauter Damian Lohr“, ebenfalls Mitglied der „Germania“:
„Lohr ist Parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion und war früher Bundesvorsitzender der inzwischen aufgelösten AfD-Jugendorganisation ,Junge Alternative‘. In der Partei gilt er als Organisator im Schatten Münzenmaiers – und als wichtiges Bindeglied zwischen AfD und Burschenschaften. [...]
Auch in weiteren Schlüsselpositionen der AfD Rheinland-Pfalz finden sich DB‑Burschenschafter. Joachim Paul (Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn) ist bildungspolitischer Sprecher und stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion. Bildungspolitik gilt als zentrales landespolitisches Feld, da hier ein Großteil der Entscheidungen vom Land selbst getroffen wird.
Der rheinhessische AfD-Politiker Alexander Jungbluth (Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn sowie Germania Halle zu Mainz) sitzt als Münzenmaier-Vertrauter im EU-Parlament und ist zugleich Schatzmeister der Bundespartei. Das verschafft dem Netzwerk zusätzlichen Einfluss auf weiteren politischen Ebenen.“
Als Emporkömmling des Fußvolks führt die AZ Benjamin Steiner von der „Germania Mainz“ an:
„Ein Beispiel dafür ist Benjamin Steiner (Germania Halle zu Mainz). Vor drei Jahren noch als Burschenschafter im Vorfeld aktiv, hat der Mainzer den Sprung als Funktionär in die Partei geschafft. Er sitzt als stellvertretender Fraktionschef im Mainzer Stadtrat und als stellvertretender Vorsitzender in der neuen AfD-Landesjugend ,Generation Deutschland Rheinland-Pfalz‘.“
Auch in der Spiegel TV-Reportage zum diesjährigen „Burschentags“ in Eisenach kommt Steiner vor – als einer von „mehr als einhundert Burschen“, die bereits auf dem Ticket der AfD in deutsche Parlamente eingezogen sind.
Zur Bebilderung der Charakterisierung der DB als „völkisch, national, rückwärtsgewandt“ eignen sich der aktuelle DB-Vorsitzende Philipp Compte von der „Burschenschaft Frankonia Erlangen“ und die Anwesenheit des bayerischen „Dritten Weg“-Chefs Thorsten Kokula zu einem Fechtkampf auf dem „Frankonenhaus“ am 30. Juli 2025 ganz hervorragend.
Benjamin Nolte von der „Burschenschaft Danubia München“ kommt ebenso vor wie Kevin Dorow von der „Alten Königsberger Burschenschaft Alemannia Kiel“ und der „Burschenschaft Germania Hamburg“. Auch das Vernetzungstreffen des „Jungeuropa-Verlags“ von Philip Stein von der „Marburger Burschenschaft Germania“ am 2. Mai 2026 in Altenburg ist Thema.
Auch wurde der Messerangriff von Florian Kanz, damals von der „Burschenschaft Rheinfranken Marburg“, am 15. Februar 2023 auf einem Verbindungshaus in Bingen nachrecherchiert. Kanz wurde im Prozess wegen versuchten Totschlags – das rechtsradikale Motiv wurde vom Gericht ignoriert – von dem Nazianwalt und „Rheinfranken“ Björn Clemens verteidigt.
Schließlich wurde noch Hans Kornstädt von der „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ geoutet – auf dem „Burschentag“, als vermummter „Raczek“ und als Fackelträger auf dem „Sonnwendfeier“ der „Jungen Nationalisten“/JN, der Parteijugend von „Die Heimat“/NPD, am 15. Juni 2024 in Eschede. Kornstädt wird der „identitären“ Gruppe „Revolte Rheinland“ zugerechnet.