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Mittwoch, 01.04.2026
Am 28. März 2026 fand in London die größte antifaschistische Demonstration in der Geschichte des Vereinigten Königreichs statt. Luftaufnahmen zeigten riesige Menschenmengen in der Mitte von London. Während die VeranstalterInnen von einer halben Million Menschen sprachen, zählte die Londoner Polizei nur ein lächerliches Zehntel davon.
Die Demonstration richtete sich gegen die Nazipartei „Reform UK“ von Nigel Farage, die in einer YouGov-Umfrage vom 11. März zur Zeit mit 23 % vor den Konservativen und den Grünen mit jeweils 19% liegen, während Labour nur noch auf 17% und die LibDems auf 14 % kommen. Am 13. September 2025 hatte der EDL-Gründer „Tommy Robinson“ einen erheblich kleineren Naziaufmarsch in London organisiert.
Presse: Guardian | BBC | Independent | Searchlight -
Donnerstag, 02.04.2026
Der „Arbeitskreis der Studentenhistoriker“ (AKSt) will seine nächste „Studentenhistorikertagung“ im Harz veranstalten und nicht mehr länger in Tübingen. Vom 9. bis 11. Oktober 2026 soll die „86. deutsche Studentenhistorikertagung“ in Clausthal-Zellerfeld stattfinden. Ausrichten wird die Tagung das „Corps Montania“ im „Weinheimer Senioren-Convent“ (WSC) sowie die ebenfalls pflichtschlagende „Freie Burschenschaft Schlägel und Eisen“.
Der Grund für die Wahl der hintersten niedersächsischen Provinz ist der verhinderte Tagungsversuch im altehrwürdigen Marburg 2025: „Im letzten Jahr sind wir massiven Bedrohungen der Antifa ausgesetzt gewesen, die dazu führten, daß wir nicht wie geplant in Marburg tagen konnten. Ja, sie haben’s geschafft. Aber wir zürnen nicht. Wir bemitleiden sie lediglich wegen des Hasses, den sie in sich tragen.“
Die Korpo-Tagung musste schließlich still und heimlich im engsten Kreis völlig woanders stattfinden. Wir können daher die diesjährigen Bitten nachvollziehen, „verantwortungsvoll mit dieser Einladung umzugehen. Alle Korporierten, alle unsere Freunde sollen recht zahlreich erscheinen! Aber diejenigen in diesem Lande, die uns drohen, die uns hassen, sollen nicht erfahren, wo wir uns friedlich und in Freundschaft jederman gegenüber treffen wollen.“ -
Freitag, 03.04.2026
Die taz hat am 16. März über Hella Hättasch berichtet. Sie ist die Ehefrau von Kurt Hättasch, ein als „Sächsischer Separatist“ angeklagter früherer AfD-Funktionär, dem bei der Festnahme „von einem Polizisten in den Kiefer geschossen“ wurde. Aber sie ist auch Miteigentümerin des Nazitreffs „Haus Montag“ im sächsischen Pirna:
„Unterstützt wird Hättasch bei seiner offensiven Verteidigung von seiner Frau Hella. Sie übermittelte anscheinend die Tagebuchinhalte ihres Mannes aus dem Knast an einen rechten Blog, traf sich mit dem AfD-Politiker Björn Höcke, der sodann von einer „anständigen Familie“ sprach, der „übel mitgespielt“ worden sei. Als betroffene Ehefrau und junge Mutter gab sie auch dem rechten Sender Auf1 ein Interview vor der Kulisse ihrer guten Stube, in dem sie sich verwundert zeigte, dass die Familie überhaupt bei irgendwem auf dem Schirm sei. Sie selbst sei eine ,normale junge Frau mit Baby‘.
Recherchen der taz zeigen nun: Auch Hella Hättasch weist engere Bezüge zu Akteuren der rechtsextremen Szene auf als bislang öffentlich bekannt. Auszüge aus dem Grundbuchamt, die der taz vorliegen, belegen: Ihr gehört ein Anteil an dem ,Haus Montag‘ in Pirna, das von Sicherheitsbehörden und Medien seit Jahren als Treffpunkt der neonazistischen Szene eingeordnet wird. Hella Hättasch ist im Grundbuch mit ihrem Geburtsnamen bereits seit Jahren als Miteigentümerin eingetragen, zusammen mit ihrem Vater Thomas Sattelberg sowie Max Schreiber, die beide für lange Karrieren in der extrem rechten Szene bekannt sind. [...]
Max Schreiber, Thomas Sattelberg und seine Tochter Hella sind seit dem 24. Oktober 2023 offiziell im Grundbuch als Eigentümer des ,Haus Montag‘ eingetragen, wie aus den Auszügen des Amts hervorgeht. Hella Hättasch gehört ein Fünftel des Hauses, Sattelberg und Schreiber jeweils zwei Fünftel.“
Hella Hättasch stellte Kubitscheks und Lehnerts Naziblog „Sezession“ „das handschriftliche Tagebuch ihres Mannes zur Abschrift und zur Veröffentlichung zur Verfügung“. Darin beschreibt der inhaftierte Nazi in bemitleidenswerter Prosa die SEK-Razzia, die ihm die Visage eines Erstweltkriegsveteranen beschert hat. Es ist eigentlich einerlei, ob Hättasch tatsächlich in gutem Glauben „nur“ Antifas ermorden wollte, nachdem er den Notruf gewählt hatte, oder ob er die Gelegenheit sah, einen Polizisten „in Notwehr“ erschießen zu können und danach so eine Räuberpistole zu erzählen:
„Jetzt nur noch auf die Polizei warten, aber die Gefahr, dass die Truppe ausreißt, wird immer größer. Unsere Straße ist eine Sackgasse, und ich könnte durch den Hinterausgang über das Feld zur Einmündung der Straße laufen, um ihnen dort den Weg abzuschneiden. Was soll ich auch sonst tun? Vor dem Haus sind es zu viele, bestimmt zehn Mann, da lässt sich nichts ausrichten.
Ich gehe zu meinem Jagdwaffenschrank, nehme den Schlüssel und öffne die Tür. Zuerst greife ich zu einem Jagdgewehr, aber finde keine passende Munition dazu, also stelle ich es wieder zurück und greife zu einem anderen Karabiner. Ich lade aufgeregt die Patronen ein und verriegele den Schrank wieder. In einer derart bedrohlichen Angriffssituation ist ein solches Vorgehen durchaus legal, ,Notwehr‘ oder ,rechtfertigender Notstand‘ heißt das, meine ich, hat man als Waffenbesitzer ja alles mal brav gelernt. Man stelle sich außerdem vor, die Extremisten stürmten tatsächlich das Haus und hätten ihrerseits Zugang zu den Waffen!“
Aber lief ja am Ende doch noch alles gut für Kurt: „Ihr Unterkiefer ist stark fragmentiert. Wir werden die Knochenstücke richten und den Unterkiefer durch eine Titanplatte, Schrauben und Draht in seine alte Form bringen. Das Projektil, das Ihren Unterkiefer zerschlagen hat, wurde nach dem Durchschuss abgelenkt und steckt jetzt in Ihrer rechten Schulter. Dieses werden wir entfernen und anschließend alles vernähen. Der Eingriff wird mehrere Stunden dauern, aber sie werden davon nichts mitbekommen.“ -
Samstag, 04.04.2026
Der Schweizer Mailanbieter Proton, der für sich mit „Proton: Privacy by default“ wirbt, hat Nutzerdaten ans FBI übermittelt. Daraufhin wurde ein bis dahin anonymer „Stop Cop City“-Aktivist vom FBI identifiziert. Dies wurde über US-Akten bekannt, welche die US-Medienseite 404 Media (Archiv | Disclaimer) einsehen konnte.
Konkret wollte das FBI einen Namen hinter der Mailadresse defendtheatlantaforest @protonmail.com [dpc]. Die Mailadresse gehört zu einer Protestbewegung, die südöstlich von Atlanta, Georgia aktiv ist. Bekannt wurde sie von 2020 bis 2023 durch die Proteste gegen das 2025 eröffnete „Atlanta Public Safety Training Center“. Für das Ausbildungszentrum der Polizei wurden Teile des South River Forests im DeKalb County abgeholzt. Die Bewegung gegen die „Cop City“ im Wald nannte sich „Stop Cop City“ und „Defend the Atlanta Forest“.
Am 18. Januar 2023 wurde Manuel Esteban Paez Terán, indigene*r und queere*r Anarchist*in aus Venezuela und besser bekannt als Tortuguita, durch amerikanische Polizisten erschossen. Georgia State Troopers räumten ab 9 Uhr morgens das Protestcamp und forderten Tortuguita erfolglos auf, das Zelt zu verlassen. Daraufhin feuerten die Polizisten Pfeffergranaten in Tortuguitas Zelt, woraufhin Tortuguita in Panik geriet und vier 9 mm Pistolenkugeln zurückschoss. Tortuguita wurde von sechs Troopern erschossen. Zwar wurde auch einer der Trooper angeschossen, aber es ist bis heute nicht aufgeklärt, wer die Kugel abfeuerte. Am 9. Februar 2023 veröffentlichte die Polizei von Atlanta Aufnahmen einer Bodycam. Darin ist zu hören, wie einer der Trooper sagt: „You fucked your own officer up.“
Im Fall der durch Proton ans FBI herausgegebenen Daten ging es jedoch weder um den angeschossenen Trooper, wie Proton fälschlicherweise zu seiner Verteidigung behauptete, noch gab es überhaupt eine Anklage. 404 Media schreibt: „Informationen, die das FBI erhielt, wiesen eine bestimmte Person als Zahlungsquelle für ein bestimmtes Proton Mailkonto aus. ,Am 25. Januar 2024 ergaben die von der Schweizer Rechtshilfeabteilung erhaltenen Teilnehmerdaten, dass [vollständiger Name] (BETREFF) als Zahlungsquelle für die Proton-E-Mail-Adresse [dpc] fungierte‘, heißt es darin. 404 Media veröffentlicht den Namen der Person nicht, da sie laut Recherchen in Gerichtsdatenbanken offenbar nicht angeklagt wurde.“
Proton hat damit dem FBI geholfen, eine Person für den Blog der Protestbewegung verantwortlich zu machen: „Das Dokument führt weiter aus, dass das FBI davon ausgeht, dass die Person, die das Proton-Mailkonto verwaltet, wahrscheinlich administrativen Zugriff auf den Blog hat. Das FBI erhielt Informationen zu diesem Proton-Mailkonto von den Schweizer Behörden im Rahmen eines Rechtshilfeabkommens.“
Presse: 404 Media | Heise | Golem | Netzwoche | Standard | Steiger Legal -
Sonntag, 05.04.2026
Am 28. März fand in Ettlingen eine AfD-Veranstaltung mit Martin Sellner, Maximilian Märkl und Aaron Franz statt. Die AfD schreibt von „190 geladenen Gästen“. Im Vorfeld und am Ettlinger Schlossplatz gab es Proteste.
Aaron Franz ist seit kurzem baden-württembergischer Vorsitzender der „Identitären Bewegung“. Der Zeitungsverlag Waiblingen schreibt in Bezug auf die IB-Aktion in Untertürkheim im September 2024, wegen der Aarons Bruder Tim Franz angeklagt war, und die Fake-Ankündigung einer IB-Parteigründung im August 2025 zur baden-württembergischen Landtagswahl im März 2026 durch die Gebrüder Franz:
„In einer Presseanfrage wollten wir von Aaron [Franz] [...] wissen, warum er nun die ,Identitäre Bewegung Schwaben‘ leitet. Wir wollten wissen, wie seine Familie zu seiner Laufbahn bei der rechtsextremen Gruppe steht – bei seinem Bruder ist es klar, aber was ist mit dem Rest?
Wir wollten wissen, was Aaron F. damals mit der Drohne in Tatortnähe vorhatte und warum er über eine angebliche Teilnahme an der Landtagswahl gelogen hat. Wir wollten wissen, ob die AfD Ettlingen Maximilian Märkl und ihn kürzlich zu einer Veranstaltung eingeladen hat – die rechtsextreme Partei selbst hat Fotos der beiden veröffentlicht und schweigt sich nun darüber aus. Antworten haben wir keine erhalten.“
Die AfD-Veranstaltung fand im Ettlinger Restaurant „Esskultur“ statt, dem Clubhaus des FV Ettlingenweier. Der Wirt Nail Ekic war so begeistert von den Nazis, dass er der AfD angeboten hat, ihren monatlichen Stammtisch in seinem Restaurant Am Sportplatz 27 in 76275 Ettlingen abzuhalten.
Ursprünglich hätte die AfD-Veranstaltung im Restaurant „Imperium“ stattfinden sollen, dem Clubhaus des FV Sulzbach. Die Badische Neuesten Nachrichten erinnern an die Naziveranstaltung der „Jungen Alternative“ im August 2024, die zu Antifa-Interventionen führte:
„Der FV Sulzbach hat in Sachen AfD-Veranstaltungen bereits seine Erfahrungen gemacht: Im Sommer 2024 hatte die inzwischen aufgelöste Junge Alternative im Imperium ihr Sommerfest gefeiert. Der Verein hatte sich danach klar von der Veranstaltung distanziert.“
Trotzdem fanden im „Imperium“ noch bis vor kurzem die Ettlinger AfD-Stammtische statt. Aber da das zukünftig nicht mehr der Fall ist – der andere Fußballverein übernimmt ja die AfD-Bewirtung – sind nun alle übertrieben entsetzt. Denn klar, niemand hatte die Nazis Monat für Monat in der Alten Reute 1 in 76316 Sulzbach bemerkt.
Organisiert wurde die Veranstaltung vom Ettlinger AfD-Stadtrat und „1. Sprecher“ des AfD-Ortsverbands, Thomas Möckel, sowie der „Schriftführerin“ der Ettlinger AfD, seiner Ehefrau Nicole Möckel. Die AfD-Möckels wohnen in der Bulacher Straße 8 in 76275 Ettlingen.
Der erfolglose Ettlinger AfD-Landtagskandidat Thomas Markus Kastell kündigte laut BNN am 4. April die Niederlegung seines Stadt- und Kreistagsmandats an. Kastell hatte auf seiner Facebook-Seite den Sellner-Auftritt begrüßt, verteidigt und dazu aufgerufen, hinzugehen. Ein klarer Widerspruch zu den Äußerungen des AfD-Bundesvorstands, über welche die Tagesschau im Februar berichtete:
„AfD-Mitglieder sollen nach dem Willen der Bundesspitze keine Veranstaltungen mit der Führungsfigur der als rechtsextremistisch eingestuften ,Identitären Bewegung‘ (IB), Martin Sellner, mehr durchführen.“ -
Montag, 06.04.2026
Der AfDler Chris Hegel aus Aalen (Ostalbkreis) bewirbt seit einigen Wochen seine Kandidatur als Landesvorsitzender des noch zu gründenden baden-württembergischen Landesverbands der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD). Hegel ist von Beruf Polizist und wurde bei der baden-württembergischen Landtagswahl am 8. März 2026 für den Wahlkreis Aalen über die AfD-Landesliste in den Landtag gewählt.
Chris Hegel versteckt weder seinen Rassismus („entweder wir setzen Remigration jetzt durch oder wir verlieren unsere Heimat für immer“) noch seine völkische Ideologie („unser Tun oder Nichtstun wird am Ende entscheiden, ob Deutschland die Heimat der Deutschen bleibt“).
Allerdings versteckt Hegel seine Vergangenheit hinter Phrasen wie „es war mir relativ schnell klar, dass ich ein Rechter bin“. Die Plattform dafür bot ihm zwei Wochen vor der Landtagswahl die Schwäbische Zeitung.
Bis Dezember 2025 war Gabriel Kords Chefredakteur der Schwäbischen Zeitung. Mittlerweile hat er diese Position beim Nordkurier inne, der 2021 vom „Schwäbischen Verlag“ übernommen wurde. Am 14. April 2026 um 18:30 Uhr ist Gabriel Kords zu Gast bei der AfD-Landtagsfraktion im Schweriner Schloss. Neben Kords hat die AfD den Naziinfluencer Boris Morgenstern und den „Junge Freiheit“-Chefredakteur Dieter Stein angekündigt. Das Thema: „Medienmacher im Meinungsmarkt der Zukunft“.
Für das Verständnis wesentlich ist jedoch wie so oft in Deutschland die Vergangenheit. Im September 2016 besuchte Chris Hegel eine Naziveranstaltung der Pforzheimer Nazigruppierung „Freundeskreis ein Herz für Deutschland“ (FHD), bei der ein „Zeitzeuge“, in diesem Fall der im Jahr 2020 gestorbene Nazioffizier und „Ritterkreuzträger“ Ludwig Bauer, einen Vortrag halten sollte. Beworben wurde diese Veranstaltung unter anderem von dem heutigen Unternehmens- und AfD-Berater Armin Allmendinger, der dafür sein Pseudonym „Identitäre Aktion Ellwangen“ nutzte:
„Betreff: Fw: FHD-Pforzheim Zeitzeugenvortrag
Von: freiheitliche-ostalb@web.de
Datum: 15.09.2016
ZUR INFO Identitäre Grüße, IAE
Weitergeleitete Nachricht:
Betreff: FHD-Pforzheim Zeitzeugenvortrag
Von: kontakt@fhd-pforzheim.de
Gesendet: 13.09.2016
Liebe Freunde und Mitglieder,
hiermit laden wir Euch recht herzlich zu unserer nächsten Veranstaltung ein.
Thema: Ein Offizier und Ritterkreuzträger der Panzerwaffe berichtet von seinen Erlebnissen an der Ost- und Westfront
Datum: Sonntag, den 25.09.2016
Ort: Großraum Pforzheim
Einlaß: 14:30 Uhr – Beginn: 15:00 Uhr
Für weitere Informationen wendet Euch bitte an unsere Infonummer: 0176/25188817
1941 bewarb sich unser Referent mit 17 Jahren als Offiziersanwärter bei der Wehrmacht. Er nahm an den Kämpfen vor Moskau, bei Woronesh, bei Rshew und im Raum Kriwoi Rog teil. 1944 wurde sein Regiment nach Frankreich verlegt. Dort kämpfte er an der Invasionsfront. und nahm anschließend an der Ardennen-Offensive teil. Am 29. April 1945 wurde ihm das Ritterkreuz verliehen. Er selber wurde in seinem Panzer insgesamt 9x abgeschossen und mehrfach verwundet. Neben dem Ritterkreuz wurden ihm das Verwundetenabzeichen in Gold, Das Panzerkampfabzeichen in Silber (II. Stufe), beide Eisernen Kreuze sowie die Ostmedaille verliehen.
Im Mai 1946 folgte die Entlassung aus der US-Kriegsgefangeschaft.
Das dürfte so ziemlich das letzte Mal sein einen derart hochdekorierten Weltkriegsteilnehmer bei uns begrüßen zu können. Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes wurde während des 2. Weltkriegs nur ca. 7.000 mal verliehen und gilt als höchste deutsche Tapferkeitsauszeichnung. Als Voraussetzung für die Verleihung galten besondere Tapferkeit vor dem Feind oder hervorragende Verdienste in der Truppenführung.
Deshalb solltet Ihr unbedingt die Gelegenheit wahrnehmen und den Vortrag nicht verpassen. Besonders Jugendlichen, die heute in den Schulen von überwiegend grün-roten Lehrern ein völlig verzerrtes Geschichtsbild vermittelt bekommen, ist die Veranstaltung zu empfehlen.
Mit kameradschaftlichen Grüßen
FHD“
Chris Hegel entsprach als Jugendlicher genau der Zielgruppe und ließ sich von den örtlichen NPD-Nazis nach Pforzheim chauffieren. Er schrieb an die damalige NPD-Aktivistin und heutige „Die Heimat“-Landesvorsitzende Marina Djonovic in einem privaten Chat: „Dominik wollte mich mitnehmen, bei dem ist aber das Auto verreckt^^“. Nach einigem Hin und Her instruierte ihn Djonovic: „Schreib mir kurz deine Adresse dann holen wir dich ab“. Chris Hegel antwortete mit „Lerchenweg 2 ,Ellwangen“, „Schreib mir wenn du in der Nähe bist, ich kann auch runter zur Bushaltestelle vor HG/EBR kommen“ und „Bin in 1 min da“.
Nach dem FHD-Vortrag schickte Marina Djonovic dann Einladungen zu internen NPD-Veranstaltungen an Chris Hegel. Wenig später begann er seine Ausbildung bei der Polizei. -
Dienstag, 07.04.2026
Am 11. März 2026 gab es Razzien gegen den Naziverlag „Der Schelm“. Die Tagesschau schrieb:
„Die Zuständigkeit liegt bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe. Nach rbb-Informationen wurde in Deutschland an acht Orten in Brandenburg, Baden-Württemberg, Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen durchsucht. Bei der Razzia stellten die Einsatzkräfte NS-Devotionalien, Propagandamaterialien, elektronische Datenträger und andere Beweismittel sicher. In Polen ließen die Ermittler per Amtshilfe eine Druckerei und in Spanien eine Lagerhalle sowie Privat- und Firmenräume durchsuchen. [...]
Sechs Männern und zwei Frauen deutscher Herkunft wirft die Karlsruher Staatsanwaltschaft unter anderem vor, ,in 488 Fällen gemeinschaftlich volksverhetzende Druckwerte von 2022 bis 2024 hergestellt, verbreitet, geliefert und vorrätig gehalten zu haben‘, wie Sprecher Manuel Graulich der Redaktion rbb24 Recherche mitteilte. Ein Druckereibesitzer ist der Beihilfe beschuldigt. Hauptbeschuldigter ist der aus Leipzig stammende und bereits vor Jahren nach Moskau geflüchtete Verlagsinhaber und Rechtsextremist Adrian [Preißinger].“
Im April 2024 waren Enrico Böhm und Annemarie Kunze wegen des Verlagsbetriebs zu Knaststrafen verurteilt worden. Offenbar ist dem Naziverlag schon vor einiger Zeit die Kundendatenbank verlustig gegangen:
„Die Webseite des ,Schelms‘ ist in Estland angemeldet. Exklusiv verfolgte rbb 24 Recherche zwei Jahre lang die neuen Vertriebsstrukturen und analysierte den Kundenstamm des Verlags. Die etwas mehr als 11.000 Besteller kommen aus aller Welt. Zu den deutschen Kunden sollen bekannte Neonazis sowie Lokalpolitiker der AfD aus mehreren Bundesländern gehören.
Die Mehrzahl der Käufer scheint jedoch nach einer exklusiven Auswertung des rbb aus der Mitte der Gesellschaft zu stammen: Unternehmer, Handwerker, Anwälte, Ärzte, Polizisten, Lehrer, Pfarrer, Buchhändler, Altenpfleger, Feuerwehrmänner. Der Präsident eines Schützenvereins soll mindestens acht Bücher bestellt haben, darunter ,Judas Schuldbuch‘ und die ,Diktatur Bundesrepublik Deutschland‘ des Holocaust-Leugners Germar Rudolf.
Ein vom Verfassungsschutz aus Hessen als ,rechtsextremistisch‘ bezeichneter Verlag bestellte mindestens zwanzig Mal Nachdrucke von Kinderbüchern aus der NS-Zeit: ,Giftpilz‘ und den ,Pudelmopsdackelpinscher‘. Die Bücher stehen seit 2018 auf dem Index der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendschutz.“
Am 25. März haben die baden-württembergischen Grünen eine Kleine Anfrage gestellt, um „die Durchsuchungsmaßnahmen und das Netzwerk des rechtsextremistischen Verlags ,Der Schelm‘ in Baden-Württemberg genauer beleuchten.“
Presse: Tagesschau | RBB | hr | MDR | FAZ -
Mittwoch, 08.04.2026
In Straßburg wurde am 3. April 2026 ein Mann aufgrund einer Chatbot-Unterhaltung von einer Spezialeinheit festgenommen und anschließend in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Der Mann hatte dem geschwätzigen Chatbot erzählt, dass er beabsichtige eine Waffe zu kaufen, um einen „Geheimagenten der CIA, des Mossads oder des DGSI“ (französischer Inlandsgeheimdienst) zu töten. Die Nachricht des nicht näher benannten Chatbots wurde vom FBI an die französischen Behörden übermittelt, was zu der Razzia führte.
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Donnerstag, 09.04.2026
Google hat im August 2025 „eine neue Sicherheitsebene“ für Android Apps angekündigt und im März 2026 eingeführt. Ursprünglich hieß es, dass ab September 2026 keine App mehr an Google vorbei installiert werden kann:
„Indem wir Android sicherer machen, schützen wir die offene Umgebung, in der Entwickler und Nutzer vertrauensvoll Inhalte erstellen und sich vernetzen können. Die neue Entwicklerbestätigung für Android ist eine zusätzliche Sicherheitsebene, die böswillige Akteure abschreckt und es ihnen erschwert, wiederholt Schaden anzurichten. Ab September 2026 müssen Apps in ausgewählten Regionen von einem bestätigten Entwickler registriert werden, damit sie auf zertifizierten Android-Geräten installiert werden können.“
Dagegen formierte sich Widerstand in Form der „Keep Android Open“-Kampagne. Google hat reagiert und angekündigt, eine Ausnahmemöglichkeit zu schaffen, um doch nicht von Google notarisierte Apps zu installieren.
Graphene OS, eine Android-Alternative für Pixel-Handys von Google (und demnächst Motorola), ist von Googles Ankündigung anderweitig betroffen. Zwar gelten dort Googles App-Beschränkungen nicht, aber Graphene wird regelmäßig auf Basis des Google Android-Codes gebaut. Der soll zukünftig nur noch zweimal jährlich veröffentlicht, aber nicht-öffentlich entwickelt werden.
Auf Apple-Geräten war es abseits von Jailbreaks noch nie möglich, Apps an Apple vorbei dauerhaft zu installieren. Zwar gibt es kein freies Betriebssystem für iPhones, dafür aber Linux für Apple Silicon bis zu M2-Prozessoren auch in der in Europa weit verbreiteten Debian-Variante.
Bei der Nutzung von iOS/macOS sollte bei Apple-Geräten der „Blockierungsmodus“ („Lockdown Mode“) und der „Erweiterte Datenschutz“ („Advanced Data Protection“) aktiviert sein.
Der „Erweiterte Datenschutz“ ist Apples Bezeichnung für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Daten, die über iPhones, Macs & Co. (oft unbewusst) in der iCloud gespeichert werden. Durch die Aktivierung wird den Ermittlungsbehörden der Umweg über iCloud verwehrt, um an Daten wie Kalendereinträge oder manchmal ganze Backups zu gelangen.
„Zum Lockdown Mode“ sagte eine Apple-Sprecherin gegenüber Tech Crunch: „Uns sind keine erfolgreichen Spyware-Angriffe auf Apple-Geräte mit aktiviertem Lockdown-Modus bekannt.“
Aus den Erfahrungen mit der Repression nach dem linksunten-Verbot wissen wir, dass bei Einhaltung der üblichen Sicherheitsvorkehrungen nicht nur Handys mit GrapheneOS, sondern auch Apple Silicon-Geräte mit aktiviertem Lockdown-Mode für Polizei und Geheimdienste in Deutschland nicht mehr als ein Backstein sind. Den sie irgendwann widerwillig rausgeben müssen, damit er zurückgeworfen werden kann. Oder aphoristisch als Clickbait formuliert: „MacBook. Schlag zu, wenn du was zu verbergen hast.“ -
Freitag, 10.04.2026
Am 6. April 2026 haben der Kyiv Independent und die antirussische OSINT-Gruppe TUA Research eine Recherche veröffentlicht: „Die Enttarnung der anonymen Moderatoren von ,Russians With Attitude‘ – einem kriegsbefürwortenden Podcast, der in der US-Rechten populär ist.“
Der Kyiv Independent ist ein ukrainisches Online-Medium in englischer Sprache, das im November 2021 von zuvor gefeuerten JournalistInnen der Kyiv Post gegründet wurde – drei Monate vor Beginn des russischen Angriffskriegs.
„In ihrem Podcast fordern ,Kirill‘ und sein Co-Moderator ,Nikolay‘ die Annexion von Teilen der Ukraine durch Russland, propagieren die Vorstellung einer ,erzwungenen, feindseligen ukrainischen Identität‘ und setzen sich für ein Verbot der ukrainischen Sprache ein.“ Am vierten Jahrestag der russischen Invasion postete ,Kirill‘: „Der Feind verdient es, vernichtet zu werden.“
Die Zielgruppe des Podcasts lebt in den USA: „Das im Jahr 2020 gestartete Projekt ,Russians With Attitude‘ (,RWA‘) – ein Podcast und Social-Media-Projekt – hat sich eine Gefolgschaft unter englischsprachigen rechten Zielgruppen aufgebaut, vorwiegend in den Vereinigten Staaten. Das Projekt produziert Inhalte rund um das Thema Russland, mit einem Schwerpunkt auf Geschichte und Politik, wobei Ereignisse konsequent durch eine ultranationalistische Brille betrachtet werden.“
Die Recherche deckt die Identität der beiden bisher anonymen Männer auf, die hinter „Russians With Attitude“ stehen. Der laut Eigenbeschreibung „wöchentliche Podcast von zwei Russen, die durch die Höllenlandschaft der amerikanischen kulturellen Hegemonie navigieren“ wird produziert von Eldar Orlov und Kirill Kamenetsky.
Kirill Kamenetsky ist früh mit seiner Familie aus Russland nach Deutschland emigriert. Hier verbrachte er den Großteil seines Lebens, bevor er nach einer Hausdurchsuchung wegen Finanzierung des russischen Terrors 2025 nach Russland zog.
In Deutschland war Kirill Kamenetsky „Burschenschafter“. Bereits 2015 war Kamenetsky im Umfeld der „Normannia Heidelberg“ aktiv, wie Antifas damals auf Indymedia linksunten berichteten:
„Der Russe Kirill Kamenetsky, der wegen seiner ,nichtarischen‘ Abstammung in der Deutschen Burschenschaft nicht als Vollmitglied aufgenommen werden kann, füllt zur Zeit als ,Freund des Bundes‘ die Reihen der Normannen-Aktivitas auf.“
Diese Einschätzung erwies sich als falsch, denn 2017 war die „Burschenschaft Normannia“ Mitglied der „Deutschen Burschenschaft“. Im Vorwort unseres Communiqués „Nachruf auf die Burschenschaft Normannia Heidelberg“ zitieren wir eine Mail von Kamenetsky aus dem Jahr 2017 zu Dubravko Mandic:
„Auf dem Burschentag hat sich Herr Vbr. Mandic, Alter Herr der Freiburger Burschenschaft Saxo-Silesia, unserer Aktivitas gegenüber in höchstem Maße ungebührlich verhalten. Er hegt einen Groll gegen unseren Bund, seit ich bei einer privaten Veranstaltung seine Begleitung des Hauses verwiesen habe. Er hat sowohl unsere Aktiven als auch unseren Bund als Ganzes auf die gröbste und asozialste Art beleidigt, die man sich nur vorstellen kann; später hat er sich auch zu Tätlichkeiten hinreißen lassen, er hat Bbr. Rotärmel mit Geld beworfen und ist mir gegenüber körperlich geworden.“
Damals unterschrieb er mit „Kirill Kamenetsky N!x“, denn Kamenetsky war im Sommer 2017 der Sprecher der später aufgelösten „Aktivitas“ der „Burschenschaft Normannia“. Der Kyiv Independent schreibt:
„Kamenetskys Vergangenheit in deutschen und russischen Nazikreisen ist dokumentiert. Eine Schweizer Website nennt seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft Normannia Heidelberg, die nach extremistischen und antisemitischen Vorfällen suspendiert wurde. Eine deutsche Antifa-Website veröffentlichte einen Bericht mit einer angeblichen E-Mail von Kirill Kamenetsky aus dem Jahr 2017, die auf eine Führungsrolle in der Gruppe hindeutet; als Absender war sein vollständiger Name angegeben. Der Kyiv Independent konnte die Echtheit des Dokuments nicht unabhängig überprüfen.“ -
Samstag, 11.04.2026
Im ersten großen Antifa-Prozess nach Trumps Feinderklärung im September 2025 wurden am 13. März 2026 alle Angeklagten von einer Jury in Texas schuldig gesprochen. Wie in den USA üblich, wird das Strafmaß zu einem späteren Zeitpunkt von einem Richter oder einer Richterin festgesetzt. NBC 5 berichtete aus Fort Worth:
“Eine Jury sprach am Freitag alle neun Angeklagten schuldig, die an dem Angriff auf das Gefängnis Prairieland im Juli 2025 beteiligt waren. Acht Angeklagte wurden wegen Landfriedensbruchs, Unterstützung terroristischer Aktivitäten, Verschwörung zum Einsatz und Transport von Sprengstoff sowie des Einsatzes und Transports von Sprengstoff verurteilt.
Benjamin Hanil Song wurde als einziger Angeklagter wegen versuchten Mordes an Beamten und Angestellten der US-Streitkräfte schuldig gesprochen. Song wurde außerdem in drei Fällen wegen unerlaubten Schusswaffengebrauchs während einer Gewalttat verurteilt.“
Der Prozess hat wie die „Stop Cop City“-Ermittlungen Einblick in Repressionsmethoden gewährt. Während durch die Ermittlungen in Atlanta bekannt wurde, dass der Schweizer Mailanbieter Proton User ans FBI verraten hat, offenbarte der Prozess in Texas Einblicke in Probleme mit der Nutzung der Signal Chat-App.
Bereits seit 2023 ist bekannt, dass „ausländische Regierungen“ bei Apple und Google Push-Benachrichtigungen verlangt haben. Im Juni 2025 wurde bekannt, dass Apple tausende dieser Nachrichten weitergegeben hat (Archiv | Disclaimer).
Durch Prozessnotizen wurde nun bekannt, dass diese Daten auch vor Gericht genutzt werden:
„Signal-Chat-Beweise von Sharps Gerät (Anlage 158): Die Nachrichten wurden von Sharps Telefon über Apples internen Benachrichtigungsspeicher wiederhergestellt – Signal war zwar entfernt worden, eingehende Benachrichtigungen blieben jedoch im internen Speicher erhalten. Es wurden ausschließlich eingehende Nachrichten erfasst (keine ausgehenden).“
Den direkten, physichen Zugriff auf das iPhone hätte die Aktivierung des „Blockierungsmodus“ („Lockdown Mode“) verhindert. 404 Media (Archiv | Disclaimer) hat weitere Details zu den Methoden der Repression recherchiert:
„404 Media sprach mit einer der Unterstützerinnen, die während des Prozesses Notizen machte, und mit Harmony Schuerman, der Anwältin der Angeklagten Elizabeth Soto. Schuerman teilte ihre Notizen zu Beweisstück 158. ,Sie konnten diese Chats abfangen, weil sie die Benachrichtigungen auf ihrem Handy so eingestellt hatte – jedes Mal, wenn eine Benachrichtigung auf dem Sperrbildschirm erscheint, speichert Apple sie im internen Speicher des Geräts‘, heißt es in den Notizen.
Die Unterstützerin fügte hinzu: ,Ich war am letzten Verhandlungstag der Staatsanwaltschaft im Gerichtssaal, als FBI-Sonderagent Clark einige Signal-Nachrichten untersuchte. Ein Teil stammte vom Handy von Lynette Sharp (einer der Kronzeuginnen), aber die interessanten, detaillierten Nachrichten, die im Gerichtssaal gezeigt wurden, waren solche, die sich selbst löschen sollten und tatsächlich in der Signal-App verschwunden waren.‘“
Umgehen lässt sich diese Lücke, die eigentlich keine Signal-Lücke ist und auch nicht nur Signal betrifft, indem in den Signal-Einstellungen bei Benachrichtigungen ein leerer Benachrichtigungsinhalt ausgewählt wird („Kein Name und Inhalt“). Diese Einstellung muss auf jedem Endgerät geändert werden, auch bei allen verknüpften Signal Desktop Apps. Ein einziges Gerät reicht aus, um Push-Benachrichtigungen über Apples bzw. Googles Benachrichtigungsnetzwerk zu schicken, welche weder Verschlüsselung noch ablaufende Nachrichten kennen.
Das FBI hat außerdem auf ein offenbar unverschlüsseltes Apple iCloud-Backup zugreifen können: „Killian machte Aussagen zu Daten, die er von Apple im Zusammenhang mit Zachary Evetts’ iCloud-Backup (verknüpft mit seinem Yahoo-E-Mail-Konto) erhalten hatte. Die Beweisstücke 174 (Fotos) und 176 (Nachrichten und Kalendereinträge) wurden zugelassen (Seite 25 von Beweisstück 176 wurde nach Einspruch zurückgezogen).“
In diesem Fall schützt die Aktivierung des „Erweiterten Datenschutzes“ („Advanced Data Protection“) die meisten eigenen iCloud-Daten durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
Da die Trump-Administration ihren „War on Antifa“ auch in Europa forciert (siehe New York Times (Archiv | Disclaimer)), braucht es auch hier mehr digitale Selbstverteidigung. -
Sonntag, 12.04.2026
Bisher war Peter Kurth immer „der mit Geld“. 1988 in der Berliner Sozial- und Wirtschaftsverwaltung, anschließend bei Deutscher Bank und Deutscher Kreditbank, als CDU-Finanzsenator um die Jahrtausendwende in Berlin, im Berliner Diözesanvermögensverwaltungsrat und als Finanzier der deutschen Naziszene. Kurth hat Geld, auch wenn unbekannt ist, woher es stammt.
Bisher ist auch nicht bekannt, ab wann der „Alte Herr“ der „Burschenschaft Gotha Berlin“ in der „Deutschen Burschenschaft“ mit seinen Nazispenden begann. Bekannt ist, dass Kurth der „Identitären Bewegung“ für ihre Nazizentren in Chemnitz und Steyregg insgesamt eine Viertelmillion Euro spendete und die „Sächsischen Separatisten“ mit 100.000 Euro finanzierte.
Kurths persönliche Nazikontakte wurden höchstens mal im Rahmen der Berichterstattung über ein Nazitreffen in seiner Berliner Dachgeschosswohnung erwähnt oder als die Finanzierung seines langjährigen persönlicher Referenten Arne Mörig durch Alice Weidel aufflog. Nach Recherchen der Zeit (Archiv | Disclaimer) nahm Kurth aber auch an öffentlichen Naziaktionen teil:
„Eine Festwiese in Dresden, die Identitäre Bewegung hat Partyzelte und gelbe Liegestühle mit schwarzen Lambda-Zeichen aufgebaut. Es ist ein Samstag im August 2018, die Organisation veranstaltet ihr erstes Festival in Deutschland.“
Hier traf Peter Kurth den Anti-Antifa Mario Müller: „An einem Biertisch sitzt einer der bekannten Köpfe der Identitären, Mario Müller, wegen Gewalttaten vorbestraft. Auf Fotos erkennt man: Müller unterhält sich mit einem Herrn in hellblauem Hemd und Steppweste. [...] Zoomt man in die Fotos, wird sichtbar: Der weißhaarige Herr trägt an seinem Hemd einen Button mit einem Lambda-Symbol darauf. Es ist das Erkennungszeichen der Identitären Bewegung.“
Andere Fotos zeigen Kurth 2019 auf einem IB-Fackelmarsch durch die Wiener Innenstadt: „Die Aufnahmen entstanden im Herbst 2019, als Kurth die Hauptstadtpolitik verlassen hatte, aber noch einen wichtigen Wirtschaftsverband leitete. Just in der Woche des Fackelmarschs war er in der CDU-Parteizentrale zu Gast.“
Mittlerweile hetzt Peter Kurth als Nius-Redakteur gegen Muslime und die Brandmauer. Die AfD unterstützte er schon 2016: „Die AfD, heißt es, habe früh um den ehemaligen Finanzsenator geworben. Als die Partei erstmals in den Berliner Landtag einzog, soll der Christdemokrat Kurth den Neuen von der Konkurrenz das Einmaleins des Landeshaushalts erklärt haben.“
Auch war Kurth nicht nur Finanzberater der AfD: „Zweimal soll der CDU-Mann auf Kundgebungen der AfD in Berlin aufgetaucht sein, zuletzt als der Verfassungsschutz die Partei bereits als rechtsextremen ,Verdachtsfall‘ eingestuft hatte.“
Zum Schluss berichtet die Zeit über ein gemeinsames Podium mit Ulrich Siegmund: „An diesem Freitag will Siegmund bei einem ,Unternehmertag 2026‘ den Mittelstand für sich begeistern. Auch Peter Kurth werde kommen, so kündigte es die AfD auf Instagram an.“ -
Montag, 13.04.2026
Der 44. AfD-Konvent wird am 2. Mai 2026 als einer der letzten in der Bundesgeschäftsstelle der AfD in Reinickendorf stattfinden. Von 9 bis 12 Uhr ist die Schatzmeisterkonferenz geplant, dann Mittagessen und um 13 Uhr soll der Konvent beginnen. Aber was ist das eigentlich, dieser AfD-Konvent? Machen die da noch was anderes als die „Einrichtung einer Härtefallkommission, Arbeitstitel ,Blaue Hilfe‘“? Ist das überhaupt interessant für die antifaschistische Öffentlichkeit?
Wir denken schon: Auf dem 43. AfD-Konvent am 31. Januar 2026 wurde neben der „Blauen Hilfe“ noch ein Darlehen für den Landtagswahlkampf 2026 des Landesverbands Sachsen-Anhalt in Höhe von 500.000 Euro beschlossen. „Konditionen: Rückzahlung: innerhalb von 4 Jahren mit einem Prozent Zinsen.“ Die Rückzahlung dürfte kein Problem werden, steht die Partei in Umfragen vor der Wahl am 6. Juni doch bei 38% der Stimmen. Außerdem wurde auf dem letzten Konvent der Haushalt des AfD-Bundesverbands für das Kalenderjahr 2026 beschlossen – in Höhe von 2.539.000 Euro. -
Dienstag, 14.04.2026
Am 4. Februar 2026 brannte der Transporter eines AfD-Mitglieds im mittelfränkischen Uffenheim. Der AfD Kreisverband Fürth sprach in einer Pressemitteilung am 8. Februar von einem „feigen Anschlag“ und machte die „Omas gegen Rechts“ verantwortlich:
„Mit Entsetzen reagiert die AfD auf den jüngsten Gewaltakt gegen ein Parteimitglied in Uffenheim, der nach ersten Erkenntnissen dem linksextremen Spektrum zuzuordnen ist. Wir verurteilen diesen Angriff aufs Schärfste. Es ist eine alarmierende Entwicklung, wenn die verbale Hetze auf Veranstaltungen wie jenen der ,Omas gegen Rechts‘ nun scheinbar in physische Gewalt gegen Andersdenkende umschlägt.“
Der Naziwagen war zuvor mit linken Parolen beschmiert worden und der Besitzer legte der Polizei Drohbriefe vor. Die hatte der Nazi allerdings so plump gefälscht, dass die Polizei ihn an seiner Handschrift erkannte. Am 19. März gestand der Mann die Sprayereien und Brandstiftung in eigener Sache. Die AfD hat ihr Mitglied am 29. März ausgeschlossen. Wegen Vortäuschens einer Straftat laufen Ermittlungen gegen den Fußgänger. -
Mittwoch, 15.04.2026
Am Wochenende des 11. und 12. April 2026 trafen sich „identitäre“ Nazis im Maison de la Chimie des rechtsradikalen Thinktanks „Institut Iliade pour la longue mémoire européenne“ mitten in Paris. Das „Institut“ wurde in Erinnerung an den OAS-Terroristen Dominique Venner gegründet. Linke PolitikerInnen wie der LFI-Abgeordnete Thomas Portes hatten gegen das Nazitreffen zuvor erfolglos protestiert.
An deutschsprachigen Nazis waren unter anderem Mario Müller, Benedikt Kaiser, Maximilian Märkl, Martin Sellner und Philip Stein von der „Marburger Germania“ mit seinem „Jungeuropa Verlag“ anwesend. Außerdem Dennis Braun aka „Arminus“ und seine Partnerin Clarissa Stark, die inzwischen für „Compact“ arbeitet wie auch Paul Klemm.
Die Nazis sprechen großspurig von „1.500 Menschen. Ganz Europa versammelt.“ Nur sind die „Identitären“ weithein für ihre völlig übertriebenen Propagandalügen bekannt. Auf Fotos sehen die lichten Reihen in dem Pariser Konferenzraum, die Schlangen vor dem Runen-Merchandise und der Ringelpiez mit Anfassen dann auch eher nach 150 Nazis aus – schlimm genug. -
Donnerstag, 16.04.2026
Während die AfD in Deutschland keine Kontaktbeschränkungen zu „Burschenschaften“ kennt, ist zumindest rein formal ein Abgrenzungsbeschluss zu prominenten „Identitären“ in Kraft. In Österreich gibt es diese „freiwillige Selbstbeschränkung“ nicht. Dort kooperiert die FPÖ ganz offen mit Kadern der „Identitären Bewegung“ – „auf dem Haus“ einer „Burschenschaft“.
Die antifaschistische Rechercheseite „Stoppt die Rechten“ hat am 16. März 2026 über einen gemeinsamen Auftritt des Tiroler FPÖ-Politikers Fabian Walch mit dem „Identitären“-Kader Christoph Albert berichtet. Die Veranstaltung fand am 14. März im Haus der „Burschenschaft Cruxia Leoben“ in der „Deutschen Burschenschaft“ statt. Das Thema der Vortragenden: „Der erste Weltkrieg und die konservative Revolution“.
Walch ist Innsbrucker FPÖ-Gemeinderat und nach einem zeitgleichen Artikel in der „Tiroler Tageszeitung“ gab es Rücktrittsforderungen von SPÖ und Grünen, wie der ORF am 17. März berichtete. Walch und seiner Tiroler FPÖ unter Obmann Markus Abwerzger ignorierten die Forderungen. -
Freitag, 17.04.2026
In Großbritannien haben Aussagen des ehemaligen Bullenspitzels Carlo Soracchi alias „Carlo Neri“ zu seiner Beziehung zu Donna McLean für Empörung gesorgt. Der Guardian berichtet über den Mann, der linksradikale und antifaschistische Gruppen unterwandert hat:
„Ein verdeckter Polizeibeamter hat zwei Frauen, die er zu langfristigen sexuellen Beziehungen verleitet hatte, mit ,grotesken und grausamen‘ Lügen emotional manipuliert, wie die öffentliche Untersuchung zu verdeckten Ermittlern ergab.
Carlo Soracchi gab zu, das Mitleid einer der Frauen erwecken zu wollen, indem er behauptete, seine Schwester sei von seinem Vater missbraucht worden. Er erzählte ihr außerdem, sein Vater sei gestorben, obwohl er noch lebte.
Soracchi gab zudem zu, Steuergelder betrügerisch erhalten zu haben, um die Kosten einer Reise nach Italien zu decken, wo er mit der Frau, Donna McLean, den Valentinstag verbringen wollte.“ -
Samstag, 18.04.2026
Die antifaschistische Recherche- und Infoplattform „Periskop Leipzig“ berichtet über ein faschistisches Kampfsportevent am 7. März 2026 bei Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt. Zu der Premiere der „Gladiator Fight Series“ in einem angemieteten Gemeindezentrum in Teutschenthal westlich von Halle hat „Periskop“ eine Recherche im Vorfeld und eine Recherche im Nachgang veröffentlicht. „Für einige der Anwesenden könnte eine Dokumentation ihrer Teilnahme am Event Konsequenzen haben, denn zu offensichtlich ist der extrem rechte Charakter der Veranstaltung. Dies trifft auch auf Denny Stöber zu, der in Teutschenthal nur anhand seiner Tattoos auf den Beinen identifiziert werden konnte.“
„Ein Großteil der angekündigten Kämpfenden stammt aus der Kampfsportszene der Region, allen voran aus der „Gladiator Fight Academy“ mit Sitz in Halle (Saale), deren Protagonisten auch die ,Gladiator Fight Series‘ organisieren. Anfang 2025 eröffnet, bietet das Gym im Hallenser Süden professionelle Trainingsmöglichkeiten in verschiedenen Kampfsportarten, mit dem Ziel, sich einen Namen im Kampfsport-Geschehen zu machen.
Die Betreiber Theo Weiland, Christopher Henze und Hans Krüger, die allesamt mit der extrem rechten Hooligan-und Ultraszene verschiedener ostdeutscher Fußballvereine verwoben sind, bilden auch den Trainerstab und fördern in der ,Gladiator Fight Academy‘ eine handvoll Wettkämpfer. Das Gym selbst wird, laut eigenen Angaben, von mehreren hundert Sportler_innen genutzt.“
Erwähnt werden außerdem Hannes West, Dominic Exel, Lukas Kötter, Stefan Wuttke, Christian Zeuner, Felix Stiller und Dominic Exel aus Halle, Oliver Fischer aus Dessau, Luka Schröder aus Riesa, Sven Steiger, Robert Käthner, David Minarik, Nick Eichler, Tom Zimmermann aus Chemnitz, Philip Stein aus Dresden, Sven Huber aus Gera, Mario Bentz aus Luwigshafen, die „Hammerskins“ Jan Zrzodelny, Malte Redeker und Wolfgang Benkesser, ferner Dorian Hackius und Paul Udo Kulze aus Berlin, Glenn Pielenz, Mario Schulze, William Puder, Leon Hoff, Justin Scheppner, Mario Schulze und William Pude aus Cottbus, Mathias Friederich, Luca Sonntag, Benjamin Brinsa, Paul Hoffmann, Denis Van Ngoc, Thomas Kuhbach, Fabian Nebe, Alexander „Malenki“ Kleine, Ronny Beer, Christian Buttgereit und Max Schubert aus Leipzig, David Kramer und Thomas Persdorf aus Wurzen sowie Eric Hoffmann und Steffen Reitberger aus Zwickau.
„Aus dem organisierten und mehrheitlich rechten Hooliganmilieu des 1. FC Lokomotive Leipzig“ waren Andreas Schumer, Lukas Müller, Steve Griefenow und Benjamin Schölzel anwesend. „Aus dem engsten Umfeld des „Rowdys MC“ reisten zudem Alexander Lohse, David Sturm, Dittmar Schumer, Peter Kühnel, Rocco Hahn, Dennis Wessel und Ronny Gläßer nach Teutschenthal. [...] Eine andere Gruppe kampfsportaffiner, neonazistischer LOK-Fans reiste aus dem nordsächsischen Delitzsch nach Teutschenthal. Zur Reisegruppe gehörten Eric Schmidt, Marc Weiße, Christoph Roßmann und Robin Fehrmann“.
Auch Erfurter Hools wie Cedrik Dellit und Till Maschke vom „Jungsturm“ waren anwesend: „Die Teilnahme der Erfurter Fanszene ist u.a. auf Theo Weiland zurückzuführen, der nicht nur Mitbetreiber der ,Gladiator Fight Academy‘ ist, sondern auch der Führungsriege des ,Jungsturm‘ angehörte, der extrem rechten Hooligangruppe des FC RWE. Gegen die Mitglieder der Gruppe wurde zwischen 2020 und 2021 vor Gericht verhandelt. Weiland, wie auch seinen Mitstreitern Steve Weinhold, Marco Klingner und Robin Brand, wurde die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen und letztlich auch nachgewiesen.“
Auch AfDler waren anwesend: „Rechte Hooligans, Neonazis und die sogenannte ,Neue Rechte‘: eine Melange, zu deren Komplettierung eigentlich nur noch Personen fehlen, die sich in der extrem rechten AfD verdingen. Genau dieser Kreis scheute vor Ort die Kameras, konnte es im Nachgang aber nicht lassen, von der eigenen Teilnahme zu berichten. So veröffentlichte Paul Backmund – AfD-Stadtrat in Halle (Saale), Kampfsportler und Direktkandidat für die AfD bei der kommenden Landtagswahl – auf Social Media ein Bild aus dem Inneren des Gemeindesaals in Teutschenthal am Abend der Fight Night. Zu sehen ist er mit Bendikt Weiß – ebenfalls AfD-Direktkandidat für die kommende Landtagswahl und aktives Mitglied der ,Halle Leobener Burschenschaft Germania‘ – sowie Fabian Jank, der für die AfD im Landtag in Brandenburg sitzt.“
Der AfD-Kandidat Benedikt Weiß ist nicht nur seit Wintersemester 2020/21 Mitglied der „Halle-Leobener Burschenschaft Germania“, sondern bereits seit dem Wintersemester 2016/17 der „Hamburger Burschenschaft Germania“ und seit dem Sommersemester 2024 auch der „Burschenschaft Frankonia Erlangen“. Die drei Bünde sind Mitglied im „Schwarz-Weiß-Roten Kartell“ innerhalb der „Deutschen Burschenschaft“. Seit Anfang dieses Jahres ist die „Frankonia Erlangen“ die „vorsitzende Burschenschaft“ und Benedikt Weiß DBXX, also stellvertretender Sprecher der „Deutschen Burschenschaft“.