Die „Deutsche Burschenschaft“ (DB), der Dachverband der deutschen Naziburschenschaften, wählt normalerweise jährlich bei ihrem „Burschentag“ eine „Burschenschaft“, die im darauffolgenden Jahr den Vorsitz des Dachverbands übernimmt. Beim „Burschentag“ 2026 fiel die Wahl einer „Vorsitzenden Burschenschaft“ für das Geschäftsjahr 2027 jedoch mangels Kandidaturen aus. Jetzt plant die DB eine schriftliche Wahl und auf dem Wahlzettel steht genau ein Name: Die „Burschenschaft Nibelungia zu Wien“.
Die „Nibelungia“ wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als eine „fachstudentische Burschenschaft“ gegründet und gab sich erst um die Jahrtausendwende das Label „akademisch“, was sie in den elitären Burschenschafterkreisen etwas suspekt erscheinen lässt. Im Jahr 2005 trat sie der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ bei, dem rechtsradikalen Flügel innerhalb der rechtsradikalen DB. Erst im Jahr 2012 wurde die „Nibelungia“ Mitglied der DB.
Ihre braune Gesinnung versteckt die Naziburschenschaft nicht. In einer Selbstdarstellung in den „Burschenschaftlichen Blättern“ schrieb der Altherrenvorsitzende Gerald Brettner-Messler 2024:
„Die NS-Zeit überdauerte Nibelungia als Kameradschaft im Deutschen Schulverein bzw., nach dessen Eingliederung, im Verein für das Deutschtum im Ausland – ein Umstand, der auf das enge Verhältnis zu dieser bedeutenden nationalen Schutzorganisation zurückzuführen ist.“
Zu den Mitgliedern der „Nibelungia“ gehören wie bei österreichischen Naziburschenschaften üblich auch FPÖ-Funktionäre: Einer der „Alten Herren“ ist der FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker.